Feed für Dialog Theologie und Naturwissenschaften - Blog Georg Linke http://www.theologie-naturwissenschaften.de/ Feed für Dialog Theologie und Naturwissenschaften - Blog Georg Linke de © Evangelische Akademie im Rheinland Mon, 17 Dec 2018 01:06:38 +0100 Mon, 17 Dec 2018 01:06:38 +0100 TYPO3 EXT:news news-1077 Sun, 04 Mar 2018 12:42:00 +0100 DER HISTORISCHE JESUS, EIN JÜDISCHER MESSIAS? http://www.theologie-naturwissenschaften.de/diskussion/blog-georg-linke/einzelansicht/der-historische-jesus-ein-juedischer-messias/ Warum wurde Jesus von den meisten Juden nicht als ihr erwarteter Messias anerkannt? In dieser Arbeit möchte ich versuchen der Frage nachzugehen, warum die Juden JESUS nicht als ihren  verheißenen Messias anerkannt haben, und folglich heute noch auf dessen Erscheinen warten. JESUS selbst hat sich zunächst offenbar als der für die Rettung Israels Berufene gehalten, wie aus der sog. Jüngerrede in Mt. 10; 5 ff hervorgeht:  „5 Diese Zwölf sandte Jesus aus und gebot ihnen: Geht nicht den Weg zu den Heiden und betretet keine Stadt der Samariter, 6 sondern geht zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel! 7 Geht und verkündet: Das Himmelreich ist nahe! 8 Heilt Kranke,…“   Erst viel später hat sich JESUS auch den Anderen zugewandt, wie aus der Begegnung mit der Samariterin am Jakobsbrunnen [Joh. 4; 6 ff] hervorgeht.

 

Für PAULUS war die Öffnung des Auferstandenen JESUS CHRISTUS für die Völker der Welt von essentieller Bedeutung, denn darauf baute er sein Wirken & seine Theologie auf. In Röm. 1; 1-5 schreibt er: „1 Paulus, Knecht Christi Jesu, berufen zum Apostel, ausgesondert, das Evangelium Gottes zu verkünden, 2 das er durch seine Propheten im Voraus verheißen hat in heiligen Schriften: 3 das Evangelium von seinem Sohn, der dem Fleisch nach geboren ist als Nachkomme Davids, 4 der dem Geist der Heiligkeit nach eingesetzt ist als Sohn Gottes in Macht seit der Auferstehung von den Toten, das Evangelium von Jesus Christus, unserem Herrn.  5 Durch ihn haben wir Gnade und Apostelamt empfangen, um in seinem Namen alle Heiden zum Gehorsam des Glaubens zu führen“ .  PAULUS war Jude, und den Juden schrieb er, dass sie als auserwähltes Volk immer in Gottes Allerbarmen fallen, selbst wenn sie nicht Christen werden wollten [Röm. 11; 25-32]

 

Die ersten Christen lebten in der sog. Naherwartung der Wiederkehr Christi, denn JESUS sagte: „Amen, ich sage Euch: Von denen, die hier stehen, werden einige den Tod nicht erleiden, bis sie den Menschensohn in seiner königlichen Macht kommen sehen“ [Mt. 16; 28].  Vermögen anzuhäufen war in Folge dessen  sinnlos, man lebte in der sog. Gütergemeinschaft der Urgemeinde „32Die Gemeinde der Gläubigen war ein Herz und eine Seele. Keiner nannte etwas von dem, was er hatte, sein Eigentum, sondern sie hatten alles gemeinsam.33 Mit großer Kraft legten die Apostel Zeugnis ab von der Auferstehung Jesu, des Herrn, und reiche Gnade ruhte auf ihnen allen. 34Es gab auch keinen unter ihnen, der Not litt, denn alle, die Grundstücke oder Häuser besaßen, verkauften ihren Besitz, brachten den Erlös 35und legten ihn den Aposteln zu Füßen. Jedem wurde davon soviel zugeteilt, wie er nötig hatte.“ [Apg. 4; 32-35] Man sammelte für die Gottesdienste Worte des HERRN, woraus die sog. "Loggien- Quelle Q" wurde, während an Jesu Lebensdaten  wenig Interesse bestand.

 Als aber immer mehr Menschen, die JESUS noch kannten, starben, schwand allmählich die Naherwartung. Hatte man den Meister etwa falsch verstanden? Man begann wieder „normal“ zu leben, und der Wunsch nach Daten und Taten des HERRN wuchs.  Das war die Geburtsstunde der Evangelien. MARKUS, der wahrscheinlich noch Kontakt zu PETRUS hatte, begann mit seinen Aufzeichnungen. MATTHÄUS & LUKAS besaßen Sondergut und hatten das Markusevangelium vorliegen (deshalb nennt man MT. MK & LK synoptische Evangelien), Johannes entstand getrennt als letztes (?). Die Evangelien von MT & LK haben vorgeschaltete Weihnachtsgeschichten mit dem Geburtswunder der Jungfrauen-Geburt Marias.  Es ist strittig, ob die Weihnachtsgeschichten schon zu den ursprünglichen Evangelien-Texten gehörten. Sie widersprechen sich auch in wesentlichen Punkten: Bei MT liest man den unhistorischen von HERODES veranlassten Kindermord in Bethlehem  mit mehrjähriger Flucht der Hl. Familie nach Ägypten; bei LK, der HERODES nicht erwähnt, fährt die Familie unbehelligt nach wenigen Tagen zurück nach Nazareth.

 PETRUS hat ganz offenbar von einem Geburtswunder nichts gewusst, denn in seiner berühmten Rede [Apg. 10; 34-43] beginnt erst alles mit der Taufe JESU durch JOHANNES dem Täufer; und PAULUS  hat bei seinem 15-Tägigen Besuch bei PETRUS & dem Herrenbruder JAKOBUS [Gal.1; 18 & 19] sicher auch nichts davon erfahren, denn sonst hätte er es in seinen Schriften, z.B. bei Gal. 4; 4, “sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau“, erwähnt. 

Die Evangelisten haben offensichtlich  ihren Informationsmangel über JESU Leben mit heidnischem Gedankengut gefüllt, sonst wären die vielen Parallelen zwischen heidnischen „Gottessöhnen“ und Jesu-Geschichten nicht zu verstehen. Die heutige Forschung bringt auf diesem Gebiet immer mehr Details zum Vorschein. Deshalb sind Bücher über den historischen JESUS bereits nach wenigen Jahren veraltet.

Ein jüdischer Messias muss in der Davidstadt Bethlehem geboren sein und in väterlicher Linie aus dem Stamme DAVIDS (über SALOMO) kommen. Daher scheidet eine Jungfrauengeburt für eine Anerkennung aus. Der Hinweis aus MT 1; 23. auf Jes.7; 14 zur Begründung des Geburtswunders, ist ein Übersetzungsfehler, der sich in die griechische Septuaginta eingeschlichen hat, und dem der Evangelist zum Opfer gefallen ist. Das ist heute unter Fachleuten unstrittig. Es ist daher notwendig (aber leider immer noch nicht hinreichend, s.u.), dass zu einer Anerkennung JESU als jüdischer Messias, die Jungfrauengeburt eliminiert, und  der aus dem Stamme DAVIDS kommende JOSEF als natürlicher Vater JESU  anerkannt wird.

Es gibt seit einigen Jahrzehnten (19.Jhd.),  eine kleine Gruppe der „Messianischen Juden“, die JESUS CHRISTUS als ihren lang erwarteten Messias anerkennen, aber ansonsten Juden mit den mosaischen Gesetzen bleiben. Sie sagen klar und deutlich: „Keine Jungfrauengeburt, JOSEF ist JESU leiblicher Vater, und sie erwarten  keine Wiederkunft CHRISTI, denn ein jüdischer Messias kommt nur einmal!  Juden kennen keine Mission, aber für die Messianischen Juden gilt das nicht. Diese missionieren bei  den Juden  eifrigst, und sind bei ihren Landsleuten nicht sonderlich beliebt.

Spricht man mit Rabbinern, dann erfährt man weitere Gründe, warum JESUS nicht als ihr Messias gelten kann. Im Stammbaum JESU nach MT.  1; 1-17 befinden sich zwar DAVID  & SALOMO, aber weiter geht es über die judäischen Königslisten der Jerusalemer Linie, die kurz vor und während dem Babylonischem Exil von Gott verfluchte Namen enthält (z. B. JOJACHIN [KONJA] wegen Götzendienst).   Das sei für einen anerkannten Messias nicht akzeptabel.   Der  Stammbaum nach LK. 3; 23-38 der zwar auch über DAVID geht, führt aber dann über SALOMOS Bruder NATAN auf eine bedeutungslose Nebenlinie nach Bethlehem.  Die Auslassung von SALOMO sei auch nicht akzeptabel, wird behauptet. Ich gewinne den Eindruck, es werden Gründe geradezu gesucht, um JESUS auszubooten.  Die Messianischen Juden haben sich über diese „kleinen Kröten“ hinweggesetzt und auch das JESU-Wort: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt“ [Joh. 18; 36] angenommen. Mir ist absolut nicht klar, wie ein Jüdischer Messias heute noch alle Bedingungen der Anerkennung erfüllen kann. Ich bin aber bereit dazuzulernen.

Die Einarbeitung heidnischen Gedankengutes durch die Evangelisten und Briefeschreiber (z.B. für Jesu Höllenfahrt) hatte aber den gewaltigen Vorteil, dass sich das Christentum bei den Heiden sehr schnell ausgebreitet hat, und bereits nach 300 Jahren zur römischen Staatsreligion wurde. Für eine derart epochale Wandlung in einem Weltreich ist das ein extrem kurzer Zeitraum. Hat hier der HL. GEIST nachgeholfen?  Diese Frage lasse ich offen.

 

Dr. Georg Linke, Aachen im März 2018

 

 

Literatur

HERIBERT FISCHEDICK:  „Glaubst Du noch, oder erfährst Du schon?“ (2014) ISBN 978-1-627842-81-5

H. M. KUITERT: „Kein zweiter Gott“ (2004)  ISBN 3-491-77052-1

GEORG LINKE: „DANKE EVA  Sündenfall  Schuld Kritik und Versöhnung“ (2018)  ISBN 978-620-2-44133-9

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news-1063 Wed, 21 Jun 2017 21:24:00 +0200 „QUANTENSPRUNG IN DIE EWIGKEIT“ http://www.theologie-naturwissenschaften.de/diskussion/blog-georg-linke/einzelansicht/quantensprung-in-die-ewigkeit/ Leseeindrücke zum gleichnamigen Buch von Frau Ursula Kessel und ergänzende Worte Vorbemerkungen:      Das Buchthema trifft genau mein Interessengebiet über das ich ja auch in diesem meinem Weblog der Ev. Akademie einige Texte veröffentlicht habe. Ich finde es bewundernswert, dass die Autorin sich ohne Fachstudium an diesen Themenkreis herangewagt hat; vielleicht war es sogar von Vorteil sich dadurch vorurteilsfreie Räume zu schaffen. Ich habe oft erlebt, wie  Fachleute heute davor zurück-scheuen, ihr eingefahrenes mechanistisch- deterministisches Weltbild zu korrigieren, um dem Siegeszug der QM Tribut zu leisten.  Offenbar  werden sie geblendet vom Erfolg der Newton-Physik in der Alltagswelt und glauben die QM „gehorcht“ auch, und zwar für kleine Größen unterhalb des „Heisenberg-Schnittes“. Solches Denken ist aber heute im Popperschen Sinn falsifiziert worden mit der QM als Siegerin und Quelle auch für die Alltagswelt.  A. Zeilinger vermutet, dass sich das auch angesichts der noch offenen Fragen in der QM nicht mehr ändern wird; so eindeutig sind die Ergebnisse aller Experimente (EPR 1982 von Alain Aspect bis heute, u.a. von Anton Zeilinger). Das Buch gehört zu den lesenswerten mit vielen Gedanken, die sich als richtig herausgestellt haben.  Nikolaus von Kues  (Cusanus) ist für mich der Philosoph, der, basierend auf antikem Gedankengut (u.a. Platon, Plotin), die heutigen Erkenntnisse „vorausgeahnt“ hat (1462 „Die Jagd nach Weisheit“). Er formuliert: Das „Machenkönnen“ (GOTT) ist ewig, transzendent und kann daher von uns nicht hinterfragt werden. Es schuf das „Werdenkönnen“ (eine geistige Größe), aus dem das wurde bzw. wird, das auch  werden konnte bzw. kann  (unsere reale Welt der Fakten). Das sind modernste QM-Gedanken  in altertümlichen Worten!  Ich komme darauf noch zurück.

Persönlicher Einschub:  Ich selbst habe Maschinenbau (Diplom) und theoret. Physik (Promotion) studiert. Im Beruf brauchte ich nie die QM. Ich litt aber über das Spannungsfeld Naturwissenschaft-Religion. Der aus der DDR stammende Physiker Dr. Fischbeck wirkte an der Ev. Akademie Mülheim und „öffnete“ in einer großen Seminarreihe („mit dem heutigen Wissen den Glauben denken können“) uns Teilnehmern den Blick für die o.g. Problematik. Es war wie ein Durchbruch, und eine erneute Beschäftigung mit der QM brachte mir die ersehnte Sicherheit. Theologie & Naturwissenschaft ergänzen einander und können gar nicht gegeneinander in Stellung gebracht werden. Aber der Preis ist die Aufgabe des Mechanistischen Weltbildes als Urgrund. Der QM gehört dieser Urgrund-Platz.  Ich bin der Ev. Akademie dankbar, dass sie mir ein Forum gegeben hat, die Erkenntnisse anderen mitzuteilen. Darüber ist  auch die Autorin  auf mich aufmerksam geworden und hat mir ein Buchexemplar zukommen lassen.   

 Mit großer Freude besuche ich Oberstufen-Leistungskurse (Gymnasium Q1) und trage den jungen Menschen aus meinem Wissen vor. Die positive Resonanz überwältigt mich jedes Mal.  An den UNIs wird QM leider noch nicht mit den hier dargelegten  Konsequenzen gelehrt.                                                                                                                          

Begriffsklärung:  Zur Verständigung ist eine gute Absprache über die verwendeten Begriffe Voraussetzung. Zur Wirklichkeit gehört alles was wirkt, und das ist viel mehr als die Realität der Fakten. Die Wirklichkeit ist zweigeteilt in einen epistemologischen (geistigen)Teil, und in einen ontologischen (dinglichen) Teil. Beispiel: Die Wirkung von Fürbitten-Gebeten  gehört zur Wirklichkeit, weil sie wirken, über das Geistige. Unsere Alltagswelt der Fakten gehört auch zur Wirklichkeit, aber in ihren dinglichen Teil. Den geistigen Teil nennt man die allumfassende QM-Potentialität in der alles möglich ist, den dinglichen Teil Realität. Für das eben Beschriebene hat sich auch der Begriff Quantenontologie eingebürgert, der von Dr. Fischbeck in seiner Schöpfungsgeschichte (zu finden auch in dieser Akademie-Webseite) benutzt wird.  Wenn man sich an diese Begriffe strikt hält, dann ist die Bericht-Erstattung solcher anspruchsvoller Themen wesentlich einfacher. Das ist meine Erfahrung.

Naturgesetze und Mathematik:    Ein Naturgesetz liegt dann vor, wenn es gelungen ist Erfahrungen der Wirklichkeit mathematisch zu spiegeln. Dass so etwas überhaupt möglich ist, gehört für mich zu dem Wunder der Schöpfung; transzendent und nicht weiter ergründbar. Die Naturgesetze sind untrennbar mit der Schöpfung verbunden. Der Schöpfer bricht sie nie, ER wirkt durch sie, immer! Der Glaube an Seine Treue zwingt mich zu dieser Auffassung.  Mathematik ist eine Geisteswissenschaft, in der der Mensch über Axiome & Logik die tollsten Gebilde schaffen kann. Ob, bzw. welche dieser Gebilde sich zur Naturbeschreibung eignen, kann der Mensch nicht entscheiden, sondern die Natur muss die Antwort über Experimentelle Ergebnisse geben. Ich pflege zu sagen: Der Schöpfer offenbart sich sowohl in alten Schriften,  als auch aktuell im Experiment. Maimonides hat deshalb schon vor 800 Jahren erkannt: „Widersprechen Bibelstellen wissenschaftlichen Erkenntnissen, so sind sie [die Bibelstellen] allegorisch zu deuten“.  Damit wäre ein Stolperstein auf dem Versöhnungsweg zwischen Physik und Theologie ausgeräumt.   

 Aber ich muss noch tiefer schürfen.    Unsere Faktenrealität wird ausgezeichnet durch Gesetze mit reeller Mathematik gespiegelt. Daraus schöpft der Materialismus seine Kraft. Zur Spiegelung der Vorgänge in der QM-Potentialität muss man aber auf komplexe Mathematik zurückgreifen; die vergleichsweise einfache reelle Mathematik versagt da völlig. Der reelle Zahlenraum ist im komplexen enthalten (als eine relativ unendlich kleine Untermenge), aber nicht umgekehrt. Die Realität hängt deshalb  ursächlich von der Potentialität ab, etwa so wie der Fötus von der Mutter. Niemals kann die Mutter Teil vom Fötus sein, und genau diesen Unsinn behaupten die Materialisten, wenn sie die QM als Teil in ihre Welt „einpassen“  wollen. Aus der ursächlichen Potentialität wird als Folge Realität („Materie ist geronnener Geist“ pflegte H.P.Dürr zu sagen). Die Möglichkeiten der Potentialität sind unbegrenzt weshalb durch sie hervorgerufene Wirkungen in der Realität auftreten können, die die Materialisten  als „Wunder“ abstufen, die ihrer Meinung nach gar nicht sein können bzw. konnten.  Die Quantenontologie lehrt uns aber, dass auch materialistisch nicht erklärbare Erscheinungen passieren können, ohne dass dadurch auch nur  ein Gesetz (der durch die QM erweiterten Naturgesetze) gebrochen werden muss.  Damit wäre ein weiterer  entscheidender Stolperstein auf dem Versöhnungsweg zwischen Physik und Theologie ausgeräumt.     Mein WEBLOG-Text „Wunder“ behandelt diese Fragen ausführlicher.   

 Wie aus dem komplex-mathematischen Raum der QM-Potentialität reelle Vorhersagen (für Messergebnisse)   gewonnen werden können, hat  1932  J. v. Neumann gezeigt (Spurbildungs-Operator), heute setzt sich die Dekohärenz-Theorie  immer mehr durch.   Die reellen mathematischen Spiegelungen unserer Faktenrealität sind fast abgeschlossen. Aber  die entsprechende Beschreibung der QM-Potentialität durch die komplexe Mathematik steht erst am Anfang.  Werden wir je zu einem Abschluss kommen und eine TOE (Theorie of Everything) formulieren?  Ich habe da meine Zweifel. Im nächsten Abschnitt beleuchte ich diesen Punkt näher.

 Das bisher über Wirklichkeit und Realität Gesagte ist keine Interpretation der QM, sondern durch viele Messergebnisse  gesicherte Erfahrung, es gehört inzwischen zu den fundamentalen Prinzipien der QM.

  Im o.g.  „Werdenkönnen“ von Cusanus finde ich eine große Ähnlichkeit zu der heutigen QM-Potentialität . 

  Böse Ahnungen über den verherrlichten Materialismus seiner Zeit hat  der bekannte Psychoanalytiker C.G.Jung (1875-1961)  mit den Worten ausgedrückt:  „Als  die Wissenschaft  die Beseeltheit der Natur aufhob, da gab sie ihr keine andere Seele, sondern setzte die menschliche Ratio über die Natur. Die Wissenschaft würdigte die Naturseele nicht einmal eines Blickes. Wäre sie sich der welt-erschütternden Neuheit ihres Vorgehens bewusst gewesen, so hätte sie einen Moment innehalten und sich die Frage vorlegen müssen, ob nicht größte Vorsicht bei dieser Operation, wo der Urzustand der Menschheit  aufgehoben wurde, angezeigt  wäre."   [Ges. Werke 18Bd. Das symbolische Leben, Ziff. 1368]

Suche nach einer Weltformel (TOE):    Nach der Lektüre der einleitenden Hinführung im Buch   kam mir sofort die Idee,  den dortigen Dialog mit Paul Imhof  zu kommentieren.

Die Natur zu verstehen begann schon bei den Vorsokratikern in der Antike. Man versuchte philosophische Wege zu gehen, die Dominanz des Experiments war den Griechen praktisch unbekannt. Aristarch von Samos, der als erster das heliozentrische Weltbild, auf Grund von Beobachtungen, propagierte, erlitt „Schiffbruch“  mit seinen Ideen, ihm drohte sogar ein Prozess. Andererseits entstand eine spezielle Denkrichtung (Parmenides  ca. 500 v.Chr.), die von Platon aufgegriffen, ausgearbeitet und von Plotin weiterentwickelt wurde, die dem Geistigen die Priorität vor dem Materiellen gab. Ich vermute, dass der berühmte Prolog des Johannesevangeliums:  „Am Anfang war das Wort (Logos)…“  hier seine Wurzeln hat; ebenso die o.g. Einsichten von Cusanus.  Im Mittelalter hat für lange Zeit die Kirche alte biblische Weltsichten als „gültig“ erklärt (auch die Reformation änderte daran nichts), bis Kopernikus den heliozentrischen Aristarch- Gedanken wiederaufgriff.  Aber erst die Deutung von Giordano Bruno (Fixsterne sind im unendlichen Raum verteilte Sonnen) hat die Kirche herausgefordert und ihm 1600 den Tod eingebracht, insbesondere, da damals  noch keine Fixstern-Parallaxe messbar war(erst 1838 durch Bessel). Die Entwicklung ging über Galilei, Keppler, Newton und Laplace weiter und verhalf dem materialistischen Weltbild zum totalen Durchbruch. Alles war auf einmal berechenbar! Als Napoleon nach Gott fragte, bekam er von Laplace die berühmte Antwort: „Majestät, auf diese Hypothese kann ich verzichten“.  Man glaubte im Besitz einer TOE zu sein, mit Raum & Zeit als absolute Gegebenheiten. Aber Vorsicht! Die o.g. Warnung von C. G. Jung muss sehr ernst genommen werden! Maxwell und Boltzmann führten Erweiterungen ein und als Max Planck sagte, er wolle Theoretische Physik studieren, riet man ihm ab, denn es gäbe da nichts Wesentliches mehr  zu entdecken. Wir können dankbar sein, dass Planck dem Rat nicht folgte; denn er wurde zum Begründer einer neuen Physik, die über Einstein, Bohr, Heisenberg, Schrödinger, Dirac,….,  uns die Entdeckungen der SRT, ART u. QM  brachte. Im Buch wird das schön beschreiben. Von einer TOE war man auf einmal weit entfernt, und ist es noch heute! Alle TOE-Kandidaten haben so ihre Schwächen, die ich jetzt ansprechen möchte.

 Einstein versuchte seine ART-Feldgleichungen ab 1920 zu erweitern, um auch den Elektromagnetismus (EM) mit einzubeziehen. Trotz Jahrzehnte langer Bemühungen scheiterte er, da ART & EM Kontinuumstheorien sind  und eine TOE im Zuge der aufkommenden QM gequantelt sein muss. Aber wenn schon keine TOE, so könnten doch allgemeine Feldgleichungen aus ART & EM von großem anwendungstechnischen Nutzen sein. Ich denke, dass hier möglicherweise ein zukünftiges Forschungsfeld noch vor uns liegt.

Mitte der 50-ger Jahre hat Heisenberg eine „Weltformel“ auf Grund sehr anspruchsvoller Spinorenmathe-matik  aufgestellt.  Alles schien zu passen, die Begeisterung war groß, Heisenberg selbst formulierte:  “Ähnlich wie bei Plato sieht es daher so aus, als liege dieser scheinbar so komplizierten Welt aus Elementar-teilchen und Kraftfeldern eine einfache und durchsichtige mathematische Struktur zugrunde. Alle jene Zusammenhänge, die wir sonst als Naturgesetze in den verschiedenen Bereichen der Physik kennen, sollten sich aus dieser einen Struktur ableiten lassen.“  Aber heute spricht kaum noch jemand über  Heisenbergs „Weltformel.“  Immerhin konnte Heisenberg noch zeigen, dass seine Gleichung tatsächlich alle von der SRT & QM geforderten, sowie die für die Elementarteilchen bis dato empirisch gefundenen Symmetrieeigen-schaften besitzt.  Wird dieser Weg noch einmal aufgegriffen werden?

Der Weg zu einer TOE muss über eine ausformulierte Quantengravitation (QG)gehen, die leider noch aussteht. In meinem Studium wurde uns ein „kanonischer“ Quantisierungsweg gelehrt mit dem man rein formal aus der klassischen  Mechanik  den gesamten Formalismus der QM entwickeln kann. (QM Differential-Operatoren werden auf die Gesamt- Energie und den Impuls  angesetzt). Dies führt man wie ein Kochrezept aus und gelangt von der Newton –Mechanik zur Schrödingergleichung der QM.    Wheeler & de Witt haben vor 50 Jahren die ART diesem Rezept unterzogen, und erhielten die nach ihnen benannte Gleichung. Das muss die Grundgleichung der QG sein!  Leider trotzt die Wheeler-de Witt-Gleichung bis heute allgemeinen Lösungsversuchen (von Spezialfällen abgesehen). Sie verzichtet auf höhere Raumdimensionen und ist ohne Zeit. Eine aus ihr entwickelte QG ist Hintergrundunabhängig! Die Raumzeit wird nicht Apriori vorausgesetzt (wie bei Newton & Kant), sondern entsteht erst (Emergenz)  in der Theorie. Das ist sehr gut, denn ein Kandidat, der seinen Hintergrund voraussetzen muss, taugt nicht als TOE- Kandidat, denn dann müsse es ja ein Übergeordnetes geben, das den Hintergrund schafft. Durch eine raffinierte Variablen-Zusammenfassung ist es aber in den letzten Jahren gelungen, aus der Wheeler-de Witt-Gleichung die Schleifenquanten-Theorie (Loop-Theorie) zu entwickeln (hintergrundunabhängig, normale Raumzeit, keine Urknall-Singularität mit unendlicher Dichte, sondern eine Höchstdichte, vermutlich die Planck-Dichte, und Hinweise auf ein Vor-Universum). Die Raumzeit ist „gekörnt“ mit Korngrößen im Bereich der Planck-Längen.  Für mich ist dieser auch im Buch behandelte Kandidat sehr ernst zu nehmen, obwohl der Verträglichkeitsnachweis mit QM & ART noch offen ist.

Wegen der mathematischen Schwierigkeiten mit der Wheeler-de Witt-Gleichung wich die Physiker-Gemeinschaft auf einen neuen Kandidaten, der String-Theorie (später Superstring-Theorie und heute M-Theorie) aus. Man witterte die Möglichkeit, alle 4 Wechselwirkungen (Gravitation, EM, starke und schwache Kernkraft) unter einem Dach zu vereinigen. Dieser Kandidat hat ganze Physiker-Generationen beschäftigt, glänzt durch wunderschöne Mathematik in höheren Dimensionen und propagiert nahezu unendlich viele Multiversen. Ob der Schöpfer sich gerade diese Variante für sein Werk erwählt hat, ist mehr als offen. Kein einziges verifizierbares Ergebnis hat diese Theorie bisher  hervorgebracht; sie ist also auch noch nicht falsifizierbar und damit Mathematik, keine Physik. Außerdem ist sie hintergrundabhängig (die Strings schwingen in vorhandener Raumzeit),  sie ist in heutiger Form  nicht TOE-tauglich!          

Im Dez. 2010 erschien im Sc.  American ein Artikel von Lisi & Weatherhall aus dem ich erfuhr, dass die LIE-Gruppe E8  die Kraft hat, alle Wechselwirkungen und Elementarteilchen unserer  Realität widerzuspiegeln,  als Folge  sukzessiver Symmetriebrüche.  Aus der allumfassenden QM-Potentialität entstehen zuallererst  Raumzeit & Gravitation; in weiteren Brüchen Starke & Elektroschwache und danach zerfällt auch die Elektroschwache in Schwache & Elektromagnetische. Jetzt erst haben wir Gravitation, Starke-, Schwache- und EM-Wechselwirkung separiert und eingebettet in der Raumzeit vorliegen. Leider habe ich keine deutsche Übersetzung im Spektrum der Wissenschaften gefunden.  Die Lie-Gruppe E8 scheint ein guter TOE-Kandidat zu sein, hintergrundunabhängig, denn sie schafft sich ihren Hintergrund im ersten Symmetriebruch selbst.   Aber auch hier fehlt noch der QM-Verträglichkeitsnachweis.

Eine Bemerkung kann ich mir aber nicht ersparen. Eine TOE, die ihrem anspruchsvollen Namen gerecht werden will, muss alles spiegeln können, auch die sog. feinstofflichen Erscheinungen (das  Buch bringt eine Reihe von interessanten Beispielen), die selbstverständlich in der QM-Potentialität auch enthalten sind.   Alle genannten TOE-Kandidaten bringen das nicht. P.Kleinert schreibt in seinem sehr lesenswerten Buch „Rationale Religiosität“ S. 148ff, dass  aus Topologie & Gruppentheorie eine umfassende Gesamttheorie  entwickelt werden muss, bzw. schon wird, um eine echte TOE zu erhalten.   Werden wir Menschen das je schaffen? Da fällt mir ein herrliches Zitat von Einstein ein:  „Wer es unternimmt, auf dem Gebiet der Wahrheit und der Erkenntnis als Autorität aufzutreten, scheitert am Gelächter der Götter“.

 Interpretationen der QM :  In der QM wird heute wieder viel über Interpretationen bzw. Deutungen derselben nachgedacht, z.T. sogar gestritten. Den Freiraum dafür bildet der Umstand, dass die QM selbst  90 Jahre nach ihrer Formulierung durch Heisenberg(1901-1976) und Schrödinger(1887-1961) philosophisch noch nicht abgeschlossen werden konnte. Galt doch früher die heute als „orthodox“ bezeichnete sog. „Kopenhagener Interpretation“ der QM von Niels Bohr(1885-1962) als unumstößlich, so haben die nachfolgenden Physiker-Generationen -   besonders nach dem Tod der Gründerväter – sich ermutigt gefühlt, neu nachzudenken und eigene Interpretationen vorzustellen. Der historisch wohl berühmteste Ansatz stammt von David Bohm(1917-1992) -  von dem sogar Albert Einstein(1879-1955) sehr angetan war – der sich aber- leider- nicht in der  relativistischen Quantenfeldtheorie formulieren ließ,  und daher heute kaum noch  diskutiert wird. Ein Beispiel für eine moderne Interpretation, die auch im Buch erwähnt wird,  findet sich in der November-Ausgabe 2013 SPEKTRUM DER WISSENSCHAFT, „QBismus“ genannt, die die QM mit der Statistik von Thomas Bayes (1701-1761) verbindet und verspricht, dadurch rätselhafte Paradoxien der orthodoxen QM (z.B. „Schrödingers Katze“) aufzulösen.  Zur Verdeutlichung: Eine QM- Überlagerung der Katze, wonach die Katze vor der Beobachtung in Ihrer total abgeschirmten  Box  tot und lebendig gleichzeitig sei, und erst nach der Beobachtung tot oder lebendig vorgefunden wird, wird durch die viel plausiblere Aussage ersetzt, die Katze sei immer in ihrer Box tot oder  lebendig  gewesen und die QM-Überlagerung beschreibt nur den Denkzustand des Physikers.  Neue Interpretationen der QM  können nur dann ernst genommen werden, wenn aus den Berechnungen die gleichen Ergebnisse herauskommen, wie bei der orthodoxen Deutung, denn deren Übereinstimmung mit den Beobachtungen ist phänomenal; es sind die besten der gesamten Naturwissenschaft. Neue Sichtweisen, wie man das Geschehen auch verstehen könnte, sind der Lohn für neue Deutungen, wie das o.g. Beispiel ja auch zeigt. Viel Diskussionsstoff und Meinungsbildung sind da vorhanden. M.E. liegt sicher noch ein langer Weg vor uns, bis eine philosophisch allgemein befriedigende Deutung bzw.  Interpretation der QM vorliegen wird.   Das Buch  behandelt die Thematik in gleicher Weise.     Momentan herrscht in der Quantenwelt eine schier unglaubliche Dynamik der Ideen. Anton Zeilinger vermutet, dass die Information ein zentraler Begriff für die Deutung  unseres Weltbildes  werden wird. Immer mehr Wissenschaftler vermuten das auch.  Gerade ist in Sc. American (Juni 2017) der Leitartikel „The Quantum Multiverse“ erschienen mit überraschenden  Verbindungen zwischen Kosmologie und QM, die  Geheimnisse der Raumzeit lösen könnten.  Wir brauchen einen neuen Einstein, einen Querdenker, dem der Mainstream egal  ist, bereit gegen den Strom zu schwimmen, denn nur wer das tut, hat die Chance an die Quellen der Dinge zu gelangen. Dann könnte das Gelächter der Götter mal durch Staunen abgelöst werden.

Die Zeit:   Bis heute ist der Zeitbegriff von keinem Philosophen abschließend behandelt worden; auch nicht von Heidegger. Einstein und Schrödinger  haben in der ersten Hälfte des 20.Jhd. bahnbrechende Einsichten gehabt. Einstein relativiert in seiner SRT die „so selbstverständliche“ Gleichzeitigkeit, und Schrödinger entdeckt in der Mathematik der QM die Verschränkung mit Aufgabe der Lokalität durch Einführung instanter Wirkungen über beliebige Entfernungen. Das Buch widmet sich dieser Thematik zentral.  Ich besitze ein tolles Buch von Carlo Rovelli „Die Wirklichkeit, die nicht so ist, wie sie scheint“, in dem er die Zeit thermodynamisch interpretiert. Über eine Welt ohne Zeit (Wheeler- de Witt-Gleichung) kommt durch Informationsmangel  an großen Ensembles ein Zeitpfeil in die Realität. Zugleich erzählt er die Geschichte, wie sich unser Welt-Wissen über die Jahrtausende entwickelt hat (alles wissenschaftlich exakt und trotzdem leicht zu lesen). 

Über die Relativität der Zeit sagt schon die Schrift „Eins aber sei Euch nicht verborgen ihr Lieben, dass ein Tag vor dem HERRN wie tausend Jahre ist und tausend Jahre wie ein Tag.“ (2.Petr 3,8 mit Bezug auf PS.90,4.)  In der modernen Sprache der Quantenontologie drückt Dr. Fiscbeck in seiner neuesten Arbeit zur Schöpfung aus: Die Quantentheorie kennt nämlich zwei Zeitabhängigkeiten, die unitäre und die faktische . Die unitäre ist die der Schrödinger-Gleichung. Sie stellt mathematisch die unitäre Rotation des Zustandsvektors im mathematischen Hilbert-Raum dar. Während des unitären Zeitablaufs „passiert nichts“. Er ist gleichsam eine Warteschleife des Geschehens, die unterbrochen wird durch die „Landung“ in der Raumzeit durch die Faktifizierung im Mess- bzw. Dekohärenz-Prozess. Erst dabei geschieht etwas, nämlich ein Ereignis einer Geschichte.“   (In Anmerkungen 1,1.)  Die heutige Formulierung erfordert eine Menge Kopfarbeit, die Sprache der Schrift geht einem direkt unter die Haut.  Die Aussage ist in beiden Fällen  im Grunde gleich; oder? 

Der Begriff der Ewigkeit, oder ewig hängt auch mit dem Zeitbegriff zusammen. Im Titel des Buches steht er und im Text gibt die Autorin ihm Ihre Deutung. Für unsere Religionswurzeln ist es aber wichtig zu wissen, dass die hebräische Sprache keine Begriffe für“ Haben“,“ Sein“ und “ewig“  kennt. Die Übersetzung der Ur-Texte ins Griechische (Septuaginta) musste misslingen.  Leider waren die Evangelisten und Briefeschreiber auf die Septuaginta angewiesen. Entsprechend vorsichtig lese und interpretiere ich unsere Schriften. Einfaches Beispiel: „Von Ewigkeit zu Ewigkeit“ ist Unsinn, „von Weltzeit zu Weltzeit“ ist korrekt (Buber-Rosenzweig Übersetzung). Unsere Verheißung ist das „Ewige Leben.“ Was soll man sich darunter vorstellen? Ich weiß es nicht, niemand weiß  es, es gehört m. E. zur Transzendenz Gottes.

