10.10.2017: Evolution and Science Curriculum Debates in Serbia - Public Orthodoxy

Der Artikel berichtet von einer serbischen Petition (zahlreiche Akademiker inklusive), die eine Revision des Curriculums zum Studium der Evolution forderten. Die Evolution sei "lediglich als eine Theorie" zu lehren und ihr sei eine mehr oder weniger wörtliche Genesislektüre zur Seite zu stellen. Die Petition erneuert damit die Initiative des Erziehungsministers von 2004.

Beachtenswert ist die Reaktion von 11 orthodoxen Theologen der Belgrader Uni, welche die Petition als unangemessen, ja anti-orthodox, in aller Deutlichkeit zurückweisen. Alternativen zu wissenschaftlichen Theorien aufzustellen falle allein in die Zuständigkeit der Wissenschaft, und sie sähen "keinen Grund, warum Biologie-, Physik-, Anthropologie- oder Geografieunterricht das Studium biblischer Erzählungen einbeziehen sollte. ... Die Heilige Bibel war und ist nicht als Lehrbuch oder ultimative Quelle für Entscheidungen in irgendeiner wissenschaftlichen Disziplin gemeint".

Der Artikel bewertet die Theologenreaktion angesichts des politischen Klimas und unterschwelliger reaktionär-antimodernistischer Strömungen in Serbien als mutiges Exempel. - hhp


25.08.2017: Denn sie wissen nicht, wie sie es tun

Kann man künstliche Intelligenz kontrollieren?

 

Zunächst einmal scheint diese Frage leicht zu beantworten zu sein: Natürlich kann man künstliche Intelligenz kontrollieren und man muss es auch. Doch so einfach ist es nicht, jedenfalls nicht für die neuen Ansätze künstlicher Intelligenz, die durch selbstlernende Systeme entsteht. Das Problem ist, dass die Systeme so viele innere Freiheitsgrade aufweisen, dass nicht klar ist, wie genau die Systeme lernen. Der angehängte Artikel der FAZ macht das an einfachen Beispielen deutlich. Selbstlernende Systeme lernen durch sehr viele iterative Prozesse, so dass die jeweiligen Veränderungen in den Systemen nicht mehr im Einzelnen nachvollzogen werden können. Zu prüfen ist dann nur das äußere Verhalten. Das aber kann jetzt richtig und in einer neuen Situation plötzlich anders und dann falsch sein. So gibt es schon Versuche, selbstlernende Systeme wiederum durch neue mathematische Systeme zu analysieren: Warum tun sie, was sie tun? Wenn man bedenkt, wofür selbstlernende Systeme eingesetzt werden sollen (Verkehr, Übersetzung von Sprachen etcpp), dann ist deutlich, dass ein Verhalten, dass nicht ganz und gar verstanden ist, ein Problem darstellt. Es bleibt spannend, ob und wie diese Systeme künftig unsere Welt mit steuern werden...!  - fv


10.08.2017: Doktor Seltsam

Wundersame Heilungen wurden früher meist als Zufall abgetan. Immer wieder stehen Mediziner aber vor Menschen, die eigentlich an einer bestimmten Krankheit leiden sollten – von ihr aber auf unerklärliche Weise verschont werden. Pharmaforscher, Mediziner und Biowissenschaftler haben nun begonnen, eine neue Sicht zu entwickeln: Gerade die außergewöhnlichen, scheinbar zufälligen Glücksfälle können sich als ungeheuer wertvoll erweisen; in solch besonderen Menschen, ihren Genen oder Lebensumständen, liegt womöglich ein gewaltiger Erkenntnisschatz verborgen: Wissen für unmögliche Heilungen und überraschende Therapien für Leiden, vor denen die Medizin kapituliert hat. Wissenschaftler nennen diese rätselhafte Eigenschaft biologische Resilienz. Was aber ist ihr Geheimnis? Kriegen Wissenschaftler das heraus, haben sie ein fantastisches Wissen darüber erlangt, wie unheilbare und oft tödliche Erbleiden gelindert oder geheilt werden können. Denn es ist zu erwarten, so jedenfalls formuliert es der US-Genomexperte Dan McArthur, dass man "durch die Analyse solch resilienter Individuen deren schützende Faktoren identifizieren" könne. Diese Erkenntnis werde man nutzen, um jene zu behandeln, die nicht das Glück haben, als genetische Superhelden zur Welt gekommen zu sein. Auch wenn Medikamente, die sonst nicht helfen, bei einigen außergewöhnliche Wirkung zeigen, hat das immer einen Grund. Solche "exceptional responders" sind keineswegs nur Glückspilze und ihre Therapieerfolge nicht nur Zufall. Es dämmerte die Erkenntnis, dass auch jeder Krebspatient eine höchstpersönliche Krankheit hat und daher eine auf seinen Tumor zugeschnittene Therapie benötigt. Das Konzept ist heute in aller Munde, aber noch lange nicht verwirklicht – die individualisierte Medizin. Es fehlte bislang schlicht an dem genetischen Werkzeug, mit dem sich ein notwendiger Eingriff im Erbgut präzise hätte durchführen lassen. Seit wenigen Jahren gibt es endlich das gesuchte Werkzeug: eine hochpräzise Genschere. Mit dem als Crispr/Cas9 bekannt gewordenen genchirurgischen Verfahren haben die Therapeuten ein ultrafeines Skalpell, das den entsprechenden Eingriff erlaubt. Heikel sind derartige Versuche trotzdem. Niemand kann die veränderten Zellen zurückholen, sind sie erst in den Körper des Patienten zurückübertragen worden. Die Mediziner müssen absolut überzeugt sein, dass die Verfahren wirklich funktionieren und sicher sind. - al


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