Presseschau - Gesamtansicht

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Die Presseschau bietet kurze aktuelle Lesehinweise , zusammengestellt und kommentiert von Silke Hartmann (sh), Petra Kühn (pk) und Heinz-Hermann Peitz (hhp) von unserem Kooperationspartner Forum Grenzfragen, und von unserem Redakteur Andreas Losch (al).
2012/05/04 Religion: "Unser Denken und Handeln basiert auf einer physikalischen Struktur" - ZEIT online
Für die Physikerin Lisa Randall ist das Großartige an der Wissenschaft gerade ihre Unordnung. Wissenschaftler sind nicht im Besitz einer geoffenbarten Wahrheit, sondern müssen selber herausfinden, was die Welt im Innersten zusammenhält. Das ist nach Randall der große Unterschied zwischen Religion und Wissenschaft: Wissenschaftler kennen die Antworten nicht. Sie müssen sie suchen. Ein interessantes Gespräch, auch über die Kathedralen und Glaubenssätze der Physik. -al
2012/05/03 Ewig nagt der Zweifel - ZEIT Online
Die Fachzeitschrift Science verkündet in ihrer jüngsten Ausgabe: »Analytisches Denken fördert den religiösen Unglauben.« Das klingt, so Ulrich Schnabel, intuitiv erst einmal einleuchtend. Die Vernunft als natürliche Gegnerin des Glaubens – das ist seit gut dreihundert Jahren das Leitmotiv aller Aufklärer und Religionskritiker. Er zeigt zum Glück aber auch: mit Religionskritik darf man es sich nicht zu einfach machen. Sonst sitzt man nur den intuitiven Vorurteilen seiner Ratio auf. - al
2012/05/01: Die Gottesbedrohung aus dem All - P.M. Magazin
Der von Philipp Saller verfasste Beitrag und das Editorial des Chefredakteurs Hans-Hermann Sprado prophezeien den Religionen im Falle einer Begegnung der dritten Art nicht gerade eine rosige Zukunft. Das Bedrohungsszenario gewinnt seine Plausibilität allerdings allein durch geschickte Verdrehung von Umfrageergebnissen. Das Ergebnis spiegelt nämlich weder bei gläubigen Laien noch bei theologischer Elite „Besorgnis wider“, wie P.M. es gerne hätte, sondern weitestgehende Gelassenheit. hhp
2012/04/29 Synthetische Biologie: Leben erschaffen nach dem Lego-Prinzip - SPIEGEL ONLINE
Mit Methoden aus Biologie und Technik versucht sich der Mensch daran, den Code des Lebens zu verändern - oder sogar völlig neu zu schreiben. Craig Venters bekannte Versuche stehen kennzeichnend für das gesamte Forschungsgebiet der synthetischen Biologie, aber im Grunde handelt es sich um Grundlagenforschung. Wesentlich höheres ökonomisches Potenzial gestehen Experten der Idee zu, Zellen auf industrieller Grundlage mit neuen Aufgaben und Fähigkeiten auszustatten. Hier erscheint die Idee der BioBricks besonders charmant - eine Art biologischer Lego-Bausteine, die mit definierten Schnittstellen ausgestattet sind, über die sich die BioBricks verketten lassen. Parallel verspricht das Vorgehen, was den Menschen schon immer fasziniert hat: künstliches Leben zu erschaffen und sich damit gottgleich zu erheben, hält der informative Artikel am Rande fest. Der Mensch als von Gott begabter Mitschöpfer oder narzistischer Götterstürzer? Eine Frage der theologischen Interpretation der Sache. - al
2012/04/09: Dawkins vs. Pell - Q&A; ABC TV
Die transskribierte Debatte zwischen Richard Dawkins und George Kardinal Pell, Erzbischof von Sydney, ist ein Lehrstück für typische Kontroversen zwischen naturwissenschaftlich ausgreifendem Atheismus und religiöser Weltanschauung - inklusive zahlreicher (gewollter?) Missverständnisse. So beantwortet Pell die Frage, warum ("why") der Mensch existiert, final i.S.v. "wozu ist der Mensch da?", während Dawkins finale Zweckaussagen grundsätzlich für sinnlos hält und kausal mit den naturwissenschaftlichen Entstehungsbedingungen für den Menschen antwortet. Und die Entstehung der Welt aus dem Nichts wird naturwissenschaftlich nur plausibel, wenn ein anderes "nichts" angenommen wird als das philosophisch-theologische absolute Nichts: "Er lässt Gott fallen und frisiert das Nichts hoch", kontert Pell zu Recht. Blasser bleiben Pells Aussagen zur Hominisation und Dawkins' Frage, woher die Erbsünde komme, wenn Adam und Eva nie existiert hätten, bleibt unbeantwortet. hhp
2012/04/08 Ich-Bewusstsein: Was ist das Ich? ZEIT ONLINE
Bei der Frage nach dem Kern unseres Menschseins sind sich die wissenschaftlichen Disziplinen alles andere als einig. Klar ist lediglich, dass sich die Gattung Homo sapiens vor allem durch ihr hoch entwickeltes Ich-Bewusstsein auszeichnet. Auch stimmen Natur- und Geisteswissenschaftler darin überein, dass wir alle über einen höchst subjektiven Blick auf die Welt verfügen – eine »Erste-Person-Perspektive«, wie Philosophen das nennen. Der Artikel lässt aktuelle Forschungsergebnisse von prominenten Forschern und die Frage nach der Willensfreiheit Revue passieren und kommt zu dem Schluss: Was uns zu Menschen macht, ist letztlich die Fähigkeit, mit anderen in Kontakt zu treten. Hochinteressant! - al
2012/04/04 Wann ist ein Mensch tot? ZEIT Nr. 15 S.41
Christian Schüle berichtet über Zweifel an dem derzeit noch gültigen Hirntodkriterium für Organtransplantationen. Die gegenläufigen Haltungen hängen an der einen großen Frage: Ist ein hirntoter Mensch wirklich tot? Die Grenze zwischen Leben und Tod ist biologisch nicht definierbar. Wodurch ist Menschsein überhaupt bestimmt? Solche Fragen brechen auf und werden von Schüle zu Recht diskutiert. Er plädiert am Ende für den Hirntod als Grundlage einer Ethik der Solidarität. Aber um welchen Preis? -al
2012/03/19: Teilchenphysik - Auf der Suche nach Super-Susy - Zeit online
Anders als die rationale Wissenschaft sei der Glaube an Gott wie der irrationale Glaube an Feen - wollte uns Richard Dawkins seinerzeit im "Gotteswahn" weismachen. Jetzt jedoch haben die Feen auch Einzug in die Physik gehalten. In den Teilchenbeschleunigern suche man händeringend nach "Kobold Higgs" und "Fee Susy", um das Theoriegebäude der Physik zu vervollständigen, zu bestätigen oder auch zu revolutionieren. Susy, die Supersymmetrie, würde einige Lücken im physikalischen Weltmodell schließen. Hierbei die Metapher der Feen zu bemühen, spricht für eine gewisse Kritik des Autors, der übrigens selbst Physiker ist, an der Methode der Teilchenphysiker: "Wenn man nicht weiterweiß, erfindet man einfach ein neues Elementarteilchen". So viel Willkür in der Physik wollten dann doch einige Kommentatoren nicht wahrheben und sprachen von "ätzendem Humor" und "Spott". Auch Dawkins dürfte die Nestbeschmutzung der feenfreien Zone Naturwissenschaft ärgern! hhp

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