 

Bewusstsein:  Als Eva vom Baum der Erkenntnis naschte, und -gottseidank- auch Adam davon abgab, gingen beiden die Augen auf, und sie erkannten Gut & Böse, d.h. sie errangen eine höhere Bewusstseinsstufe und wurden schuldfähig. Der ältere uns erhaltene Schöpfungsbericht legt die Szene in den Garten Eden. Meine Meinung dazu habe ich in einem Weblog-Artikel „Danke Eva“  veröffentlicht.  Damit bleibt aber die Frage, was Bewusstsein überhaupt ist, unbeantwortet. Dr. Fischbeck geht in seinem Bericht darauf ein. Es ist wahrscheinlich die schwierigste Frage der Wissenschaft. Ist Bewusstsein auf das Gehirn beschränkt, wie man es meistens noch annimmt?  Dann ginge mit dem Tod alle Information verloren. Oder gestattet die QM eine Verschränkung mit einem kosmischen Bewusstsein?   Dann ginge mit dem Tod nichts verloren! Prof. Lothar Schäfer behandelt diese Fragen in seinem Buch „Versteckte Wirklichkeit“  sehr überzeugend. Das von der Autorin  zitierte Buch „Der Quantenbeat des Lebens“ v. Al-Khalili & McFadden kommt zu gleichen Ergebnissen. Bewusstseinsfragen sind ohne Hinzunahmen der QM überhaupt nicht zu lösen! Ich glaube, das muss man so stehen lassen.

Schöpfung, Schöpfer, Schlussgedanken: Eine Schöpfung ohne Schöpfer ist für mich nie denkbar gewesen. Materialisten, besonders wenn sie „atheistisch angehaucht“ sind, versuchen krampfhaft den Schöpfer rauszuhalten und ihn durch König Zufall zu ersetzen. Das ist zum Scheitern verurteilt, genau so, wie der totale Determinismus von Laplace mit der Entdeckung der Heisenbergschen Unschärferelation seiner Grund-Voraussetzung beraubt  wurde, und gescheitert ist. Durch die Ableitung der Realität aus der ursächlichen allumfassenden Potentialität, so wie es die Quantenontologie lehrt, wird die Welt wieder ganzheitlich. Der Warn- und Weckruf von C. G. Jung wird mehr und mehr gehört und wahrgenommen. Sinngemäß schreiben die Autorin auf S. 103 Ihres Buches das Gleiche. Eingangs erwähnte ich, dass Cusanus mein Philosoph für die Schöpfung ist. Der Schöpfer gab seiner Schöpfung einen Sinn und ein Ziel. Dies wird im sog. anthropischen Prinzips ausgedrückt:

Die Welt ist so, wie sie ist, weil/damit Leben und mit ihm auch der Mensch in ihr möglich ist, der als erkennendes Wesen diese Welt überhaupt erst zur Kenntnis nehmen kann.

Dr. Fischbeck schreibt dazu in seiner Arbeit: „Es spricht dem Leben eine zentrale Bedeutung für den Kosmos zu. Es wird in zwei Versionen vertreten, nämlich der 'weil'-Form, die man das schwache und der 'damit'-Form, die man das starke anthropische Prinzip nennt. Die 'weil' Form ist deskriptiv und fast trivial. Die 'damit' -Form hingegen ist zielorientiert und folgt nicht aus der Naturwissenschaft, widerspricht ihr aber auch nicht.  Demnach war die Entstehung des Lebens und der Beginn seiner Evolution auf der Erde vor fast 4 Mrd. Jahren der für den ganzen Kosmos sinngebende Akt, der natur möglich, aber nicht naturnotwendig war. Im Kap. 2,1 zeigte sich, dass  Information, Bedeutung, Beziehung, Sinn, „verstehen“ die Merkmale sind, die das Leben

lebendig machen. Sie kommen in der unbelebten materiellen Natur nicht vor und sind ihr auch völlig fremd.

Somit stellt sich die Frage, wo diese Merkmale herkommen. Weil sie nicht messbar sind, gibt es sie in der FaktenwirklichkeitV  nicht.  Sie gehören in die Beziehungswirklichkeit. Es muss also schon vor Entstehung des Lebens eine primäre Beziehungswirklichkeit da gewesen sein, aus der sie stammen. Für den Glauben ist klar, dass sie als „Odem des Lebens“  (1. Mos. 2,7) von Gott, dem Schöpfer, gekommen sind“. Und an anderer Stelle schreibt er: Weil Gott kein Ding dieser Welt sein kann und daher nicht objektiv beobachtbar ist (Joh. 1,18), kann seine Wirklichkeit nur reine Beziehungswirklichkeit sein. Wenn Realität die Gesamtheit alles Beobachtbaren ist, dann ist Gott nicht real, wohl aber wirklich. Somit ist Potentialität die ontologische Kategorie, in der die Wirklichkeit Gottes gedacht und erfahren werden kann…. In ihrem Lichte kann gesagt werden: Die Wirklichkeit Gottes – sein Wille – ist die allumfassende Potentialität des Guten.“ 

Der Wert der beiden biblischen Schöpfungsberichte ist, dass Schöpfung ursächlich auf einen Schöpfer zurückgeführt wird. Das wurde von den kognitiv denkenden Menschen von Beginn an geglaubt, in allen Kulturkreisen. Durch die atemberaubenden Erfolge der Aufklärung geblendet, änderte sich das. Es ist der QM zu verdanken, dass heute eine Rückbesinnung zu verzeichnen ist. Aber wem sage ich das? Ihr Buch, liebe Frau Kessel, legt Zeugnis von dieser Rückbesinnung ab.    Als Schlusswort wähle ich auch für  diesem Text einen wunderbaren Satz des britischen Quantenphysikers und Anglikanischen Priesters  JOHN C. POLKING-HORNE: „An Gott im Zeitalter der Naturwissenschaften zu glauben, bedeutet, die Gewissheit zu haben, dass hinter der Geschichte des Universums ein Gedanke und eine Absicht stehen und dass der EINE, dessen verborgene Anwesenheit sich darin ausdrückt, unserer Anbetung wert und der Grund unserer Hoffnung ist.“

  Dr. Georg Linke                                                                                     Aachen, im Juni 2017 

 

Abkürzungen: QM  Quantenmechanik ; SRT & ART Spezielle & Allgemeine Relativitätstheorie Einsteins;    EM Elektromagnetismus; QG Quanten- Gravitation;  TOE Theory Of Everything; EPR: Auf das Einstein-Podolsky-Rosen-Paradoxon (1935) zurückgehende Arbeiten & Experimente.

Besprochenes Buch: „Quantensprung in die Ewigkeit“ v. Ursula Kessel, ISBN 978-3-933902-35-1

 Benutzte, bzw. empfohlene Literatur:  www.theologie-naturwissenschaften.de , darin u.A. die zitierte Arbeit von Dr. Hans-Jürgen Fischbeck: „Die Schöpfungsgeschichte neu erzählt“ mit einem Kommentar von mir.

 

 Dr. Hans-Jürgen Fischbeck:Die Wahrheit und das Leben“   ISBN  3-8316-0482-7 Dies ist im Wesentlichen eine Zusammenfassung einer Seminarreihe, die Dr. Fischbeck in den Jahren 1994-2002 an der Ev. Akademie in Mülheim a.d. Ruhr zum Thema „Mit dem heutigen Wissen den Glauben denken“ gehalten hat. Dieser Seminarreihe verdanke ich die Erkenntnis zur Bedeutung der QM für unser Weltbild. 

Prof. Dr. Lothar Schäfer:  „Versteckte Wirklichkeit“   ISBN  978-3-7776-1308-6 u. „Infinite Potential“                  ISBN 978-0-307-98595-8 Beide Bücher beschreiben die unendliche Potentialität die den ganzen Kosmos prägt und zeigen auf, dass es ein kosmisches Bewusstsein gibt an dem unser persönliches Bewusstsein partizipiert.

Dr. Peter Kleinert: „Ist die Philosophische Theologie am Ende?“ Zur prinzipiellen Kompatibilität von philosophischen, theologischen und naturwissenschaftlichen Argumenten. ISBN 978-3-95538-006-9.  Anspruchsvoller Text, der sich, besonders in den Anhängen,  an mathematisch vorgebildete Leser wendet. 

Dr. Peter Kleinert:“ RATIONALE RELIGIOSITÄT“ ; WISA Stuttgart 2015  ISBN 978-3-95538-026-7 Gedanken zur Plotins Glaubenslehre. Sehr zu empfehlendes Buch! Gut geschrieben.

Prof. Dr. Carlo Rovelli: „Die Wirklichkeit, die nicht so ist wie sie scheint“ ISBN 978-3-498-05806-7 Es wird die Geschichte, wie sich unser Welt-Wissen über die Jahrtausende entwickelt hat bis zu den aktuellsten heutigen Fragestellungen exakt und sehr gut verständlich erzählt.

Silvia Arroyo Camejo: „Skurrile Quantenwelt” ISBN 978-3-596-17489-8 Als Gymnasiastin im Alter von 17-19 Jahren hat die Autorin ein bewundernswertes Buch geschrieben. Preisgekrönt von der DPG!

 

„ Einstein sagte ,die Welt kann doch nicht so verrückt sein, wie uns eben die QM dies erzählt ,                       heute wissen wir, die Welt ist so verrückt.“ (Greenberger/Zeilinger)

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news-1049 Thu, 09 Feb 2017 17:08:00 +0100 „Die Schöpfungsgeschichte neu erzählt“ von Dr. Hans-Jürgen Fischbeck Bericht im Web-Blog http://www.theologie-naturwissenschaften.de/diskussion/blog-georg-linke/einzelansicht/die-schoepfungsgeschichte-neu-erzaehlt-von-dr-hans-juergen-fischbeck-bericht-im-web-blog/ Der Bericht von Dr. Fischbeck wird im Folgenden kommentiert von Dr. Georg Linke

Ausgehend von den beiden biblischen Schöpfungsberichten versucht der Autor In seinem neuesten Artikel für unsere Web-Seite die Schöpfungsgeschichte des Universums vom Urknall bis zum Auftritt des Homo Sapiens Sapiens nach streng wissenschaftlichen Kriterien neu zu erzählen. Brandneue Ergebnisse aus der Quantenontologie spielen dabei eine entscheidende Rolle. Am Schluss werden bei der alles entscheidenden Sinnfrage die beiden Alternativen behandelt: a) Der Kosmos hat keinen Sinn, der Mensch ist das Produkt blinder Zufälle in einer kausal abgeschlossenen Welt, oder b) Der Kosmos ist von Gott als Heimstatt für das Leben geschaffen mit dem Menschen darin als sein Ebenbild der alles erkennen und Freude und Dank empfinden kann.    Es kommt letztlich auf die eigene subjektive Entscheidung an, welche der beiden Aussagen der Leser für sein eigenes und für das Leben als Ganzes für lebensgemäß hält. Die Belohnung für ein Durcharbeiten des Artikels ist ein immenser Wissenszuwachs  der zur Beurteilung der Sinnfrage einem an die Hand gegeben wird.

Nach dieser allgemeinen Einführung möchte ich nun zu einzelnen Themenkreisen im Artikel Stellung nehmen.

Obwohl die biblischen Berichte auf völlig überholten Weltbildern fußen, ist doch bemerkenswert, dass in ihnen der Mensch Sinn und Ziel der Schöpfung ist, der obigen Alternative b) entsprechend; darauf wird im Bericht nachdrücklich hingewiesen.                                                                                                                                                      Den ganzen Bericht durchzieht das neue, durch Experimente vielfach bestätigte Gedankengut der Quanten-Ontologie. Unsere umfassende Wirklichkeit („zuständig“ für alles was wirkt) teilt sich in einen geistigen Bereich, genannt Potentialität, und in einen faktischen (die uns umgebende direkt durch Sinneseindrücke erfahrbare Realität)  auf.  Dabei ist Potentialität immer primär, aus der durch Messungs-  und Dekohärenz-Prozesse  die Faktenrealität erst entsteht.  Der Nachfolger auf dem Heisenberg-Lehrstuhl in München H.P. Dürr hat das treffend formuliert: „Materie ist geronnener Geist“.  Ich selbst  gebrauche gern das Bild von der Mutter und ihrem Fötus, wobei die Mutter die Potentialität und der von der Mutter total  abhängige Fötus die Realität darstellt. Vor 560 Jahren hat Nikolaus von Kues  in seinem Spätwerk „Die Jagd nach Weisheit“  die heutigen Erkenntnisse gewissermaßen „vorausgeahnt“, indem er schrieb:  Das "Machenkönnen" (gemeint ist der nicht von Menschen hinterfragbare transzendente Gott) erschuf in einem Schöpfungsakt das "Werdenkönnen" (auch geistig-transzendent), aus dem seinerseits das Gewordene hervorging bzw. -geht, das auch werden konnte bzw. kann.  Ich finde im Werdenkönnen unsere allumfassende QM-Potentialität wieder aus der ja die Realität hervorgeht. (QM = Quantenmechanik)

 Im Bericht wird mehrfach auf die Doppelstruktur der Wirklichkeit (aus Potentialität & Realität)  hingewiesen, weil diese von so zentraler Bedeutung  ist. Für mich ist das keine Interpretation der QM, sondern durch sehr viele Experimente bestätigter Tatbestand der Quanten-Ontologie.

Im kosmologischen Teil werden Symmetriebrüche behandelt, denn durch Symmetriebrüche entstehen aus der ursprünglichen allumfassenden Potentialität sukzessive die beobachtbaren Ausformungen unserer Realität. Ich bin persönlich der Meinung, dass auch die "feinstofflichen" Erscheinungen (z.B. Wirkungen v. Fürbittengebeten,  Nahtod-Erscheinungen…) Bestandteil der Ur-Potentialität sind und zu einer übergeordneten topologischen Symmetrie gehören. Eine echte TOE (Theory Of Everything), die ihren Namen auch zu recht trägt, muss in der Lage sein, auch das mathematisch zu spiegeln. Die Frage ist für mich aber offen, ob wir (Menschen) jemals so eine TOE werden formulieren können.  Wenn man dem Artikel aus dem Sc. American Dez.2010 von Lisi & Weatherhall folgt, so hat die LIE-Gruppe E8  (s.  vii der Anmerkungen 1 im Bericht)  die Kraft  alle Wechselwirkungen und Elementarteilchen unserer  Realität widerzuspiegeln, natürlich als Folge der o.g. sukzessiven Symmetriebrüche. Um dem Colemam-Mandula-Verbot zu genügen (Gravitation darf bei existierender Raumzeit nicht mit den anderen Naturkräften in einer einzigen Lie-Gruppe kombiniert werden), müssen  Raumzeit &  Gravitation  zusammen als erstes entstehen, danach folgen die Brüche für die weiteren Wechselwirkungen: Starke & Elektroschwache und danach zerfällt auch die Elektroschwache in Schwache & Elektomagnetische. Jetzt erst haben wir Gravitation, Starke-, Schwache- und EM-Wechselwirkung separiert und eingebettet in der Raumzeit vorliegen.  Diese Modifikation in der Abfolge der Symmetriebrüche ist aber für das Hauptanliegen des hier kommentierten Berichtes ohne Bedeutung.                                                                                                                                                                                                                           Der kosmologische Erkenntnisfluss ist z.Zt. unglaublich dynamisch; es herrscht eine richtige „Goldgräber-Stimmung“ in der Fachwelt. Der Urknall und die kosmische Inflation werden auf einmal in Frage gestellt und durch neue Modelle ergänzt. Die lang gesuchte –ersehnte – Quantengravitation erscheint mit neuen Ansätzen (Ideen aus der Informationstheorie) als erreichbare Theorie am Horizont. Eines scheint sich durchzusetzen: Der Siegeszug der Quantenmechanik als Basis zur Beschreibung unserer Wirklichkeit mit ihrer Doppelstruktur aus primärer Potentialität & sekundärer Realität; das gilt auch für die Entstehung des Lebens & Bewusstseins. Dies klar zu machen ist ein Anliegen der Arbeit von Dr. Fischbeck.  Es ist anspruchsvolle Lektüre,  einschließlich der vielen bedeutsamen Anmerkungen, die man immer wieder lesen kann. Jedes Mal  entdeckt man neue gedankliche Ansatzpunkte;  beißt man sich durch,  dann fühlt man sich reicher.

Die Schöpfung als das Werk Gottes verstehen“, so lautet die Überschrift des dritten Abschnittes. In ihr beantwortet der Autor praktisch schon vorab seine Überzeugung welche Alternative zur Beschreibung der eingangs gestellten Sinnfrage für ihn zutrifft. Im zweiten Abschnitt erfährt zunächst der Leser, dass die Wahrscheinlichkeit einer zufälligen Entstehung des Lebens mit Bewusstsein praktisch bei Null liegt, wobei wichtige notwendige Schritte überhaupt noch nicht verstanden werden.    Im dritten Abschnitt fährt der Autor fort: Weil Gott kein Ding dieser Welt sein kann und daher nicht objektiv beobachtbar ist (Joh. 1,18), kann seine Wirklichkeit nur reine Beziehungswirklichkeit sein. Wenn Realität die Gesamtheit alles Beobachtbaren ist, dann ist Gott nicht real, wohl aber wirklich. Somit ist Potentialität die ontologische Kategorie, in der die Wirklichkeit Gottes gedacht und erfahren werden kann…. In ihrem Lichte kann gesagt werden: Die Wirklichkeit Gottes – sein Wille – ist die allumfassende Potentialität des Guten.“  Beeindruckende Sätze, wie ich finde.

 

Die kosmische und biologische Evolution lässt sich offenbar nur dann als Schöpfungsgeschichte verstehen,  wenn das  sog. starke anthropische Prinzips angenommen wird: „Die Welt ist so, wie sie ist, damit Leben und mit ihm auch der Mensch in ihr möglich ist, der als erkennendes Wesen diese Welt überhaupt erst zur Kenntnis nehmen kann.“  Es ist zielorientiert und spricht dem Leben und dem Menschen eine zentrale Bedeutung für den Kosmos zu. Damit schließt sich der Kreis zu den biblischen Schöpfungsberichten, die mit ihrer Botschaft das Gleiche zum Ausdruck bringen wollen, wie eingangs schon bemerkt.

 

Mögen die Gedanken des Berichts- Autors bei vielen Lesern auf fruchtbaren Boden fallen.

 

Aachen, im Februar 2017          Georg Linke

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news-1003 Tue, 15 Mar 2016 21:39:00 +0100 DIE FEINSTOFFLICHE ERWEITERUNG UNSERES WELTBILDES http://www.theologie-naturwissenschaften.de/diskussion/blog-georg-linke/einzelansicht/die-feinstoffliche-erweiterung-unseres-weltbildes/ Kritische Bemerkungen zum gleichnamigen Buch von Dr. Klaus Volkamer 4.Aufl. 2015 Das Thema, das Volkamer in seinem Buch[1] behandelt, halte ich für außerordentlich interessant, denn es wird der Versuch unternommen Phänomenen, die im Volksmund gern als „übersinnlich“ bezeichnet werden, eine physikalisch-mathematische Grundlage zu geben. Es gibt sehr viele ähnliche Versuche, meist aus dem „New Age“ Bereich, die in effektheischendem Tonfall auflagewirksam formuliert sind,  Wissenschaftlichkeit nur vortäuschen und daher meist nicht das Papier wert sind, auf dem sie gedruckt wurden. Das ist sehr schade, denn dadurch haben es Autoren, die sich ernsthaft um die Thematik bemühen (ich halte Volkamer für einen solchen), außerordentlich schwer, die ihnen gebührende Beachtung unter Physikern zu erhalten. Ich habe das Werk von Volkamer,  soweit es mir möglich war,  durchgearbeitet, und möchte es hier in meinem Weblog  kritisch vorstellen.

 

Zunächst bedarf es einer sprachlichen Vereinbarung. Unsere materielle Alltagswelt, die aus massebehafteten Elementarteilchen aufgebaut ist, wird im Folgenden „grobstofflich“ benannt. Demgegenüber ordnet Volkamer die o.g. „übersinnlichen“ Phänomene (z.B. Nahtoderfahrungen, Wirkung von Fürbittengebeten,  echtes Hellsehen, u.v.m.) der „feinstofflichen“  Welt zu. Zweckmäßigerweise werde ich mich in meiner Kritik dieser Begriffe in gleicher Weise bedienen.

 

Bei Volkamer muss man drei Bereiche voneinander unterscheiden: Seine Beobachtungen, seine mathemati-schen Ansätze und seine Interpretationen.

 

Volkamers Beobachtungen, insbesondere seine Wiege-Versuche

Volkamers  Wiege-Versuche sind sensationell, für die wir Physiker bisher noch keine physikalische Erklärung (mathematische Abbildung) besitzen, da wir erst am Anfang stehen,  die geradezu unendlichen Möglichkeiten der Quanten-Mechanischen (QM)-Potentialität mathematisch zu durchdringen.  Volkamer bekam vor einigen Jahren aus dem fernöstlichen Kulturkreis den Hinweis, dass durch feinstofflichen Einfluss Masse bzw. Gewicht von Körpern veränderbar seien; verbunden mit der Frage, ob das messtechnisch geprüft werden könnte. Volkamer hat zunächst die Fachliteratur durchforstet und stieß dabei auf die vor 100 Jahren gemachten  Wägungen bei sterbenden Menschen. Man ließ  6 TBC-todkranke damals noch nicht rettbare Menschen, natürlich freiwillig, in einer mechanischen Präzisionswaage sterben.  Masseverluste von 24-43 Gramm traten in den Sekunden des Todes ein. Obwohl durch Kontrollmessungen in einem anderen Labor wiederholt und bestätigt, gab es keine sonstigen  Kommentierungen in der Fachliteratur, da keine Erklärung für das beobachtete Phänomen denkbar war. Offenbar als Kuriosität abgestempelt,  sind diese Veröffentlichungen nicht weiter verfolgt und total vergessen worden.   Sonst fand er bei seiner Literatur-Suche nichts für ihn Brauchbares.

 Daraufhin hat er aus eigenen Mitteln für sehr viel Geld eine Präzisions-Differenzwaage mit nur 0,1 µg Mess-Rauschen und kompletter Datenaufzeichnung angeschafft.  Die im Folgenden beschriebenen Ergebnisse haben ihn selbst verblüfft. Er ist Erstveröffentlicher und Nachahmer gibt es bisher nicht, da viel zu teuer.                            Er nahm zwei gasdicht verschmolzene identische Glas- Ampullen, in der einen befand sich ein frisch gepflückter Fliederzweig, die andere war leer. Die Differenzwaage registriert nach Nullabgleich und einigen Stunden (Tod des Zweiges durch Sauerstoffverbrauch) einen bleibenden Gewichtssprung von ein paar µg. Dieser Effekt tritt immer auf und kann von jedem Labor, das über geeignetes Equipment verfügt, geprüft werden. Dabei ist die Art der Pflanze bedeutungslos.

Wieder zwei identische verschmolzene Glasampullen, bei der eine innenverspiegelt ist (mit z.B. Al od. Ag), werden  über Wochen im Minutentakt automatisch gewogen. Eine über Tage andauernde Gewichtszunahme der verspiegelten Ampulle tritt ein, im µg Bereich bis zu 1 mg, dann Sättigung. Ganz verblüffend ist aber, dass bei Neumond Gewichts-Sprünge auftraten. Ein Test beim Venusdurchgang 2004 ergab signifikante  Sprünge von 20-40 µg! Schade, dass eine Überprüfung erst in 100 Jahren möglich ist. Effekte beim viel häufigeren Merkurdurchgang verschwinden wohl im Messrauschen der Waage, denn Volkamer berichtete nicht darüber.

 

 Oder: Eine isolierte, abgeschirmte Probe liegt auf der Präzisionswaage (Gewichtsmessung alle 5 Sek.) und ein "normaler" Mensch wird gebeten auf die Probe zu blicken und intensiv an sie zu denken.  Ergebnis: Null-Effekt, keine Veränderung.  Dann wird ein medial veranlagter Mensch gebeten, dasselbe zu tun. Ergebnis: Gewichtszunahme der Probe (ca. 30µg). Dieser Versuch ist mit mehreren Menschen wiederholt worden. Einer sagte, er braucht nicht in den Proben-Raum zu gehen. Aus einem anderen Zimmer gelang es ihm nach vorher angekündigtem Plan allein durch Gedankenkraft das Probengewicht um 30µg zu erhöhen, 120s auf diesem Niveau zu halten und dann langsam wieder abzusenken, sogar noch etwas unter den Ausgangswert.   

 

Ich wünsche mir, wie Volkamer selbst auch, eine Bestätigung seiner Beobachtungen durch  anerkannte Institutionen (z.B. durch das Bender-Institut in Freiburg). Leider gibt es nur sehr wenige, die über Laboratorien mit so genauem Equipment verfügen.  Volkamers  Wiegeergebnisse einfach zu ignorieren,  widerspricht dem Anspruch der Physik und ist daher eines seriösen Wissenschaftlers nicht würdig.       

 

Volkamer bringt noch  viele  weitere feinstoffliche Beispiele aus verschiedenen Lebensbereichen, für mich zu viele, denn der Gesamtüberblick leidet. Nicht alle Effekte sind so überzeugend wie die genannten Wägungen, und können sicher manchmal auch "normal" erklärt werden, wie z.B. die berühmt gewordenen Pioneersonden-Anomalien, die inzwischen  von der NASA  grobstofflich geklärt worden sind. Bei Volkamer spielen sie noch eine feinstoffliche Schlüsselstellung. Er hätte sie aus der neuesten Auflage seines Buches herausnehmen müssen. 

 

Volkamers mathematischer Ansatz zur feinstofflichen Erweiterung unseres Weltbildes

 

Volkamers mathematischer Ansatz war für mich Neuland.   Er sieht genial aus, und ist - hoffentlich - fehlerfrei. Es ist durchgehend Tensor-Mathematik in Minkowski-Räumen, also recht anspruchsvoll, ausgeführt in einem 800-Seitigen Hintergrundbuch. Eine Nachprüfung war für mich nicht möglich; deshalb das Wort "hoffentlich". Damit ist aber nicht gesagt, dass unsere Welt sich auch entsprechend verhält. Logische Richtigkeit ist zwar unbedingt notwendig, jedoch keineswegs hinreichend; da gibt es viele, viele Beispiele in der Physik. 

Nun zu seiner Mathematik. Einsteins spezielle Relativitätstheorie( SRT) und die Quantenmechanik ( QM) vereinigen sich zu der sog. QED (von Dirac) mit den  4 Dimensionen x,y,z,t  (bzw. x, y, z, i∙c∙t in Minkowski-Schreibweise) unserer Raum- Zeit. Volkamer ersetzt jede Dimension durch Division mit i hoch ω (iω), d.h. seine Dimensionen werden zu  x/ iω,  y/ iω, z/ iω, i∙c∙t / iω.  ω nimmt alle ganzen Zahlen, von - unendlich, 0, bis + unendlich ein( i = imaginäre Einheit, definiert als i2 = -1, c = Lichtgeschwindigkeit).  Die scheinbare Vielfalt schrumpft auf nur drei Subräume U1; U2; U3 zusammen. U1 ist unser "grobstoffliches" Universum, denn mit ω=0, ±4, ±8, usw. ist der Divisionsnenner iω = +1 und mit ω= ±2, ±6, ±10, usw. ist der Divisionsnenner iω =-1. Es ändert sich nichts.  Anders ist die Sachlage bei der Folge ω=+1, -3, +5, -7, +9, usw. Der Divisionsnenner ist dann iω =  +i ; das bewirkt die Einführung eines ersten  Paralleluniversums U2 , für uns unsichtbar zu unserem U1 überlagert. Entsprechendes resultiert für die Folge ω= -1, +3, -5, +7, -9, usw. Der Divisionsnenner ist dann    iω =-i,  was zum zweiten Paralleluniversum U3 führt; ebenfalls für uns unsichtbar überlagert. Volkamer nennt U2 & U3 feinstofflich.  Für U2 und U3 werden feinstoffliche QEDs ausgearbeitet  (im o.g. 800-seitigen Hintergrundbuch). Unser Universum ist demnach ein 12 dimensionaler Hyperraum in dem 3 Subuniversen U1, U2, U3 mit je 4 Dimensionen existieren. Alle Dimensionen sind groß entfaltet; im Unterschied zu heute gängigen Kosmos- Modellen. Da zwischen den beiden Paralleluniversen U2 & U3 und unserer Welt U1 keine elektromagnetischen Wechselwirkungen gegeben sind, sondern nur gravitative & topologische, bleiben diese Parallelwelten für uns unsichtbar, obwohl sie jedwede Existenz in unserem U1 Universum quantenmechanisch überlagert durchdringen. U1, U2 u. U3 sind miteinander "verschränkt", so nennt es Volkamer.

Wichtigste Ergebnisse: In allen drei Universen gibt es punktförmige massebehaftete Elementarteilchen mit einer 12-dimensionalen grobstofflich/feinstofflichen Struktur. Für uns U1-Bewohner erscheinen und wirken die aus U2&U3 stammenden Elementarteilchen nur als räumlich ausgedehnte, unbeobachtbare feinstoffliche Feldquanten, die nicht die Lichtgeschwindigkeit c als Obergrenze haben, sondern unendlich schnell sein können! Trotzdem bleiben Kausalität und SRT in unserem U1 immer erhalten.  So etwas habe ich bisher noch nie gehört. Im Minkowski-Diagramm der SRT füllen U2 & U3 die bisher unbesetzten horizontalen Bereiche aus.

U2-Quanten wirken bei uns gravitativ abstoßend; U3-Quanten anziehend, wie normale Materie. Deshalb vermutet Volkamer U2 bewirkt die "Dunkle Energie"; U3 die "Dunkle Materie".  Wenn das stimmt, dann finden der LHC und zukünftige Beschleuniger nie die verursachenden Elementarteilchen! Man darf gespannt sein.

 

Es bleibt eine "Black Box" übrig. Es ist dem Autor mit seiner Theorie (noch?) nicht möglich zu beschreiben, was im "Inneren" eines feinstofflichen Feldquantums eigentlich genau "abläuft". Er beklagt:  "Obwohl die jetzt schon im Buch getroffenen theoretischen Aussagen stichhaltig und auch mathematisch hinreichend begründet sind, erwarten, ja fordern, theoretische Physiker eine solche vertiefte mathematische Beschreibung, bevor sie sich den angeschnittenen Themen auch nur zuwenden wollen; wie mir das im Gespräch mitgeteilt wurde."

Ich finde einen solchen Standpunkt der Physiker überheblich. Wer Jahrzehnte sich in Superstringtheorien verliert und dabei nicht ein einziges verifizier- oder falsifizierbares Resultat vorzeigen kann, dem stünde mehr Demut gut zu Gesicht. Da kann ich Volkamer sehr gut verstehen. 

 

Weitere Resultate und Interpretationen

 

Volkamer führt ein Äthergitter ein mit Gitterstrukturen im Plancklängenbereich. Er entwickelt daraus topologisch auf Basis der Platonischen Körper Eigenschaften der grobstofflichen Elementarteilchen. Die so über die feinstofflichen geometrischen Kernstrukturen gewonnenen Ruhemassen-Vorhersagen aller bekannten Elementarteilchen stimmen über einen Größenbereich von 6 Zehnerpotenzen bis auf ± 3% mit den Messwerten überein. In den Energiebereichen in denen keine feinstofflichen geometrischen Kernstrukturen möglich sind, bestehen auch keine grobstofflichen Elementarteilchen!  Das sind doch erstaunliche Ergebnisse. Das Neutrino ist sein eigenes Antiteilchen; dies ist auch ein Resultat. Heisenberg hätte lange danach gesucht, schreibt er. Das Higgs-Feld ist schwieriger zu behandeln. Drei Berechnungen diskutiert Volkamer, von denen eine den Wert von 127 GeV für das Teilchen bringt. Es sei möglich, einige Naturkonstanten zu berechnen (Wirkungsquantum ,  Sommerfeldsche Feinstrukturkonstante und sogar die Lichtgeschwindigkeit nennt er).Das verdanke er einem kürzlich erhaltenen Hinweis von einem Leser (Physiker Dr. M. König, auch Buchautor zum vorliegenden Themenkreis), der die ART Einsteins in ihrer komplexen Ausgestaltung durch Jean E. Charon[2] mit dem feinstofflichen Ansatz Volkamers kombiniert haben will. Mangels der nicht vorgezeigten Berechnungen bleibt das für mich eine reine Behauptung.

  Volkamer sagt, er löse "Mysterien" der QM feinstofflich. Beim Doppelspaltversuch wirke die Feinstofflichkeit als Führungsfeld (wie bei Bohm) und löse dadurch die "unverständlichen" Interferenzen aus. Die Nicht-Lokalität der QM (instanter Kollaps der Wellenfuktion verschränkter Teilchen über beliebig große Entfernungen) resultiert aus der unendlichen Geschwindigkeit seiner feinstofflichen Feldquanten, die eine feinstoffliche Brücke zwischen den verschränkten Partnern aufrechterhalten, ganz zwanglos. 

Kommt Volkamer auf Information und Bewusstsein zu sprechen, so liest sich sein Text wie der bei Lothar Schäfer[3]. Persönliches Bewusstsein ist nicht auf das Gehirn beschränkt und ist (natürlich feinstofflich) mit dem kosmischen Bewusstsein "verschränkt". Beim Tod stirbt nur der Körper, alles Feinstoffliche bleibt erhalten, kein Informationsverlust, sogar eine Reinkarnation in einen neuen grobstofflichen Körper ist denkbar. Nahtoderfahrungen stellen überhaupt kein Problem dar, und müssen sehr ernst genommen werden.

Ich bekam beim Lesen das Gefühl, dass alles was wir den Möglichkeiten der QM-Potentialität zuschreiben, bei Volkamer über die Feinstofflichkeit auch möglich sei. Nur das mathematische Eindringen ist ein anderes. Die Feinstofflichkeit ist der "Urgrund" aus dem alles Grobstoffliche hervorgeht. Religiöse Gottesfragen behandelt der Autor nicht. Die überlässt er dem Leser. Alte Vedische Texte zitiert er mit der dortigen Behauptung: unser Gesamtuniversum sei ein 14-faches Multiversum. Dann hätten wir es mit noch viel mehr Dimensionen als den 12 unseres hier behandelten Hyperraumes zu tun.  Die eingangs erwähnten Gewichtsanomalien sind durch feinstofflichen Masseschwund (oder -Zuwachs) erklärbar.  Sogar die Astrologie erhält eine wissenschaftliche Basis. 

Volkamers Interpretationsvielfalt ist  m.E. sein Schwachpunkt. Er "verliebt" sich in seine Modelle -Liebe macht bekanntlich blind - und rennt mit einem Wortschwall auf und davon. Wenn das ein namhafter Physiker liest, legt er das Buch beiseite, allein schon aus Zeitmangel.  Pech für den Autor. Einstein verhielt sich da extrem anders. Die meisten  Ergebnisse seiner SRT und vor allem ART haben andere erbracht. Volkamer hat die Stirn, ein komplettes Weltbild zu demonstrieren, das geht nicht. Volkamer riskiert bei seinen Vorhersagen völlig daneben zu liegen, wie bei den o.g. Pioneer-Anomalien und ganz aktuell bei den endlich gefundenen Gravitationswellen. In seinem Modell entsteht Gravitation feinstofflich und nicht durch die  Raumkrümmung der ART Einsteins. Volkamer erwartet  keine Existenz von Gravitationswellen; sein Modell ist im Popperschen Sinn falsifiziert worden. Es ist daher zutreffend, dass in seinem großen Werk Spreu enthalten ist, aber den Weizen darin sollte man jetzt schon ernst nehmen und sich damit gründlich auseinandersetzen!

 

Schlussbertrachtung

 

Die Physiker träumen schon lange von einer „Theory of Everything“ (TOE). Einstein und Heisenberg sind namhafte Beispiele auf der Suche nach der alles erklärenden (mathematisch widerspiegelnden) Weltformel. Ich habe kürzlich in einer Ausgabe von Scientiffic American [4]  einen Artikel „A Geometric Theory of Everything“ gefunden, in dem steht, dass die Lie-Gruppe E8 das Potential hat „Alles“ zu beschreiben. Gemeint ist, dass durch aufeinanderfolgende Symmetriebrüche aus E8  unsere Raum-Zeit und dann die Elementarteilchen mit ihren Massen&Spins und den zwischen ihnen wirkenden Kräften (Starke, Schwache, Elektromagnetische und Gravitative) hervorgehen bis hin zu der Vielfalt unserer materiellen Welt.  Das klingt toll und wäre wirklich ein wesentlicher Schritt in Richtung des o.g. Traums. Die Frage drängt sich auf: Entspringt unser physikalisches Universum zwanglos aus einer einzigen mathematischen Struktur?

[Einschub: Die Lie-Gruppe E8 ist extrem komplex und wurde in einer jahrelangen wahren Sisyphus-Arbeit vieler Mathematiker erst im Jahre 2007 theoretisch abgeschlossen. Erst danach konnte mit der physikalischen Interpretation ihrer Möglichkeiten begonnen werden. Diese Arbeiten sind derzeit noch im vollen Gang.]

