Wieder einmal soll untergeschoben werden, dass im Blick auf die Evolution Papst und katholische Kirche "von der naturwissenschaftlichen Theorie weit entfernt" sind. Diese Unterstelltung bekommt ihre (Schein-)Plausibilität jedoch nur dadurch, dass der Autor, Markus C. Schulte von Drach, permanent die Diskurse verwechselt. Wenn der Mensch Benedikt zufolge "nicht das zufällige und sinnlose Produkt der Evolution" ist, so ist dies eine Aussage im Diskurs der Theologie. Der echte Zufall, wie er sich naturwissenschaftlich zeigt, ist längst (2004) von der Internationalen Theologenkommission anerkannt - unter Vorsitz und genehmigt von Ratzinger. Der Autor versteht auch nicht, wie der Papst der Materie angesichts des Zerstörerischen "Rationalität" zuerkennen kann. Die Differenziertheit des Papstes in diesem Punkt („Natürlich gibt es die Rationalität in der Natur, aber ... es bleiben also die Kontingenz und das Rätsel des Schrecklichen in der Natur“, 2007) ist dem Autor fremd.

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Ähnlich wie Nikolaus German vom Deutschlandfunk ist auch Bernd Buchner durch die "Fülle von Argumenten und Zitaten" in der Streitschrift Alan Poseners "Benedikts Kreuzzug" beeindruckt. Eine Stelle nimmt Buchner zu Recht kritisch in den Blick: Benedikt in die Nähe des Kreationismus zu rücken, zähle "zu den schwächeren Passagen im Buch". Dem kann ich nur in meiner ausführlicheren Besprechung (siehe unter "Rezensionen": www.forum-grenzfragen.de/aktuelles/171209-ist-der-papst-neo-kreationist.php) zustimmen

- hhp

Für den Deutschlandfunk berichtet Nikolaus German äußerst wohlwollend über Alan Poseners "Benedikts Kreuzzug". Ihm gefällt Poseners Sachlichkeit, die Fakten statt Emotionen sprechen lässt. Poseners These sei gut bewiesen, da quellenmäßig alles genau belegt sei. Offenbar hat German die Ausführungen über die Kreationismusnähe Benedikts nicht gelesen! (siehe meine unter www.forum-grenzfragen.de/aktuelles/171209-ist-der-papst-neo-kreationist.php zu findende Rezension)

- hhp

Die Autorin, Claudia Kock, hebt im historischen Rückblick von der Enzyklika Humani Generis über Johannes Paul II. bis zum Benedikt XVI. die Vereinbarkeit von Evolutionstheorie und Theologie hervor. Ausführlicher als andere Artikel zu diesem Kongress würdigt sie die Entscheidung, Kreationisten und Intelligent Design Protagonisten nicht als Redner eingeladen zu haben. Die polemische Attacke eines Vertreters des islamischen Kreationisten Harun Yahya zeige - auch wenn es gemäßigte und dialogfähige Anhänger dieser Richtungen gebe - "das ideologische Potenzial in dieser Auseinandersetzung".

Der Artikel stellt die vatikanische Konferenz über Evolution und Glaube in den Kontext einer Positionsklärung der Katholischen Kirche, die sich hiermit eindeutig von Kreationismus und Intelligent Design abgrenzt. Dies korrespondiert mit der gleichen Abgrenzung durch Kardinal Schönborn, auf die der Artikel ebenfalls hinweist.

Den Vorwurf des verärgerten kreationistischen Discovery Institutes, die Templeton-Fördergelder hätten die Rednerliste beeinflusst, wiesen die Organisatoren der Vatikan-Konferenz zurück.

Artikel fasst in knapper Form die Stellung Benedikts XVI. zur Evolutionstheorie zusammen. Ein Konflikt sei absurd. Es gehe ihm aber um die Erkenntnis, dass die Vernunft allem vorangehe und dass auch der Mensch ein Spiegelbild dieser "schöpferischen Vernunft" sei.

Die Frage, ob die Schöpfungslehre im Biologieunterricht thematisiert werden soll, ist für die "Welt" Anlass, die Stellungnahme des Papstes zur Evolutionstheorie darzustellen. Schöpfungslehre und Evolutionstheorie schlössen sich gegenseitig nicht aus, und ein Konflikt sei absurd. Für die Evolution gebe es "viele wissenschaftliche Nachweise", sie könne aber die große philosophische Frage nicht klären, woher alles komme

- hhp

Einer KNA-Meldung zufolge gab Papst Benedikt zu verstehen, dass die Gesellschafts- und Humanwissenschaften nicht auf einen Gottesbezug verzichten können. Der Grund: Der Mensch (Gegenstand der Humanwissenschaften) lasse sich nicht ohne Gottesbezug verstehen. Wie verträgt sich dies mit dem methodischen (!) Atheismus der Naturwissenschaften?

- hhp

Der Beitrag berichtet von einer Papstpredigt in Regensburg, in der die platonisch anmutende Wertschätzung des mathematisch geordneten Kosmos zum Ausdruck kommt. Der Papst wörtlich: "Wir glauben, dass das ewige Wort, die Vernunft, am Anfang steht und nicht die Unvernunft". Auch der Glaube ist nicht unvernünftig und für den Papst in der modernen Welt unverzichtbar.

Der wegen der Islamäußerungen berühmt gewordenen Regensburger Rede geht es im Wesentlichen um "Glaube, Vernunft und Universität" - so der Titel der Ansprache. Angesichts der vom naturwissenschaftlichen Denken radikalisierten "Selbstbeschränkung der Vernunft", bei der die menschlichen Grundfragen nach dem Woher und Wohin ins Subjektive und Beliebige verdrängt werden, geht es dem Papst um die "Ausweitung unseres Vernunftbegriffs".