Kai Strittmatter berichtet von einem türkischen "Darwin-Skandal". Ein für die Zeitschrift "Wissenschaft und Technik" geplanter Darwinbeitrag samt Titelbild fielen der Zensur zum Opfer. Für diese Politisierung der Wissenschaft verdächtige man Gegner der Evolutionstheorie. An Hintergründen erfährt man, dass Kreationimus in Lehrplänen vorkommt, dass sich der Erziehungsminister zu Intelligent Design bekennt, und welchen Einfluss der islamische Kreationist Harun Yahya ausübt.

Der "Daily Telegraph" nimmt die Theos Umfrage zum Anlass, einen Überblick über die Kreationismus/Evolution Diskussion in Großbritannien zu geben. Die Diskussion gewann an Brisanz, als Michael Reiss, Biologe und anglikanischer Kleriker, als Director of Education der Royal Society zurücktreten musste, nachdem er vorgeschlagen hatte, Kreationismus neben Evolution und der Big Bang Theorie an Schulen zu lehren. Laut der Theosumfrage glauben 51% aller Briten, dass die Evolutionstheorie nicht die Komplexität des Lebens auf der Erde erklären kann und dass ein Designer dabei seine Hände im Spiel hatte. 32% glauben zudem, dass Gott die Welt innerhalb der letzten 10000 Jahre erschaffen habe. Richard Dawkins äußerte sein Missfallen über die Umfrage, die seiner Meinung nach beweise, dass die Bevölkerung ignorant gegenüber Wissenschaft sei und fälschlicher Weise annehme, Gott sei die einzige Alternative zu Zufall

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In der Türkei ist eine neue Debatte um akademische Freiheit und Zensur entbrannt, seit ein Wissenschaftsjournal (Bilim ve Teknik - Wissenschaft und Technik) gezwungen wurde einen 16-seitigen Artikel über Charles Darwin und seine Arbeit zurückzuziehen und die verantwortliche Redakteurin entlassen wurde. Da der Herausgeber des Magazins der staatliche Rat für Wissenschaft, Technologie und Forschung (Tübitak) ist, wurden Vorwürfe der Zensur laut. Offizielle europäische Institutionen warnten außerdem, dass kontinuierliche Einschränkungen der Redefreiheit den Bemühungen der Türkei um eine EU-Mitgliedschaft schaden könnten. Die Regierung wies die Vorwürfe der staatlichen Zensur zurück. Staatsminister Aydin, der für Tubitak verantwortlich ist, stellte fest, dass das Magazin Zensur begangen habe, da Tubitak die Ansichten aller, die der Wissenschaft dienten, repräsentieren solle - unabhänig davon, wie falsch diese lägen

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Nachdem kurzfristig ein Bericht über Darwin aus dem Wissenschaftsmagazin Bilim ve Teknik (Wissenschaft und Technik) gestrichen wurde, wurden Vorwürfe laut, die der Regierung Zensur vorwerfen. Dieser Artikel erklärt auch die Sicht des staatlichen Rates für Wissenschaft, Technologie und Forschung (Tübitak) und beleuchtet den Imageschaden für die Türkei.

Evolutionskritiker freuen sich über jede Erklärungslücke der Evolutionstheorie. Bisher war die evolutionäre Entstehung der Plattfische eine solche Lücke - bis sie jüngst durch Dokumentation von Übergangsformen geschlossen werden konnte.

Dass als Mechanismen der Evolution Faktoren wie Erblichkeit, Variation, Selektion etc. genannt werden, ist weithin bekannt. Hubert Markl, Biologe und ehemaliger Präsident der DFG und der Max-Planck-Gesellschaft, erweitert das Spektrum der Mechanismen um den unbekannteren Faktor "Sterblichkeit", dem die Evolution des Lebens viel zu verdanken habe. Diese Beobachtung prägt den Titel des Beitrags; viel interessanter finde ich jedoch die ausführlichen Überlegungen Markls zum Verhältnis von Natur und Kultur. Markl kritisiert diejenigen Kollegen, die menschliche Kultur auf vormenschliche kulturanalogen Leistungen reduzieren und den "Umschlag von Quantität in neue Qualitäten" übersehen

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