Ich gebe aber zu bedenken, dass eine TOE, sofern sie ihrem hohen Anspruch gerecht werden will, nicht aus E8 hervorgehen kann, sondern umgekehrt, E8 ist nur ein Teil einer TOE, denn E8 beschreibt bestenfalls nur die grobstoffliche Welt.  Für die Beschreibung der feinstofflichen Welt muss die Mathematik  weiterentwickelt werden, vermutlich durch einen noch zu schaffenden topologischen Überbau.  Kleinert hat in seinem Buch [5] eine bemerkenswerte Andeutung gemacht.  Er schreibt (S.148, 149), dass nicht nur Symmetrien, sondern auch Topologien herangezogen werden müssen.  Für mich war diese Andeutung deshalb so bemerkenswert, weil Volkamer und auch Charon  über topologische Räume zu ihren feinstofflichen Erweiterungen unseres Weltbildes gelangen.

 

  Volkamer zeigt in seinem Buch, dass es nachprüfbare Messergebisse gibt, für die die Physik heute keine widerspiegelnde Gesetzmäßigkeiten vorzeigen kann.  Er präsentiert einen neuen mathematischen Ansatz, der ihm die fehlenden Gesetzmäßigkeiten verspricht. Darauf baut er ein feinstofflich erweitertes Weltbild auf. Volkamer kann verblüffende Erfolge und Einsichten vorzeigen; ihm unterlaufen aber auch offensichtliche Fehlinterpretationen. Seine Arbeit hat es verdient, vorbehaltlos sowohl experimentell wie theoretisch kompetent  durchforstet zu werden. Das wünscht sich niemand mehr, als Volkamer selbst.  Für mich ist Volkamer ein Querdenker und Querdenker haben schon oft auf verborgene Schätze hingewiesen, die der Mainstream nicht erkannt hat.  Ich hoffe, diese Botschaft fällt auf fruchtbaren Boden.

 

Dr. Georg Linke   Aachen, im März 2016

 

 

Literatur

 

1Dr. Klaus Volkamer: “Die feinstoffliche Erweiterung unseres Weltbildes” ; Weißensee Verlag Berlin 2015 ISBN 978-3-89998-226-8

2Jean E. Charon: „Der Geist der Materie“ ; Paul Zsolnay Verlag Wien 1979  ISBN 3-552-03113-8

3Prof. Dr. Lothar Schäfer: „Infinite Potential“ ; Deepak Chopra books 2013      ISBN 978-0-307-98595-8                                                                               

4Scientific American  Special Collectors Edition ISSN 1936-1513 “Secrets of the Universe”  Vol.23 Nr. 3 Fall 2014 p.96-103  “A Geometric  Theory of Everything” v. A. Garrett Lisi & Prof. James Owen Weatherall

5Dr. habil. Peter Kleinert:“ RATIONALE RELIGIOSITÄT“ ; WISA Stuttgart 2015  ISBN 978-3-95538-026-7

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news-995 Tue, 09 Feb 2016 17:16:00 +0100 RATIONALE RELIGIOSITÄT http://www.theologie-naturwissenschaften.de/diskussion/blog-georg-linke/einzelansicht/rationale-religiositaet/ Leseeindrücke zu „Rationale Religiosität, Gedanken zu Plotins Glaubenslehre “ von Peter Kleinert Das Kleinert-Buch "RATIONALE RELIGIOSITÄT",  ist  ein beindruckendes Werk. Kleinert  schreibt sehr präzise und überzeugend. Man muss ja nicht mit Plotin (250n.Chr.) in allen Punkten übereinstimmen, aber die richtige Grundrichtung hat Plotin schon erkannt. Gestaunt habe ich über Parmenides (500 v.Chr.), wie der schon den Boden bereitet hat; Platon baute darauf auf und Plotin hat vollendet: Aus dem Geist kommt das Materielle, nicht umgekehrt. Cusanus muss das wohl gekannt haben, wie sollte er sonst auf seine schönen Formulierungen in seiner "Die Jagd nach Weisheit" (um 1460) gekommen sein.  Plotin hat ja, wie Kleinert ausführt, die Brücke zum Christentum nie schlagen können. Cusanus hat das geschafft. Alles Materielle hat einen geistigen Urgrund! 

 Dass gerade diese philosophische Denkrichtung das "Rennen" gewonnen hat, und nicht Newton, wie die moderne Quantenmechanik (QM) uns heute zwingend lehrt, ist angesichts der wunderbaren vielfältigen Alltagswelt kaum zu glauben, und doch ist es so. Wie Kleinert mehrfach in seinem Buch vermerkt, fällt es deshalb den meisten Menschen schwer, die neuen Erkenntnisse der QM anzunehmen. Ich habe leider die Erfahrung gemacht von  Mitmenschen, auch von solchen, die es eigentlich besser wissen sollten, wiederholt als "Spinner" bezeichnet zu werden. Es wird noch eine ganze Weile dauern, bis sich das richtige durch die QM bestätigte Gedankengut allgemein durchsetzen wird. Aber es wird sich durchsetzen -  auch dank solcher Bücher wie Kleinert, Fischbeck und Schäfer1-3 sie verfasst haben -, Falsifiziertes erlischt.

 

Der berühmte Johannes-Prolg „Am Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. Dasselbe war im Anfang bei Gott Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was geworden ist    – in ihm war das Leben…“ [ Joh.1,1-4] bekommt auf einmal einen neuen Sinn. 

Ich gebrauche in meinen Diskussionen gern das Bild von der Mutter und ihrem Fötus. Die Mutter ist darin die QM-Potentialität, ihr Fötus die materielle Welt, und über allem steht der nicht weiter hinterfragbare Schöpfer, unser HERR. Nie kann der Fötus die Mutter in sich aufnehmen, das ist blanker Unsinn, aber genau diesem Unsinn laufen die Materialisten nach. Die Möglichkeiten der QM-Potentialität sind unbegrenzt, müssen durch komplexe Mathematik abgebildet werden; für die materielle reale Welt genügt der unendlich viel bescheidenere reelle Zahlenraum. Auch hier greift das Mutter-Fötus - Bild.

 

Ich glaube, wir stehen bei der mathematischen Durchdringung der QM-Potentialität erst ganz am Anfang. Aus einer „Theory  of  Everything“ (TOE), dem „Heiligen Gral“ der Physiker,  muss - sofern es sie überhaupt gibt-, wie ihr Name auch sagt, alles ableitbar sein. Phänomene, die man gern als "feinstofflich" bezeichnet  (Nahtoderlebnisse, Wirkung von Fürbittengebeten, seriöses Hellsehen, u,v.m.) gehören zum Erfahrungsbereich unserer Welt, und müssen doch auch von einer TOE abgebildet werden, meine ich jedenfalls. Hier sehe ich noch auf absehbare Zeit keine Lösungsansätze. Über einen „Hoffnungsschimmer“ bei Peter Kleinert berichte ich weiter unten.   Klaus Volkamer und Jean Charon versuchen in ihren Büchern4,5, die ich kürzlich ebenfalls durchgearbeitet habe,  neue Wege aufzuzeigen. Volkamer erweitert die Spezielle Relativitätstheorie ( SRT) und Charon die Allgemeine Relativitätstheorie (ART) in komplexen Koordinaten. Beide kommen zu vielen verblüffenden Aussagen, und stellen den Geist (Information) ins Zentrum; nicht unähnlich unserer QM-Sichtweise. Ich gedenke über beide Bücher eine gesonderte Kritik zu schreiben.

 

 Bei Kleinert war für mich das dritte Kapitel (S. 113 - 175) besonders spannend. Er beschreibt in Grundzügen wie aus einer Urkraft mit noch unbekannter Eichsymmetrie durch fortgesetzte Symmetriebrüche die Vielfalt unserer materiellen Welt entsteht. Das entspricht in verblüffender Weise  dem philosophischen Konzept Plotins.   Kleinert hält einen topologischen Überbau über die Symmetrien der Lie-Gruppen bei den Elementarteilchen-Berechnungen für möglich. Er schreibt (S.148,149), dass nicht nur Symmetrien, sondern auch Topologien herangezogen werden müssen. Zitat: "Daher wäre eine darauf aufbauende Theorie des Vakuums besonders attraktiv...immerhin suggeriert dieser kurze Abstecher in die Höhe der mathematischen Abstraktion, dass eventuell ein alternativer Zugang zur Theorie der großen Vereinigung [GUT] möglich ist, der nicht die Gruppensymmetrie, sondern die Theorie der topologischen Räume ins Zentrum seiner Überlegungen stellt." Und auf S. 150 steht: "Der Schwenk des Blickwinkels vom vielfach bewährten GUT zum spekulativen anti-GUT Modell, d.h. von den Symmetriegruppen zur Topologie, beleuchtet jedenfalls den weitreichenden geistigen Zusammenhang in der modernen Naturauffassung..."  Ich habe die Zitate gebracht, weil hier der o.g. Hoffnungsschimmer am Horizont erscheint. Ich musste dabei an Volkamer und Charon denken, die beide die Topologie ins Zentrum ihrer Überlegungen stellen, natürlich mit den ihnen eigenen mathematischen Herangehensweisen und  Deutungen. 

 

Dem Autor ist es vortrefflich  gelungen die Brücke zwischen den zwingenden Ergebnissen der modernen QM und der neuplatonischen Gedankenwelt Plotins, der seinerseits, wie schon erwähnt, auf Platon und Parmenides aufbaute, zu schlagen. Wie war es nur möglich, dass eine so unanschauliche, der praktischen Erfahrung zuwiderlaufende „Alles auf den Kopf stellende“ Denkrichtung in der griechischen Antike überhaupt entstehen und sich über Jahrhunderte halten konnte?  Der „ so anschauliche“ Materialismus schien in den letzten Jahrhunderten die alten Ideen gänzlich zu vernichten, bis die QM „Plotins Kopfstand eine gute Figur machen“ lies. So drückt es Kleinert in seinen Kapitelüberschriften aus. Ich bin Herrn Fischbeck sehr dankbar, mir dieses neueste Kleinert-Buch  gegeben zu haben.

 

Dr. Georg Linke  im Februar 2016

 

Genannte Literatur:

1Dr. habil. Peter Kleinert:“ RATIONALE RELIGIOSITÄT“ ; WISA Stuttgart 2015  ISBN 978-3-95538-026-7

2 Dr. Hans-Jürgen Fischbeck: „Die Wahrheit und das Leben“ ; Herbert Utz Verlag München 2005  ISBN  3-8316-0482-7

3Prof. Dr. Lothar Schäfer: „Infinite Potential“ ; Deepak Chopra books 2013      ISBN 978-0-307-98595-8                                                                              

4Dr. Klaus Volkamer: “Die feinstoffliche Erweiterung unseres Weltbildes” ; Weißensee Verlag Berlin 2015 ISBN 978-3-89998-226-8

5Jean E. Charon: „Der Geist der Materie“ ; Paul Zsolnay Verlag Wien 1979  ISBN 3-552-03113-8

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news-897 Thu, 02 Oct 2014 14:32:00 +0200 GOTTES TREUE http://www.theologie-naturwissenschaften.de/diskussion/blog-georg-linke/einzelansicht/gottes-treue/ AUF GOTTES TREUE IST UNBEDINGT VERLASS Die Überlieferung 

Wenn man mit Rabbinern spricht, so wird eine Eigenschaft Gottes nie in Frage gestellt: seine absolute Treue zu seinem gegebenen Wort. Die Thora und die Propheten künden davon. Gottes Wort an Noah, das für alle Völker gilt; Gottes Bund mit Abraham, der am Sinai mit Moses weiter bekräftigt worden ist, nennt Israel das auserwählte Volk, das im verheißenen Land  leben soll. Allerdings verlangt ER auch Treue zu IHM. So heißt es bereits im ersten Gebot: „Ich bin der HERR dein Gott. Der dich aus Ägyptenland aus der Knechtschaft geführt habe. Du sollst keine anderen Götter haben neben mir“  [Ex. 20, 2 u. 3] ; und bei Jeremia steht : „ Und ICH will einen ewigen Bund mit ihnen schließen, dass ICH nicht ablassen will, ihnen Gutes zu tun, und will ihnen Furcht vor mir ins Herz geben, dass sie nicht von mir weichen. Es soll meine Freude sein, ihnen Gutes zu tun, und ich will sie in diesem Lande einpflanzen, ganz gewiss, von ganzem Herzen und von ganzer Seele.“ [Kap. 32 Verse 40 u. 41] Auch Christen neigen heute zunehmend zu der Auffassung, dass ein Bund, den Gott einmal  schließt, nie von IHM gebrochen wird.  In einem früheren Aufsatz zur angeblichen Schuld der Juden am Tode Jesu habe ich geschrieben bzw. zitiert:  

»»Der rheinische Synodalbeschluss bekennt die bleibende Erwählung des jüdischen Volkes und erkennt, dass die Kirche durch Jesus Christus in den Bund Gottes mit seinem Volk hineingenommen ist. Wie entscheidend dieser Satz ist, lässt sich an dem einzigen Verwerfungssatz des rheinischen Synodalbeschlusses zeigen, der die Diskontinuitätsthese der antijudaistischen Tradition der Kirche verwirft:  »Wir stellen darum fest: Durch Jahrhunderte wurde das Wort >neu< in der Bibelauslegung gegen das jüdische Volk gerichtet: Der neue Bund wurde als Gegensatz zum ­alten Bund, das neue Gottesvolk als Ersetzung des alten Gottesvolkes verstanden. Diese Nichtachtung der bleibenden Erwählung Israels und seine Verurteilung zur Nichtexistenz haben immer wieder christliche Theologie, kirchliche Predigt und kirchliches Handeln bis heute gekennzeichnet. Dadurch haben wir uns auch an der physischen Auslöschung des jüdischen Volkes schuldig gemacht  >Neu< bedeutet darum nicht die Ersetzung des >Alten<. Darum verneinen wir, daß das Volk Israel von Gott verworfen oder von der Kirche überholt sei.«  Seit den 80-ger Jahren haben alle anderen Landeskirchen ähnliche Beschlüsse gefasst, und auch dem Vatikan sind solche Gedanken nicht mehr fremd; wenn auch die Durchdringung bis zum “Fußvolk” noch viel Zeit benötigen wird (Generationenfrage). Was 2000 Jahre eingebrannt ist, lässt sich nicht so leicht löschen. Die Orthodoxe Kirche hat die neuen Einsichten bisher nicht beachtet, sie praktiziert leider noch keinen Christlich-Jüdischen Dialog. Aus obigen Überlegungen erübrigt sich auch eine Taufe der Juden, da das Volk Israel bereits bleibend erwählt ist.  Martin Luther hat die heutigen Erkenntnisse nicht gehabt, er wollte Juden taufen, und war über seine Misserfolge derart enttäuscht, dass er die schrecklichen Judenbriefe verfasst hat, die die Nazis als Legitimation für ihr Handeln “verkauft” haben. ««

Totale Allmacht

Ich wurde im Gespräch verdächtigt Gott durch Hinweis auf seine Treue in eine „Schublade“  stecken zu wollen, und das ginge nicht. Gott macht immer was ER will, und das müssen wir so akzeptieren. Natürlich erkenne ich die Allmacht Gottes an, aber trotzdem halte ich an seiner Treue fest, denn es ist uns ja so überliefert worden; und eine brutal ausgespielte Allmacht kennt keine Treue. Beispiel Hitler, der 1938 das Münchener Abkommen unterzeichnete, das den Frieden sichern sollte, und das der britische Premier  Chamberlain so demonstrativ bei der Ankunft in England an der Flugzeugtür stolz der Presse gezeigt hat. “Ich habe seine Unterschrift, der Friede ist gerettet“ soll er gesagt haben.  Hitlers Kommentar dazu: „Nur ein Blatt Papier“, und so hat er es ja auch gehandhabt und Europa in den Krieg geführt.                                                                      Bei einem Gott ohne Treue ist auf nichts Verlass; Gebete und Fürbitten wären vergebens.

Himmel und Erde werden erschaffen   Naturgesetze

 „An Anfang schuf Gott Himmel und Erde“, so beginnt im Buch der Genesis der Schöpfungsbericht. Gott schuf die Welt mit Raum und Zeit einschließlich der Naturgesetze, die so beschaffen sind, dass unser Kosmos hinreichend stabil bleibt, und sich Leben bis hin zum Menschen entwickeln konnte. Mit den Naturgesetzen meine ich die Gesamtheit der Gesetze, die sowohl den epistemologischen als auch den ontologischen Teil unserer Wirklichkeit abbilden. Mit anderen Worten: Sowohl das Geistige (die sog. QM- Potentialität [QM steht für Quantenmechanik]), als auch das faktisch Reale kann durch logisch widerspruchsfreie Mathematik beschrieben werden. Ein Umstand, der mich jedes Mal in größtes Erstaunen versetzt, wenn ich darüber nachdenke. Es sei hier angemerkt, dass die Suche nach immer umfassenderer Mathematik, aus der sich die Gesetze möglichst aller Teilbereiche der Physik herleiten lassen sollten, noch lange nicht abgeschlossen ist; sich vielleicht sogar als unmöglich erweisen wird . Aber das ändert nichts an meinem o.g. Erstaunen.

Alle „Wunder“ sind nur allegorisch zu deuten:   Dilemma

Auf einen Umstand möchte ich aber noch besonders hinweisen. Vor 1927, der Formulierung der QM durch Heisenberg, Schrödinger  u.A., gab es nur die ontologischen Naturgesetze unserer Faktenwirklichkeit, die sich seit Newton so bewährt hatten, dass man sie für vollständig hielt (materialistisches Weltbild). In dieses Weltbild passen z. B. die überlieferten „Wunder“ Jesu nicht hinein, denn Gott hätte ja dann seine eigenen Naturgesetze brechen müssen. Die eingangs erwähnte Treue Gottes, die ja auch zu seiner Schöpfung einschließlich der Gesetze gelten muss, wäre gebrochen. Das ist nicht akzeptabel, so der ev. Theologe Ernst Troeltsch (1865-1923), einer der Wegbereiter der histor.-kritischen Schriftauslegung.  Troeltsch deutet daher alle „Wunder“ nur allegorisch, einschließlich der Auferstehung  Jesu.   Das ist nun für meinen Glauben, und ich denke auch für den aller ernsthaften Christen eine nicht hinnehmbare Schlussfolgerung. Troeltsch ist zu früh verstorben. Die Erlösung aus dem Dilemma kam durch die Entdeckung der epistemologischen Naturgesetze im Zuge der Entwicklung der QM. Leider hat sich das unter den meisten Theologen bisher nicht rundgesprochen, da QM (noch) nicht zum theologischen Curriculum gehört.

Die QM beseitigt das Dilemma, hat aber Akzeptanzprobleme

Einfach war der Weg nicht. Es gab prominente Kritiker der QM, allen voran Albert Einstein, der die QM in das ontologisch-realistische Weltbild einpassen wollte, was aber nicht gelang, da Widersprüche auftraten (in Fachkreisen als EPR-Paradoxon bekannt, nach den Autoren Einstein, Podolsky u. Rosen benannt  1935). Erst John Bell konnte 1964, neun Jahre nach den Tode Einsteins zeigen, dass die von Einstein gewünschte Einpassung nie gelingen kann, da es sich genau umgekehrt verhält: Unsere ontologische Wirklichkeit (d.h. unsere Faktenrealität, die wir um uns herum erleben) ist ein Abkömmling der unendlich viel umfassenderen epistemologischen Wirklichkeit. Diese unser Weltbild verändernde Aussage musste auf experimentellem Weg bestätigt, oder falsifiziert werden.  In seiner Genialität hat Bell machbare Experimente vorgeschlagen, die erst in den letzten 30 Jahren mit immer größerer Präzision und einer schier unglaublichen Sicherheit durchgeführt werden konnten (zuletzt Zeilinger in Wien) und die die  Priorität der QM gegenüber der Faktenrealität voll bestätigt haben. „Materie ist nichts als geronnener Geist“, so hat es treffend H.P.Dürr, der Nachfolger Heisenbergs in München, einmal formuliert. Zugegeben, es fällt dem Menschen schwer das hier Gesagte voll anzunehmen, da es seine Vorstellungskraft echt  überfordert. Wie soll  aus Geist (der QM-Potentialität) Realität (Materie) entstehen?  Dieser sog. Dekohärenz-Prozeß, der laufend stattfindet,  kann nur mathematisch erfasst werden, wobei die dafür notwendige Mathematik komplexer Natur ist. Der Mensch kann sich nur reale, reelle Größen vorstellen, komplexe nicht. Deshalb hat Heisenberg einmal formuliert: „Über den letzten Grund der Wirklichkeit kann nur in Gleichnissen gesprochen werden.“  

Ich befürchte, es wird noch lange dauern, bis das die hier geäußerten Erkenntnisse Allgemeingut werden. Z.Zt. erlebe ich, selbst bei naturwissenschaftlich gebildeten Gesprächspartnern, häufiger Ablehnung  als Zustimmung.  Es ist ähnlich wie beim Kopernikanischen Weltbild, besonders in der Deutung von Giordano Bruno, das erst nach Entdeckung der Fixsternparallaxe 1838 durch Bessel alle Zweifler verstummen lies. Die QM ist die mit Abstand  am besten bestätigte Theorie  der Naturwissenschaft, aber ihre Deutung ist philosophisch noch nicht  abgeschlossen, was sicher daran liegt, dass die menschliche Vorstellungskraft begrenzt ist.

Möglichkeiten der QM-Potentialität  Komplexer Zahlenraum

Unsere Faktenwirklichkeit wird durch den uns gewohnten reellen Zahlenraum (Zahlengerade  -∞, 0 , +∞) vollständig beschrieben. Die Begrenzungen dieses Zahlenraumes begrenzen deshalb auch die möglichen Aussagen der materialistischen Naturgesetze. Für „Wunder“, außersinnliche Wahrnehmungen o.Ä. ist da kein Platz.  Solche Phänomene deshalb einfach zu negieren ist zwar bequem, aber viel zu kurz gedacht. Ich möchte an einem bekannten Beispiel zeigen, wie primitiv die Möglichkeiten des reellen Zahlenraumes gegenüber denen des komplexen sind.

[Einschub zur Erklärung: eine reelle Zahl A hat einen bestimmten Zahlenwert, z.B. a   auf der o.g. Zahlengeraden;  eine komplexe Zahl Z setzt sich aus einem reellen Wert a und einem imaginären Wert ib zusammen Z= a + ib wobei  auch b reell ist, und i ist die nicht vorstellbare Imaginäre Einheit, die als i 2 = -1,  bzw. i mal i = -1 definiert ist.  Carl Friedrich Gauß 1777-1855 schlug die nach ihm benannte Zahlenebene vor mit der reellen Zahlengeraden (für alle a) als Horizontalachse und der imaginären Zahlengeraden (für alle ib) als Vertikalachse. In dieser Darstellung stellt jeder Punkt der Ebene  eine komplexe Zahl  Z  mit den Koordinaten a & ib dar. Alle komplexen Zahlen mit b=0 liegen auf der gewohnten Zahlengeraden, sind daher unsere reellen Zahlen. Diese sind demnach ein Sonderfall, ein verschwindend kleiner Bruchteil aus der Menge der komplexen Zahlen. Einschub Ende]   

Zum angekündigten Beispiel: Die Funktion y = x+ c  (alle Zahlen reell) kann in einem X-Y Koordinatensystem  graphisch dargestellt werden. Man erhält für jeden Wert c eine Parabel, also für viele Werte c viele parallel verlaufende Parabeln. Sonst nichts.  Bei  komplexen Zahlen (z , c)  führt die gleiche Zuordnung durch die Iteration  z  ← z2 +c  zu den selbstähnlichen, unendlich feinen wunderschönen Strukturen in der komplexen Zahlenebene von c. Es ist das Verdienst von B. Mandelbrot (1924-2010), das herausgefunden zu haben. Schaut man sich einen Bildband dieser Mandelbrot-Mengen an, dann ist man von der atemberaubenden Vielfalt und damit von dem Potential, das allein schon in so einer einfachen Zuordnung steckt, überwältigt. 

Um die Möglichkeiten der QM-Potentialität beschreiben zu können, muss man zu Operatoren des komplexen Hilbert-Raumes zurückgreifen! Nur dann schafft die Mathematik die unendliche Vielfalt der QM-Potentialität widerzuspiegeln. Salopp ausgedrückt könnte man sagen: In der QM-Potentialität ist alles möglich, genauso wie seinerzeit der Engel  zu Abraham sprach „Bei GOTT ist nichts unmöglich“.  

Konsequenzen für Physik und Theologie

Wirkungen in unserer Faktenrealität können, wie schon erwähnt, ursächlich durch Dekohärenz-Prozesse aus der QM-Potentialität erzeugt werden.  Daher kann unsere ontologische Wirklichkeit weder deterministisch noch  kausal geschlossen sein. Nur wenn Ursache und Wirkung innerhalb des Faktischen liegen, dann gelten für solche Vorgänge Determinismus & Reproduzierbarkeit also die klassischen Naturgesetze des materialistischen Weltbildes. Wir müssen aber lernen zu akzeptieren, dass diese  Naturgesetze nur einen Teil, eine Untermenge, aller möglichen Wirkungen in unserer Welt beschreiben. Das ist eine Herausforderung für stehengebliebene Physiker und zugleich die Chance für frustrierte Theologen.

Ich kann jetzt sagen: „Auf Gottes Treue ist unbedingt Verlass!“ ER hat die Gesetze seiner Schöpfung so umfassend geschaffen, dass auch Dinge passieren können, die das materialistische Weltbild sprengen. An die Auferstehung unseres HERRN Jesu kann ich glauben, ohne dass ER seine Gesetze dafür brechen müsste. Für mich wirkten diese Erkenntnisse geradezu befreiend, denn im Laufe meines Lebens steckte ich jahrelang im gleichen Dilemma wie Troeltsch. Ich bin froh und dankbar, dass mein erneutes Studium der QM mich daraus befreit hat.

Benutzte Literatur

 Prof. Dr. Bertold Klappert: „Miterben der Verheißung“  ISBN 3-7887-1760-2   Aus diesem Werk stammen die Gedanken zur bleibenden Erwählung Israels in Gottes Bund und die auch zum Rheinischen Synodalbeschluss geführt haben. 

Dr. Hans-Jürgen Fischbeck:Die Wahrheit und das Leben“   ISBN  3-8316-0482-7 Dies ist im Wesentlichen eine Zusammenfassung einer Seminarreihe, die Dr. Fischbeck in den Jahren 1994-2002 an der Ev. Akademie in Mülheim a.d. Ruhr zum Thema „Mit dem heutigen Wissen den Glauben denken“ gehalten hat. Dieser Seminarreihe verdanke ich die Erkenntnis zur Bedeutung der QM für unser Weltbild. 

Prof. Dr. Brigitte Falkenburg: „Mythos Determinismus“  Wieviel erklärt uns die Hirnforschung?                        ISBN 978-3-642-25097-2 Die Verfasserin hat in akribischer Fleißarbeit sich durch alle Bereiche der Physik gearbeitet und weist nach, dass unser Weltbild nicht kausal geschlossen sein kann, ein Zeitpfeil existiert und der Determinismus ad  acta gelegt werden kann. Für mich war sehr bemerkenswert, dass sie zu ihren Schlüssen kommt, ohne intensiven Rückgriff in die QM zu tätigen.   

Prof. Dr. Shimon Malin:Dr. Bertlmanns Socken.“ Wie die Quantenphysik unser Weltbild verändert                                                                                                                 ISBN 978-3-499-62058-4 Hier wird sehr schön erklärt, das unsere Faktenrealität permanent aus der QM- Potentialität durch Dekohärenz-Prozesse geschaffen wird.

Prof. Dr. Lothar Schäfer:  „Versteckte Wirklichkeit“   ISBN  978-3-7776-1308-6 u. „Infinite Potential“                  ISBN 978-0-307-98595-8 Beide Bücher beschreiben die unendliche Potentialität die den ganzen Kosmos prägt und zeigen auf, dass es ein kosmisches Bewusstsein gibt an dem unser persönliches Bewusstsein partizipiert.

Dr. Peter Kleinert: „Ist die Philosophische Theologie am Ende?“ Zur prinzipiellen Kompatibilität von philosophischen, theologischen und naturwissenschaftlichen Argumenten. ISBN 978-3-95538-006-9.  Anspruchsvoller Text, der sich, besonders in den Anhängen,  an mathematisch vorgebildete Leser wendet.  

H.-O. Pleitgen & P.H. Richter: „The Beauty of Fractals” Images of Complex Dynamical Systems                           ISBN 3-540-15851-0  Bildband der Mandelbrot-Mengen.  Überwältigend schön dargestellt.

 

Dr. Georg Linke   Aachen, im Oktober 2014

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news-37 Wed, 18 Dec 2013 19:38:00 +0100 2 x 2 = 5 ? http://www.theologie-naturwissenschaften.de/diskussion/blog-georg-linke/einzelansicht/2-x-2-5/ Bei vorhandener Faktenlage haben Glaube und Meinung nichts zu suchen Beispiel Quantenmechanik (QM) Interpretationen der  QM

In der QM wird heute wieder viel über Interpretationen bzw. Deutungen derselben nachgedacht, z.T. sogar gestritten. Den Freiraum dafür bildet der Umstand, dass die QM selbst fast 90 Jahre nach ihrer Formulierung durch Heisenberg(1901-1976) und Schrödinger(1887-1961) philosophisch noch nicht abgeschlossen werden konnte. Galt doch früher die heute als „orthodox“ bezeichnete sog.“ Kopenhagener Interpretation“ der QM von Niels Bohr(1885-1962) als unumstößlich, so haben die nachfolgenden Physikergenerationen -   besonders nach dem Tod der Gründerväter – sich ermutigt gefühlt, neu nachzudenken und eigene Interpretationen vorzustellen. Der historisch wohl berühmteste Ansatz stammt von David Bohm(1917-1992) -  von dem sogar Albert Einstein(1879-1955) sehr angetan war – der sich aber- leider- nicht in der  relativistischen Quantenfeldtheorie formulieren ließ,  und daher heute kaum noch  diskutiert wird. Ein Beispiel für eine moderne Interpretation  findet sich in der November-Ausgabe 2013 SPEKTRUM DER WISSENSCHAFT, „QBismus“ genannt, die die QM mit der Statistik von Thomas Bayes (1701-1761) verbindet und verspricht, dadurch rätselhafte Paradoxien der orthodoxen QM (z.B. „Schrödingers Katze“) aufzulösen.  Zur Verdeutlichung: Eine QM- Überlagerung der Katze, wonach die Katze vor der Beobachtung in Ihrer total abgeschirmten  Box  tot und lebendig gleichzeitig sei, und erst nach der Beobachtung tot oder lebendig vorgefunden wird, wird durch die viel plausiblere Aussage ersetzt, die Katze sei immer in ihrer Box tot oder  lebendig  gewesen und die QM-Überlagerung beschreibt nur den Denk-zustand des Physikers.  Neue Interpretationen der QM  können nur dann ernst genommen werden, wenn aus den Berechnungen die gleichen Ergebnisse herauskommen, wie bei der orthodoxen Deutung, denn deren Übereinstimmung mit den Beobachtungen ist phänomenal; es sind die besten der gesamten Naturwissenschaft. Neue Sichtweisen, wie man das Geschehen auch verstehen könnte, sind der Lohn für neue Deutungen, wie das o.g. Beispiel ja auch zeigt. Viel Diskussionsstoff und Meinungsbildung sind da vorhanden. M.E. liegt sicher noch ein langer Weg vor uns, bis eine philosophisch allgemein befriedigende Deutung bzw.  Interpretation der QM vorliegen wird.   

Faktenaussagen der QM

Was die Überschrift dieses Textes zum Ausdruck bringen möchte, soll an einem einfachen Beispiel gezeigt werden. Der Schulleiter betritt überraschend  die erste Klasse  und sieht an der Tafel 2x2=5 stehen. „Welches Fach wird hier gerade unterrichtet?“  „Wir haben Rechenunterricht.“  „Und warum steht ein derartiger Unsinn an der Tafel?“  „Ich kann da auch nichts dafür“, entgegnet der Lehrer, „denn wir haben   abgestimmt, und das an der Tafel stehende Ergebnis hatte die Mehrheit.“  Klare Faktenaussagen müssen erlernt und akzeptiert werden, da führt kein Weg dran vorbei;  Meinung&Glaube spielen da keine Rolle.  Ich schreibe das, weil sich in den letzten Jahren in der QM eine Faktenlage von größter Bedeutung  herausgestellt hat, die keine Deutung bzw. Interpretation im oben geschilderten Sinn ist.

Es begann 1935, als Albert Einstein zusammen mit Podolski & Rosen sein berühmtes EPR-Paradoxon veröffentlichte. Einstein war, zusammen mit allen Kollegen der Meinung, dass wir ein objektiv-real-lokales Weltbild vor uns haben, das die Naturwissenschaft auch so zu beschreiben hat. Er formulierte die drei Kriterien für dieses Weltbild, die alle drei gleichzeitig erfüllt sein müssen:

  1. Die Eigenschaften physikalischer Objekte sind messbar und kommen ihnen unabhängig davon zu, ob sie tatsächlich beobachtet werden oder nicht (OBJEKTIVISMUS).
  2. Jedem Element der Realität muss in einer physikalischen Theorie ein Gegenstück entsprechen, wenn die Theorie vollständig sein soll  (REALISMUS).
  3. Objekte, die sich nicht gegenseitig beeinflussen können, haben voneinander unabhängige Eigenschaften (LOKALITÄT).

 

Einstein konnte in einem Gedankenexperiment an zwei miteinander „verschränkten“ Teilchen (Elektronen, Photonen) zeigen, dass besonders die Lokalität verletzt ist. Die QM passe nicht in das gängige Weltbild und müsse folglich trotz ihrer unbestrittenen Erfolge „verbessert“ werden. Einstein forderte, dass „verborgene Parameter“ gesucht und gefunden werden müssen, mit deren Hilfe auch die Theorie der QM objektiv, real und lokal werden würde, so wie das alle anderen naturwissenschaftlichen Theorien auch sind.

Einschub: Verschränkung ist eine von Schrödinger auch im Jahr 1935 gefundene typische QM-Eigenschaft, bei der mehrere Teilchen über beliebig große Entfernungen „verbunden“ bleiben können, dabei ihre Eigen-Individualität verlieren und nur als überlagertes Wellenpaket in Form  einer ausgedehnten großen Einheit in Erscheinung treten. Führt man eine Messung durch, so gewinnen alle Teilchen der Einheit instant ihre Eigenindividualität zurück; mehr noch, man kennt plötzlich Eigenschaften der anderen Teilchen, obwohl an denen gar keine Messungen durchgeführt worden sind. „Spukhafte Fernwirkung“ nannte Einstein spöttisch diesen Effekt, den er als absurd ablehnte. Einstein irrte.  Heute ist diese Fernwirkung über zig Kilometer experimentell nachgewiesen, und Anton Zeilinger (geb.1945)aus Wien will versuchen,  den Verschränkungs-Effekt von der Erde bis zur ISS  zu demonstrieren.  Einschub Ende.

Niels Bohr hat auf das EPR-Papier sehr schnell geantwortet, bei dem Einsteins Realitätsverständnis kritisiert wurde. Bohrs Reputation war in Q-Fragen derart groß, dass die Physiker ihm folgten, und EPR wurde so gut wie  nicht mehr diskutiert.  Außerdem bestand damals auch die Ansicht, dass Verschränkung nur eine mathematische „Marotte“ war, also nicht real. Einstein hatte aber, solange er lebte, das  Gefühl, bezüglich EPR nie richtig verstanden worden zu sein.

Die Situation änderte sich  schlagartig 1964, als  der irische CERN-Physiker John Bell (1928-1990) den Versuch unternahm, endlich die gesuchten verborgenen Parameter für die QM  zu finden. Ihm war klar, dass die Verschränkung keine mathematische Marotte war, sondern essentiell zur QM gehöre, so wie es Schrödinger auch sah. Zu seiner großen Überraschung entdeckte Bell, dass die QM niemals im Sinne Einsteins durch verborgene Parameter lokal gemacht werden kann. Bell formulierte in einer scharfen Überlegung Ungleichungen, die eine lokale Theorie erfüllen muss. Es ist sehr leicht zu zeigen, dass die QM die Bellschen Ungleichungen nicht erfüllt. Fazit: Die QM kann nicht lokal gemacht werden, und passe somit nicht ins objektive reale lokale Weltbild. Damit begann aber ein großes Dilemma.  Ist das  objektiv-real-lokale Weltbild  weiterhin haltbar und die QM ist total falsch? Dann müsste man noch einmal ganz von vorne beginnen, was angesichts des Siegeszuges der QM schwer vorstellbar war. Oder ist das  objektiv-real-lokale Weltbild nicht das  Non plus Ultra und muss diesen Platz an die QM abtreten, was damals noch schwerer vorstellbar war. Dies ist eine philosophische Fragestellung, die nicht durch Nachdenken, sondern nur durch Experiment gelöst werden kann. Schon John Bell schlug solche EPR-Experimente vor, die aber erst Jahrzehnte später mit der erforderlichen Genauigkeit gemacht werden konnten: Von Alain Aspect 1981 und Wiederholungen mit variierenden Randbedingungen in den Folgejahren durch viele Laboratorien mit  immer größerer Präzision bis zu Anton Zeilingers Ergebnissen heute. Die QM hat bei allen diesen EPR-Experimenten gesiegt. Im Jahr 2007 wurde von  Zeilingers Team  die Restunsicherheit dieser Aussage um 80 (in Worten Achtzig!) Größenordnungen kleiner als die Sicherheit abgeschätzt. Für mich bedeutet dies Faktensicherheit, die endgültigen Charakter  hat.

