Kann es künstliches Leben geben? Dürfen Menschen so tief in die Schöpfung eingreifen? Darüber diskutieren eine Physikern, die mit Hilfe der synthetischen Biologie nach dem Ursprung des Lebens sucht, und ein Biologe, der die Eigenwilligkeit aller Lebewesen verteidigt, und damit die Existenz von Intentionalität annimmt, während Kant diesselbe doch für eine menschliche Beschreibungskategorie gehalten hat. Beide Diskussionspartner sind auch Philosophen. Was gilt? Handle so, dass sich die Möglichkeiten vermehren und leben sei? Oder handle so, dass ein gutes Leben sei? Das Gespräch ist also sehr interessant, leider aber nur ein Teaser, ein Ausschnitt aus einem Buch.

- al

Die Philosophin und Theologin Daniela Wakonigg bedenkt zunächst theoretisch die Möglichkeiten der Verbesserung des Menschen durch sich selbst (Transhumanismus). Angezielte Verbesserung sei dabei nichts Neues: Es gebe "zwischen Ötzis Pelzmantel und dem verpflanzten Herzen ... nur einen graduellen Unterschied". Erst die Gentechnik habe einen qualitativen Sprung erlaubt, indem die Nachkommenschaft genetisch optimiert werden könne; nicht nur durch pränatale Selektion, sondern auch durch präkonzeptionelle Auswahl des Fortpflanzungspartners. Hier setze i. a. Ethik ein: Was heißt "Verbesserung" und welche Auswahlkriterien sollen es sein: Krankheit, Intelligenz, Schönheit, Stärke? Wer entscheidet? Gibt es den Dammbruch? Wichtige Fragen, sicherlich. Aber - so der Clou des Artikels - es gebe sie "schon längst, die Selbstoptimierung des Menschen durch die Genforschung". Das beweise, dass der Mensch keine ethischen Diskussionen abwarte, wenn es um Selbstverbesserung gehe, die offenbar in der menschlichen Natur liege. In dieser Natur liege es aber auch, manches von der Selbstoptimierung auszuschließen wie das Streben nach Macht und Reichtum. Und es erscheint der Autorin nicht unwahrscheinlich, "dass genau dieser Spagat zwischen Selbstoptimierung einerseits und Selbstoptimierungsresistenz andererseits den Menschen letztlich seinen Kopf kosten wird".

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Experimente mit menschlichen Embryonen

 

Eine Entscheidung einer britischen Behörde erlaubt in Großbritannien unter restriktiven Auflagen Experimente am Genom menschlicher Embryonen. Hier geht das Land einen bedeutenden Schritt weiter als es die rechtlichen Bestimmungen in Deutschland zulassen. Im Jahr 2001 hat es in Deutschland eine weite Debatte um den Schutz menschlicher Embryonen gegeben. Das Embryonenschutzgesetz sieht sehr hohe Auflagen für die Forschung an embryonalen Stammzellen vor. Manipulationen des Genoms eines Embryos sind klar untersagt. Die englische Haltung war schon immer in Fragen der Bioethik liberaler als in Deutschland. Dieser weitere Schritt der Liberalisierung ist bedeutend, weil die Instrumente, mit denen das Genom gezielt verändert werden kann, kontinuierlich an Präzision zunehmen. Befinden wir uns weltweit auf einer slippery slope, nachdem schon in China Forschungen an Embryonen durchgeführt worden sind? Die Möglichkeiten zu Eingriffen in die Keimbahn bestehen an vielen Orten der Erde. Wir werden damit leben müssen, dass es in unterschiedlichen Ländern unterschiedliche Entscheidungen geben wird. Dies gilt insbesondere für Länder wie China. Ein anderes ist es, zu fragen, welchen Standards man selbst folgen möchte. Die Dynamik der biologischen Forschung wird immer wieder neue Anlässe zu einer Festlegung bieten.

- fv

Die wunderbare Welt der Zellen!?

 

Neuere Forschungen sind der Möglichkeit, Xenotransplantationen durchzuführen, also tierische Organe in Menschen einzupflanzen, einen wichtigen Schritt näher gekommen. Offenkundig bieten sich in absehbarer Zeit Möglichkeiten, endogene Viren etwa von Spendertieren wie Schweinen auszuschalten. Xenotransplantation ist ein ethisches Thema ersten Ranges, hier geht es um viel, etwa auch im Vergleich der Kulturen. Doch über das ethische Thema hinaus zeigt sich ein sehr grundlegendes Thema: die Plastizität der Zellen. Offenkundig gelingt es immer besser, Hürden, die zwischen sehr unterschiedlichen Zellen bestanden, zu überwinden. Zellen werden zu einem generalisierten Baustein von Leben schlechthin und lassen sich durch gezielte gentechnische Eingriffe beinahe beliebig modifzieren. Was sagt das über das Bild vom Menschen, über unser Bild von den Tieren und über das Leben an sich?

