Grundfragen des Gesprächs

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Wenn Theologie und Naturwissenschaften keine Gegensätze sind, was sind sie dann? Komplementäre Ansichten? Verschiedene Welten? Partner? Nahe Verwandte? Grundsätzlich muss man sagen, dass im angelsächsischen Bereich eine Betonung der Zusammengehörigkeit der Disziplinen populär ist, während im kontinentaleuropäischen Bereich betont wird, dass es sich um zwei verschiedenartige Ansätze, zwei unterschiedliche „Sprachspiele“ handelt. Bekannt geworden ist die Aussage Karl Barths im Vorwort seiner Kirchlichen Dogmatik III/1: „Die Naturwissenschaft hat freien Raum jenseits dessen, was die Theologie als das Werk des Schöpfers zu beschreiben hat. Und die Theologie darf und muss sich da frei bewegen, wo eine Naturwissenschaft … ihre gegebene Grenze hat.“ So befreiend diese beiderseitige Grenzziehung ist, so offen lässt sie die Frage, wie denn das Verhältnis von Theologie und Naturwissenschaften angemessen zu bestimmen ist. Ein allein schiedlich-friedliches Trennungsmodell der beiden Disziplinen, nachdem die Naturwissenschaft z.B. das „Wie?“ der Weltentstehung beantwortet, die Theologie aber das „Warum?“ scheint zumindest aus angelsächsischer Perspektive überholt. Mit den Grundfragen des Gesprächs haben sich daher eine ganze Reihe von Ansätzen beschäftigt. Klassiker ist Ian Barbours Aufteilung in vier Möglichkeiten der Verhältnisbestimmung der Disziplinen: Konflikt, Unabhängigkeit, Dialog und schließlich Integration. Viele weitere Autoren haben sich an die Typologie von Barbour angelehnt oder eine eigene Typologie entwickelt.
Im deutschsprachigen Raum hat Jürgen Hübner anhand der theologischen Stellungnahmen zur biologischen Entwicklungslehre eine Typologie entwickelt. Während die angelsächsischen Ansätze häufig von einem (kritischen) Realismus geprägt sind, ist im kontinentaleuropäischen Bereich ein nominalistischer Ansatz dominant. Die Frage, die dahinter steht, ist die: Spiegeln die Erkenntnisse der Naturwissenschaften die Welt wieder, so wie sie wirklich beschaffen ist (Realismus) oder beschränken sie sich auf die Beschreibung von Kausalketten, ohne damit eine Aussage über die Welt, wie sie im Innersten beschaffen ist, zu machen (Nominalismus)?
Andreas Losch
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Seit zwanzig Jahre beteilige ich mich am ‚Dialog zwischen Theologie und Naturwissenschaft’. Je mehr ich davon erfahre, desto weniger scheint es mir ein Dialog zwischen Theologie und Naturwissenschaft zu sein. Von daher möchte ich in diesem Beitrag versuchen, einige Bemerkungen zum heutigen Gespräch von Theologie und Naturwissenschaft zu machen.
Ein alternatives Modell für den Dialog zwischen Naturwissenschaft und Theologie ins Gespräch zu bringen, heißt Eulen nach Athen oder Tauben ins Ruhrgebiet zu tragen. Es gibt genug davon. Es gibt allerdings auch keinen zweiten Gesprächszusammenhang, der mit dem Anspruch eines wissenschaftlichen Diskurses auftritt, in dem jedoch die Voraussetzungen, Methoden oder Lösungsansätze ähnlich umstritten sind und spätestens nach fünf Jahren erneut auf dem Prüfstand stehen.
Andreas Losch, Was steckt dahinter? Eine konstruktiv-kritische Anfrage an Ian G. Barbours Typologie der Verhältnisbestimmungen von Theologie und Naturwissenschaften (pdf mit Zählmarke)
In seinen Gifford-Lectures skizziert Ian G. Barbour eine Typologie der Verhältnisbestimmung von Naturwissenschaft und Theologie (Konflikt, Unabhängigkeit, Dialog, Integration), die weite Anerkennung gefunden hat. Sie bestimmt die Darstellung John Polkinghornes und auch Ted Peters, die beide wie Barbours Vorlesungen bereits in deutscher Übersetzung erschienen sind und also auch im hiesigen Diskurs eine Rolle spielen. Diese idealtypischen Verhältnisbestimmungen sollen daraufhin befragt werden, ob sie der historischen Bedingtheit der Beziehungen zwischen beiden Disziplinen gerecht werden können und ob ihre Argumentationsführung für eine Verhältnisbestimmung der Disziplinen hilfreich ist.
Das Gespräch zwischen den Naturwissenschaften und der Theologie bzw. der Religion ist geprägt durch unterschiedliche Modelle der Verhältnisbestimmung. Zwei nahezu „klassische“ Modelle werde ich im Folgenden vorstellen. Diese sind geeignet, unterschiedliche Zugangsweisen so zu systematisieren, dass nicht nur deren jeweilige Eigenart ersichtlich wird, sondern es auch möglich ist, die eigene Position zum Verhältnis zwischen Theologie und Naturwissenschaft kritisch zu befragen: „Mit welcher Voreinstellung beginne ich einen interdisziplinären Dialog?“
Naturwissenschaften und Theologie haben gemeinsam, dass beide Wissen anstreben. Es geht nicht um Glauben, nicht um im Alltag nützliche Überzeugungen, sondern um Wissen. Im Anschluss an diese Bemerkung könnte man ausführlich die vielen Differenzen zwischen beiden Disziplinen beschreiben. Mein Beitrag wird sich aber vor einer solchen Beschreibung aufhalten und
untersuchen, in welcher Weise Naturwissenschaften und Theologie sich in einer vergleichbaren epistemologischen Lage befinden.
Obwohl in England und in den USA der Dialog zwischen religion and science ein sehr dynamisches Gebiet ist, besteht im kontinental-europäischen Raum ein Unbehagen über die angelsächsische Beschäftigung mit diesem Thema. Auch ich persönlich empfinde schon länger solch ein Unbehagen und versuche das zu deuten. Ich vermute, das Unbehagen rührt zum Teil aus dem Gefühl, dass in dem angelsächsischen Dialog die Theologie nicht ganz ernst genommen wird. Oder genauer gesagt: Die Eigenlogik der religiösen Sprache wird nicht ernst genommen, weder von bestimmten Theologen noch von manchen Naturwissenschaftlern. Obwohl ich kein Barthianer oder Barthkenner bin und kritisch der Barthschenchristozentrischen Theologie gegenüber stehe, bin ich doch der Meinung, dass Barth den logischen Unterschied zwischen Theologie und Naturwissenschaft verstanden hat.
Frank Vogelsang, Grenzen unseres alltäglichen Weltverständnisses (pdf)
Wir leben in einer von Wissenschaft und Technik bestimmten Welt, der von Mittelstraß so genannten Leonardo-Welt. Unsere maßgeblichen Weltzugänge sind bestimmt durch Erkennen und Wissen auf der einen Seite und durch Gestalten und Können auf der anderen Seite. Wissenschaft und Technik sind eine so innige Beziehung eingegangen, dass kaum noch die eine ohne die andere anzutreffen ist. Dies gilt auch für den Alltag in der Leonardo-Welt.

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