Einschub:  Die Frage ob das geozentrische, oder das heliozentrische Weltbild zutrifft, war von ähnlicher Natur, und wurde ja auch experimentell gelöst. Durch hinzufügen immer weiterer Epizykeln hätte auch das geozentrisch-ptolemäische Weltbild weiterentwickelt werden können, aber erst die Entdeckung der Fixstern-Parallaxe durch Bessel 1838  ließ die letzten Zweifler verstummen, 295 Jahre nach Kopernikus. Einschub Ende

Damit ist das objektiv-real-lokale Weltbild als oberste Leitidee im Popperschen Sinn falsifiziert, und durch  das Weltbild der  QM als oberste Leitidee verdrängt worden. Das muss man heute als Fakt hinnehmen, und daraus Konsequenzen ziehen.  Anzunehmen, es handle sich um eine Deutung der QM ist nicht richtig.

Der Q-Wissenschaftler Bernhard d´ Espagnat (geb.1921) formuliert denn auch

Jeder, der sich eine Vorstellung von der Welt zu machen sucht - und von der Stellung des Menschen in der Welt -, muss die Errungenschaften und die Problematik der Quantentheorie einbeziehen. Mehr noch, er muss sie in den Mittelpunkt seines Fragens stellen."

Das Weltbild der QM und Folgerungen

Die Folgen für unser Weltbild können nicht hoch genug eingeschätzt werden. Die QM lehrt, dass alle realen Dinge einschließlich uns selbst, sowie Raum&Zeit ursächlich dem geistigen Bereich entstammen. So hat H. P. Dürr (geb.1929), der Nachfolger auf dem Heisenberg-Lehrstuhl in München, treffend formuliert: „Materie ist nichts als geronnener Geist.“  Dieser allumfassende geistige Bereich wird heute als QM-Potentialität  bezeichnet. Es ist der epistemologische Teil der Wirklichkeit, während der ontologische Teil  der Wirklichkeit unsere faktisch existierende Realität ist, objektiv u. lokal. Die Potentialität ist ausschließlich mathematisch gegeben. Sie ist nicht materiell und trotzdem keine Fiktion. Sie ist wirklich, weil sie wirkt. Ihr Möglichkeitsspektrum ist unbegrenzt, sie ist immer die primäre Ursache für die Wirkungen in unserer Realität.  Vorstellen kann man sich die Potentialität nicht, aber man kann mathematisch in sie eindringen, und zwar  mit den Wellenfunktionen der Schrödinger-Gleichung, oder mit den komplexen Hilbert-Operatoren Heisenbergs. Es ist leider schwierige Mathematik, die ein jahrelanges Studium voraussetzt.  Verwertbare Ergebnisse  kann man nur dann erreichen, wenn sich die komplexen Rechnungen zu Aussagen im reellen Zahlenraum reduzieren lassen. Die o.g. Verschränkungen der QM sind nur durch diese Mathematik beschreibbar, und werden „verständlich“. Wirkliches Verstehen ist dabei nicht gemeint, denn man kann sich, wie schon gesagt,  die für den Menschen transzendente Potentialität nicht vorstellen. Analoges gilt für den Übergang von den kohärenten QM-Wellen der Potentialität  in reale Materie, den man Dekohärenz  nennt.   Dekohärenz tritt ungewollt permanent ein, oder gewollt durch Messprozesse.   Die QM lehrt, dass es eine allumfassende, „unendliche“ Potentialität gibt, aus der hier  alles Sein hervorgeht.  Dieses Weltbild hat für unsere Realität einen Zeitpfeil, ist nicht deterministisch  und kann auch kausal nicht geschlossen sein, da die letzten Ursachen unseres Geschehens  immer in der QM-Potentialität liegen, die ja nicht Teil unserer Realität ist. Es war für mich faszinierend zu lesen, wie Frau Prof. Dr. Brigitte Falkenburg ohne nennenswerte Rückgriffe in die QM, durch akribische analytische Kleinarbeit zu den gleichen Erkenntnissen bezüglich unserer Realität kommt.  

Das neue Weltbild der QM strahlt natürlich in viele Bereiche hinein, es muss aber erst zu Allgemeingut werden. Dies ist noch lange nicht der Fall, da die QM-Erkenntnisse aus den EPR-Versuchen noch zu  frisch sind, und der Mensch sich erfahrungsgemäß sehr träge verhält, wenn es sich um Änderungen seines Weltbildes handelt.  Theologie, Biologie, Philosophie, Hirn- und Bewußtseinsforschung  sind solche betroffene Bereiche, und mein persönlicher  Glaube ist ebenfalls beeinflusst worden, wie ich es in früheren Beiträgen in meinem Weblog aufgezeigt habe. Angeregt, diesen Artikel zu schreiben, wurde ich durch den Besuch eines Workshops „Die sonderbare Welt der Quanten“ an der Ev. Akademie Bonn-Bad Godesberg Anfang Dez.20 13.  Dort wurde von Prof. Dr. Jürgen Audretsch  ein Gummimembran-Modell vorgestellt, das mich doch sehr stark an den “Heisenbergschen Schnitt“ meiner Studienzeit vor über 40 Jahren erinnerte.  Unterhalb dieser Grenze gelten die Gesetze der QM und darüber gilt unser altes Weltbild.  In der Q-Welt „brodelt“ es, die Membran ist „unruhig“, und diese Unruhe Spüren wir als Q-Einfluss in unserer Welt. So ein Bild ist sehr anschaulich und didaktisch leicht zu vermitteln, verfehlt aber den Kern der Botschaft der QM.  Die auch anwesenden Wissenschaftler Prof. Dr. Lothar Schäfer, Dr. Peter Kleinert und Dr. Hans-Jürgen Fischbeck bekamen gegen Ende des Workshops Gelegenheit, in Statements die revolutionäre Kraft der QM darzulegen. Ich hatte jedoch das Gefühl, dass  viele Zuhörer, ich vermute, es handelte sich überwiegend um interessierte Laien, dem anschaulichen Membran-Modell den Vorzug gaben, zumal dieses Modell nicht zur Aufgabe des überkommenen Weltbildes zwingt.    Aber die Natur ist kein Wunschkonzert,  sie nötigt vielmehr dem Menschen Fakten auf, die akzeptiert werden müssen, auch wenn ein totales Umdenken notwendig ist.  So beginnt Anton Zeilinger  seinen Vortrag über „Die Schönheit der QM“ aus dem Jahr 2004 mit einem Zitat seines Freundes  und auch Q-Wissenschaftlers Daniel  Greenberger:  

„ Einstein sagte ,die Welt kann doch nicht so verrückt sein, wie uns eben die QM dies erzählt ,                       heute wissen wir, die Welt ist so verrückt.“

Dr. Georg Linke  Aachen, im Dezember 2013

 Weitere benutzte Literatur

Prof. Dr. Brigitte Falkenburg 2012: Mythos Determinismus                                   ISBN 978-3-642-25097-2

Dr. Hans-Jürgen Fischbeck 2005: Die Wahrheit und das Leben                             ISBN  3-8316-0482-7

Dr. habil. Peter Kleinert 2013:      Ist die Philosophische Theologie am Ende?   ISBN 978-3-95538-006-9       

Prof. Dr. Lothar Schäfer 2004:     Versteckte Wirklichkeit                                       ISBN  978-3-7776-1308-6

Prof. Dr. Lothar Schäfer 2013:     INFINITE  POTENTIAL                                            ISBN 978-0-307-98595-8 

SPEKTRUM DER WISSENSCHAFT DOSSIER 4/2010: QUANTENINFORMATION    REALITÄT AUF DEM PRÜFSTAND   (Bericht aus dem Labor von Prof. Dr. Anton Zeilinger, Wien)

SPEKTRUM DER WISSENSCHAFT  11/2013: H.C. v. BAEYER:  EINE NEUE QUANTENTHEORIE (QBismus)

Prof. Dr. Anton Zeilinger: „ Die Schönheit der QM“ , Vortrag 2004 auf CD erhältlich.

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news-19 Thu, 13 Sep 2012 16:11:00 +0200 MEIN GLAUBENSWEG http://www.theologie-naturwissenschaften.de/diskussion/blog-georg-linke/einzelansicht/mein-glaubensweg/ Wie sich mein Glaube im Zuge meiner naturwissenschaftlichen Erkenntnis und Lebenserfahrung entwickelt hat Begegnung in der Transsib

Im Sommer 2008 bot sich mir die einmalige Chance, eine lange Reise mit der Transsibirischen Eisenbahn, der Tanssib, wie sie auch genannt wird, zu unternehmen. Ich reiste mit einer Gruppe der „Initiative Pskow“, dem landeskirchlichen Verein, der in Pskow ein kleines Bethel aufbaut, von Irkutsk am Baikalsee nach St. Petersburg mit Stationen in Omsk und Jekaterinenburg. Ich kam als einziger aus Aachen, und während die anderen 39 Teilnehmer sich im Vorfeld arrangiert hatten wer mit wem in den Doppel-, bzw Viererkabinen zusammen fährt, musste ich meine Kabine mit Russen teilen. Ein Glücksfall, wie sich bald herausstellte. In der Transsib hat man viel Zeit. Schier endlose Wälder, Birke, Kiefer, Lärche, gleiten tagelang am Fenster vorbei und laden zum träumen ein, oder auch zu Gesprächen mit den Mitreisenden. Als Ausländer weckte ich gleich deren Neugier, und mit meinen Polnischkenntnissen war sogar eine Verständigung möglich. Ich hatte ausgezeichnete sibirische Landkarten von der National Geographic Society (USA) bei mir, die das im Abteil mitreisende aus Yakutien von der Lena stammende Ehepaar sensationell gut  fand. Kleinste yakutische Dörfer mit nur wenigen Häusern waren verzeichnet. In Russland ist solches Karten-material offenbar nicht zu bekommen. Über diesen Gesprächseinstieg redeten wir dann über unsere Familien und zeigten Bilder. Etwas seltsam fand ich  die abgebildeten Hütten, Kleidungen, Festgebräuche bzw. Rituale und plötzlich kam mir eine Idee. „Seid Ihr Schamanen?“ „Ja, wir sind Schamanen!“ kam sofort die Antwort. Noch nie im Leben hatte ich je Kontakt zu Schamanen gehabt.

 Ich war wie elektrisiert und leitete das Gespräch auf Glaubens-Fragen. Sehr lange sprachen wir miteinander; ich war derjenige der lernte. Die Schamanen wussten über unsere christliche Religion sehr gut bescheid.  „Wir haben die längste religiöse Tradition, 20.000 Jahre sind sicher; 30.000 Jahre sind spekulativ.“ Selbst wenn ich unsere jüdischen Wurzeln dazunehme, komme ich gerade mal auf 5.000 Jahre; andere Hochkulturen mögen noch weitere 3.000 Jahre schaffen; gegenüber den Zeitangaben der Schamanen ist das alles kurz. Ich spürte deren Stolz über diesen Sachverhalt.

„Wir haben keinen persönlichen Gott. Der persönliche Gott ist von den Menschen zusammen mit der Entwicklung der Hochkulturen „erfunden“ worden.“ „Wir haben ein „Jenseits“ und ein „Diesseits“; wir kommen aus dem geistigen Jenseits durch Geburt ins Diesseits und kehren mit dem Tod wieder  ins  Jenseits zurück. Das alles sehen wir als einen völlig natürlichen Vorgang an. Eine Totentrauer, so wie ihr Christen sie praktiziert, ist uns fremd.“  „Das geistige Jenseits ist für uns Diesseitigen ein transzendenter Raum, und deshalb ist es müßig, sich darüber Vorstellungen zu machen.“   Ich war verblüfft, denn mit der letzten Aussage trafen sie auch meine Überzeugung, die ich durch das Studium der Quantenmechanik längst hatte. Ich habe in meinem Texten „Wunder“ bzw. „Konsequenzen der Quanten-Mechanik für meinen Glauben“ ausführlich darüber geschrieben, und im Folgenden gehe ich auch noch einmal gekürzt darauf ein.    

 

Vom Kinderglauben zum Glauben

Meine Eltern lebten in Polen und bekannten sich zum Evangelischen Glauben. Ich wurde einjährig in der Warschauer Trinitatiskirche  1938  Evangelisch-Augsburgisch getauft. Christlich, aber nicht übertrieben religiös wuchs ich während des Krieges bei Posen und nach der Flucht in Seesen am Harz auf. Ich glaubte einfach das, was mir die Eltern und die Familie sagten, und dieses war für mich zunächst selbstverständlich. Religiös nachzudenken begann ich durch den regelmäßigen Besuch eines Predigers der 7-Tage-Adventisten, der uns unbedingt zum „rechten Glauben“ führen wollte und uns Evangelische als „Verlorene“ ansah. Mit am Tisch saß meine Cousine (zwei Jahre älter als meine Mutter), und die gab dem Prediger gehörig Contra, als der die Rechtfertigung durch den Glauben lächerlich machte und nur die Werke eines Menschen gelten ließ. Der Prediger sah seine Felle davonschwimmen, und schrieb meiner Mutter noch Briefe, als wir schon längst nach Aachen umgesiedelt waren. Dieser Vorfall machte mir schlagartig deutlich, dass es mit dem Glauben doch nicht so einfach war. In Aachen wurde ich konfirmiert und ließ danach Glaubensfragen etwas- aber nie vollständig – schleifen. Ich begeisterte mich für Naturwissenschaften (Physik) und Mathematik und wählte die Ingenieurlaufbahn für meinen beruflichen Lebensweg. Ich nutzte die sich mir bietende Gelegenheit, während meiner Promotionszeit Theoretische Physik an der RWTH zu studieren, und so kam ich auch mit der Quantenmechanik in Berührung. Die Naturgesetze schienen „alles“ erklären zu können, und so schrumpfte der für den Glauben übrig gebliebene Teil mehr und mehr; so dachte ich jedenfalls damals. Zweifel plagten mich zunehmend. Wunder, wie sie auch in der Bibel beschrieben sind, gab es offenbar nicht. Der Philosoph Wittgenstein formulierte entsprechend prägnant: „Die Welt ist alles, was der Fall ist.“  Die Welt war also reproduzierbar vollständig durch Ursache und Wirkung deterministisch festgelegt und berechenbar geworden. „Widersprechen Bibelaussagen der Wissenschaft, so sind die Bibelaussagen allegorisch zu deuten“, so hat es schon vor 800 Jahren Maimonides gesehen, und das akzeptierte ich ganz.

 

Einen ersten Dämpfer bekam mein schönes Weltbild, als mir plötzlich klar wurde, dass alle deterministischen Naturgesetzte letztlich auf Erfahrung beruhen, philosophisch nicht erdacht werden können, und daher für den Menschen im Grunde transzendent sind. Ich hatte einfach Verstehen mit Gewöhnung  verwechselt!  Ständiges bestätigt-werden der Gesetze in Verbindung mit deren Berechenbarkeit verführt die Menschen zum Trugschluss: „Ich habe alles verstanden und kann zu den an mich herangetragenen Fragen Lösungen erarbeiten“. Nichts hat so ein Mensch verstanden, er hat nur gelernt mit den mathematischen Analogien, die die Gesetze widerspiegeln, umzugehen und zutreffende Ausrechnungen vorzulegen. Bewährt sich ein Gesetz millionenfach und wird es dann auch nur ein einziges Mal falsifiziert, so ist es hinfällig und muss verändert werden. Das hat der britische Philosoph Karl Popper Mitte des 20. Jhds. deutlich gemacht. Daraus folgt sofort: Naturgesetze müssen falsifizierbar sein, andernfalls kann man sie nicht ernst nehmen.   Das sich unsere Faktenrealität, der ontologische Teil der Welt, durch Gesetze überhaupt berechnen lässt, ist nicht selbstverständlich, und nötigt mir Staunen ab, so oft ich darüber nachdenke. Ferner drängt sich mir die Frage auf:  Warum sollte es nicht auch Phänomene geben, die einmalig sind, also nicht durch deterministische Naturgesetzte beschrieben werden können? Es gibt nichts, dass das verbieten sollte. Die Auferstehung unseres HERRN sah ich plötzlich in einem anderen Licht; es gab auf einmal für mich keinen zwingenden Grund mehr, sie abzulehnen.

 

Den nächsten - entscheidenden – Schritt auf meinem Glaubensweg tat ich, als ich an der Ev. Akademie Mülheim die Seminarreihe „Mit dem heutigen Wissen den Glauben denken [können]“ besucht habe. Der Seminarleiter Dr. Fischbeck hat sie ausgearbeitet, und aufgezeigt, welch ungeheueres Potential in der Quantenmechanik (QM) steckt. Die QM lehrt uns, dass unsere Faktenwirklichkeit ein „Kind“ des Geistigen ist. Die materielle Realität (Faktenwirklichkeit) leitet sich als Wirkung aus der geistigen Potentialität, der Ursache, ab; nicht umgekehrt.    „Materie ist geronnener Geist“, so hat es treffend H.P.Dürr, der Nachfolger auf dem Lehrstuhl Heisenbergs in München, einmal formuliert. Der Prozess, wie aus den kohärenten Zuständen der Potentialität – einer geistigen Größe, die alle Möglichkeiten enthält - materielle Realität wird (was permanent geschieht), nennt sich folgerichtig Dekohärenz, und er wird durch Berechnungen mit komplexen Operatoren im ebenfalls komplexen Hilbertraum mathematisch eindeutig beschrieben. Als ich 1964 QM gehört habe, ist uns Studenten von dem hier genannten nichts mitgeteilt worden.

 Das Buch der Genesis beginnt mit „Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde“. Das ist in völliger Übereinstimmung mit der QM: „Geist schafft Materie“.  Albert Einstein stand, wie praktisch alle seine Fachkollegen, dem objektiven lokalen Realismus (unserer täglich erfahrbaren Umwelt) verpflichtend gegenüber. Alles muss sich dem fügen.  Er bemerkte sofort, dass die QM in der ab 1927 vorliegenden Form das nicht kann, und wies dies zusammen mit Podolski und Rosen 1935 in dem berühmten EPR-Paradoxon, einem seiner typischen genialen Gedankenexperimente, nach. Die QM ist folglich noch unvollständig und muss durch verborgene noch zu findende Parameter ergänzt werden.  Niels Bohr, der „QM-Übervater“, erwiderte schnell, vielleicht zu schnell, mit einer Kritik an Einsteins Realitäts-Verständnis, und die Physiker seiner Zeit folgten Bohr. EPR galt als abgehakt. Einstein starb 1955 mit dem Gefühl, nicht ganz verstanden worden zu sein.  Im Jahr 1964 wies der irische CERN-Physiker John Bell in einer wahrhaft epochalen scharfen Überlegung nach, dass die QM nicht, oder besser gesagt niemals, in Einsteins Sinn vervollständigt werden kann. Die Widersprüche der QM zu unserer täglich erfahrbaren Umwelt sind real und nicht etwa nur mathematischer Art, was mancher damals geglaubt, oder auch gehofft haben mag. Das Dilemma war nun perfekt. Es zwangen sich zwei Alternativen auf:

a)      Die QM ist ganz falsch, bzw. falsifiziert, obwohl sie sich sonst toll bewährt hat. Die QM-Rechnungen liefern die genauesten Vorhersagen der gesamten Physik. Man müsste noch einmal ganz von vorn anfangen. Oder,

b)      Das Weltbild, das den objektiven, lokalen Realismus als das Wesentliche der Natur ansieht, wie es sich seit Newton in den Köpfen einzementiert hatte, ist falsifiziert und muss aufgegeben werden. Dies erschien  noch schmerzlicher als die Alternative a).

 

Es ist dem Menschen nicht gegeben, zwischen beiden Alternativen durch reines Nachdenken zu entscheiden. Die Natur selbst – der Schöpfer – muss per Experiment befragt werden. Es gehört zur Genialität von John Bell ein solches Experiment in einer machbaren Form vorgeschlagen zu haben. Die QM postuliert das sonst unmögliche Phänomen der Verschränkung. Beliebig weit voneinander entfernte Objekte können ohne Zeitverzug (instant) voneinander abhängige Eigenschaften aufweisen, ohne die Möglichkeit gehabt zu haben, sich gegenseitig zu beeinflussen, oder sich in irgend einer Form informativ auszutauschen. Ein Bruch der Lokalität läge vor. „Spukhafte Fernwirkung“ nannte Einstein spöttisch diesen quantenmechanischen Verschränkungs-Effekt.    Dummerweise konnte 1964 noch niemand so ein Experiment realisieren, und es dauerte bis 1981 als der Franzose Alain Aspect die Antwort der Natur in den Händen hielt: Die Natur wird durch die QM richtig wiedergegeben, was sich in den Folgejahren (z.B.1999 an Protonen) in immer genauerer Form zweifelsfrei erwiesen hat. Das in den letzten Jahrhunderten in den Köpfen einzementierte Weltbild  ist im Popperschen Sinn falsifiziert worden. Es muss aufgegeben werden.   Geahnt hat das der bekannte Psychoanalytiker C.G.Jung (1875-1961)  mit den Worten: „Als  die Wissenschaft  die Beseeltheit der Natur aufhob, da gab sie ihr keine andere Seele, sondern setzte die menschliche Ratio über die Natur. Die Wissenschaft würdigte die Naturseele nicht einmal eines Blickes. Wäre sie sich der welterschütternden Neuheit ihres Vorgehens bewusst gewesen, so hätte sie einen Moment innehalten und sich die Frage vorlegen müssen, ob nicht größte Vorsicht bei dieser Operation, wo der Urzustand der Menschheit  aufgehoben wurde, angezeigt  wäre."   [Ges. Werke 18Bd. Das symbolische Leben, Ziff. 1368]

 

Das hat auch theologisch ungeheuere Auswirkungen, wie es die o.g. Seminarreihe von Dr. Fischbeck   gezeigt hat. Mein Denken und mein Glaube wurden dadurch stark beeinflusst.  So schreibt der Quantenphysiker Bernard  d´Espagnat : „Jeder, der sich eine Vorstellung von der Welt zu machen sucht - und von der Stellung des Menschen in der Welt -, muss die Errungenschaften und die Problematik der Quantentheorie einbeziehen. Mehr noch, er muss sie in den Mittelpunkt seines Fragens stellen."

 Die Kirchen müssen  reagieren, und angehenden Geistlichen Erkenntnisse aus der QM mit auf deren Weg geben. Theologie und Naturwissenschaften sind keine Gegensätze mehr, ergänzen sich einander und sind aufeinander angewiesen.

 Da sich alles ursächlich aus der geistigen Potentialität herleiten lässt, sind auch Phänomene, die wir bisher als „Wunder“ oder „übersinnlich“ sehr distanziert betrachtet haben, in den Bereich des Möglichen gerückt. Gott braucht keines seiner Gesetze brechen, um „Wunder“ zu vollbringen.  Man kann als Mensch nur staunend vor der Großartigkeit von Gottes Schöpfung stehen.

Wo stehe ich?

Das anfangs geschilderte Gespräch mit den Schamanen hat mich tief bewegt. Verfügte der Mensch schon lange über ein Wissen, dass später mit den Hochkulturen verloren gegangen ist? „Wir kommen aus dem Geistigen und kehren in dieses zurück, das ist unser natürlicher Weg“, das ist ein Standpunkt vor dem man Hochachtung haben kann. „Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen“, hat unser HERR gesagt [Mt 24,35].  Das klingt doch sehr ähnlich; vom berühmten Johannes-Prolog [Joh. 1,1-4] ganz zu schweigen: „Am Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. Dasselbe war im Anfang bei Gott.

Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was geworden ist – in ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen.

 

 Platons Ideenlehre enthält auch Ansätze, die den Erkenntnissen der QM nahe stehen, und besonders beeindruckt war ich durch die Lektüre des Spätwerkes des Nikolaus von Kues (Cusanus): „Die Jagd nach Weisheit“. Gott, der Ewige war immer da und kann nicht hinterfragt werden. Er schuf das „Werden-Können“, das dem Werden immer vorausgeht. Cusanus schreibt Sätze wie: „Das Werden-Können aber ist in allen gewordenen Dingen das, was geworden ist, denn nichts ist Wirklichkeit geworden, was nicht werden konnte“. Vor 550 Jahren ist Cusanus durch bloßes Nachdenken ganz in die Nähe der QM Erkenntnisse gekommen. Gott ist im Hintergrund transzendent, das glaube ich auch. Ein persönlicher Gott ist Ausdruck menschlicher Bequemlichkeit. Als Christ habe ich aber die Möglichkeit, mich direkt im Gebet an unseren HERRN, der Mensch geworden ist, zu wenden. Irgendwelche Dogmen lehne ich ab.  Mein Glaubensfundament finde ich in der Petrusrede  [Apg. 10, 34-43]:   „ Nun begreife ich den Satz erst wirklich, dass Gott kein Ansehen der Person kennt. Denn aus jedem Volk ist Gott jeder von Herzen willkommen, der an ihn glaubt und der tut, was vor ihm recht ist. Sein Wort hat er den Kindern Israels gesandt, als er ihnen durch Jesus Christus, den Herrn aller Menschen, Frieden verkündete. Ihr wisst, was überall in Judäa geschehen ist. Begonnen hat es in Galiläa nach der Verkündigung der Taufe durch Johannes. Da hat Gott Jesus von Nazareth mit Heiligem Geist und mit seiner Kraft gesalbt. Danach ist Jesus durch das Land gezogen und hat allen, die unter der Herrschaft des Teufels litten, Gutes getan und sie geheilt, denn Gott war mit ihm. Wir Apostel bezeugen alles, was er im jüdischen Land und in Jerusalem getan hat.

Die Menschen haben ihn getötet, indem sie ihn am Kreuzesholz aufhängten. Gott hat ihn auferweckt am dritten Tag und hat den Auferstandenen erscheinen lassen, nicht öffentlich, sondern vor von Gott ausersehenen Zeugen. Wir Apostel sind diese Zeugen, denn wir haben nach seiner Auferstehung zusammen mit ihm gegessen und getrunken.

Er hat uns beauftragt, dem Volk seine Botschaft zu verkünden. Wir sollen bezeugen: Er wird über Lebende und Tote richten, dazu hat Gott ihn eingesetzt. Alle Propheten weisen bereits darauf hin, dass allen Menschen die Sünden vergeben werden, die an ihn glauben.“

 

Für mich ist damit alles gesagt. Ich glaube an die menschliche Seele, die durch Geburt ins Diesseits gelangt, hier den Körper zur Artikulation braucht, und mit dem Tod wieder zum Ursprung zurückkehrt. Detaillierte Vorstellungen sind müßig anzustellen, da sie ins Transzendente greifen müssten. Kein Mensch und keine irdische Institution hat die Kompetenz irgendwelche Aussagen bzw. Behauptungen darüber auszusprechen.  

 

Gern schließe ich meine Gedankengänge mit den Worten des Anglikanischen Geistlichen und bedeutenden Quantenphysikers John C. Polkinghorne, wie ich das schon mehrfach  tat:

 „An Gott im Zeitalter der Naturwissenschaften zu glauben bedeutet die Gewissheit zu haben, dass hinter der Geschichte des Universums ein Gedanke und eine Absicht stehen, und dass der EINE, dessen verborgene Gegenwart sich darin ausdrückt, unser Anbetung wert  und der Grund unserer Hoffnung ist".      [http://www.theologie-naturwissenschaften.de/Polkinghorne/Kerngedanken.html]

 

Dr. Georg Linke, Aachen Sept. 2012      

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news-31 Tue, 13 Dec 2011 12:17:00 +0100 KONSEQUENZEN DER QUANTENTHEORIE http://www.theologie-naturwissenschaften.de/diskussion/blog-georg-linke/einzelansicht/konsequenzen-der-quantentheorie/ Für meinen persönlichen Glauben Der verlorene Kinderglaube

Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde“; diesen Satz aus Genesis 1 hat wohl in unserem Kulturkreis jeder gehört. Als Kind war das für mich absolut selbstverständlich. Mit fortschreitendem Alter begannen Zweifel; das ist ganz normal. Man beginnt über religiöse Dinge tiefer nachzudenken. Durch meine naturwissenschaftliche Ausbildung fiel es mir immer schwerer „übernatürliche“ Schilderungen, wie man sie in der Hl. Schrift häufig vorfindet, anzunehmen. Eine gewisse Brücke aus diesem Dilemma schuf vor 800 Jahren der jüdische Philosoph MAIMONIDES mit dem Satz: „Widersprechen Bibelstellen wissenschaftlichen Erkenntnissen, so sind sie [die Bibelstellen] allegorisch zu deuten.“ Das würde aber bedeuten, auch die Auferstehung unseres HERRN nur allegorisch zu verstehen, und das fiel mir schwer zu glauben, denn ich befürchtete und verspürte einen ungeheueren Verlust zu erleben. 

 

Falsche Schlussfolgerungen

Ganz konsequent ging da der  ev. historisch-kritische  Theologe ERNST TROELTSCH (1865-1923) vor. Er schließt die Existenz „übernatürlicher“ Ereignisse kategorisch aus, da sie den Naturgesetzen widersprechen.  Gott hat die Welt zusammen mit den Naturgesetzen geschaffen, und die sind und bleiben gültig; das verlangt schon der Glaube an Gottes Treue zu seiner Schöpfung. Ein Gott, der laufend seine eigenen Gesetze brechen müsste, um seinen Willen durchzusetzen, wäre sicher nicht der Anbetung wert! TROELTSCH ist in der Annahme gestorben, dass es real nie eine Auferstehung Christi gegeben hat. Das ist das gleiche Gedankengut, das man bei BULTMANN vorfindet, wenn dieser zu einer „Entmythologisierung“ der Bibel auffordert. „Alles muss denkbar sein“ wird gefordert, wobei „denkbar“ nur ist, was der Faktenrealität entsprechen kann. Generationen evangelischer Theologiestudenten wurden in solchem Geist geschult, den sie als Pfarrer in die Gemeinden trugen. In meiner Jahrzehnte langen Presbyterzeit kann ich ein Lied davon singen.

In diesem Zusammenhang ist aber von entscheidender Bedeutung, dass unsere Naturgesetze vor der Quantenmechanik (QM) nur den ontologischen Teil unserer Wirklichkeit beschrieben haben, d.h. ausschließlich für unsere uns umgebende Faktenrealität anwendbar waren, und das Geistige nicht mit abdecken konnten. TROELTSCH hat also im Rahmen seiner Kenntnisse ganz folgerichtig gedacht und argumentiert.  Man könnte sagen, er hat zu früh gelebt, um zu erkennen, dass Gottes Naturgesetze viel umfassender sind und auch den epistemologischen Teil unserer Wirklichkeit, d.h. das Geistige, oder die Potentialität, in der alles denkbar ist,  erfassen können. Es hat nach der Formulierung der Quantenmechanik (ab1925 durch HEISENBERG, BOHR, SCHRÖDINGER  u.A.) aber noch Jahrzehnte, bis in die Gegenwart, gedauert, ehe sich die für uns hier wichtigen Konsequenzen bestätigt haben. Dies versuche ich im nächsten Abschnitt zu erläutern.

 

Die Quantenrevolution

ALBERT EINSTEIN (1879-1955) gehörte zu den ersten, die das Revolutionär-Umwälzende der neuen QM erkannten. Für ihn und praktisch alle seine Fach-Kollegen war unsere Faktenrealität das Maß der Dinge schlechthin in das sich alles, so auch die QM, einpassen muss. Er spürte sofort, dass die QM das nicht kann und wies das in seinem berühmten EPR (EINSTEIN-PODOLSKI-ROSEN)-Paradoxon1935 nach. Sowjetische Wissenschaftler strichen das Wort QM aus ihrer Enzyklopädie, um das Volk nicht zu „verunsichern“. EINSTEIN forderte, die QM um noch zu findende „verborgene“ Parameter zu erweitern, um sie in die Faktenrealität „einpassen“ zu können. Das Problem blieb trotz BOHRscher  Deutungsversuche, wie man heute weiß, ungelöst. Neun Jahre nach dem Tode EINSTEINS  wies der irische Physiker JOHN BELL 1964 nach, dass die QM sich nicht durch verborgene Parameter einpassen lässt, und schlug alles entscheidende, klärende, Experimente vor. Kein Mensch, sondern nur die Natur selbst konnte bestimmen, ob die nicht-einpassungsfähige QM korrekt ist, oder durch etwas komplett Neues ersetzt werden muss. Erst 1981 gelang dem Franzosen ALAIN ASPECT  die Klärung. Da das Experiment für die Physik und somit für unser ganzes Weltbild von epochaler Bedeutung war, wurde es in den Folgejahren von mehreren führenden Quanten-Laboratorien bis heute in immer größerer Genauigkeit mit variierenden Randbedingungen wiederholt.

Eindeutiges Ergebnis: Die Natur verhält sich so, wie es die QM beschreibt. Unser objektiv-lokaler Realismus (Faktenrealität) ist NICHT das Maß aller Dinge!

Das hat gewaltige Konsequenzen. Die QM ist die präziseste Naturbeschreibung, die wir haben; sie erfasst den epistemologischen Teil unserer Wirklichkeit (die sog. Potentialität der Dinge). Dieser lässt sich nicht in die Faktenrealität einordnen, sondern es ist genau umgekehrt: Die Faktenrealität  ist ein „Kind“ der allumfassenden Potentialität der Dinge. Der HEISENBERG-Nachfolger in München H.P. DÜRR sagt wunderbar: „Materie ist nichts anderes als geronnener  Geist.“  Die von EINSTEIN  und praktisch allen damaligen Kollegen angenommene Dominanz der Faktenrealität (das sog. materialistische Weltbild) ist im POPPERschen Sinn falsifiziert worden, d. h. es ist ungültig. Alles was wir hier faktisch sehen und erleben (unsere Sinneseindrücke) hat im Geistigen seine Ursachen. Das gilt für das ganze Universum einschließlich der Begriffe von Raum & Zeit. Den Prozess, wie aus der ursächlichen Potentialität faktische Realität wird, nennt man Dekohärenz, denn die kohärenten quantenmechanischen Zustände der Potentialität zerfallen um real zu werden. Das lässt sich alles mathematisch mit Hilfe komplexer Operatoren im Hilbertraum beschreiben, während unsere Sprache, die nur an der Realität orientiert ist, versagt. Darum hat HEISENBERG formuliert: „Über den letzten Grund unserer Wirklichkeit kann nur in Gleichnissen gesprochen werden.“

 

Religiöse Konsequenzen

Jetzt erscheint der o.g. erste Satz aus dem Buch Genesis „Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde“ in einem klaren Licht. Geist schafft Materie, so ist es offenbar gewesen, und unser Raum und unsere Zeit sind ebenfalls entstanden. Dabei ist es zweitrangig, ob es vor „unserem“ Ur-Knall Vorläufer- Universen gab. Der Johannesprolog beginnt mit „Am Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. Dasselbe war im Anfang bei Gott. Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht was geworden ist – in ihm war das Leben“. Dies könnte glatt als Zitat eines gläubigen Quantenwissenschaftlers gelten. Und auch das JESU-Wort: „Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen“ [Mt 24,35] drückt klar aus, dass das Geistige als allumfassender Urgrund auch überdauern wird, wenn das Faktische aufhört zu sein. Das Geistige hat offenbar die Potentialität Leben und Kultur zu bewahren und auch neu hervorzubringen. Hier berühren sich Theologie und Naturwissenschaft und können sich fruchtbar ergänzen. Ich habe diesen Standpunkt schon mehrfach in Berichten dieses Weblogs geäußert. Mein Glaube an GOTT bleibt aber immer meine persönliche Angelegenheit. Durch die Beschäftigung mit der QM fällt es mir aber viel leichter an Gottes Wirken in unserer Welt zu glauben. Sicher trifft für viele Wundererzählungen die eingangs erwähnte Meinung von MAIMONIDES  zu, aber das Wesentliche, die Auferstehung JESU und die Heilserwartung werden auf einmal mühelos denkbar. Welch ein Fortschritt!