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In einem Interview spricht sich Hans Werner Ingensiep, für die Printausgabe ein "ausgewiesener Kenner des Verhältnisses von Mensch und Menschenaffe", dagegen aus, Schimpansen und Orangs mit den Menschen gleichzusetzen. Aus einer "quantitativen biologischen Ähnlichkeit" heraus für "qualitative Gleichheit", gar für "gleiche Grundrechte" einzutreten, sei ein "naturalistischer Fehlschluss", der z. T. in anthropomorphen Fehlzuschreibungen gründe. Dass ein Gorilla - psychologisch gesehen - Persönlichkeit aufweise, sei unbestritten. Doch zu einem normativen Personbegriff gehöre Verantwortlichkeit, was nur dem Menschen zukomme. Hilfreicher wäre es, die "Zwei-Klassen-Terminologie von 'Sachen' und 'Personen'" aufzubrechen; eine Terminologie, die ja das Problem der Grenzziehung unangemessen festschreibe.

- hhp

Der Artikel beschreibt den Versuch von Steven Wise u. a., Schimpansen nicht mehr als Sachen, sondern "als 'nichtmenschliche Personen' mit gewissen Rechten" zu betrachten. Ihr Ziel sind dabei nicht Menschenrechte für Menschenaffen, sondern ein Verbot ihrer Gefangenschaft. Sollte ihr Antrag auf 'Haftprüfung' für die Schimpansen zu einem Gerichtsverfahren führen, "wäre der Affe bereits als Person anerkannt". Mehrere Gerichte lehnten bislang ab, ein weiteres hält die Entscheidung bis voraussichtlich Juni offen, was bereits euphorisch als Etappensieg gefeiert wurde. Die Tierrechtler argumentieren mit der Ähnlichkeit: Die Gehirne erlauben Kognition, Zeichensprache, Kommunikation, mathematische Fähigkeiten, Handlungsplanung, Werkzeugentwicklung, Kultur, gar eine "frühe Form des religiösen Erlebens". Gegner befürchten einen Dammbruch, der sich auf weitere Tierarten bis hin zu Haustieren auswirken könnte. In der Tat haben die derzeitigen juristischen Verhandlungen für das "Great Ape Project" eine Türöffnerfunktion.

- hhp

Der synthetisierte Mensch

 

In einem aktuellen Grundsatzartikel berichtet Joachim Müller-Jung in der FAZ auf die erheblichen Fortschritte in der gezielten Behandlung von Zellen der menschlichen Keimbahn. Nun hat die FAZ immer schon eine eher sehr skeptische Haltung gegenüber den Biotechnologien zum Ausdruck gebracht, aber tatsächlich scheint es da neue Möglichkeiten zu geben, die selbst die Protagonisten der Forschung zum Nachdenken bringen. Neu ist, dass nun auch Länder beteiligt sind, die nicht zu den klassischen "westlichen" Forschungsnationen gehören. Wie aber wird man in China, in anderen Ländern mit den Möglichkeiten umgehen? Die Forderung nach einem Moratorium der Forschung wirkt da eher weltfremd. Dennoch wird sich die wissenschaftliche Zivilisation genau überlegen müssen, nach welchen Maßstäben sie das neue wissenschaftliche Wissen einsetzt. Sehr intensive bioethische Debatten kündigen sich an!

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Ein Vergleich zwischen der Situation in Deutschland und Großbrittanien. Während hierzulande der ungefährlichere Bluttest bei Schwangeren zur Erkennung genetischer Defekte noch um seine kassenärztliche Zulassung ringt, hat das britische Unterhaus - nach einjähriger öffentlicher Debatte - in bestimmten Fällen der Verwendung der Vererbungsmaterialien von drei Eltern zugestimmt. "Es entsteht eine Art Schimäre". Auch die Technik der Keimbahnreparatur ist in ihren Grundzügen bereits Realität. - Die Frage wird sein, wie die Gesellschaft mit denen umgeht, die auf diese Vorzüge verzichtet haben. Heisst es dann bei einem Kind mit Down-Syndrom "Das braucht man doch heute nicht mehr..."? Die Eugenik Debatte kommt wieder, diesmal schon in vitro.

- al

Wann beginnt menschliches Leben? Neue Festlegungen

 

Um die Stammzelldiskussion ist es in den letzten Jahren sehr ruhig geworden. Dennoch sind viele Fragen weiterhin nicht geklärt. Nun hat der Europäische Gerichtshof entschieden, dass nur solche Stammzellen unter den Embryonenschutz fallen, die sich auch zu Menschen entwickeln können. Damit hat es das Potentialitätsargument als hinreichend anerkannt. Die Frage, die sich daran anschließt, ist, ob dann nicht auch solche Stammzellen darunter fallen, die in einer Umgebung gehalten werden, die es verhindert, dass sie sich zum Menschen entwickeln. Aufgrund des Urteils ist jedenfalls die Patentierung von menschlichen Stammzellen möglich geworden.

- fv

Die Forschung mit emryonalen Stammzellen ist umstritten, schließlich müssen für ihre Gewinnung befruchtete Eizellen sterben, in der Hoffnung, dass menschliche Ersatzteile aus ihnen entstehen. Daher gelten Stammzellenforscher manchen als vermessene Grenzgänger. Andere sehen sie als Erlöser, die bisher unheilbare Leiden verhindern wollen. Der Artikel berichtet von der Arbeit eines solchen Forschers, dem Kölner Jürgen Hescheler, und seinem Anliegen, Zustimmung bei seiner katholischen Kirche für seine Arbeit zu gewinnen. Einen Vermittlungsansatz sieht er bei Aristoteles.

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