Zum dritten Mal innerhalb eines Jahres sei nun in "Nature" über ein erfolgreiches "Forschungsklonen" berichtet worden: 10% der Spendereizellen konnten zu kultivierbaren embryonalen, plutipotenten Stammzellen und dann zu spezifischem Gewebe (z. B. Bauchspeicheldrüsengewebe) entwickelt werden. Unklar sei, ob dieser Weg den sog. induzierten Stammzellen, die ohne Eizellen auskommen, überlegen sei. Die ethische Problematik wird am Ende des Artikels angerissen, z. B. mit Hinweis auf die Postition der kath. Kirche, nach der Embryonen unabhängig von ihrer Entstehung ethisch gleich zu behandeln sind.

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Was wurde aus den Verheißungen der Hirnforschung? Ulrich Schnabel zieht zehn Jahre nach dem "Manifest" der Hirnforscher eine kritische Bilanz. Ein neues Memorandum kritischer Forscher fordert eine systemwissenschaftliche Gesamtschau der Körperfunktionen anstelle einer Fixierung aufs Gehirn.

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Vor 450 Jahren wurde Galileo Galilei geboren. Durch ihn erlangten die Naturwissenschaften ihre Deutungshoheit. Was wir heute mit diesem Kulturgut anfangen, fragt der Autor Ulrich Woelk. Sein Fazit: Die Grundlage der Naturwissenschaften – das nüchterne Erkennen dessen, was ist und was nicht, und die Lehre, das eine vom anderen zu unterscheiden – ist nicht nur irgendeine Forschungsmethode, sondern selbst eine Ethik. Und zwar die einzige, auf die sich Menschen über alle kulturellen Gräben hinweg bisher haben einigen können. Da hat er wohl recht, doch trotz besseren Wissens im Fall Galilei konstruiert er dann doch den üblichen Widerspruch zwischen Kirche und Wissenschaft. Was nicht heißt, dass manche Kirchenvertreter in Ethikräten manchmal wissenschaftlich besser informiert sein könnten.

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Gentests für Föten werden bald die Regel. Längst zeichnet sich die Einführung umfassender genetischer Durchleuchtungsverfahren auch im Rahmen der künstlichen Befruchtung ab. Unsere Gesellschaft muss auf viele Fragen neue Antworten finden - und dabei human bleiben.

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Anläßlich einer neuen Datenbrille von Google, mit der Körper und digitale Technik "verschmelzen" wird die Transhumanismusdebatte aufgerollt. "Vor allem", so der Artikel, bedienen sich Transhumanisten "in den Vitrinen der Theologie". Der Verfasser führt das detailliert aus. Die Fragen bleiben: Kann sich die Moderne am Schopf der neuen Technik aus dem Sumpf der alten Probleme ziehen? Oder werden sich ihre Probleme dadurch nur potenzieren? Darüber sollte man streiten, sagt der Artikel. Da hat er Recht.

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Das Bundesgesundheitsministerium hat eine Rechtsverordnung vorgelegt, die praktische Fragen der Anwendung der PID regelt. Ulrich Bahnsen kommentiert und wischt die Einwände des Behindertenbeauftragten der Bundesregierung zur Seite, die der Vorsitzenden des Ethikrates lässt er allerdings gelten. Sie verlangt eine detaillierte Dokumentation der Anlässe für Embryonenuntersuchungen. Nun hatte der Bundestag einerseits eine genaue Beobachtung der PID-Praxis verlangt, andererseits keine offizielle Liste von Leiden gewollt. Über diesen Zielkonflikt sollte in der Tat noch einmal gestritten werden, und das ist gut so.

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Kurze Glosse über die Tatsache, dass das erste Genom eines Deutschen vollständig entziffert wurde. Dieser sei kerngesund, umso interessanter wie viele Risikomerkmale er dennoch in seinem Erbgut mit sich herumtrage. Das aber sei völlig normal. Gott sei Dank!

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Die englische Veröffentlichung, auf die sich der FAZ-Artikel "Sollen Embryonen zum Massenscreening?" bezieht, ist als abstract frei zugänglich, und als Volltext zu erwerben. Am Beispiel der Erbkrankheit Mukoviszidose rechnet der Präsident und medizinische Direktor des Institute for Human Reproduction, I. Tur-Kaspa, vor, dass sich der flächendeckende Einsatz der PID finanziell lohnen würde im Vergleich zu den Kosten, die Mukoviszidosekranke verursachen

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MdEP Dr. med. Peter Liese, gesundheitspolitischer Sprecher und Vorsitzender der AG Bioethik der EVP/Christdemokraten im Europäischen Parlament, fordert, "dass der Deutsche Bundestag so schnell wie möglich ein Verbot der PID erlässt". Beim BGH-Urteil (siehe Pressemitteilung) erschrecke ihn die Analogie zwischen Samenzell- und Embryonenauswahl, die den Unterschied zwischen Zellen vor und nach der Befruchtung verkenne. Zudem spreche der Vergleich mit dem europäischen Ausland gegen PID: Zum einen führten Schwangerschaften nach PID dort häufiger zu Abtreibungen als beim Bevölkerungsdurchschnitt, zum anderen erweise sich dort eine Begrenzung auf schwerwiegende Erkrankungen als unrealistisch. Überall dort, wo PID zugelassen sei, werden auch spätmanifeste Krankheiten diagnostiziert. Liese widerspricht damit dem Zeit-Artikel von Martin Spiewak ("Retorten-Embryonen" vom 8.7.), für den die bisherige Entwicklung im Ausland der Selektion und Diskriminierung Behinderter keinen Vorschub leiste

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Der Ethikrat hat sich zur Zukunft von Gentests geäußert. Was ist die Faktenbasis der unterschiedlichen Punkte, fragt die FAZ und bietet dazu einen "Faktencheck" in mehreren Teilen. (Leider ist die Bedienung nicht unbedingt intuitiv; wählen sie den Link "weiter" oder die pdf-Datei, nicht die Bilder aus zum Start.)

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