Herr Dr. FISCHBECK, von dem ich durch den Besuch seiner Seminare an der früheren Ev. Akademie in Mülheim a.d.R. „Mit dem heutigen Wissen den Glauben denken können“, die neuen Glaubens-Möglichkeiten durch die QM aufgezeigt bekam, hat zum vorliegenden Thema die Arbeit „Gott und die Naturgesetze“ verfasst. Diese Arbeit ist wesentlich stärker philosophisch untermauert als mein Text und kann auch auf der Weblog-Seite der Akademie  www.theologie-naturwissenschaften.de in der Sparte „Konsequenzen der Quantentheorie“ eingesehen werden. Der Schlusssatz: „Die Allgültigkeit der Naturgesetze beschränkt nicht die Allmacht Gottes, sondern bringt sie vielmehr zum Ausdruck“ ist auch ganz meine Überzeugung. Wie auch schon in früheren Aufsätzen, schließe ich gern mit einem wunderbaren Satz des britischen Quantenphysikers und Anglikanischen Priesters  JOHN C. POLKINGHORNE: „An Gott im Zeitalter der Naturwissenschaften zu glauben, bedeutet, die Gewissheit zu haben, dass hinter der Geschichte des Universums ein Gedanke und eine Absicht stehen und dass der EINE, dessen verborgene Anwesenheit sich darin ausdrückt, unserer Anbetung wert und der Grund unserer Hoffnung ist.“

  Das Wichtigste ist, dass ich eine Hoffnung im Leben habe, von dem ich annehme, dass wenn ich nicht glauben könnte, ich darauf verzichten müsste – und das wäre sehr, sehr schade.

 Dr. Georg Linke, Aachen im Dez. 2011   

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news-18 Mon, 09 May 2011 12:31:00 +0200 DANKE EVA http://www.theologie-naturwissenschaften.de/diskussion/blog-georg-linke/einzelansicht/danke-eva/ dass Du vom Baum der Erkenntnis gegessen und auch Adam davon abgegeben hast

Der Baum der Erkenntnis - Ein Sündenfall ?

 

Im Buch GENESIS ist uns überliefert, dass GOTT mitten im Garten Eden zwei Bäume gepflanzt hat, den Baum des Lebens und den der Erkenntnis von Gut & Böse. Dann gebot der HERR dem Menschen: „Von allen Bäumen des Gartens darfst du essen, doch vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse darfst du nicht essen; denn sobald du davon isst, wirst du sterben.“   Wir wissen, wie es weiterging. Adam erhielt seine- noch namenlose- Frau, beide waren nackt, aber sie schämten sich nicht voreinander.

 

Die Schlange, das klügste Tier in Eden, sagte zur Frau: „Nein, ihr werdet nicht sterben, GOTT weiß vielmehr: sobald ihr davon esst, gehen euch die Augen auf; ihr  werdet wie GOTT und erkennt Gut und Böse.“  Da sah die Frau, dass es köstlich wäre, von dem Baum zu essen, dass der Baum eine Augenweide war und dazu verlockte, klug zu werden. Sie nahm von seinen Früchten und aß; sie gab auch ihrem Mann, der bei ihr war, und auch er aß.   Da gingen beiden die Augen auf, und sie erkannten, dass sie nackt waren. Sie hefteten Feigenblätter zusammen und machten sich einen Schurz.

 

Von GOTT zur Rechenschaft gestellt, schob Adam die Schuld auf seine Frau, und sie auf die Schlange. Sie starben nicht, aber GOTT sagte ihnen für ihr Leben Mühsal & Plage beim Anbau der Felder, und der Frau Schmerzen bei der Geburt der Kinder voraus. GOTT sprach: „Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen, bis du zurückkehrst zum Ackerboden; von ihm bist du ja genommen. Denn Staub bist du, zum Staub musst du zurück.“

Adam nannte seine Frau Eva (Leben), denn sie wurde die Mutter aller Lebendigen. GOTT, der Herr, machte Adam und seiner Frau Röcke aus Fellen und bekleidete sie damit. Dann sprach GOTT der HERR: Seht, der Mensch ist geworden wie wir; er erkennt Gut  und Böse. Dass er jetzt nicht die Hand ausstreckt, auch vom Baum des Lebens nimmt, davon isst und ewig lebt!“  GOTT vertrieb den Menschen aus Eden, und versperrte im Osten Edens den Rückweg zum Baum des Lebens mit Kerubim und loderndem Flammenschwert.

 

Im Religionsunterricht ist mir diese großartige Erzählung immer als „Sündenfall des Menschen“ gelehrt worden. Heute sehe ich das ganz anders. Ich bin sicher nicht der erste, der obigen Sündenfall als Glücksfall für den Menschen ansieht. Aus der Geschichte folgt klar, dass der Mensch vor dem Genuss der Erkenntnisfrucht nicht in der Lage war Gut & Böse voneinander zu unterscheiden. Er war nicht schuldfähig, er war sich seiner Nacktheit nicht bewusst, wie es so schön heißt (d.h. er kannte kein Schamgefühl), er konnte –verallgemeinert gesagt-  noch nicht kognitiv denken. Er war noch nicht das, was heutige Menschen sind.  Die Erzählung spiegelt nichts anderes wider, als den Entwicklungssprung der Primaten zum Homo Sapiens-Sapiens.

Glaube an ein höheres Wesen, religiöse Kulte, Sprache, Ackerbau (Kain) & Viehzucht (Abel), bis hin zur Sesshaftigkeit mit Gerichtswesen, das sind doch alles Errungenschaften die Erkenntnisfähigkeit zur Vorraussetzung haben.

 Daher mein Dank an Eva im Titel. Ich bin ein Fan von ihr geworden.

 

Gott oder Evolution?

 

„Die Welt ist vor 6000 Jahren innerhalb von 6 Tagen erschaffen worden!“ Solche Ansichten gibt es heute tatsächlich noch. Mein Patenonkel Eucherius (im Berufsleben ein leitender Angestellter in einem Weltkonzern, sein kaufmännisch-planerisches Fachwissen war hoch geschätzt) vertrat diesen Standpunkt. Da war er zu den 7-Tage-Adventisten übergetreten. „Die Welt hat 865 Religionen, nur eine kann davon die Richtige sein. Ich hoffe & bete, dass dies die meinige ist!“ „Entweder stimmt die Bibel total so wie sie geschrieben ist, buchstabengenau, oder man kann sie in den brennenden Kamin schmeißen!“ Das sind Beispiele von Sätzen, die ich mir als Jugendlicher habe anhören müssen. Damals konnte ich mich noch nicht gut wehren. Immerhin gab ich zu bedenken, dass die Ausgrabungen von Primaten & Sauriern ein viel älteres Leben auf unserer Erde beweisen. „Ja weist du denn nicht, dass der Satan alle diese Funde in die Erde gesteckt hat, um die Menschen von der Wahrheit abzubringen?“ Nein, das wusste ich in der Tat nicht!
Auf gleichem Niveau befinden sich für mich Menschen mit der Aussage: „Den Tod – auch in der Tierwelt – gibt es erst seit dem Sündenfall des Menschen.“ Nicht viel besser war „Der Spiegel“ in der Titelgeschichte „Gott gegen Darwin“ (52/2005) mit der Aussage: „Die Christen“ lehrten die Weltschöpfung in höchstens 10 000 Jahren. Fazit: „Es wird eng für den Schöpfer.“
Während ich das schreibe kommt mir die Frage in den Sinn: Ist das hier eine Tragödie, oder etwa eine Komödie, oder Was? Selbst intelligente Menschen können sich offenbar in absonderliche Ansichten verrennen.

Dabei hat doch schon vor 800 Jahren Maimonides erkannt: „Widersprechen Bibelstellen wissenschaftlichen Erkenntnissen, so sind die Bibelstellen allegorisch zu deuten.“ Welch eine befreiende Kraft steckt in dieser Weisheit! Gottes Wort ernst nehmen, unbedingt; gerade deshalb darf die Bibel nicht wörtlich verinnerlicht werden. Der Umkehrschluss gilt auch: Wenn ich die Bibel buchstäblich nehme, wie Eucherius, leidet die Ernsthaftigkeit von Gottes Wort.
Die Schöpfungsberichte im Buch GENESIS sind ganz wunderbare Erzählungen, die wir in unserem Kulturgut haben. Warum ist es meinem Patenonkel, der dauernd in der Bibel las, oft die verschiedenen Übersetzungen miteinander vergleichend, nie aufgefallen, dass der 7. Tag, Gottes Ruhetag, nicht abgeschlossen ist? Das ist für mich kein Zufall oder Versäumnis, sondern ein Indiz, dass die Verfasser damals überhaupt nicht an irdische Tage gedacht haben. Nur die späteren naiven Leser haben sich selbst ins Abseits gestellt, so auch die Spiegel-Schreiber. Für den Schöpfer wird es nie eng!

 

Die grundlegenden evolutionsbiologischen Einsichten sind empirisch sicherer erwiesen, als viele andere Hypothesen. Für das Gespräch über Naturwissenschaft & Religion braucht es mehr. Wozu sich gegeneinander ausspielen, wo man sich doch einander ergänzen kann? Darwin nimmt an, dass die Grundvoraussetzungen der Evolution Variabilität & Selektion sind. Die vorgefundenen komplexen Zusammenhänge in der Natur, die uns immer wieder staunen lassen, sehen auf den ersten Blick nicht nach Zufall aus. Aber betrachtet man die zeitliche Tiefe der Erdgeschichte, dann können komplexe Strukturen aus vielen aufeinander folgenden Schritten entstehen. Ob das allerdings für alles ausreicht – ich persönlich bezweifele das – greift in dem Bereich des Glaubens.

Kognitives Denken ist eine der großen Errungenschaften der Evolution, und, wie bei allen großen Errungenschaften, ist es nicht geklärt, warum solche Dinge passieren bzw. wodurch  sie ausgelöst werden.  Trotz allem Fortschritt frage ich mich: werden wir je die großen Geheimnisse ganz aufklären können?

  Wann trat kognitives Denken auf? Der Primat Homo-Erectus  hatte es offenbar noch nicht, obwohl er schon vor über 1 Million Jahren  von Afrika aus die Kontinente der Welt besiedelt hat. Seine Kopfanatomie gestattete ihm noch keine Sprache.

Beim Neandertaler (vor ½ Million-30.000 Jahren) ist sich die Forschung nicht ganz sicher, wahrscheinlich konnte er noch nicht oder nur rudimentär sprechen. Jedenfalls waren sie ausgezeichnete Gruppen-Jäger, bewaffnet mit Holzspeeren, auf denen sie Steinspitzen befestigt hatten.   Der moderne Mensch, zunächst in einer archaischen Urform trat vor etwa 190.000 Jahren in Afrika auf, vertrieb (??) die Neandertaler und breitete sich innerhalb 100.000 Jahren über die ganze Welt aus. Der moderne Homo Sapiens-Sapiens „entstand“ über die Zwischenform des Cro-Magnon-Menschen in dieser Zeitspanne.  Dabei wären die Menschen vor etwa 120000 Jahren wegen klimabedingten Nahrungsmangel beinahe wieder ausgestorben. Nur wenige 100 Individuen, so schätzt die Forschung heute, überlebten in einer Nische im südlichen Afrika, weshalb wir Menschen jetzt so genetisch gleich, nahezu identisch sind.1  Sprachfähigkeit und kognitives Denken waren vorhanden.  Ein hoch entwickeltes Gehirn, genügend Resonanzraum im Rachen, tief liegender Kehlkopf, leistungsfähiger Zungennerv für eine möglichst bewegliche Zunge (erkennbar an einem breiten Nerv-Durchtrittskanal im Schädelknochen – dieses Merkmal besaß schon der Neandertaler-); dies alles sind notwendige Vorraussetzungen. Hinreichend wird es jedoch erst, wenn die Entwicklung einer gewissen Kultur, verbunden mit der Fertigung von Kunst-Gegenständen eindeutig auf Sprache hinweisen, und das war erst vor 40.000 Jahren der Fall. Damals fand die so genannte „paläolithische Explosion“ statt, ein plötzliches Auftreten von Kultur im menschlichen Zusammenleben. Fachleute fragen sich sogar, ob damals eine Mutation auftrat: ein hypothetisches  „Ackerbau-Gen“?

 Hat zu dieser Zeit Eva vom Baum der Erkenntnis genascht?  

 

Die Größe des Menschen

 

Evolution steht nie still. Hat sie ein Ziel? Ist der Mensch das Ziel? Wie wird der nächste Schritt aussehen?

 

Der Liebe Gottes und dem Glauben tut der Zufall keinen Abbruch. Ist Gott aus der Natur zu beweisen, oder zu bestreiten? Nur Menschen die das glauben kann eine bestimmte Sicht der Evolution Argumente für oder gegen Gott liefern. Aus der Beschaffenheit der Welt wird auf das Sein Gottes geschlossen. Den entscheidenden Einwand dagegen lieferte Kant: Alle Gottesbeweise müssen einen Sprung vom Denknotwendigen zum Sein vollführen: „Die unbedingte Notwendigkeit der Urteile aber ist nicht eine absolute Notwendigkeit der Sachen.“ Die Vernunft bewegt sich durch den Blick auf die Wunder der Natur nicht im Rahmen eines Beweises, sondern (Kant): „..eines zur Beruhigung hinreichenden, obgleich nicht unbedingte Unterwerfung gebietenden Glaubens.“
In einer guten Zeitung habe ich schon vor Jahren gelesen: „Der Mensch gewinnt seine Größe dadurch, dass er die Unmöglichkeit des Beweises [der Existenz Gottes] auf dem Wege der Vernunft anerkennt und erträgt, ohne an der Vernunft und ohne an Gott zu verzweifeln… Entscheidend ist nicht der evolutionäre Zufall der Schöpfung, sondern das Zufallen der Liebe des Schöpfers. Glaube gebietet eben keine unbedingte Unterwerfung, sondern ein bedachtes und unterscheidendes Hinsehen.“

 

Das naturwissenschaftliche Weltbild macht keine Aussage über den Sinn der Welt oder Gott. Ich bin Naturwissenschaftler und bekenne mich mit meinen persönlichen Erfahrungen zu Gott.
Ich teile die Ansicht Sigmund Freuds nicht. Ich fühle mich keineswegs als Mensch durch Darwin gekränkt.

Ich hatte meinen Religionsunterricht Mitte des 20. Jahrhunderts. Mit keinem Wort wurden Gedanken erwähnt, wie ich sie hier aufgeschrieben habe. Man ritt immer auf Sünde & Schuld des Menschen herum. Das ist schade, unattraktiv und abstoßend. Irgendwie muss ich das schon immer so empfunden haben.  Mit diesem Beitrag möchte ich zeigen, dass man 200 Jahre nach Darwin auch anders lehren kann.

 

Der Baum des Lebens – Ein Unsterblichkeits-Gen ?

 

Warum altern wir? Warum sterben wir? Fragt sich die Forschung heute. Ich meine hier die biologische Seite. Philosophisch-theologisch ist es durch die Schrift beantwortet: „[HERR] Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden“, übersetzt Luther im Psalm 90,12.

 

 Gesetzt den Fall, es gelänge der Wissenschaft ein „Unsterblichkeits-Gen“ zu finden, oder zu entwickeln -- Die  Wahrscheinlichkeit dafür ist tatsächlich nicht gleich Null. Ob das überhaupt wünschenswert ist, und welche Probleme sich die Menschheit damit einhandeln würde, möchte ich hier nicht betrachten. --, dann hält sich die Geschichte im Buch GENESIS dafür ein Hintertürchen offen, und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Der Garten Eden wird nur vom Osten her mit Kerubim & Flammenschwert bewacht. Der Mensch hat also die Möglichkeit sich vom Westen her an den Baum des Lebens heranzuschleichen. Ich bin überzeugt, die listige Schlange wird ihm den Weg dorthin weisen. 

 

Dr. Georg Linke, Aachen, im Mai 2011

 

1 Scientific American August 2010 p. 40-47

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news-12 Tue, 29 Mar 2011 12:28:00 +0200 WUNDER http://www.theologie-naturwissenschaften.de/diskussion/blog-georg-linke/einzelansicht/wunder/ Gott wirkt im Rahmen seiner Naturgesetze, immer !  

Was sind Wunder?

 

Der BROCKHAUS 2008 schreibt: Religion: außergewöhnliches, den Naturgesetzen oder aller Erfahrung widersprechendes und deshalb der unmittelbaren Einwirkung Gottes, der Götter oder übernatürlichen Kräften zugeschriebenes Geschehen, Ereignis; in den großen monotheistischen Religionen (Judentum, Christentum, Islam) als  »Zeichen« der alles umfassenden Macht Gottes gedeutet; im N.T. immer im Zusammenhang mit der Verkündigung Jesu stehend.

 

Damit spiegelt das Lexikon die noch immer gängige Meinung der Menschen wider, so wie es das materialistische Weltbild suggeriert. Ich möchte hier versuchen zu zeigen, dass durch die quanten-mechanische Erweiterung der Naturgesetze, diesen widersprechende Geschehnisse es gar nicht gibt. 

 

Historischer Rückblick

Früher, -vorneuzeitlich- waren Wunder ganz normal, denn fast alles war nicht erklärbar. Aus allen Kulturkreisen wird davon berichtet. Magie, Paraphänomene, Hellsehen gehören genauso dazu, wie die vielen Bibel-Wunder (Durchgang Israels durch das Rote Meer, die Pharao-Strafen, der Einsturz der Jericho-Mauern, Moses, Elias und Jesus taten „ganz selbstverständlich“ Wunder). Als Urheber galten GOTT oder  -für die bösen Mächte- SATAN. 

  Als der Mensch zu ahnen begann, dass es so etwas wie Naturgesetze gibt und sich eine Naturwissenschaft zu etablieren begann, formulierte der jüdische Philosoph MAIMONIDES vor 800 Jahren den bemerkenswerten Satz: „Widersprechen Bibelstellen Wissenschaftlichen Erkenntnissen, so sind sie[die Bibelstellen] allegorisch zu deuten.“  Und noch 350 Jahre eher hat der Ire JOHANNES SCOTUS ERIUGENA formuliert: „Im Falle eines Widerspruchs zwischen der Autorität und der Vernunft hat die Vernunft den Vorrang.“  Hier zeigt sich erstmalig der über die folgenden Jahrhunderte bis heute schwelende Konflikt zwischen Naturwissenschaft und Theologie.

Mit dem Aufbruch in die Moderne änderte sich das Denken grundlegend.   Es gibt keine Wunder, nur Ursachen und Wirkungen. Die Berechenbarkeit einer Welt, in der GOTT nichts mehr zu sagen hat, drückt sich in den Skizzen und Konstruktionszeichnungen LEONARDOS aus, und zeitgleich rückte KOPERNIKUS die Erde an den Rand, und die Sonne ins Zentrum. Die Gesetze der Physik und nicht mehr die Erhebung der Seele zu GOTT prägen die Zeit der Renaissance. Die epistemologische Seite des Weltbildes trat zu Gunsten der ontologischen mehr und mehr zurück. Dies war der Boden auf dem ISAAK NEWTON seine Triumphe feiern konnte. Alles schien auf einmal berechenbar zu sein, gipfelnd in der LAPLACE-Behauptung:  »Inmitten der unendlichen Vielfalt der Erscheinungen, die sich in ununterbro­chener Folge am Himmel und auf der Erde abspielen, sind wir zu der Erkenntnis gelangt, dass die Materie in allen ihren Bewegungen durch wenige allgemeine Gesetze bestimmt ist. Ihnen gehorcht alles in der Natur; alles folgt daraus mit derselben Notwendigkeit wie der Wechsel der Jahreszeiten, und der zufällige Flug eines vom Winde verwehten Atoms ist durch sie ebenso streng geregelt wie die Bahnen der Planeten«.  Auf die Frage NAPOLEONS: „Wo ist in diesem, Ihrem Weltbild GOTT?“  kam die berühmte Antwort: „Majestät, auf diese Hypothese kann ich verzichten!“

Dass dieses materialistische Weltbild Unbehagen hinterlässt, drückte der bekannte Psychoanalytiker C.G.JUNG  mit den Worten aus: „Als  die Wissenschaft  die Beseeltheit der Natur aufhob, da gab sie ihr keine andere Seele, sondern setzte die menschliche Ratio über die Natur. Die Wissenschaft würdigte die Naturseele nicht einmal eines Blickes. Wäre sie sich der welterschütternden Neuheit ihres Vorgehens bewusst gewesen, so hätte sie einen Moment innehalten und sich die Frage vorlegen müssen, ob nicht größte Vorsicht bei dieser Operation, wo der Urzustand der Menschheit  aufgehoben wurde, angezeigt  wäre."   [Ges. Werke 18Bd. Das symbolische Leben, Ziff. 1368]

 

Wundererlebnisse heute

 

Auch  heute gibt es „Wunder“. „Ging das mit rechten Dingen zu?“, wird gefragt, wenn unerklärliches passiert, oder davon berichtet wird.  Ich nahm kürzlich an einer Tagung an der Ev. Akademie in Bad Godesberg über solche Fragen teil. Dort referierte Prof. Dr. DIETER VAITL  aus der Arbeit des Instituts für Grenzgebiete der Psychologie und Psyhohygenie e.V. Freiburg, allgem. als BENDER-Institut bekannt. Dieses Institut ist mit seinen 60 Mitarbeitern Welt-führend , sammelt und katalogisiert seit 40 Jahren Anomalien und Paraphänomene systematisch. Zu über 90% erweisen sich die Erzählungen als frei erfunden oder normal erklärbar, wenn intensiv nachgeforscht wird. Beispielsweise wimmelte es vor paar Jahren von UFO-Sichtungen, bis sich herausstellte, dass es Party-Heißluftballons aus einem Drogeriemarkt waren (inzwischen verboten, wegen der Brandgefahr). Die berühmt gewordenen Greifswalder UFO-Sichtungen 1990 über der Ostsee waren verbotenerweise abgefeuerte Flugkörper aus NVA-Beständen (dieser Nachweis erwies sich als außerordentlich schwierig). Trotzdem bleibt ein völlig rätselhafter Rest. Das Institut hat eine `Task-Force´ gebildet, die auftauchenden Berichten sofort nachgeht, die Glaubwürdigkeit prüft, aufzeichnet und für spätere Untersuchungen einordnet. So ist ein Fall dokumentiert in dem eine einfache Bäuerin THERESE NEUMANN aus dem Dorf Konnersreuth in Bayern in Trance wiederholt unverständlich gesprochen hat.  Sprachanalysen ergaben zur allgemeinem Verblüffung, dass es sich um  längst ausgestorbenes Altaramäisch –der Sprache Jesu- gehandelt hat. Die Bäuerin besaß keinerlei entsprechende Bildung und ist nie weit gereist. Dieser Vorfall lässt sich nicht wegdiskutieren und widersetzt sich allen Deutungs-Versuchen.

 Der bereits erwähnte Psychoanalytiker C.G.JUNG  berichtete über einen plötzlichen heftigen Schmerz in seinem Hinterkopf. Wie sich herausstellte hat sich im Schmerzaugenblick einer seiner Patienten in den Hinterkopf geschossen.

 In einer Rundfunksendung über Traumforschung ist von einer Frau berichtet worden, die im Traum  ihren Freund eine schwere Kiste bergauf tragen sah, der im Aufweck-Augenblick gesagt hat: „Hoffentlich kriege ich diese Kiste noch über den Berg.“   Der Freund befand sich am anderen Ende der Welt (Australien/Neuseeland), dort war es Tag und er saß in einem Segelflugzeug, hatte bei zu wenig Aufwind einen Berg vor sich, und sprach zu sich selbst: „Hoffentlich kriege ich diese Kiste noch über den Berg.“  Es war, wie die Nachforschungen ergeben haben, exakt der gleiche Augenblick. Interessant ist, dass nur die Sprachinformation synchron „übertragen“ worden ist. Das Hirn der Frau schuf sich eine eigene Bilddeutung dazu.

Der berühmte hinduistische indische Yogi PARAMAHANSA YOGANANDA schreibt in seiner Autobiographie über die o.g. THERESE NEUMANN (1898-1962) von Konnersreuth, die er während einer ihrer Trance-Zustände im Sommer 1935 besucht hat. Sofort gelang es ihm mit ihr geistigen Kontakt aufzunehmen, worauf er ihre Visionen über den Leidensweg Christi auch sah und miterlebte. So etwas ist, wie er schreibt, unter echten Mystikern ein normales Phänomen. Damit war es ihm klar, dass THERESE nicht simuliert und ernst genommen werden muss. Es ist überliefert, dass die röm. kath. Kirche lange gezögert hat, THERESE von Konnersreuth anzuerkennen.  Die Kirche hat 2005 ihr Seligsprechungsverfahren eroffnet. 

Aus meiner eigenen Familie möchte ich hier ein Erlebnis meines Vaters wiedergeben:

Es ist  mein Geburtsjahr 1937, Spätsommer, in Kędzierak, einem Dorf bei Minsk-Mazowiecki, östlich von Warschau gelegen.  Meine Mutter erkrankte auf Leben und Tod, sie hatte Brustentzündung   (Rettung kam durch eine Bäuerin, die bestimmte Blattumschläge empfahl).

Auf einem Feldweg sprach eine junge Roma/Sinti (ca. 16 J.) meinen Vater mit seinem Vornamen an: „Sie heißen Karl”   „Was willst Du?”   „Ich möchte Ihnen die Zukunft sagen.”   „Gehe weg!” Mein Vater hielt überhaupt nichts von derartigem.

„Bitte schicken Sie mich nicht weg, ich bin sehr gut! Ihre Frau ist krank.” Niemand wusste von der Krankheit, die Bäuerin trat erst später in Erscheinung. Mein Vater war verblüfft. „Ja, das stimmt; wenn Du wirklich so gut bist, wie Du sagst, dann sage mir jetzt was meine Frau hat.”  Darauf war das Mädchen nicht gefasst. Vor den Augen meines Vaters versank sie in Trance für eine Weile. Als sie zu sich kam, klopfte sie mit den Händen ihren Körper ab und stammelte: „Es ist etwas Äußerliches, Arm?,  Schulter?”  „Es ist die Brust, Du bist wirklich gut.  Was hast Du zu mir über meine Zukunft zu sagen?” 

„Sie werden hier nicht bleiben, Sie ziehen weg.”  „Ich denke gar nicht daran, wo soll ich denn hinziehen?”   „Nach Westen!”   „Nein!”   „Doch Sie werden!”

1937 lebten meine Eltern in sehr gesicherten Verhältnissen, es war Friedenszeit, mein Vater war Buch- und Wirtschafts-Prüfer mit festem Kundenkreis der Güter. Er hatte dort quasi ein Monopol, es ging uns sehr gut. Wegziehen war jenseits unserer Vorstellungskraft.

Das Mädchen fügte noch hinzu: „Dort wo Sie hinziehen, werden Sie nicht bleiben, sondern weiterziehen nach Westen, und Sie werden noch mehrmals weiterziehen, immer nach Westen. Es wird Ihnen immer besser gehen.”  Mein Vater gab ihr das Geld, und war überzeugt, die spinnt total, und vergaß die Sache.

So ging es mit meinem Vater bzw. mit uns tatsächlich weiter:

1940 Zwangsumsiedlung nach Jarotschin (Posen) durch die Nazis, Dienst im Wehrmeldeamt,

1945 Flucht nach Spremberg (Lausitz), zwei Wochen Abwarten,

1945 Flucht-Fortsetzung nach Seesen (Harz), bis 1948 Dienst bei den Briten, dann arbeitslos,

1951 Umsiedlung nach Aachen, mein Vater bekam Handlanger-Arbeit, innerlich gebrochen.

Es ging uns immer schlechter.

Da erinnerte sich mein Vater an das Mädchen, und hat mir die Geschichte erzählt, und noch wiederholt in der Familie. Mein Vater konnte nicht lügen; die Geschichte ist wahr; deshalb habe ich sie hier aufgeschrieben. Das Mädchen wusste genau, dass es mit uns bergab gehen wird und hat zum Schluss gelogen, um meinen Vater nicht noch mehr aufzuregen und möglicherweise kein Geld zu bekommen.

 So sah es mein Vater, und ich denke, da hatte er Recht. Die junge Seherin war wirklich sehr gut.

 

 Diese Geschichten fallen nicht in den Bereich der uns geläufigen ontologischen Naturgesetze, sie sind Teil einer geistigen, epistemologischen Wirklichkeit  außerhalb von Zeit & Raum. Das sage ich als Physiker.

Es sei ergänzend noch bemerkt, dass viele außergewöhnlich erscheinende Phänomene bei Beobachtung in großer Zahl sich normalisieren, also sich den zufälligen Erwartungswerten nähern. Aber nicht immer. Prof. VAITL nannte bei der Tagung Ergebnisse aus tausenden, über Jahrzehnte währenden Telepatie-Experimenten seines Instituts, die klare Effekte zeigen, signifikant von Zufallswerten abweichen und somit kausal nicht erklärbar sind!

 

Ein eigenes Gebiet sind die zwar schon immer vorhandenen Nahtod-Erfahrungen der Menschen, aber erst in den letzten Jahren wächst die Literatur darüber stark an. Obwohl es thematisch passt, möchte ich auf dieses Spezialgebiet hier nicht näher eingehen.

 

Als Fazit des Bisherigen möchte ich zusammenfassen, dass es in der Kulturgeschichte des Menschen immer Phänomene gab und gibt, die er sich nicht erklären konnte.  Während das früher als „völlig normal“ angesehen wurde, hat mit dem Aufkommen des berechenbaren materialistischen Weltbildes die menschliche Ratio Oberhand gewonnen und den Gesetzen Widersprechendes als Täuschung oder Lüge hingestellt. Nur im Bereich der Religion billigte man dem allmächtigen Gott (ggf. auch Satan) Wundertaten zu. (s. das Lexikon-Zitat eingangs)

 

In den späten 20-ger Jahren des vorigen Jahrhunderts begann der Mensch zu lernen, dass die Naturgesetze viel umfassender sind und auch in den geistigen (epistemologischen) Teil unserer Wirklichkeit in berechenbarer Form eindringen. Der damit einsetzende Paradigmenwechsel im Denken ist noch lange nicht abgeschlossen. Wir müssen anders denken lernen, das ist eine echte Herausforderung, denn unsere Sprache versagt.  „Über den letzten Grund der Wirklichkeit kann nur in Gleichnissen gesprochen werden“, so hat es WERNER HEISENBERG ausgedrückt.  Ich möchte versuchen, den Leser in dieses Neue einzuführen.

 

Die Falsifizierung unserer objektiven, lokalen Realität als Repräsentant für Alles

 

ALBERT EINSTEIN stand Zeit seines Lebens fest im objektiven, lokalen Realismus verankert. (Wie praktisch alle seiner damaligen Fachkollegen auch). Scharfsinnig erkannte er, dass mit der neuen Quantenmechanik etwas mathematisch nicht stimmen konnte. Zusammen mit PODOLSKI und ROSEN veröffentlichte er 1935 das berühmte EPR-Paradoxon.   Er ging in seiner Argumentation von drei sehr plausibel klingenden Annahmen aus, die nach seiner Meinung alle erfüllt sein müssen, damit die Welt dem „objektiven lokalen Realismus“ folgt:

  1. Die Eigenschaften physikalischer Objekte sind messbar und kommen ihnen unabhängig davon zu, ob sie tatsächlich beobachtet werden oder nicht (OBJEKTIVISMUS).
  2. Jedem Element der Realität muss in einer physikalischen Theorie ein Gegenstück entsprechen, wenn die Theorie vollständig sein soll  (REALISMUS).
  3. Objekte, die sich nicht gegenseitig beeinflussen können, haben voneinander unabhängige Eigenschaften (LOKALITÄT).

Zu 1. spöttelte EINSTEIN mit der Bemerkung: „Der Mond ist doch da, auch wenn keiner hinschaut“,  und zielte dabei auf den Quantenmachanischen Grundsatz, dass nur Beobachtbares „real“ sei.

Zu 3. schimpfte er über „Spukhafte Fernwirkungen“, die in der Quantenmathematik über beliebige Entfernungen möglich sind, und zwar instant, d.h. ohne jeden Zeitverzug. Er sah darin eine Verletzung seiner bewährten Speziellen Relativitätstheorie, die alle Wirkungen mit Überlichtgeschwindigkeit verbietet. Allerdings wies J. v. NEUMANN bereits 1935 nach, dass auf diese „spukhafte“ Weise keine Informationen ausgetauscht werden können, und damit EINSTEINs Theorie „gerettet“ sei. Über diesen Punkt wird aber noch heute nachgedacht.

 In dem genialen EPR-Gedankenexperiment wiesen EINSTEIN und seine Mitautoren nach, dass die Quantenmechanik die Lokalität verletzt und folglich der objektiven, lokalen Realität nicht genügt. Die Quantenmechanik sei unvollständig, folgerten sie, und müsse daher durch „verborgene“, natürlich lokale Parameter, die noch zu finden seien, ergänzt werden. NIELS BOHR versuchte schnell die EPR-Argumente mit philosophischen Spekulationen über den Realitätsbegriff zu entkräften, und die Physiker-Gemeinschaft folgte ihm; genoss BOHR doch die allerhöchste Quanten- Reputation in der Welt. Man legte EPR vorschnell für Jahrzehnte zu den Akten, was EINSTEIN nie verwunden hat; fühlte er sich doch im Recht. In einer Sache waren sich damals alle einig: die Lokalität bleibt selbstverständlich gewahrt, auch wenn die Quantenmathematik eine andere Sprache spricht („ein rein rechnerischer, nicht tatsächlicher Effekt“, taten viele vorschnell ab).

Einstein starb 1955. Es dauerte bis 1964, als der irische Physiker JOHN S. BELL (1928-1990) vom CERN in Genf  eine scharfsinnige Überlegung veröffentlichte. Theorien von Systemen, wie sie im EPR-Gedankenexperiment vorkommen, können nur dann durch noch verborgene lokale Parameter vervollständigt werden, wenn die Theorien gewissen von BELL aufgestellten Ungleichungen genügen. An einfachen Beispielen konnte BELL zeigen, dass die Quantenmathematik seine Ungleichungen nicht erfüllt. Folglich kann die Quantenmechanik nicht durch verborgene lokale Parameter „vervollständigt“ werden. Die Situation war prekär. Die Kombination von EPR & BELL lies nur zwei „fürchterliche“ Alternativen zu: 1. Die Natur folgt nicht der objektiven, lokalen Realität, oder 2. die bewährte Quantenmechanik ist falsch (???)

Es gehört zu der großen Leistung von JOHN BELL, dass er ein klärendes, machbares Experiment mit „verschränkten“ Teilchenpaaren großer Distanz vorschlagen konnte. Er forderte die Natur selbst (man könnte auch sagen GOTT) zur Antwort heraus. Verschränkte Teilchenpaare sind  ein rein quantenmechanischer Effekt. Solche Paare verhalten sich nicht individuell, sondern sind  eine Entität, egal wie ausgedehnt sie ist. Entlockt man durch Messung einem Teilchen seine Eigenschaften (man bringt es - zusammen mit dem Anderen- dadurch aus der Verschränkung in unsere Realität), so sind instant auch die Eigenschaften des Anderen bekannt, ohne dass am Anderen überhaupt gemessen wurde, und egal, wie weit das Andere entfernt ist. Das wäre dann in EINSTEINscher Sprache „spukhafter“ Lokalitätsbruch! Leider dauerte es wieder Jahrzehnte, bis die Messtechniken so weit fortgeschritten waren, dass  es 1981 dem Franzosen ALAIN ASPECT endlich gelang Teilchenpaare über große Distanzen miteinander zu verschränken, und der Natur endlich die ersehnte Antwort abzuringen. Die Quantenmechanik siegte! Solche Experimente wurden in den Folgejahren verfeinert wiederholt und werden bis heute mit immer größerer Genauigkeit, und mit immer größeren Entfernungen (Kilometer!) der verschränkten Paare unternommen. Immer mit dem gleichen Ergebnis: Die Quantenmechanik siegt, und der objektive lokale Realismus unterliegt. Was bedeutet dies?

Der britische Philosoph KARL POPPER (1902-1994) sagt, dass Theorien, die sich vielfach bestätigen, zwar Vertrauen in ihre Richtigkeit schenken, aber eine einzige Falsifizierung genügt, um die Theorie zu Fall zu bringen. Die Theorie muss dann modifiziert, bzw. ihr Gültigkeitsbereich präzisiert werden. Seit 1981 kann man also sagen: „Der objektive lokale Realismus ist im popperischen Sinn als Repräsentant für die ganze Wirklichkeit  falsifiziert worden.“  Die ontologischen Naturgesetze, die den objektiven, lokalen Realismus beschreiben (Newton-Gravitation, Maxwell-Gleichungen, Spezielle & Allgemeine Relativitätstheorie), beschränken sich nur auf diese uns umgebende Faktenwirklichkeit. Durch die Quantenmechanik wird die Naturbeschreibung um das Epistemologische (geistige) erweitert. Erst dadurch wird unsere ganze Wirklichkeit von den Naturgesetzen erfasst. Die Mathematik der Quantenmechanik lehrt uns, wie das geschehen soll.  Die Gültigkeit der Naturgesetze geht jetzt  über unsere Faktenwirklichkeit der Dinge weit hinaus und gestattet  Berechnungen im Raum der Potentialitäten (unbeschränkt gedachten Möglichkeiten). Mathematisch gesehen geschieht das durch Operationen im komplexen Zahlenraum, der nach dem deutschen Mathematiker DAVID HILBERT (1862-1943) benannt ist.  Die Konsequenzen für unser Weltbild sind gewaltig

 

„Materie ist geronnener Geist“, sagt H.P. Dürr

 

Eine fundamentale Erkenntnis aus den quantenmechanischen Berechnungen hat ergeben, dass die  Potentialität  nicht ein Sonderfall unserer Realität ist, sondern es ist genau umgekehrt: Die uns umgebende faktische Realität folgt aus der viel umfassenderen Potentialität der Quantenmechanik.

 

Immer ist Potentialität Ursache und Realität ist Wirkung. Nur das Geistige hat das Potential (die Möglichkeit) das Materielle zu erschaffen. Der Beginn der Bibel: „Am Anfang schuf GOTT Himmel und Erde“ bekommt plötzlich einen naturwissenschaftlich deutbaren  Sinn. Das gilt auch für das Wort: „Tausend Jahre sind beim HERRN wie ein Tag und ein Tag wie tausend Jahre“ [2.Petr. 3,8], denn weder Zeit noch Raum haben in der Potentialität unsere gewohnten Bedeutungen. Der Übergang eines noch geistigen Objekts aus dessen Quanten-Potentialität in unsere Faktenrealität mit Raum & Zeit geschieht gewollt durch Beobachtung in Form eines quantenmechanischen Messprozesses oder laufend spontan durch Wechselwirkungen mit der Umwelt (Fachausdruck: Dekohärenz). Der deutsche Quantenphysiker H.P.DÜRR hat das treffend ausgedrückt (s. Kapitelüberschrift).

Fazit: Unsere Wirklichkeit besteht aus Geist & Materie, wobei der Geist die primäre Ursache ist, und die Fähigkeit hat, Materie -sekundär- als Wirkung zu erzeugen. Die Quantenmechanik erweitert die Naturgesetze in den epistemologischen Bereich hinein, in die allumfassende Potentialität des Geistigen.

 

Wunder

 

Durch die  Einsichten, die die Quantenmechanik den Menschen gegeben hat, haben wir die Möglichkeit Wundergeschichten (z.B. biblische) und unerklärliche Phänomene in einem neuen Licht zu sehen. In einem Buch über den englischen Physiker und Theologen JOHN POLKINGHORNE (geb. 1930)  [von J. M. STEINECKE S.J.  ISBN 3-525-56976-9  S:76/77]  las ich folgende bemerkenswerte Sätze:

 

  »Wie verhält es sich aber nun mit den Wundern, von denen in der Bibel berichtet wird? Polkinghorne weist zunächst darauf hin, dass nicht jede Wundererzählung tatsächlich wörtlich interpretiert werden muss. Nichts­destoweniger erkennt er an, dass Wunder - und vor allem das zentrale Wunder der Auferstehung - nicht einfach wegzuinterpretieren sind, sondern einer Erklärung bedürfen.

In diesem Zusammenhang weist Polkinghorne die Position zurück, die argumentiert, dass Wunder für Gott kein Problem seien. Wenn Gott die Naturgesetze eingerichtet habe, so Vertreter dieser Meinung, dann könne er sich auch über sie hinwegsetzen. Dem widerspricht Polkinghorne aus zwei Gründen: Zum einen passt das nicht zu Gottes Treue und Zuverlässigkeit, die ihre Entsprechung auch in der Ordnung der Natur findet. Zum anderen  würde sich so die Frage stellen, wieso Wunder dann nicht viel häufiger geschähen (gerade angesichts des Leids in der Welt).

Polkinghorne setzt anders an. Er sieht in den Wundern nicht einen „Verstoß" gegen die Naturgesetze, sondern betrachtet sie als ein unerwarte­tes Phänomen unter ganz bestimmten Umständen. Damit schlägt er bewusst die Brücke zur Naturwissenschaft. In der Physik begegnet dem Forscher immer wieder das Unerwartete und das Überraschende, ohne dass es den Naturgesetzen widersprechen würde. Veränderte Randbedingungen können dort völlig unerwartete Effekte zur Folge haben (z.B. bei großer Kälte der Übergang zur Supraleitung, wo der Widerstand plötzlich wegfällt).

Wendet man dies auf die Wunder und vor allem auf Christus und seine Auferstehung an, lassen sie sich so erklären: Wenn Gott auf einzigartige Weise in Christus gegenwärtig war (also ganz bestimmte Randbedingungen herrschten), dann sind auch einzigartige Ereignisse zu erwarten. Mit Wundem ist es so: Sie widersprechen nicht den Naturgesetzen, sondern offenbaren eine tiefer liegende Schicht  größerer Zusammenhänge in der Weltwirklichkeit, von denen her auch die Wunder wieder erklärbar und verständlich werden. Wunder verdanken sich ganz bestimmten Umständen. Würden die Umstände sich wiederholen, so ist Polkinghorne überzeugt, würden sich diese Wunder auch wiederholen.

Fazit: Für Polkinghorne sind Wunder nicht Kraftakte Gottes, die die Na­turgesetzte verletzen, sondern Entsprechungen zu einer tieferen Rationalität, die das Ganze der Weltwirklichkeit noch mal unterfängt. «

 

Welch ein Fortschritt gegenüber früheren Denkansätzen!  Der ev. historisch-kritische   Theologe ERNST TROELTSCH (1865-1923) schließt die Existenz „übernatürlicher“ Ereignisse kategorisch aus, da sie den Naturgesetzen widersprechen.  Dieser Ansicht kann man sich m.E. grundsätzlich anschließen. Sie ist auch mit der von  POLKINGHORNE  vereinbar.  TROELTSCH folgert dann aber recht zwingend: „Eine Auferstehung Christi hat sich demnach nicht ereignet.“  Es ist schon tragisch zu nennen, wenn ein namhafter Theologe, der TROELTSCH  zweifellos war, auf Grund der eigenen Logik die zentrale Glaubensaussage des Christentums aufgibt. DIETRICH BONHOEFFER hat gesagt: „Wer Ostern kennt, kann nicht verzagen.“  TROELTSCH starb ohne diesen Trost; er starb zu früh. In den Jahren nach seinem Tod wandelte sich die naturwissenschaftliche Welt und öffnete sich dem Geistigen.  Ein Prozess, der heute noch anhält.

 

Freude hat mir eine Formulierung  von Dr. JÜRGEN FISCHBECK, dem jahrelangen Leiter der Abteilung für Theologie und Naturwissenschaft an der Ev. Akademie in Mülheim a.d.R. bereitet, die ich hier wiedergeben möchte:

 

»Die Äußerung von Polkinghorne teile ich völlig, sofern man denn unter 'Wunder' die Verletzung von Naturgesetzen versteht, was in der Tat ja weithin geschieht. Aber die Naturgesetze sind doch auch und vor allem das Werk Gottes! Was wäre das für ein Gesetzgeber, der seine eigenen Gesetze nicht einhält! Welch ein Denkfehler, wenn man beharrlich die Naturgesetze gegen Gott in Stellung bringen will. Vielmehr sind die Naturgesetze, wie Polkinghorne richtig bemerkt, dank ihrer Quantennatur ja so beschaffen, dass sie das Geschehen eben nicht deterministisch vorschreiben, sondern eben "nur" Potentialitäten, so dass man sagen kann: "Die Wirklichkeit Gottes - das ist sein Wille - ist die allumfassende Potentialität des Guten". Das heißt ja eben nicht, dass immer nur Gottes Wille - Gutes also - geschieht. Dazu geschieht zu viel Böses. Aber Gutes ist bei allen uns gegebenen Entscheidungen möglich. Deshalb beten wir ja darum: "Dein Wille geschehe". Gottes Allmacht bedeutet nicht, dass immer nur sein Wille und nichts anderes geschieht. Man kann Seinem Willen durchaus auch zuwider handeln, wie in fürchterlicher Weise in Auschwitz geschehen. Zwar ist Allmacht ein unaufgebbares Attribut Gottes, aber sie ist anders zu verstehen, als man bisher immer dachte und deshalb immer in den Theodizee-Widerspruch hineinläuft wie in eine Falle. Auf jeden Fall ist sie ein Zukunftsbegriff, und e i n Aspekt ist gerade die universelle Geltung Seiner Naturgesetze. Darüber muss aber noch viel nachgedacht und diskutiert werden.«

 

Auch ich bin der Überzeugung, dass es viele Phänomene gibt, die den Alltags-Erfahrungen widersprechen, die aber im Licht der epistemologischen Erweiterung der Naturgesetze alle möglich sind. Gottes Wille und SEIN Handeln geschieht  im Einklang mit der von IHM geschaffenen Gesetzen. Ich hoffe, der Leser kann sich diesen Gedanken anschließen. 

 

Schlussgedanken

 

Der Evangelist Johannes beginnt sein Evangelium vor fast 2000 Jahren mit den berühmten Worten seines Prologs [Joh. 1,1-4]:

 Am Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort.

Dasselbe war im Anfang bei Gott.

Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was geworden ist – in ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen.

 

Die Quantenmechanik formuliert heute:

» Die Potentialität ist nicht materiell und trotzdem keine Fiktion. Sie ist  wirklich, weil sie wirkt: Etwas aus dem Möglichkeitsspektrum wird faktisch. Dies geschieht durch die Dinge, die im quantenmechanischen Sprachgebrauch Messprozess und Dekohärenz  genannt  werden. Primäre Potentialität als Ursache wird zu  sekundärer Realität als Folge.«   [Dr. Hans-Jürgen Fischbeck 2005: Die Wahrheit und das Leben  ISBN  3-8316-0482-7]

 

Welch eine Übereinstimmung im Inhalt!  Das ist für mich ein Wunder.

 

Bemerkenswert ist auch das JESU-Wort: „Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen“  [Mt 24,35].  Damit ist klar ausgesagt, dass das Geistige als allumfassender Urgrund auch überdauern wird, wenn das Faktische aufhört zu sein.  Das habe ich am Schluss meines Artikels über den Johannes-Prolog geschrieben, und das sage ich auch hier.

Ich lasse noch einmal JOHN C. POLKINGHORNE zu Wort kommen:

„An Gott im Zeitalter der Naturwissenschaften zu glauben bedeutet die Gewissheit zu haben, dass hinter der Geschichte des Universums ein Gedanke und eine Absicht stehen, und dass der EINE, dessen verborgene Gegenwart sich darin ausdrückt, unser Anbetung wert  und der Grund unserer Hoffnung ist"                                                                 [http://www.theologie-naturwissenschaften.de/polkinghorne/kerngedanken.html]

Treffender kann man  die  Einheit von Theologie und Naturwissenschaft nicht ausdrücken.   Ich bin dankbar mich mit dieser Thematik auseinandersetzen zu können und anderen Menschen davon zu berichten.  Wann wird der BROCKHAUS  seinen Text ändern?

Dr. Georg Linke   Aachen, Ende März 2011

 

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news-11 Thu, 10 Mar 2011 15:20:00 +0100 WER WAR SCHULD AM TODE JESU ? http://www.theologie-naturwissenschaften.de/diskussion/blog-georg-linke/einzelansicht/wer-war-schuld-am-tode-jesu/ DIE BLEIBENDE ERWÄHLUNG DES JÜDISCHEN VOLKES IN GOTTES BUND

Jährlich zur Passions- & Osterzeit wird die Schuldfrage am Tode Jesu neu gestellt und in Diskussions-runden wie Bibelkreisen immer wieder thematisiert. Ich nahm  an einem  solchen Hauskreis der SELK teil, und bei der Exegese der Passionsgeschichte begegnete mir Gedankengut, wie ich es selbst im eigenen Religionsunterricht früher kennen gelernt habe. Treffend hat diese alte Meinung  Sigebert von Gembloux um 1100 beschrieben, „Chris­tus wurde um die dritte Stunde von den Juden mit der Zunge, um die sechste Stunde von den Römern mit den Händen gekreuzigt".  Es wurde der Prozess Jesu vor Pilatus nach dem Johannes-Evangelium besprochen. Die Schuldfrage lag eindeutig auf jüdischer Seite, wobei der Römer Pilatus die Schuldlosigkeit Jesu erkannt und ihn noch retten wollte. Früher dachte ich auch so, heute sehe ich das ganz anders. Deshalb möchte ich hier von mir z.T. schon im obigen Hauskreis geäußerte Gedanken und Überzeugungen niederschreiben, die ich durch Teilnahme am Christlich-Jüdischen Dialog in Seminaren und Akademie-Tagungen gewonnen habe. An den Dialogen haben führende Evangelische u. Römisch-katholische Theologen (Klappert, Hendrix) & Rabbiner teilgenommen.

  Man kann als Christ solche Dialoge mit Juden nicht führen, wenn man an der Schuld des Jüdischen Volkes am Kreuzigungstod Jesu festhält. Historisch ist die Judenschuld nicht Aufrechtzuhalten, auch wenn die unkritische Lektüre der Evangelien einem eine solche suggeriert.

Zweifellos haben die uns vorliegenden Formulierungen in den Evangelien der Verbreitung dieser im judenfeindlichen Rom viele Steine aus dem Weg geräumt; leider auf Kosten der historischen Korrektheit, wie die kritische Forschung allmählich zutage gefördert hat. 1

 

Das Umfeld der Passion ist die Lage der Juden in Palästina in den ersten Jahrzehnten unserer Zeitrechnung unter römischer Herrschaft.  Israel  litt in der Zeit Jesu sehr stark unter der Knute Roms. Die römischen Besatzer und deren Kollaborateure - wie z.B. die den “Hohen Rat” bildenden Sadduzäer - waren dem Jüdischen Volk verhasst. Das Land befand sich in einer religiösen Gärung, in der unterschiedliche Glaubensrich­tungen miteinander stritten.  Daneben finden sich mehrere messianische Bewegungen, teilweise unter charismatischen Führergestalten, die alle in  irgendeiner Form das Volk Israel erlösen wollten; „Räu­berkönige", wie der jüdisch-römische Geschichtsschreiber Flavius Jose­phus sie herabschätzend  nennt.

Die Forschung hat einige Namen dieser “Messiasse” ans Licht gebracht, von denen das Jüdische Volk auch die militärische Befreiung vom römischen Joch erwartet hat. Die Römer jagten, fingen und kreuzigten die “Messiasse” und deren Anhänger (aus römischer Sicht waren das alles naturgemäß potentielle, gefährliche Unruhestifter). Pilatus tat sich da besonders hervor; er wurde später wegen seiner Brutalität von Rom abberufen.

Das Volk jubelte seinen “Messiassen” zu, solange sie lebten. Wurde so ein „Messias“ gekreuzigt, so war das allein noch nicht schlimm, denn er konnte ja Kraft seiner göttlichen Macht dann vom Kreuz herabsteigen, und mit seinen himmlischen Heerscharen die Römer ins Meer jagen und daraufhin die Stämme Israels zum Zion  führen. Starb er allerdings am Kreuz, so war er ein “falscher Messias” und das enttäuschte Volk fluchte und vergaß ihn. 

Auch Jesus, der Lazarus vom Tod erweckt hat, wurde vom Volk gehuldigt (Joh. 12,12 ff.). Jesus ist in Jerusalem wie ein König empfangen worden. Der Ein­zug zeigt Elemente des altisraelischen und des hellenisti­schen Herrscherzeremoniells. Das konnte man politisch deuten. Dann predigte Jesus im Tempelbezirk vor dem Volk mit großem Zulauf. Dass er die Tische der Geldwechsler um­warf, denen Gewinnsucht unter­stellt wurde, musste die Hohen Priester empören. Jesus erschien als Unruhestifter, wenn nicht gar als Aufrührer. Das missfiel den neidischen Schriftgelehrten, Pharisäern & Sadduzäern und der “Hohe Rat” trachtete auf Vorschlag Kaiphas Jesum, schon vor seinem Jerusalem-Einzug, nach dem Leben (Joh.11,47 ff.). Jesus wurde gefangen, vom “Hohen Rat” verhört und an Pilatus überführt. Klappert wies darauf hin, dass kein einziger Pharisäer daran beteiligt war, alles romtreue Sadduzäer. Die Evangelien schreiben: “das Volk” schrie: „Kreuziget Ihn (Jesum)”. Johannes präzisiert, dass dieser Schrei nur vom “Hohen Rat” und den Knechten gerufen wurde (Joh.19, 6); dieses ist auch historisch nachvollziehbar. Wenn überhaupt, dann würde das Jüdische Volk „Steinigt Ihn”, aber nicht die römische Hinrichtungsart  „Kreuziget Ihn” schreien. Außerdem lebte der “Messias” noch, und hatte die Chance die Volkssehnsucht zu erfüllen. Noch war Jesus in höchstem Ansehen. Die verhassten Rom-Kollaborateure konnten das Volk gar nicht gegen ihren  “Messias”  aufhetzen, sondern sie mussten sich schon eigener Schrei-Helfer bedienen. Ein sehr probates Verfahren, wie es ja auch heute noch viel praktiziert wird.

Das Jüdische Volk kann deshalb nicht für den Tod Jesu zur Verantwortung gezogen werden! 

  Leider hat die Kirche konfessionsübergreifend bis ins 20. Jahrhundert hinein hier entscheidend versagt und dadurch sehr viel Unheil in unsere Welt gebracht. Gott kann das nicht gewollt haben, da für mich die Allgütigkeit Gottes außer Frage steht.

 Leo Baeck, ein Wegbereiter des Christlich-Jüdischen Dialogs, wies als einer der ersten auf eine theologische Konsequenz hin: Es gibt keine doppelte Erwählung und keine zwei Bünde, sondern es gibt nur eine Erwählung und einen Bund. Aber dieser eine Bund ist durch JESUS CHRISTUS zugleich offen für die ganze Menschheit. „Hinzuerwählung“ statt „Substitution“; diese Gedanken führten in der Rheinischen Landeskirche durch Synodalbeschluss zu einer Neuformulierung in der Präambel der Kirchenordnung. 

Klappert erläutert: Der rheinische Synodalbeschluss bekennt die bleibende Erwählung des jüdischen Volkes und erkennt, dass die Kirche durch Jesus Christus in den Bund Gottes mit seinem Volk hineingenommen ist. Wie entscheidend dieser Satz ist, lässt sich an dem einzigen Verwerfungssatz des rheinischen Synodalbeschlusses zeigen, der die Diskontinuitätsthese der antijudaistischen Tradition der Kirche verwirft:

»Wir stellen darum fest: Durch Jahrhunderte wurde das Wort >neu< in der Bibelauslegung gegen das jüdische Volk gerichtet: Der neue Bund wurde als Gegensatz zum ­alten Bund, das neue Gottesvolk als Ersetzung des alten Gottesvolkes verstanden. Diese Nichtachtung der bleibenden Erwählung Israels und seine Verurteilung zur Nichtexistenz haben immer wieder christliche Theologie, kirchliche Predigt und kirchliches Handeln bis heute gekennzeichnet. Dadurch haben wir uns auch an der physischen Auslöschung des jüdischen Volkes schuldig gemacht  >Neu< bedeutet darum nicht die Ersetzung des >Alten<. Darum verneinen wir, daß das Volk Israel von Gott verworfen oder von der Kirche überholt sei.«

 Seit den 80-ger Jahren haben alle anderen Landeskirchen ähnliche Beschlüsse gefasst, und auch dem Vatikan sind solche Gedanken nicht mehr fremd; wenn auch die Durchdringung bis zum “Fußvolk” noch viel Zeit benötigen wird (Generationenfrage). Ich musste inzwischen leider erleben, wie sogar evangelische Pfarrer von diesem Gedankengut nichts wissen wollten, und den o.g. Landeskirchlichen Synodalbeschluss ablehnten. Was 2000 Jahre eingebrannt ist, lässt sich nicht so leicht löschen. Auch die Orthodoxe Kirche hat die neuen Einsichten bisher nicht angenommen, sie praktiziert leider noch keinen Christlich-Jüdischen Dialog.

 Aus obigen Überlegungen erübrigt sich auch eine Taufe der Juden, da das Volk Israel bereits bleibend erwählt ist.

Pabst Benedikt XVI hat in seinem neuesten Jesu- Buch sich von der Schuld der Juden am Tode Jesu distanziert und der Judenmission eine Absage erteilt.

Martin Luther hat die heutigen Erkenntnisse nicht gehabt, er wollte Juden taufen, und war über seine Misserfolge derart enttäuscht, dass er die schrecklichen Judenbriefe verfasst hat, die die Nazis als Legitimation für ihr Handeln “verkauft” haben.

 Es gibt nur einen “Messias”, der nicht bleibend gestorben ist, JESUS CHRISTUS, unser HERR. Durch seine Auferstehung ist er echt. Wenn das die Juden erkannt hätten, bräuchten sie nicht mehr auf immer neue Messias-Gestalten zu warten. Nur die kleine Gruppe der “Messianischen Juden” hat das eingesehen. Sie sehen sich in der Tradition der frühen Jerusalemer Christen unter dem Herrenbruder Jakobus.

Die Menschwerdung Gottes in JESUS CHRISTUS ist zentraler Glaubensinhalt der Christenheit. GOTT selbst hat sich aus Liebe für alle Menschen am Kreuz hingegeben, aber durch seine Auferstehung uns die Verheißung aufgezeigt, wir müssen es nur annehmen. Dietrich Bonhoeffer hat das in die aufbauenden Worte gefasst: „Wer Ostern kennt, kann nicht verzweifeln“.

  GOTT, sein SOHN und der HEILIGE GEIST können nicht voneinander getrennt werden. Es sind verschiedene Seiten ein- und derselben Einheit. Auch das ist christlicher Glaubensbestand. Ich muss zugeben, dass diese Gedanken das Schwierigste in interreligiösen Gesprächen darstellen. Aber trotzdem müssen wir im Dialog bleiben, wir können nur gewinnen.

  Dr. Georg Linke, Aachen, Februar 2009; überarbeitet im März 2011

 1 Bertold Klappert: „Miterben der Verheißung“  ISBN 3-7887-1760-2

 

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news-13 Thu, 09 Dec 2010 12:54:00 +0100 WANN WURDE JESUS GEBOREN ? http://www.theologie-naturwissenschaften.de/diskussion/blog-georg-linke/einzelansicht/wann-wurde-jesus-geboren/ Bekannte und neue Erkenntnisse zum Geburtsjahr JESU  

Am 01.01.0000, denn unsere Zeitrechnung zählt die Jahre ab Jesu Geburt, was auch durch den Zusatz n.Chr. dokumentiert werden soll. Oft umgeht man den Bezug zu Jesu- oder Christi Geburt durch die Angabe n.ZW., d.h. „Nach der Zeitenwende“, was in jedem Fall im Einflussbereich unserer Kultur stimmt. Aber so einfach ist es nicht. Allein schon deshalb, weil es das Jahr 0000 überhaupt nicht gibt. Es wurde schlicht und einfach vergessen. Auf 1 v.Chr. folgt unmittelbar 1 n.Chr., wie aus den im 17. Jhd. erstellten Listen Römischer Konsuln hervorgeht. Der Römische Mönch Dionysius Exiguus berechnete 525 die Geburt Jesu, die er auf den 25. Dezember des Jahres 753 »nach Gründung der Stadt« [Rom] festsetzte, nur scheint er sich um einige (?) Jahre verrechnet zu haben. Die Frage nach dem Zeitpunkt Jesu Geburt bleibt im Raum stehen, und wird auch heute noch kontrovers diskutiert.
Wir feiern Weihnachten, das jährlich wiederkehrende Geburtsfest Jesu; ich finde jetzt die richtige Zeit, sich Gedanken zur historischen Wurzel zu machen.

 

Vorab die Grundfrage: „Hat Jesus überhaupt gelebt?“.


Nach vielen Anzweiflungen im Verlauf der letzten Generationen, bejahen heute ernst zu nehmende Historiker die Frage voll. Aber der Weg zu dieser Einsicht war doch recht steinig. Was an christlichen Quellen existiert (die Evangelien im NT), ist vom Standpunkt des Historikers zunächst einmal als Tendenzschrifttum zu charakterisieren. Außerchristliche Quellen mit objektiver, unbefangener Sicht, die man zu Vergleich & Kontrolle heranziehen könnte, gibt es nicht. Im jüdischen Schrifttum hat es entweder entsprechende Dokumente nicht gegeben, oder sie sind verloren gegangen. Die spärlichen Hinweise auf Jesus im Talmud & Midrasch sind unergiebig, da polemisch; immerhin gehen sie von der realen Existenz Jesu aus. Die antiken Geschichtsschreiber interessieren sich für Jesus nicht. Nur die Tatsache, dass man sich später gelegentlich mit den Christen beschäftigen musste, veranlasst Historiker den Namensgeber der neuen Sekte zu nennen. Tacitus (55- >116) überliefert in seinen Annalen, dass Christus, der Stifter der unter Nero verfolgten Gemeinde, vom Prokurator Pontius Pilatus unter der Herrschaft des Tiberius hingerichtet worden sei. Geradezu unbegreiflich erscheint, dass auch der jüdische Historiker Flavius Josephus (37- ca.100) über Jesus schweigt. Flavius ist heute die Quelle über jüdische Bewegungen im ersten nachchristlichen Jahrhundert. Er schreibt über Essener und viel über Johannes dem Täufer, und doch gibt es bei ihm eine Stelle, die Jesus nennt, die allen nachträglichen Zweck-Verfälschungen trotzt, also original ist: Flavius schreibt völlig beiläufig bei der Nachricht über den Prozess und die Steinigung des »Jakobus, des Bruders Jesu, der Christus genannt wird«. Es hat den Historikern viel Mühe gekostet, diese genannte Originalaussage herauszufiltern, da sich die heute vorliegenden Kopien des Flavius fast wie aus dem Evangelium zitiert lesen z.B.: „Um diese Zeit lebte Jesus, ein weiser Mensch, wenn man ihn überhaupt einen Menschen nennen darf. Er war nämlich der Vollbringer ganz unglaublicher Taten und der Lehrer aller Menschen, die mit Freuden die Wahrheit aufnahmen. So zog er viele Juden und auch viele Heiden an sich. Er war der Christus“. Solche Kopisten- Einschübe zeugen von Wut & Enttäuschung, dass Flavius sich über Jesus praktisch ausschweigt. Der Apostel Paulus aus Tarsos schreibt seine ersten Briefe um 50, etwa 20 Jahre nach Jesu Kreuzigung. Das sind die ältesten Schriften über Jesus, die wir haben, verfasst von einem Mann, der zwar Jesus nicht persönlich begegnet ist, der aber die Lebens-Gefährten Jesu gekannt hat. Paulus ist nach seiner Bekehrung nach Jerusalem gegangen (sicher noch vor dem Jahr 40), um Petrus kennen zu lernen. In den 15 Tagen, die er bei ihm geblieben ist, sah er auch Jakobus, den Bruder Jesu (Gal.1, 18&19). Vierzehn Jahre später traf er die beiden noch einmal und auch noch Johannes. Dieser unmittelbare Kontakt mit Männern aus dem engsten Kreis Jesu gibt den Briefen des Paulus einen unanfechtbaren dokumentarischen Wert.



Wann wurde Jesus geboren?


Die Evangelien des Matthäus & Lukas haben vorgeschaltete Weihnachtsgeschichten, nach denen Jesus unter der Regierung des Kaisers Augustus geboren wurde, als in Judäa Herodes der Große als römischer Vasall herrschte. Der um 100 n.Chr. schreibende, schon erwähnte, jüdische Historiker Flavius Josephus legt den Tod des Herodes in das 750. Jahr nach der Gründung Roms, d.h. 4 v.Chr. (Jesu Geburt 1 v. Chr., s.u.). Da die Hl. Familie für 2 Jahre (?) nach Ägypten floh, und erst nach Herodes Tod nach Nazareth in Galiläa zurückkehrte (Mt.2, 19-22), ist Jesus 4-7 v. Chr. geboren worden. Aber Vorsicht! Der Säuglings-Mord von Bethlehem, der Grund für die Flucht nach Ägypten, ist unhistorisch; nur heilsgeschichtlich zu verstehen, in Anspielung auf einen in Rom erteilten Tötungsbefehl des Senats 63 v. Chr. zur Verhinderung eines für jenes Jahr geweissagten „Königs von Rom“. Der Befehl traf auf den geballten Widerstand der Familien, und wurde nicht ausgeführt, sonst wäre glatt der spätere Kaiser Augustus getötet worden. Außerhalb Matthäus findet sich überhaupt kein Beleg für ein derart brutales Morden in Bethlehem. Flavius hätte ganz sicher darüber geschrieben. Bei Lukas steht nichts über eine Ägyptenflucht; da kehrt die Hl. Familie nach wenigen Tagen über Jerusalem nach Nazareth zurück. Die Flucht nach und Rückkehr aus Ägypten ist reine Heilsgeschichte, in Anspielung auf das Volk Israel. Wenn Geschichte mit Heilsgeschichte vermischt wird, hat ein Historiker schlechte Karten.
Bei Lukas kann man einem anderen Hinweis nachgehen. Aus ebenfalls heilsgeschichtlichen Gründen musste der Geburtsort Jesu, so Jesus denn eine Chance haben sollte, als künftiger Messias angesehen zu werden, nach Bethlehem, in die Stadt Davids, verlegt werden. Maria & Josef lebten in Nazareth, so sieht es die heutige Forschung auf Grund verschiedener, voneinander unabhängiger Bibelstellen, die nicht den Verdacht heilsgeschichtlicher Verfärbung haben. Um aber die schwangere Maria zur Niederkunft nach Bethlehem zu bringen, nutzte Lukas die Volkszählung des Landpflegers Quirinius. Dieser Legat des Augustus hatte, wie wir von Flavius wissen, beim Anschluss der Provinz Judäa an Syrien eine Steuerschätzung vorgenommen. Nazareth liegt aber in Galiläa, Maria & Josef waren von dieser Steuerschätzung überhaupt nicht betroffen. Damit nun aber Galiläa doch betroffen ist, macht Lukas aus der Angelegenheit einen Reichszensus. Ist das nun eine heilsgeschichtlich motivierte Geschichtsfälschung, oder hat man die genauen Umstände im Umfeld des Lukas schon nicht mehr gewusst?  Die Schätzung des Quirinius fällt nach Flavius ins 37. Jahr nach der berühmten See-Schlacht bei Aktium, in der Augustus über Antonius & Kleopatra siegte (31 v. Chr.). Die Schätzung fällt demnach ins Jahr 6 n.Chr., das hieße, Jesus ist ca. 12 Jahre später als nach der Matthäus-Geschichte geboren. Das ist zu viel Diskrepanz. Das kommt davon, wenn man Geschichte aus Heilsgeschichten herauslesen will.

 

Glücklicherweise gibt es bei Lukas eine Angabe (Lk.3, 1 & 3, 23), die sich zur Datierung der Taufe Jesu eignet. Jesu wurde im 15. Jahr des Kaisers Tiberius, also 28/29 n.Chr. von Johannes dem Täufer im Jordan getauft und war dabei „etwa 30 Jahre“ alt. Jesus wäre demnach im Jahre 1 v.Chr. geboren. Wenn wir allerdings die Altersangabe 30 nur als symbolische Zahl für das Erwachsensein Jesu deuten, dann haben wir keinen Anhaltspunkt für sein genaues Geburtsjahr. Die Kirchenväter Hippolytus & Eusebius nahmen jedoch die Altersangabe 30 ernst, und es spricht viel dafür, dass man das auch tun kann. Das Jahr 1 v.Chr. trifft recht genau die Zeitenwende, denn es wäre das Jahr 0000 bei fehlerfreier Auflistung der Konsul-Listen. Wenn sich der Mönch Dionysius Exiguus wirklich verrechnet hat, so wie ich es in modernen Lexika gelesen habe, dann hat er mehrere Fehler begangen, die sich praktisch gegenseitig aufhoben. Solche Glücksfälle kommen tatsächlich vor; nicht nur bei Theologen & Historikern.

 

Nachtrag:  Forschung steht nie still. Neue Funde, bzw. neue Interpretationen bekannter Funde werfen ein anderes Licht auf die Geschehnisse vor 2000 Jahren. Das zeigt, geradezu exemplarisch, eine Arbeit von Frau Dr. Henrike Maria Zilling: "Überlegungen zum Zensus des Quirinius". Institut für Geschichte und Kunstgeschichte, Technische Universität Berlin 2006. Zu finden unter:

 http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/forum/id=853&type=diskussionen  

 

Ich versuche mir wichtig erscheinende Gedanken daraus  zu nennen. Der am Detail interessierte Leser sollte unbedingt die o.g. Web-Adresse aufrufen.
  Zunächst weist Frau Dr. Zilling ausdrücklich darauf hin, und begründet dies auch, dass der bei Lukas erwähnte Zensus kein Reichszensus, sondern ein im Jahr 6 n.Chr von Quirinius im kaiserlichen Auftrag vorgenommener judäischer Zensus war. Nach Josephus ist jedenfalls nicht die Rede von einem weltweiten Zensus, sondern nur von einem Zensus in Syrien und zur Besteuerung der Bevölkerung in Judäa, welches nun verwaltungstechnisch an Syrien angeschlossen wurde. Als Herodes 4 v.Chr. stirbt, wird sein Reich unter den Söhnen Antipas, Archelaos und Philippus aufgeteilt. Zehn Jahre später, 6 n.Chr., setzt Augustus, den Herodessohn Archelaos, den Ethnarchen (Volksherrscher) von Judäa, ab und schickt ihn in die Verbannung. Zeitgleich wird P. Sulpicius Quirinius Statthalter von Syrien, das er einem Zensus unterzieht. Das jetzt angeschlossene Judäa ist betroffen, Galiläa nicht, wo Maria & Joseph in der Stadt Nazareth leben.
Warum gehen Maria & Joseph trotzdem nach Bethlehem, um sich dort schätzen zu lassen? Lukas interpretiert das heilsgeschichtlich, da nur Bethlehem nach Micha 5,1 als Geburtsort für einen neuen Messias in Frage kommen kann. Nach Matthäus hat aber die Geburt Jesu in Bethlehem noch zu Lebzeiten des Herodes, also 10-12 Jahre vor der Quirinius-Schätzung stattgefunden. Jesus war also bereits ein heranwachsender Knabe, als Maria & Joseph sich auf den Weg zur Schätzung machten. Die 4-5 Tage dauernde beschwerliche Reise wäre außerdem für eine Hochschwangere eine regelrechte Zumutung, folgte man dem Lukas-Text wie geschrieben. Frau Dr. Zilling schreibt dazu: „ An der Bethlehemgeburt zum Zeitpunkt des Quiriniuszensus 6 n.Chr. lässt sich indes kaum festhalten. Wenn Lukas darüber tatsächlich Berichte von Augenzeugen aus dem Umfeld der Familie hatte, dann ist an einen Irrtum zu denken. Dieser könnte sich aufklären, wenn man in Betracht zieht, dass Quirinius tatsächlich den Zensus bzw. wohl eine Art Vorzensus in der Endphase der Herodesherrschaft beginnt, der Joseph und Maria nach Bethlehem bringt. Streicht man die Bethlehemgeburt als unhistorisch, kommt Jesus von Nazareth auch in Nazareth auf die Welt.“
Außer der Genealogie gibt es einen anderen Grund sich schätzen zu lassen. Es ist Besitz in Form von Grund oder Immobilien. Es gibt sehr gut dokumentierte Parallelfälle aus gefundenen Papyri, die belegen, dass Zensusbedingte Wanderungen zwecks Abgabe der Steuererklärung und Sicherung des Besitzes damals üblich und notwendig waren. Übereinstimmungen im Aufbau des lukanianischen Berichtes mit dem Aufbau in zeitgenössischen Steuerformularen sind frappant. Neben Josephs- kann auch Marias Familie, oder sie selbst Besitz in Judäa gehabt haben. Dies sind wahrscheinlich die wichtigsten Gründe für die Schätzung der Eltern Jesu vor den Beamten des Kaisers im Jahre 6 n. Chr. in Judäa. Maria & Joseph müssen nicht arm gewesen sein. Joseph war Handwerker bzw. Kleinunternehmer. In Galiläa gab es sehr viel Arbeit durch die vielen dortigen Bauvorhaben, und Jesus sollte in die Fußstapfen des Vaters treten. Dass Jesus so ganz andere Ziele verfolgte, erzürnte die Familie, das ist belegt.


Zusammenfassend schreibt Fr. Dr. Zilling: „Der wahrscheinlichste Geburtsort Jesu bleibt Nazareth. Sein Geburtsdatum stimmt ziemlich genau mit der Endphase der Herodesherrschaft überein. Einige Jahre später wurde Judäa der Provinz Syrien zugeordnet. Nunmehr war Quirinius Statthalter von Syrien und ließ nach dem Gebot des Kaisers in seinem gesamten Verwaltungsgebiet einen Zensus durchführen. Zu diesem Zeitpunkt war Jesus vermutlich schon ein Knabe; vielleicht war er ziemlich genau 10 Jahre alt, als seine Eltern nach Bethlehem wandern mussten, um dort ihren Landbesitz besteuern zu lassen.“


Obige Gedanken waren Neuland für mich, aber so interessant, dass ich sie in Form eines Nachtrages an meinen Artikel anhänge.   Werden die Aussagen der Arbeit „Mainstream“, dann müssen unsere Lehrbücher wohl neu redigiert werden.

Dr. Georg Linke, Aachen,  Advent 2010

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news-14 Sun, 07 Nov 2010 14:28:00 +0100 AM ANFANG WAR DAS WORT http://www.theologie-naturwissenschaften.de/diskussion/blog-georg-linke/einzelansicht/am-anfang-war-das-wort/ QUANTENPHYSIK UND DIE FRAGE NACH GOTT  

Am Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort.
Dasselbe war im Anfang bei Gott.
Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was geworden ist    – in ihm war das Leben…       Joh.1,1-4

„Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen“    Mt. 24,35 

 

Manche glauben, dass gerade die moderne Naturwissenschaft in Form der Quantenphysik die Frage nach Gott wieder neu geöffnet hat.

 Werner Heisenberg sagt dazu: „Für die moderne Naturwissenschaft steht am Anfang nicht das materielle Ding, sondern die Form, die mathematische Symmetrie.“

Und da die mathematische Struktur letztendlich ein geistiger Inhalt ist, könnte man auch mit den Worten von Goethes Faust sagen: “Am Anfang war der Sinn“.

Die Welt in der wir ganz selbstverständlich leben ist viel geheimnisvoller als wir glauben, und über die Heisenberg schrieb: „Über den letzten Grund der Wirklichkeit kann nur in Gleichnissen gesprochen werden.“

Ich unternehme mit diesem Artikel den Versuch den Leser in dieses aufregende Gedankengut einzuführen, das unser ganzes naturwissenschaftliches Denken und folglich auch die Naturphilosophie, ja sogar die Theologie bestimmt hat. Es ist in seiner Bedeutung nicht hoch genug einzuschätzen.

  So schreibt der Quantenphysiker Bernard d'Espagnat:

Jeder, der sich eine Vorstellung von der Welt zu machen sucht - und von der Stellung des Menschen in der Welt -, muss die Errungenschaften und die Problematik der Quantentheorie einbeziehen. Mehr noch, er muss sie in den Mittelpunkt seines Fragens stellen."

 

DER VERLUST AN SEELE

 So weit wir kulturelle Überlieferungen haben, und die reichen sicher 20000 Jahre zurück, hat der denkende Mensch seine Wirklichkeit ontologisch & epistemologisch empfunden. Ontologisch, das waren die ihn umgebenden Fakten der durch die Sinne aufgenommenen Realität. Epistemologisch, das war sein untrügliches Empfinden, dass hinter den Fakten noch „Etwas“ sein muss, eine ‚Anderswelt‛, aus deren Potentialität alles hervorgegangen ist.1

Religiöser Glaube an Gott, oder Götter, verbunden mit Schöpfungsmythen, haben in allen alten Kulturen in solchem Denken ihren Ursprung. Der erste Satz der GENESIS und der vor 2000 Jahren vom Evangelisten Johannes niedergeschriebene und eingangs zitierte Prolog drücken das Sprachlich wunderbar treffend aus.

Der Mensch schuf sich ein Weltbild, das ihm Geborgenheit versprach. Die Erde im Zentrum des Universums, von GOTT bewacht und Satan in einer Unterwelt. Etwa so kann man die Texte der Bibel, die Veden der Hinduisten und auch den Koran interpretieren.

  Erst mit dem Aufbruch in die Moderne änderte sich das Denken grundsätzlich. Es gibt keine Wunder, nur Ursachen und Wirkungen. Die Berechenbarkeit einer Welt, in der GOTT nichts mehr zu sagen hat, drückt sich in den Skizzen und Konstruktionszeichnungen LEONARDOS aus, und zeitgleich rückte KOPERNIKUS die Erde an den Rand, und die Sonne ins Zentrum. Die Gesetze der Physik und nicht mehr die Erhebung der Seele zu GOTT prägen die Zeit der Renaissance. Der bekannte Psychoanalytiker C.G.JUNG drückte das mit den Worten aus: „Als  die Wissenschaft  die Beseeltheit der Natur aufhob, da gab sie ihr keine andere Seele, sondern setzte die menschliche Ratio über die Natur. Die Wissenschaft würdigte die Naturseele nicht einmal eines Blickes. Wäre sie sich der welterschütternden Neuheit ihres Vorgehens bewusst gewesen, so hätte sie einen Moment innehalten und sich die Frage vorlegen müssen, ob nicht größte Vorsicht bei dieser Operation, wo der Urzustand der Menschheit  aufgehoben wurde, angezeigt  wäre." 

Die epistemologische Seite des Weltbildes trat zu Gunsten der ontologischen mehr und mehr zurück. Dies war der Boden auf dem ISAAK NEWTON seine Triumphe feiern konnte. Alles schien auf einmal berechenbar zu sein, gipfelnd in den LAPLACE-Behauptungen:

 »Inmitten der unendlichen Vielfalt der Erscheinungen, die sich in ununterbro­chener Folge am Himmel und auf der Erde abspielen, sind wir zu der Erkenntnis gelangt, dass die Materie in allen ihren Bewegungen durch wenige allgemeine Gesetze bestimmt ist. Ihnen gehorcht alles in der Natur; alles folgt daraus mit derselben Notwendigkeit wie der Wechsel der Jahreszeiten, und der zufällige Flug eines vom Winde verwehten Atoms ist durch sie ebenso streng geregelt wie die Bahnen der Planeten« ,

  und: »Eine Intelligenz, welche für einen gegebenen Augenblick alle in der Natur wirkenden Kräfte sowie die gegenseitige Lage der sie zusammensetzenden Elemente kennt, und überdies umfassend genug wäre, um diese gegebenen Größen der Analysis zu unterwerfen, würde in derselben Formel die Bewegungen der größten Weltkörper wie des leichtesten Atoms umschließen; nichts würde ihr ungewiss sein und Zukunft wie Vergangenheit würden ihr offen vor Augen liegen. Der mensch­liche Geist bietet in der Vollendung, die er der Astronomie zu geben verstand, ein schwaches Ab­bild dieser Intelligenz dar. «

Auf die Frage NAPOLEONS: „Wo ist in diesem, Ihrem Weltbild GOTT?“  kam die berühmte Antwort: Majestät, auf diese Hypothese kann ich verzichten!“

 Das führt ganz offensichtlich direkt in den Atheismus. HEGEL, FEUERBACH, NIETZSCHE haben das Feld bereitet, auf dem LENIN seine Saat aufgehen lassen konnte. Totaler Determinismus beherrschte für 300 Jahre die Physik. Geblendet vom Erfolg versteifte sich der Mensch, seine ontologische Wirklichkeit als das Ganze anzusehen. Dass dabei unendlich viel verloren gegangen ist, wollte er nicht sehen. Das änderte sich schlagartig, als HEISENBERG 1927 seine berühmten Unbestimmtheits-Beziehungen formulierte, und damit dem totalen Determinismus im Weltgeschehen den Todesstoß versetzt hat. Zu den ersten, die die volle Bedeutung des Neuen begriffen haben, zählten die Denker der Sowjetunion. In ihrer Verzweiflung – anders kann man das wirklich nicht nennen – strichen sie das Wort Quantentheorie für einige Jahre aus ihrer großen Enzyklopädie. Das hat ihnen genau so wenig geholfen wie in der Antike den Pythagoreern, die die Entdeckung der irrationalen Zahlen auch zu verheimlichen versuchten.  

 

DIE GEBURT DER QUANTENTHEORIE

 1899 versuchte MAX PLANCK für die Strahlung des Schwarzen Körpers ein Gesetz zu formulieren, dass die Strahlungsintensität über die Frequenzen „richtig“, d.h. in Übereinstimmung mit den Messungen, wiedergibt. Das erwies sich unter Anwendung der bekannten (heute würde man „klassischen“ sagen) Strahlungsgesetze als nicht möglich. Planck entschloss sich zu einem wahrhaft revolutionärem Schritt, indem er postulierte, dass sich die Strahlung so verhält, als ob sie aus diskreten Energiequanten ∆ E bestünde, die der Strahlungsfrequenz ν proportional sind und die als Ganzes umgesetzt werden. Den Proportionalitätsfaktor nannte er h, sein berühmtes Wirkungs-Quantum.        →  ∆ E = h ν.     

    Im Dezember 1900 trug PLANCK sein Strahlungsgesetz in Berlin vor, was heute als die Geburtsstunde der Quantentheorie gilt (Nobelpreis 1918). Sein Wirkungsquantum h war eine neue Naturkonstante in der unanschaulichen Dimension der Wirkung (Joulesekunden, d.h. Energie×Zeit), die zu den schon bekannten Konstanten, der Lichtgeschwindigkeit c und der Gravitationskonstanten γ hinzukommt. PLANCK fand heraus, dass durch raffinierte Potenz-Kombinationen der Konstanten man zu einer Elementarlänge lPL, einer Elementarzeit tPL und einer Masse mPL gelangen kann.  PLANCK veröffentlichte die drei Größen in einer Fußnote. lPL & tPL waren so winzig ( 10-35m bzw. 10-43s), dass PLANCK sich keine physikalische Bedeutung derselben vorstellen konnte. Das sieht man heute ganz anders; lPL & tPL sind von fundamentaler Bedeutung, für die Raumzeit und für die Kosmologie.  

Was für PLANCK nur ein Rechenbehelf war, war für EINSTEIN eine neue Physik. EINSTEIN deutete die Energiequanten ∆ E als reale Teilchen, Lichtquanten, Photonen. Diese Hypothese trug PLANCK nicht mit, ja er spöttelte darüber. EINSTEIN hat sich durchgesetzt und erhielt dafür den Nobelpreis 1921.

 Das Licht präsentierte sich  sowohl als Welle (klassisch) als auch als Teilchen.

 Umgekehrt postulierte DE BROGLIE 1924 für Materieteilchen Welleneigenschaften mit der Wellenlänge     λ = h/(mv)  mit m = Teilchenmasse und v = Teilchengeschwindigkeit; d.h. mv = Impuls des Teilchens. Experimente gaben auch DE BROGLIE Recht (Nobelpreis 1929).

 Resümee: Licht & Materie präsentieren sich doppelt,  sowohl als Welle als auch als Teilchen.

Für diese neu entdeckte Doppeleigenschaft unserer Erscheinungen führte NIELS BOHR den Begriff der Komplementatriät ein. Zueinander komplementäre Eigenschaften sind  im Messprozess einander ausschließend (d.h. man kann gleichzeitig entweder die Wellen- oder die Teilcheneigenschaft, aber nie beide zusammen messen), aber gleichwohl notwendige und ergänzende Aspekte eines Ganzen.  .  Beim Betrachten einer Münze kann man nur KOPF oder ADLER sehen, aber beide Seiten sind zueinander komplementär und ergeben erst zusammen die Münze. Bohr vermutete, dass sein Komplementaritätsbegriff  auch andere Lebensbereiche durchzieht und nannte beispielsweise GERECHTIGKEIT ↔ ERBARMEN.

         Das komplexe Erscheinungsbild der Atom-Spektrallinien stellte Anfang des 20. Jhds. für die Physik ein nicht deutbares Problem dar.  Im sog. RUTHERFORDschen Atommodell umkreisen die negativ geladenen Elektronen den positiv geladenen Kern, wie Planeten die Sonne. Dabei hält sich die Zentrifugalkraft mit der elektrischen Anziehung genau die Waage. Da aber ein rotierender Dipol – und das Modell ist nichts anderes als ein solcher – nach den Gesetzen der MAXWELLschen Gleichungen Energie in Form von elektromagnetischer Strahlung abstrahlt, müsste das Elektron diese Energie aus seiner Bahnenergie nehmen und folglich  in den Kern stürzen. Das tut es aber nicht, und es strahlt auch keine Energie ab. Warum?   Dafür hatte 1913 NIELS BOHR mit einem heuristischen Ansatz Erfolg. Wenn die Elektron-Kreisbahnlänge  ein ganzzahliges Vielfaches seiner Materie-Wellenlänge λ ist, dann strahlt es nicht. BOHR drückte es nur anders aus, da 1913  λ noch nicht formuliert war. Springt das Elektron in eine tiefere Bahn, so strahlt es die Differenzenergie  E2 – E1 = hν  mit der Frequenz ν ab. Das führt zu den Spektrallinien und zu den  Aufbauregeln des Periodischen Systems der Elemente. Obwohl noch Feinheiten zu klären waren, war der BOHR-Ansatz ein überwältigender Erfolg (Nobelpreis 1922). EINSTEIN zollte BOHR höchsten Respekt und Bewunderung.

  Die Phase der  sog. „alten Quantentheorie“ war damit abgeschlossen. Erkenntnistheoretisch blieb aber die Situation mangels jeder philosophischen Aufarbeitung der „willkürlichen“ Ansätze BOHRs völlig unbefriedigend.

 

QUANTENMECHANIK (QM) AB 1925

 Dass BOHR es mit Heuristik geschafft hat (PLANCKs Strahlungs-Ansatz von 1899 war ja auch  heuristisch), befriedigte letztlich nicht, obwohl die gewaltigen  Erfolge dieser „naiven" Atom­theorie unbestreitbar  zeigen, dass schon dieser neben dem großen Vorteil der Anschaulichkeit  ein beträchtlicher Wahrheitswert zukommt.  Man wollte die Phänomene besser verstehen. Außerdem blieben die o.g. Feinheiten ungelöst, und es kamen neue Beobachtungen hinzu, die der bisherigen Quantentheorie direkt widersprachen (z.B. beim Modell des Heliumatoms,   der Molekülspektren und der chemischen Bindung).

Seit etwa 1924 verstärkte sich deshalb bei den Physikern die Überzeugung, dass eine Behebung aller dieser Schwierigkeiten und Unvollständigkeiten nur durch eine grundsätzliche Neu­fassung der Atomtheorie möglich sei, die zwar in wesentlichen Ergebnissen mit denen der naiven Atomtheorie übereinstimmen müsste, andererseits aber doch sehr entscheidend von jeder auf der klassischen Physik aufbauenden Atomtheorie ab­weichen müsse. Man kann dies bei HEISENBERG  sehr schön nachlesen. 2

 Die Neuschöpfung der Atomtheorie wurde 1926 unabhängig und nahezu gleichzeitig von SCHRÖDINGER (auf Arbeiten von DE BROGLIE aufbauend) und in noch grundlegenderer Weise von HEISENBERG durchgeführt. Sie trägt den Namen Wellen- bzw. Quantenmechanik und geht nicht, wie die BOHRsche Theorie, von der klassischen Physik aus, sondern sucht von den empirischen Gegebenheiten der Atome, d.h. ihren diskreten Energiezuständen und Übergangs-Wahrscheinlichkeiten her zu einer das Atomgeschehen richtig beschrei­benden Theorie zu gelangen.

 Diese beiden unter­nommenen erfolgreichen Versuche, SCHRÖDINGERS Wellenmechanik und HEISENBERGS Quantenmecha­nik, waren, wie MAX BORN & SCHRÖDINGER  bald erkannten, trotz verschiedener Ausgangspunkte und mathematischer Formalismen im Grunde identisch und stellten einen entschei­denden Bruch mit der früher für selbstverständlich gehaltenen Auffassung dar, dass die atomaren Erscheinungen der Mikrophysik in gleicher Weise und mit gleichartigen Gesetzen anschaulich beschreibbar sein müssten wie die klassische Makrophysik  

 Ein Paradigmenwechsel im Weltbild deutete sich an. Sowohl  SCHRÖDINGER als auch  HEISENBERG ließen sich durch PLATON inspirieren. Zur Verdeutlichung seiner Ideenlehre bringt PLATON in der „Politeia“ sein berühmtes Höhlengleichnis: Man soll sich eine unterirdische Höhle vorstellen in der Menschen seit ihrer Kindheit an einem Platz gefesselt sitzen. Sie blicken immer nur auf die Wand vor ihnen. Hinter ihnen befindet sich eine Mauer, hinter der ein Feuer brennt, das die Höhle erhellt. Entlang dieser Mauer werden Gegenstände vorbeigetragen, deren Schatten an die Wand geworfen werden. Die Gefesselten können nur diese Schatten sehen und glauben, es handle sich um die wirkliche Welt. Wenn die Menschen hinter ihnen sprechen, denken die Gefesselten, die Schatten selbst würden sprechen. Erst wenn man die Menschen an die Sonne brächte, könnten sie zu wahrer Erkenntnis gelangen. Nach PLATON gleicht das menschliche Leben diesem Höhlengefängnis, wobei es sich bei den Schatten um die Dinge handelt, die wir mit unseren Sinnen erfassen. Diese entsprechen jedoch nicht der Wirklichkeit. Wenn die QM lehrt (wie noch behandelt werden wird), dass die Realität permanent aus der umfassenden geistigen Potentialität entspringt - so wie die Schatten den für die Gefesselten unsichtbaren Gegenständen entspringen - , es also ohne Potentialität keine Realität unserer Sinne gibt, dann kann man über PLATONS „verrückt“  klingendes, aber wegbereitendes Gedankengut nur staunen.  

Den nächsten wichtigen Baustein setzte HEISENBERG 1927 durch die Formulierung seiner Unschärferelationen nach der Ort(q) & Impuls(p), bzw Energie(E) & Zeit(t) nicht gleichzeitig genau bestimmt werden können. Das hat nichts mit Messungenauigkeit zu tun, sondern ist tief in der Komplementarität der QM verwurzelt. Ortsunsicherheit  ∆q × Impulsunsicherheit ∆p   Wirkungsquantum bzw. ∆E  × ∆t   h.  Sei z.B. der Ort eines Teilchens genau bekannt, so lässt sich zu diesem Zeitpunkt über den Impuls überhaupt keine Aussage machen, und umgekehrt. Das hat natürlich größte Konsequenzen: Aus der Gegenwart der Welt lassen sich weder Zukunft noch Vergangenheit herleiten. LAPLACE wäre darüber sehr enttäuscht!

 Die HEISENBERG-SCHRÖDINGERsche QM besaß zunächst noch drei Mängel. In ihr waren weder der Elektronenspin noch die Relativitätstheorie berücksichtigt, und sie befasste sich, drittens, nur mit der Materie und sagte nichts aus über deren Wechselwirkung mit dem Licht, d.h. dem elektromagnetischen Feld. Nachdem der erste Mangel bald von heisenberg, jordan und pauli behoben worden war, gelang die Erweiterung der Theorie zur vollständigen QM und Q- Elektrodynamik (mit Einarbeitung EINSTEINs  SRT),  wenig später (1928)  P.A.M. DIRAC.

Ab etwa 1928/32 haben die Mathematiker v. NEUMANN und WEYL (beide HILBERT-Schüler) durch Formulierung der Quantenwellen als „Zustände“ im  - dimensionalen  HILBERT-Raum die QM noch weiter mathematisiert. BOHR gefiel das gar nicht, aber die neue Formulierung setzte sich auf breiter Front durch.    Die Mathematik der QM ist leider sehr komplex und unanschaulich, und unsere ontologisch geprägte Sprache zwingt uns lt. HEISENBERG Bilder zu gebrauchen (QM-Sprachproblem).

Die QM ist nicht auf den Atomaren Bereich beschränkt, sondern sie ist die Basis für die ganze Physik. Makroskopische Effekte sind z.B. Supraleitung, Tunneleffekt, BOSE-EINSTEIN-Kondensat, Laser, und sie finden sich in der Festkörperphysik, dem Atomaufbau, der  Biologie und der Kosmologie.

 

DIE  QM-REALITÄT 3

 Die Physik der QM unterscheidet sich radikal von der Physik unserer Alltags-Erfahrung. In dieser existieren bekanntlich Teilchen (Körper, Gegenstände) mit ihren Eigenschaften, egal, ob man sie beobachtet oder nicht. Durch Beobachtungen (Messungen) werden diese Eigenschaften in beliebiger Genauigkeit aufgedeckt. Eine Beeinflussung des Messergebnisses durch den Beobachter ist unerwünscht, ja schädlich & verfälschend. Alles ist streng deterministisch. In der QM sind dagegen Beobachter und Objekt immer zusammen als Einheit zu sehen. Am sog. Doppelspaltversuch lässt sich die „verrückte“ Quantenwelt wohl am einfachsten demonstrieren.

Der Versuchsaufbau ist denkbar einfach. Eine  Quelle sendet atomar kleine Teilchen, z.B. Elektronen, Photonen, aus, die auf eine Wand mit zwei parallelen Schlitzen (A&B) fallen. Hinter der Wand ist in einem gewissen Abstand ein Schirm, bei dem jedes durch die Schlitze gedrungene Teilchen eine Schwärzung am Auftreffpunkt bewirkt.

Schließt man Schlitz A, so fliegen die Teilchen nur durch B, die am Schirm einen geschwärzten Strich BB hervorrufen (nicht scharf, sondern etwas verschmiert); schließt man B und öffnet A, so ergibt das auf dem Schirm einen verschmierten Strich AA. Öffnet man beide Schlitze, so erwartet man, klassisch gedacht, auf dem Schirm die Superposition (Summe) der Schwärzungen AA+BB. Das ist nicht der Fall. Man sieht stattdessen ein Streifenmuster von vielen Maxima und Minima der Intensität, so als ob an den Schlitzen zum Schirm hin Zylinderwellen starten, die am Schirm interferieren würden.  So ein Bild ist eigentlich nichts Neues. Man kennt es als typische Interferenz einer Wellenerscheinung. Maxima entstehen durch das Zusammentreffen zweier Wellenberge, Minima durch gegenseitige Auslöschung von zusammentreffenden Wellenbergen und -tälern. Erstaunlich ist aber, dass diese Wellen hier als Teilchen registriert werden, die scharfe Punkte erzeugen. Man steht damit vor folgender Situation: Einzelne Teilchen treten nacheinander durch einen Doppelspalt und erzeugen auf dem Schirm einzelne punktförmige Schwärzungen. In Summe führen die einzelnen Schwärzungen jedoch zu Interferenzmustern, wie sie sonst nur von Wellen bekannt sind. Welle oder Teilchen? Das ist hier die Frage.  Deshalb spricht man auch vom Dualismus von Welle und Teilchen.   

Die Quanten-Mathematik ordnet jedem Teilchen eine Wellenlänge (die o.g. DE BROGLIE Wellenlänge λ) zu: Je größer der Teilchenimpuls, desto kürzer die Wellenlänge. Ein Fußball im Spiel hat auch eine Wellenlänge, aber die ist so klein (≈1033 m), dass sie nicht beobachtbar ist. Deshalb treten bei makroskopischen Körpern unserer Alltags-Erfahrungs-Welt nur die Teilcheneigenschaften in Erscheinung.   

Einen noch viel verblüffenderen Aspekt des Doppelspalt-Experiments habe ich noch nicht erwähnt. Man kann das Experiment sogar so führen, dass immer nur ein einzelnes „Teilchen" unterwegs ist. Völlig von einander isolierte und unabhängige „Teilchen" erzeugen dennoch in der Häufigkeitsverteilung der Schwärzungen ein Interferenzmuster so, als kooperierten sie miteinander. Interferieren die „Teilchen" mit sich selbst? Wenn sie sind, als was sie registriert werden, nämlich als Teilchen, dann müssten sie einen Weg von der Quelle durch die Spalte bis zum Schirm durchlaufen. Kein wirkliches lokalisiertes Teilchen kann aber durch beide Spalte zugleich laufen. Will ich beobachten durch welchen Spalt die einzelnen Elektronen von der Quelle zum Schirm fliegen, und bringe eine „Lampe“ (Detektor, der das Teilchen im Flug sieht) an, so verschwindet augenblicklich das Interferenzmuster, und auf dem Schirm erscheint die klassisch erwartete Schwärzung der o.g. Superposition.  Nur wenn das Teilchen sein „Weggeheimnis“ bewahrt, hat es die Welleneigenschaft. „Die Vorstellung von Teilchen, die Bahnen durchlaufen, ist überhaupt falsch“ hat Heisenberg gesagt.  Es hat bis in die neuere Zeit viele Versuchsvarianten gegeben, die Natur zu überlisten, ihr das „Geheimnis“ zu entlocken: zwecklos! Das beschriebene Verhalten ist ganz tief  in der QM verwurzelt, eine Folge der Heisenbergschen Unschärferelation. Ort & Impuls eines Teilchens lassen sich, wie schon gesagt, nicht gleichzeitig genau bestimmen. Je genauer das Eine, desto ungenauer das Andere, oder Exaktheit des Einen (Schwärzungs-Punkt auf dem Schirm) →völlige Unkenntnis der Bahn, besser: Es gibt gar keine Bahn. Die Quantenmechanik geht in der Deutung noch weiter. Erst durch eine Messung (Schwärzungs-Punkt bzw. Teilchenspur im Detektor) ist das Teilchen real; vorher existiert nur eine Wellenfunktion, die nur die Aufenthalts-Wahrscheinlichkeit beschreibt. Mit einer Messung (Messergebnis → Information über das Objekt) kollabiert die Wellenfunktion, und das Teilchen wird als Teilchen real (man könnte sagen: es wird in unsere Welt hinein „geboren“). Das ist die auf den Dänen Niels Bohr zurückgehende „Kopenhagener Deutung“.

Eine Wellenfunktion muss nicht auf Einzelobjekte beschränkt sein, sie kann Paare, ganze Ensembles und auch Großobjekte umfassen. Alle Objekte, die eine gemeinsame Wellenfunktion besitzen sind miteinander „verschränkt“, wie man sagt. Dabei geht in die gemeinsame Wellenfunktion  nicht die Distanz der verschränkten Objekte ein. Das hat zur Folge, dass wenn bei einem miteinander verschränkten Paar A & B, z.B. Photonen, Photon A durch eine Messung „geboren“ wird, instant  Photon B auch „geboren“ wird. Zur Verdeutlichung: Instant bedeutet ohne jeden Zeitverzug, d.h. wenn Photon A und das mit ihm verschränkte Photon B zum Messzeitpunkt mehrere Kilometer voneinander Distanz haben,  ist es so, als ob die Wirkung mit unendlicher Geschwindigkeit von A nach B „übergesprungen“ ist. Übergesprungen ist sprachlich falsch, denn solange das Paar von einer Wellenfunktion beschrieben wird, ist es ein –ausgedehntes- Eins, das auch nur als Eins „geboren“ werden kann. Das bedeutet, dass in der QM die uns aller geläufige LOKALITÄT aufgegeben werden muss. Bei der Diskussion des EPR-Paradoxons komme ich darauf zurück.

Die QM ist nicht anders, sie ist „ganz anders“; sie ist die größte Revolution in der Physik. QM ist die am besten durch Experimente  bestätigte Theorie der Naturwissenschaft. Das gewohnte ontologische Weltbild wird um eine epistemologische Sichtweise erweitert.  Faktenwirklichkeit wird um Beziehungswirklichkeit ergänzt, d.h. durch eine Wirklichkeit, die sich durch Beteiligung an Kommunikation erschließt. In der QM sind alle Messungen kontextuell (Objekt, Messapparat, Beobachter, u. Umfeld ergeben erst zusammen einen „Zustand“).   

Klassische Theorien wie NEWTON, MAXWELL, sowie SRT & ART sind streng deterministisch aufgebaut und ohne Kontext (Objekt & Messapparat sind separat zu sehen).

In der QM ist Potentialität (die beschreibt alles was möglich ist) primär. Potentialität wird erst durch einen Messprozess faktifiziert, d.h. in die Realität gebracht. „Unsere Realität ist geronnene Potentialität“, so hat es H.P. DÜRR einprägsam ausgedrückt.

Die QM-Potentialität  ist nicht ein Sonderfall unserer Realität, sondern umgekehrt: Die uns umgebende faktische Realität folgt aus der viel umfassenderen Potentialität der QM.

Viele Menschen haben mit dem neuen Gedankengut der QM Probleme. Der Grund dafür ist, dass die QM uns abverlangt  die von uns allen tief verinnerlichte und in der Alltags-Erfahrung unentwegt bestätigte Ontologie der an sich seienden Realität zu revidieren. Zu diesen Skeptikern gehörte auch ALBERT EINSTEIN, der sich zum scharfsinnigsten Kritiker der QM wandelte.

Er ging in seiner Argumentation von drei sehr plausibel klingenden Annahmen aus, die nach seiner Meinung alle erfüllt sein müssen, damit die Welt dem „objektiven lokalen Realismus“ folgt:

  1. Die Eigenschaften physikalischer Objekte sind messbar und kommen ihnen unabhängig davon zu, ob sie tatsächlich beobachtet werden oder nicht (OBJEKTIVISMUS).
  2. Jedem Element der Realität muss in einer physikalischen Theorie ein Gegenstück entsprechen, wenn die Theorie vollständig sein soll  (REALISMUS).
  3. Objekte, die sich nicht gegenseitig beeinflussen können, haben voneinander unabhängige Eigenschaften (LOKALITÄT).

In einem berühmten Gedankenexperiment an Hand eines Zwei-Teilchen-Systems konnte 1935 EINSTEIN zusammen mit PODOLSKY und ROSEN zeigen, dass die QM nicht der klassischen Ontologie des „objektiven lokalen Realismus" entspricht. (EPR-Paradoxon). EINSTEIN hielt deshalb die QM für unvollständig und forderte, sie durch verborgene - noch zu findende -  Parameter zu ergänzen. Natürlich  müssten solche Parameter lokal sein, damit die Lokalität erhalten bleibt, denn an der Lokalität  hielten damals alle Physiker fest.  

   Das EPR-Paradoxon ist indes kein Paradoxon im Rahmen der QM, sondern nur eines gegenüber der Ontologie des „objektiven lokalen Realismus". Es gelang 1964 dem amerikanischen Physiker JOHN BELL, eine Ungleichung abzuleiten, der alle Theorien von Zwei-Teilchen-Systemen, die auf der Ontologie des „objektiven lokalen Realismus"  beruhen, genügen müssen. Die QM solcher Systeme aber verletzt diese Ungleichung, d.h. die QM ist keine Theorie des „objektiven lokalen Realismus“, und kann auch nicht durch verborgene Parameter „hingebogen“ werden.  Ab 1964 stellte sich daher die Grundfrage: Beschreibt die QM unsere ganze Wirklichkeit richtig, oder hat man nach anderen Alternativen zu suchen? Die Natur selbst musste befragt werden. Glücklicherweise machte die BELLsche Ungleichung  das EPR-Paradoxon einer experimentellen Prüfung zugänglich. Bis 1981 harrten die Physiker auf eine Antwort dieser brennenden Frage. Dann erst gelang dem Franzosen ALAIN ASPECT ein klärendes Zwei-Teilchen-Experiment, das in der Folgezeit mehrfach immer genauer und über immer größere Entfernungen der Teilchen wiederholt werden konnte. Die Messergebnisse dieser Experimente verletzen alle die Bellsche Ungleichung und bestätigen die QM. Die EINSTEINSCHE Lokalitätsannahme gilt in der QM nicht. „Spukhafte Fernwirkungen“, die EINSTEIN nicht für möglich hielt und sie nur als Artefakte der QM-Mathematik ansah, existieren in der QM wirklich. Da die QM die Basis für alles ist, ist unsere Welt im Grunde nicht lokal!

Damit war die Ontologie der an sich seienden Realität, die - da hat EINSTEIN recht - nur die Form des „objektiven lokalen Realismus" haben kann, im Popperschen Sinne falsifiziert worden. Man kann dieses Ergebnis zugespitzt so charakterisieren:3               Die QM ist nicht „realistisch", aber wahr.

Worin besteht nun die „ontologische Revolution“ der QM?   Wie stellt sich in ihr die Wirklichkeit dar?

In der QM hat die Wirklichkeit  eine Doppelstruktur, und zwar eine

                              Doppelstruktur aus Potentialität und  Realität,

wobei Potentialität die primäre und Realität die daraus abgeleitete sekundäre Wirklichkeit ist. Potentialität im Sinne der QT bzw. der QM ist mathematisch definiert und viel genauer bestimmt als der Begriff der Möglichkeit in unserer Sprache. Sie ist Gegenstand der (theoretischen) Physik und hat im Sinne des ontologischen Realismus kein Gegenstück in der feststellbaren Realität. Das zeigt sich schon daran, dass Potentialität nicht wie Realität durch reelle Zahlen beschrieben werden kann, sondern nur durch komplexe und dies in wesentlich komplizierterer Weise als die realen Dinge der klassischen Realität.  Man hat es mit unendlich dimensionalen HILBERT-Räumen zu tun. Für das Studium dieser Mathematik benötigt man in der Regel mehrere Jahre.

 Die Potentialität ist nicht materiell und trotzdem keine Fiktion. Sie ist wirklich, weil sie wirkt: Etwas aus dem Möglichkeitsspektrum wird faktisch. Dies geschieht in dem, was im quantenmechanischen Sprachgebrauch Messprozess genannt wird.. Fast immer aber erfolgt Faktifizierung von Potentialität unspezifisch durch „Dekohärenz". Gemeint ist so etwas wie „permanente Messung", d.h. die regellose Wechselwirkung eines Objekts mit Partikeln seiner Umgebung, die die Quantenkorrelationen dieses Objekts mit anderen Objekten zerstören und so das betreffende Objekt erst herauslösen aus dem universellen Zusammenhang und unterscheidbar machen von dem, was es nicht ist.  Eigentlich und „ursprünglich" ist nämlich die Potentialität der Wirklichkeit allumfassend, d.h. alles ist mit allem korreliert -„verschränkt" - wie man auch sagt. Dass überhaupt unterscheidbare Objekte -„Dinge" - in Erscheinung treten ist die Folge von Dekohärenz. Dies rührt an die alte Leibnizsche Frage:

 „Warum ist überhaupt etwas und nicht vielmehr nichts?".

Von besonderer Bedeutung ist das faszinierende Phänomen der räumlichen und zeitlichen Nichtlokalität der Wirklichkeit, wie es die QM zum Vorschein bringt. Nichtlokal ist dabei die Potentialität, während die Realität zeitlich und räumlich lokal bleibt. Quantenkorrelationen verschränkter Zustände zusammengesetzter Quantensysteme bleiben nämlich unabhängig vom räumlichen und zeitlichen Abstand der Teilsysteme erhalten – selbst über Lichtjahre hinweg -, wenn sie nicht durch Dekohärenz zerstört werden.

Anders ausgedrückt: Die allumfassende Potentialität als geistiger Part unserer Wirklichkeit „gebiert“ durch Dekohärenz  das Materielle. Materie ist „geronnener“ Geist, würde DÜRR sagen. Dekohärenz wechselt sich ab mit Re-Kohärenz (Rückfall der Realität in Potentialität). Das geschieht offenbar mit unvorstellbarer Geschwindigkeit. Für Alltagsgegenstände (z.B. eine Bowlingkugel in Luft) liegen Dekohärenzzeiten bei 10-20 Sekunden. Zum Vergleich: In einem Film hat man eine Bilderfolge von 50 pro Sekunde, in der QM unter Normalbedingungen eine „Bilderfolge“ von 10 20 (Eine Zahl mit 20 Nullen). Das hier Gesagte wirkt auf Laien unglaublich;  aber allen Versuchen zum Trotz ist es bis heute (2010) nicht gelungen die QM zu falsifizieren.4,5 Die viel gehörte Meinung: „Die QM ist nur etwas fürs Kleine“ (Elementarteilchen), ist falsch. Die QM ist, wie schon eingangs erwähnt, die Basis der Physik, der Urgrund sozusagen. Ständig kommen Meldungen, dass man Q-mechanische Zustände an immer größeren Objekten nachweisen konnte (inzwischen an Objekten aus tausenden Atomen bestehend). Dekohärenz wird z .Zt. intensiv erforscht. Bei zukünftigen Quanten-Computern muss sie unterdrückt werden, da nur kohärente Atomgruppen die gewünschten Eigenschaften haben.

 

Was ist überhaupt Materie? Wir entstammen offenbar total dem Geistigen und kehren wieder in dieses zurück  Diese Erkenntnis hat zweifellos auch theologische Aspekte. Die Ur-Religionen hatten solches Wissen von Anbeginn an.1   Bezog etwa PLATON seine Inspiration aus uralten Quellen?

 

EIN KOSMISCHES BEWUSSTSEIN ? 6

 Zu welchen Konsequenzen, bzw. Gedanken das bisher Gesagte führen kann, mag man aus den Worten von Professor Dr. LOTHAR SCHÄFER (Universität von Arkansas) schließen, die er in einer Akademietagung 2005 in Bonn gesagt hat:

 »Die Untrennbarkeit der Wirklichkeit hat sich in Experimenten offenbart, in denen Elementarteilchen ohne Verzögerung, instantan, über beliebig weite Entfernungen auf einander einwirken. In Experimenten zum Bell´schem Theorem hat sich erwiesen, dass zwei Teilchen, die irgendwann miteinander wechselwirken [sich verschränken] und sich dann voneinander wegbewegen, miteinander verbunden bleiben können und sich wie ein einziges Ding verhalten, ganz gleich wie weit sie von einander entfernt sind.

Wenn die Wirklichkeit nicht-lokal ist, dann ist die Natur des Universums  die einer unteilbaren Ganzheit. Aus diesem Phänomen haben Kafatos und Nadeau einen bemerkenswerten Schluss gezogen: Weil unser Bewusstsein aus der Ganzheit hervorgegangen und ein Teil von ihr ist, ist es möglich zu folgern, dass im Kosmos Elemente eines Bewusstseins aktiv sind. Ein Kosmisches Bewusstsein?

In Interferenzversuchen mit Masseteilchen kann Information als Wirkursache auftreten: Welcher-Weg-Information zerstört die Fähigkeit zu interferieren, Quantenobjekte können auf den Fluss von Informationen reagieren, wenn sich das, was man über sie wissen kann, ändert. Das einzige andere Ding, das wir kennen, das so auf Informationen reagieren kann, ist ein bewusster Geist. In diesem Sinn kann man sagen, dass wir am Grunde der gewöhnlichen Dinge Wesenheiten mit geistesähnlichen Eigenschaften finden.

Viele Pioniere der Physik des 20. Jahrhunderts haben die Bedeutung solcher Phänomene betont. John Wheeler: "Information sitzt im Kern der Physik, wie sie im Kern eines Computers sitzt." Arthur Stanley Eddington: „Das Universum hat die Natur eines Gedankens oder einer Empfindung in einem Kosmischen Geist.“ James Jeans: "Geist ist nicht länger ein zufälliger Eindringling im Reich der Materie, sondern wir beginnen zu ahnen, dass wir ihn als Schöpfer und Herrscher des Reichs der Materie anerkennen müssen."

Anzeichen von Geist tauchen in vielen Phänomenen auf:

• Die nicht-materiellen Wahrscheinlichkeitswellen stehen der Natur von Gedanken näher als der von Dingen.
• Die beschränkte Kapazität von Elektronenzuständen, Elektronen aufzunehmen, beruht auf der Symmetrie der Wellenfunktionen, einer geistigen Eigenschaft von Zahlenlisten.

• In Quantensprüngen reagieren Quantenobjekte spontan. Ein bewusster Geist ist das einzige Ding, das wir kennen, das sich so verhalten kann.

Eddington: Spontaneität in der Physik ist Abwesenheit von Kausalität.

 "Wenn die Kausalität kein Naturprinzip ist, dann gibt es keine klare Unterscheidung mehr zwischen dem Natürlichen und dem Übernatürlichen."

Auf diese Weise ist auf der Ebene der Quantenwirklichkeit die Demarkationslinie verwischt zwischen dem Natürlichen und dem Übernatürlichen, zwischen dem Physischen und Metaphysischen, zwischen dem Geistigen und Materiellen.

Der Eindruck ist unvermeidlich, dass die Quantenwirklichkeit die Eigenschaften einer Transzendenten Wirklichkeit offenbart hat. Auf der Ebene der Elementarteilchen werden ideenähnliche Zustände masseähnlich. Das Wort ist Fleisch geworden. Was immer König Midas berührte, wurde zu Gold. Was wir berühren, verwandelt sich in Materie. Die Botschaft der Physik des 20. Jahrhunderts ist die, dass die erfahrbare Wirklichkeit an ihren Grenzen nicht im Nichts vergeht, sondern in Metaphysisches übergeht. Physikalische Wirklichkeit grenzt an Metaphysische Wirklichkeit.

Genauso wie leblose Atome Lebewesen bilden, geistlose Moleküle intelligente Gehirne, so bilden metaphysische Wesenheiten die physikalische Wirklichkeit….

Die Physik des 20. Jahrhunderts hat gezeigt, dass die Wirklichkeit anders ist, als wir immer dachten. Die Physikalische Wirklichkeit ist nicht so, wie sie aussieht, und man kann jetzt sinnvoll vorschlagen:

 1. Die Grundlage der Materiellen Welt ist nicht materiell.

 2. Die Natur der Wirklichkeit ist die einer untrennbaren Ganzheit.

 3. Quantenobjekte haben in rudimentärer Form Eigenschaften eines Bewusstseins.

 Immer mehr Anzeichen deuten nun darauf hin, dass die Grundlage der Wirklichkeit nicht eine große Masse, sondern ein allumfassendes Bewusstsein ist. «

 

STRAHLENDE AUGEN 4

 Schenke einem Kind etwas, was es sich schon lange sehnlichst gewünscht hat, und Du wirst mit strahlenden Kinderaugen beglückt, an die Du noch Jahre danach denken wirst.

Schaue in gelangweilte Augen, und Du hast sie sofort vergessen.

Ontologisch sind beide Vorgänge identisch. Geometrische Optik, Brechung, Reflexion usw. Die Ontologie vermag den Unterschied nicht zu bringen.

Zwischen den Potentialitäten beider Vorgänge liegen aber Welten. Es ist die epistemologische Seite unserer Wirklichkeit, die den Unterschied enthält, und erst durch den Formalismus der QM beschrieben werden kann.

Dieses Beispiel zeigt deutlich, wie beschränkt unsere ontologischen Naturgesetze sind.

Der ev. historisch-kritische   Theologe ERNST TROELTSCH (1865-1923) schließt die Existenz „übernatürlicher“ Ereignisse kategorisch aus, da sie den Naturgesetzen widersprechen. Eine Auferstehung Christi hat sich demnach nicht ereignet. Diese Ansicht ist im Lichte der QM nicht mehr aufrechtzuerhalten, da die Potentialität alle Möglichkeiten eines Geschehens offen hält, die auch durch die QM erfasst werden können. Mit anderen Worten:  Bisher unerklärliche Phänomene, die nur durch Göttliche Wunder "verstanden" wurden, können heute als Gottes Handeln im Rahmen der von IHM geschaffenen Naturgesetze angesehen werden.   TROELTSCH hat nur die ontologischen Naturgesetze herangezogen, er konnte zu seiner Zeit gar keine anderen kennen.

 Im Atheismus hieß es: „Wer sich mit Religiosität befasst läuft Gefahr, geistig krank zu werden“.   Jetzt sage ich: „Beschränkt sind die, die die Ontologie für das Ganze halten“.

 

DER KREIS SCHLIESST SICH

Die Rückkehr der Seele

 Kehren wir zum Anfang zurück, und lesen noch einmal den Johannes-Prolog:

 Am Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort.

Dasselbe war im Anfang bei Gott.

Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was geworden ist – in ihm war das Leben.

  Im griechischen Urtext steht das Wort ,Logos’ , das mit ,Wort’ übersetzt ist, aber mehr als das bedeutet, nämlich auch ,Vernunft’ und ,Sinn’. Es ist überwältigend wie zutreffend sich die einleitenden Worte des Evangelisten in modernste Erkenntnisse unseres Weltbildes fügen.

Auch der biblische Schöpfungsbericht sagt: „Am Anfang schuf GOTT Himmel und Erde…“         und drückt damit aus, dass unsere Realität  durch das Geistige geschaffen worden ist. Genau so sieht es die QM heute auch, wenn sie formuliert:3 » Die Potentialität ist nicht materiell und trotzdem keine Fiktion. Sie ist  wirklich, weil sie wirkt: Etwas aus dem Möglichkeitsspektrum wird faktisch. Dies geschieht durch die Dinge, die im quantenmechanischen Sprachgebrauch Messprozess und Dekohärenz  genannt  werden. Primäre Potentialität als Ursache wird zu  sekundärer Realität als Folge. «

 Einleitend habe ich einen Verlust an Seele beklagt, der während der „Aufklärung“ durch die Menschen gegangen ist und über LAPLACE im Atheismus mündete. Die QM hat dieser Entwicklung auf wissenschaftlicher Basis ein Ende bereitet. Die Menschen haben jetzt einen festen Grund sich zurück zu besinnen, und können in ihrem Weltbild wieder „an Seele gewinnen“. 

Bemerkenswert ist auch das JESU-Wort: „Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen“  [Mt 24,35].  Damit ist klar ausgesagt, dass das Geistige als allumfassender Urgrund auch überdauern wird, wenn das Faktische aufhört zu sein. Das Geistige hat offenbar die Potentialität Leben und Kultur zu bewahren und auch neu hervorzubringen. Hier berühren sich Theologie und Naturwissenschaft und können sich fruchtbar ergänzen. Der Glaube an GOTT bleibt aber immer eine persönliche Angelegenheit. Wenn HAWKING in seinem neuen Buch7 schreibt, dass er auf Grund seiner Erkenntnisse keine zwingende Notwendigkeit sieht, die Existenz eines Schöpfers anzunehmen, so muss man das als seine Ansicht gelten lassen; aber jeder von uns ist frei, ganz andere Meinungen zu haben. Die Leser sollten von dieser Freiheit auch Gebrauch machen, ohne sich vom großen Namen HAWKING blenden zu lassen!

 Mir dagegen sprechen die Worte von JOHN C. POLKINGHORNE (bedeutender Quantenphysiker und Anglikanischer Geistlicher) voll aus dem Herzen :

"An Gott im Zeitalter der Naturwissenschaften zu glauben bedeutet die Gewissheit zu haben, dass hinter der Geschichte des Universums ein Gedanke und eine Absicht stehen, und dass der EINE, dessen verborgene Gegenwart sich darin ausdrückt, unser Anbetung wert  und der Grund unserer Hoffnung ist" 8

Ich kann berichten, dass die erneute Beschäftigung mit der QM mir große Freude bereitet hat, nicht zuletzt weil das Thema so ergiebig war und Potential für eine innere Zufriedenheit besitzt.

 

Dr. Georg Linke, Aachen, im Oktober 2010

 

Gebrauchte Abkürzungen : ART & SRT  Allgemeine und spezielle Relativitätstheorie EINSTEINs

QM & QT  Quantenmechanik & Quantentheorie; 

 

 Quellen außerhalb der eigenen Studienunterlagen:

 

1Ina Mahlstedt: „Rätselhafte Religionen der Vorzeit“, Verl. THEISS 2010,          ISBN 978-3-8062-2304-0,

 und persönliche Gespräche mit Yakutischen Schamanen, die die Ansicht vertraten, dass sich Spuren  ihrer Religiosität sogar bis zu 30.000 Jahre zurückverfolgen lassen.

2Prof. Dr. Werner Heisenberg:  Der Teil und das Ganze                                        R. PIPER & Co.  Verlag München 1969

3Dr. Hans-Jürgen Fischbeck 2005: Die Wahrheit und das Leben                          ISBN  3-8316-0482-7

4Prof. Dr. Shimon Malin 2003: Dr. Bertlmanns Socken.

Wie die Quantenphysik unser Weltbild verändert                                           ISBN 978-3-499-62058-4

5Prof. Dr. E. Joos et al.: "Decoherence and the Appearance of a Classical World in Quantum Theory".  Berlin:. Springer 2003   ISBN 3-540-00390-8  

6Prof. Dr. Lothar Schäfer 2004:     Versteckte Wirklichkeit                                 ISBN  978-3-7776-1308-6

7Prof. Dr. Stephen Hawking & Prof. Dr. Leonard Mlodinow 2010:                     DER GROSSE ENTWURF   Eine neue Erklärung des  Universums               ISBN 978-3-498-02991-3

 8www.theologie-naturwissenschaft.de/Polkinghorne/Kerngedanken.html

 

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news-15 Thu, 30 Sep 2010 14:12:00 +0200 ARISTARCH VON SAMOS DER KOPERNIKUS DER ANTIKE http://www.theologie-naturwissenschaften.de/diskussion/blog-georg-linke/einzelansicht/aristarch-von-samos-der-kopernikus-der-antike/ WIE FUNDAMENTALISTISCH-DOGMATISCHES DENKEN DEN WEG ZUR WAHRHEIT & ERKENNTNIS VERBAUEN KANN

Im naturkundlichen Unterricht meiner Schulzeit habe ich zum ersten Mal von Aristarch von Samos gehört, einem griechischen Philosophen, der bereits um 250 v. Chr. eine ruhende Sonne mit der sie umkreisenden Planeten & Erde zur Erklärung der astronomischen Beobachtungen herangezogen hat. Ich war von diesem Aristarch fasziniert und verstand überhaupt nicht, warum wir Menschen fast 2000 Jahre warten mussten, ehe die Wissenschaft das richtige Weltbild über Kopernikus, Bruno und Keppler angenommen hat. Heute kann ich hier am Beispiel Aristarchs zeigen, wie Engstirnigkeit eine Schlüsselwissenschaft am Fortschritt hindert, und dadurch der ganzen Menschheit geschadet hat. Außerdem ist es nur glücklichen Umständen  zu verdanken, dass im 4. Jahrhundert christliche und im 7. Jahrhundert islamistische Fundamentalisten die Erinnerung an den antiken Kopernikus nicht auch noch vernichtet haben.

Thomas Bührkle hat über Aristarch das im Februar 2009 erschienene Buch: „Die Sonne im Zentrum“ geschrieben, in dem in Romanform versucht wird,  auf obige Frage einzugehen.

 

Über Aristarch selbst ist fast nichts bekannt. Er lebte ca. von 310-230 v. Chr und stammt von der Insel Samos. Wo er Zeit seines Lebens gewirkt hat, ist uns nicht überliefert. Immerhin wissen wir, dass er ein Schüler des Straton von Lampsakos (340-270) war, der seinerseits aus der Schule des Aristoteles (384-322) hervorgegangen ist. Straton wurde „Der Physiker“ genannt, weil er Erkenntnis aus dem Experiment vorrangig anerkannte, eine geradezu „moderne“ Auffassung. Es muss dem Einfluss von Straton zu verdanken gewesen sein, dass Aristarch fähig und frei genug war, seine eigenen astronomischen Messergebnisse vorurteilsfrei zu interpretieren. Das war damals frech & respektlos, oder, besser ausgedrückt, zeugt es von Souveränität, denn die Szene dominierten Gedanken der großen Philosophen (Platon, Aristoteles u.a.), die auch das Naturgeschehen bestimmten.

Das Weltbild hatte geozentrisch zu sein, mit der Erdkugel ruhend im Mittelpunkt des Universums. Sonne, Mond & 5 Planeten umkreisen die Erde in Sphären, und alles einschließlich der Fixstern-Sphäre rotiert mit der Tagesdrehung. Bestenfalls gestattete man der Erde ihre Eigenrotation zu (Heraklides um 350), um die o.g. Tagesdrehung fallen  lassen zu können. Es ist schon verwunderlich, dass ein derartiges Gebilde auf die griechische Philosophie so attraktiv gewirkt hat. Immer wieder mussten die Sphären verfeinert werden, um mit den genauer werdenden Messergebnissen Schritt zu halten. Apollonios von Perge führte um 200 v.Chr. statt der Sphären Kreisbahnen mit Epizyklen für die Planetenbewegungen ein, und diese anpassungsfähige Konstruktion hielt sich 1800 Jahre bis einschl. Kopernikus (bei ihm natürlich in der heliozentrischen Variante).  Bewegungen wurden auf Kreise zurückgeführt, das war göttlich-vollkommen. So musste es sein! Das Dogma des Kreises dominierte das Denken! Erst Keppler machte mit diesem Spuk ein Ende, indem er die Ellipse ins Spiel brachte, und sich damit auch durchsetzen konnte.

 

Zurück zu Aristarch. Er muss ein ausgezeichneter Astronom & Mathematiker gewesen sein. Auf ihn geht die sphärische Sonnenuhr, die Skaphe, zurück, die keine durch den Sonnenstand bedingten unterschiedlichen Stab-Schattenlängen kennt. In Griechenland war sie sehr beliebt und wurde auf öffentlichen Plätzen aufgestellt.

 Von seinen Schriften ist uns nur eine erhalten:

 „Über die Größen und die Abstände der Sonne und des Mondes“

Mathematik war damals von der Geometrie dominiert. Lösungen wurden zeichnerisch ermittelt. Das Rechnen mit Zahlen gestaltete sich im Verhältnis zu heute sehr schwierig, denn unser Dezimal-system mit 9 Ziffern & der Null war noch nicht erfunden. Ebenso fehlte es noch an Trigonometri-schen Tabellen. Aristarchs Schrift kann überhaupt als die Geburtsstunde der Trigonometrie aufgefasst werden. Er überlegte sich, dass im Augenblick des Halbmondes das Dreieck Erde-Mond-Sonne ein rechtwinkliges ist, mit dem rechten Winkel am Mond. Sind dann Mond & Sonne gleichzeitig zu sehen, so braucht man „nur“ den Winkel α Halbmond-Sonne  zu messen, und man erhält das Abstandsverhältnis Erde-Sonne zu Erde-Mond (Hypotenuse /Ankathete = 1/cos α  würde man heute rechnen). Den Winkel α zu messen ist sehr schwierig, denn in welchem Augenblick ist der Mond exakt ein Halbmond (der Mond wandert ½ ° pro Stunde), und kleinste Messfehler wirken sich enorm im Ergebnis aus. Aristarchos maß  α = 87 ° und kam zu der Aussage, dass die Sonne 18-20-mal so weit entfernt sei, als der Mond. Eine revolutionäre Aussage für die damalige Zeit. (Heute wissen wir, dass α = 89° 51’ ist, und die Sonne etwa 400 mal die Entfernung des Mondes hat.). Da die Sonne etwa gleich groß wie der Mond am Himmel erscheinen, folgerte Aristarch die 18-20 fache reale Größe der Sonne gegenüber dem Mond. Den Bezug zur Erdgröße verschaffte sich Aristarch aus der Beobachtung des Erdschattens bei einer totalen Mondfinsternis. Der Erdschatten hatte doppelten Monddurchmesser, und damit war nach dem Strahlensatz die Erde 3-mal so groß als der Mond. Ein recht genaues Ergebnis (3,67 wahrer Wert). Aus beiden Resultaten folgerte er, dass die Sonne etwa 7-mal die Größe der Erde hat. Auch das war revolutionär & kaum zu glauben. Wäre er in die Nähe des wahren Wertes von 110 gekommen, dann hätte man ihn wohl für verrückt erklärt. Aus dem scheinbaren Durchmesser des Mondes, den Aristarch fälschlicherweise mit 2 ° in seiner Arbeit angibt, errechnet er einen 9½-fachen Erddurchmesser als Mondabstand. Archimedes (285-212) schreibt, dass Aristarch später seinen Fehler bemerkt hat und den scheinbaren Durchmesser mit ½ ° angab, d.h. der Mond ist 38 Erddurchmesser von der Erde entfernt (31 ist der richtige Wert). 

 

Etwa 20 Jahre später hat der in Alexandria wirkende  Eratosthenes (284/74-202) den Erdumfang sehr genau mit 40000Km ermittelt (In Syene stand die Sonne am 21.6. um 12 Uhr im Zenit; Eratosthenes maß zum gleichen Zeitpunkt den Sonnenstand im 850 Km nördlich liegenden Alexandria, und aus der mit Hilfe der Aufzeichnungen pharaonischer Landmesser vermessenen Entfernung beider Orte folgte durch Dreisatz der Erdumfang). Ebenfalls eine Meisterleistung  der antiken Astronomie & Geographie. Jetzt konnten auch die tatsächlichen Größen im Erde-Mond-Sonne-System angegeben werden.

Aristarch sah nicht ein, das die viel größere Sonne sich um die Erde drehen sollte. Das erschien ihm unlogisch, und der setzte die Sonne ruhend ins Zentrum des Universums. Erde & Planeten umkreisen die Sonne; der Mond umkreist die Erde. Die Fixsternsphäre ist „unendlich“ weit entfernt und ruht. Bei endlicher Entfernung hätten die Fixsterne wegen des Erdumlaufs eine Parallaxe zeigen müssen. Das taten sie nicht. (In Wirklichkeit haben sie eine Parallaxe, aber sie wurde wegen ihrer Kleinheit von Bruchteilen einer Bogensekunde erst im 19. Jahrhundert gemessen, Bessel 1838).

 Zu Recht wird heute Aristarch als der Kopernikus der Antike bezeichnet. Kein diesbezügliches Werk ist von Aristarch uns erhalten geblieben. Wir wissen davon nur aus Bemerkungen von Archimedes(285-212) & Plutarch (46-120 n. Chr). Ich möchte beide hier zu Wort kommen lassen.

 

Archimedes schreibt in seinem Buch „Der Sandrechner“:

„Du weißt, dass die meisten Astronomen die Welt als eine Kugel bezeichnen, deren Mittelpunkt im Zentrum der Erde liegt und deren Radius der Größe des Sonnenabstandes entspricht. Aristarch von Samos dagegen hat in seinen Schriften die Lehre aufgestellt, dass das Weltall viel größer ist, als eben behauptet wurde. Er geht von der Annahme aus, dass die Sonne und die Fixsterne unbeweglich bleiben, die Erde sich aber auf einer Kreisbahn um die Sonne bewegt, die sich im Mittelpunkt befindet. Die Fixsternsphäre, die denselben Mittelpunkt umwölbt, ist so groß, dass die Erdbahn zur Fixsternsphäre dasselbe Verhältnis hat, wie der Mittelpunkt einer Kugel zu deren Oberfläche.“

 

Und bei Plutarch steht:

„Verwickle uns nur nicht in eine Anklage wegen Unglaubens (asebeia), wie einst Kleanthes die Griechen gegen Aristarch von Samos zur Anklage wegen Unglaubens aufforderte, weil dieser den Mittelpunkt der Welt (d.h. die Erde) in Bewegung versetzte, um - wie er behauptet - die Himmelserscheinungen in Einklang zu bringen (ta phainomena sozein). Er lehrte nämlich, die Fixsternsphäre stehe fest, die Erde aber kreise in einem geneigten Kreise (um die Sonne) und drehe sich gleichzeitig um ihre eigene Achse.“

 

Aristarch konnte sich gegen den vorherrschenden „Mainstream“ nicht durchsetzen. Seine Entfernungs-Rechnungen wurden akzeptiert und von nachfolgenden Astronomen verfeinert, aber die heliozentrische Sichtweise wurde verworfen & bekämpft. Eine Anklage wegen Gotteslästerung drohte ihm. Plutarch berichtet, dass ein einziger Astronom  Seleukos von Seleukia (* um 190 v. Chr.) das heliozentrische Weltbild aufgegriffen und „bewiesen“ hat.

 Aristarch, der fortschrittlichste Astronom der Antike, geriet in Vergessenheit; er hatte keine Schüler, keine Schule. Durfte er vielleicht keine haben?

 

 Es gibt Übersetzungen, die den geneigten Kreis bei Plutarch einen schiefen Kreis nennen, und das wäre eine Ellipse. So habe ich es in der Schule gelernt. Aristarch auf Keppler-Niveau?  Ellipsen waren etwas total Unvollkommenes, den Göttern nicht würdig. Das waren damalige Denk-Blockaden. Denk-Blockaden kommen immer wieder vor; man sehe sich nur die heutigen Fundamentalisten an.  Die Menschheit hat die einmalige Chance, die sich ihr damals  bot, nicht ergriffen, und erreichte erst 1½ Jahrtausende später Aristarchs astronomisches Niveau. Gar nicht auszudenken was passiert wäre, wenn man wie Straton  Aristarch lehrte, die Dogmen fallen & die Experimente sprechen ließe. Dezimalsystem aus Griechenland statt Indien, griechisches Fernrohr, griechischer Newton & Einstein? Der Leser dieser Zeilen sollte solche Gedanken nicht von vornherein abtun.   

 

Wie ist die Kenntnis über Aristarch zu uns gelangt?  Die Kopernikanische Wende.

 

Es ist eine spannend abenteuerliche Geschichte, die in o.g. Buch von Thomas Bührkle sehr lebendig beschrieben ist.  Archimedes muss Schriften von Aristarch gehabt haben, denn er hat sie ja in seinem Buch „Der Sandrechner“ erwähnt. Im Sandrechner ging es um das Problem größte Zahlen darzustellen; z.B. wie viel Sandkörner passen in das Universum? Archimedes fand eine neue Darstellungsweise für solche Zahlen und schickte eine Kopie zu Astronomen nach Alexandria in die Bibliothek  Dort lag, höchstwahrscheinlich in der Nähe, auch ein Exemplar von Aristarchs Schrift  „Über die Größen und die Abstände der Sonne und des Mondes“.

150 Jahre später stürmten Caesars Truppen Alexandria, Feuer brach aus, und man versuchte zu retten was möglich war. Archimedes sein „Sandrechner“ Buch & Aristarchs Schrift „Über die Größen…“  blieben unversehrt. Alexandria wurde Römisch und die Stadt durchlebte in den folgenden  Jahrhunderten schwere Krisen; fanatische Christen verbrannten 391 die meisten Bücher, und wieder überlebten die o.g. Werke von Archimedes & Aristarch. Aber bevor die Araber unter Omar 641 die letzten Reste der einst wichtigsten Bibliothek des Altertums auch noch vernichteten („Bücher, deren Inhalt mit dem Koran übereinstimmen, werden nicht benötigt, diejenigen, die dem Koran widersprechen, werden nicht gewünscht. Zerstört sie also“, so lautete der Befehl.), half im Jahre 532 ein Feuer in Konstantinopel. Die Sophienkirche verbrannte, und Kaiser Justinian I beauftragte den Baumeister Isidoros v. Milet mit einen gewaltigen Neubau, der heutigen Hagia Sophia. Für die Kuppelberechnung verlangte Isidoros das  mathematische Wissen des  Archimedes und Anderer aus der Alexandrinischen Bibliothek. Der Beauftragte kopierte und nahm Kopien mit; so auch eine Zusammenstellung „Kleine Astronomie“ von Pappos, die Arbeiten der Mathematiker  Euklid & Autolykos, aber auch Aristarchs  „Über die Größen…“ enthielt. Die Werke waren nun sicher in Konstantinopel und kamen in die neu gegründete Bibliothek, bis 1204 Kreuzfahrer die Stadt plünderten, mordeten und auch Bibliotheken anzündeten. Bücher wurden geraubt und in ganz Europa verstreut. Die Werke von Archimedes & Pappos gelangten schließlich in die Bibliothek von dem Hohenstaufener Kaiser Friedrich II, der auf der Insel Sizilien für eine neue kulturelle Blütezeit sorgte. Der Graf von Anjou übernahm nach einem militärischen Sieg über die Hohenstaufer die sizilianische Bibliothek und schenkte sie Papst Klement IV, der die wertvollen Schriften nach Rom schaffen lies.

Während des Papst-Exils in Avignon wurden die griechischen Manuskripte in die Bibliothek nach Assisi gebracht, doch 1358 ordnete Papst Urban V den Rücktransport aller Bücher nach Rom an, mit Verteilung auf viele Kirchen. 1450 gründete Papst Nikolaus V die Vatikanische Bibliothek. Die bedeutendsten mathematischen Werke wurden in die Bibliothek aufgenommen und ins Lateinische übersetzt. Eine Kopie so einer Übersetzung des Sandrechners schenkte Nikolaus V seinem Freund Kardinal Basilius Bessarion. Dieser kannte den größten Mathematiker des 15. Jahrhunderts, Johannes Müller, und holte ihn 1461 nach Rom. Müller sprach auch Griechisch, und konnte so Übersetzungsfehler in den lateinischen Texten des Archimedes korrigieren. Als Müller auf den Sandrechner stieß, war es für ihn uninteressant, denn die Darstellung großer Zahlen war durch das Dezimalsystem inzwischen gelöst. Müller selbst war Zahlentheoretiker und gilt als der Erfinder des Dezimal-Bruchs. Dann las Müller die oben zitierten Sätze über einen gewissen Aristarch von Samos und dessen heliozentrisches Weltbild. Verwirrt & aufgeregt notierte er an den Rand seiner Kopie „Aristarchus samius“, damit er die Stelle leicht wieder finden kann. Müller, der später den Namen  Regiomontanus angenommen hat (und darunter in heutigen Lexika aufgeführt ist), schreibt an seinen Schüler Novara, der wiederum der Lehrer von Kopernikus war, „Es ist notwendig, dass man die Bewegung der Sterne ein weinig ändere wegen der Bewegung der Erde“. Novara gab Kopernikus den Sandrechner mit der Randbemerkung von Müller. Kopernikus hat dadurch von Aristarchs heliozentrischen Ideen erfahren, denn er erwähnt seinen antiken Vorgänger in einer frühen Version seines epochalen Werkes „Über den Umschwung der Himmelskreise“. Später strich Kopernikus diesen Vermerk aus ungeklärten Gründen wieder aus dem Manuskript.

 

Wer glaubt, mit der Veröffentlichung des Kopernikus-Werkes im Todesjahr des Verfassers1543 hat die „Kopernikanische Wende“ eingesetzt, irrt gewaltig. Es ist das Verdienst von Giordano Bruno (1548-Hinrichtung 1600), der die ungeheuere Sprengkraft des neuen Weltbildes voll erkannte, und deshalb der Kirche unbequem wurde. 1610 kam das Werk von Kopernikus auf den Kirchen-Index wo es bis 1822 blieb. Als 1838 endlich die Fixstern-Parallaxe gefunden wurde, kapitulierten die letzten Zweifler, obwohl da die Newtonschen Gesetze schon seit 170 Jahren gar keine andere Möglichkeit als die der zentralen Sonne zuließen. Die Kopernikanischen Wenden setzten sich seither fort. Die Sonne verschwand aus dem Zentrum an den Rand der Milchstraße; unsere Galaxis verschwand aus dem Zentrum des Universums, und jetzt redet man von Multiversen. Der Mensch mit seiner Erde ist zum Staubkorn im All geworden. Welch ein Abfall, der mit Aristarch von Samos begann. Aber die Flexibilität bewahren, sich dem Faktischen zu beugen und nicht zu verzweifeln, ist auch Größe. Das ist das Gegenteil von Fundamentalismus.

Gewisse Kreise im Islam glauben noch heute, Kopernikus widerspreche dem von Gott persönlich formulierten Koran, und lehnen deshalb unser Weltbild ab. Hier vermisse ich die eben erwähnte Flexibilität. Es ist umso erstaunlicher, da die Araber immer Meister der instrumentellen Vernunft waren und über die Jahrhunderte ausgezeichnete astronomische Geräte bauten. Araber bewahrten das Erbe der Antike aus dem wir im 12. Jahrhundert so reich schöpfen konnten, und das Rechnen mit den indischen Ziffern und der Null haben wir auch erst von ihnen gelernt (Gerbert von Aurillac 940-1003).  Welchen Weg wird der Islam gehen? Welchen Weg werden wir Christen gehen? Auch wir haben Fundamentalisten immer gehabt, und das scheint so zu bleiben.

 

Dr. Georg Linke,   Aachen im September 2010

 

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news-16 Fri, 16 Jul 2010 17:39:00 +0200 Wer entdeckte die Allgemeine Relativitätstheorie? http://www.theologie-naturwissenschaften.de/diskussion/blog-georg-linke/einzelansicht/wer-entdeckte-die-allgemeine-relativitaetstheorie/ „Natürlich Albert Einstein!“, so habe ich es gelernt; aber es lohnt sich näher hinzusehen, es kommt dabei eine spannende Geschichte heraus.  

Albert Einstein war im Studium von seinen Lehrern nicht besonders geschätzt; daran war er z.T. auch selbst schuld. Die Mathematik-Vorlesungen besuchte er unregelmäßig und musste vor Prüfungen aus dem Kolleg seines Freundes Marcel Grossmann die Wissenslücken schließen. Aber irgendetwas muss Grossmann an Einstein fasziniert haben, denn zu seinem Vater sagte er schon damals: „Aus dem Albert wird noch mal etwas ganz Großes“. Und Grossmanns Vater besorgte Einstein 1902 die Stelle im Berner Patentamt. Im Jahr 1905 horchte die Fachwelt auf, als Einstein bahnbrechende Arbeiten veröffentlichte (u.A. Äußerer Fotoeffekt, Brownsche Bewegung, Relativitätstheorie). Als sein früherer Mathematiklehrer Hermann Minkowski die Relativitätstheorie las, äußerte er: „Dem [Einstein] hätte ich das gar nicht zugetraut“. Minkowski war einer der besten Mathematiker der Welt. Er durchschaute Einsteins Gleichungen und formulierte sie in tensorieller Schreibweise neu (1908). Jetzt erst zeigte sich die Relativitätstheorie in bestechender Eleganz und Einfachheit. Einstein stöhnte: „Andere haben sich meiner Theorie angenommen, ich verstehe sie jetzt selbst nicht mehr“. Wieder half Marcel Grossmann, der in Zürich Mathematik lehrte und sich mit Tensoren bestens auskannte. Er paukte mit Einstein Tensoralgebra bis es fruchtete. Respektvoll zollte Einstein den Mathematikern Anerkennung.
Die Relativitätstheorie beschrieb bislang Raum-Zeit-Fragen für gleichmäßig zueinander bewegte Koordinatensysteme mit der Lichtgeschwindigkeit als schnellstem Informationsträger. Das war natürlich zu wenig, und Einstein suchte die Verallgemeinerung für beschleunigte Systeme mit Gravitation, d.h. eine „Allgemeine Relativitätstheorie“ als Erweiterung der bisherigen, nun „Speziellen Relativitätstheorie“ genannten. Leider verstarb Minkowski früh (1909), und er konnte die Folgeentwicklung nicht mehr mitgestalten, was er m.E. sonst sicher getan hätte.
Einstein war ein begnadeter Physiker, hinterfragte von Grund auf alles und sprudelte von Kreativität, wie kein anderer. Er erkannte, dass die von Newton bekannte Gleichheit von schwerer und träger Masse (alle Körper fallen gleich schnell) unbedingt erhalten bleiben muss. In genialer Schlussfolgerung formulierte er daraus sein verallgemeinertes Relativitätsprinzip dem eine Allgemeine Relativitätstheorie genügen musste, d.h. dass zur physikalischen Beschreibung alle physikalisch sinnvollen Bezugssysteme gleichberechtigt unverändert bleiben (sog. allgemeine Kovarianz); oder, zwangloser ausgedrückt: "Physikalische Gesetze sollen unabhängig davon sein, in welchem Koordinatensystem sie formuliert werden". Physikalische Größen werden wegen der 4-dimensionalen Raum-Zeit-Metrik durch entsprechende Tensoren beschrieben. Dabei müssen die Erhaltungssätze ihre Gültigkeit behalten. Im Grenzfall verschwindender Beschleunigungen & Geschwindigkeiten (in Bezug zur Lichtgeschwindigkeit) muß die Theorie unsere bekannten Newtonsche Gesetze liefern (Korrespondenzprinzip).

 Einstein listete alles auf, und rief seinen Freund: „Grossmann hilf mir, sonst werd ich verrückt!“ Es begann 1912 eine intensive Zusammenarbeit der beiden, die auch Grossmann bis ans Äußerste forderte. Es war Grossmann, der erkannte, dass die fertig vorliegende Riemannsche Geometrie (Riemann-Tensor und dessen Weiterentwicklungen →Absolutes Differentialkalkül mit Ricci-Tensor) zum Ziel führen kann. Dieser sog. mathematische „Königsweg“ wurde versucht und im heute so berühmten „Zürcher Notizbuch“ von Einstein Schritt für Schritt aufgeschrieben. Man probierte den Ricci-T.; erweiterte ihn um einen Term, heute „Einstein-T.“ genannt und verfiel zuletzt in einen abgewandelten „November-T.“, den man am aussichtsreichsten hielt. Die beiden waren kurz vor dem Ziel, erkannten das aber nicht, und verließen diesen Weg. Der o.g. Newton-Grenzfall schien unerreichbar, und auch noch andere physikalische Bedingungen plagten sie. Die beiden arbeiteten daraufhin eine von der Physik her aufgebaute „Entwurfstheorie“ aus, (die aber nicht ganz allgemein-relativistisch und aus heutiger Sicht daher unakzeptabel war) und veröffentlichten sie (1913). Damit endet das Zürcher Notizbuch.
Einstein kämpfte 2 Jahre, um Bedenken gegen die Entwurfstheorie auszuräumen. Es gelang ihm tatsächlich mehrere „Stolpersteine“ zu beseitigen; aber quasi en passant, dadurch auch die Hindernisse gegen den „Königsweg“. Dies ist ausführlich und wunderbar beschrieben im Buch „Auf den Schultern von Riesen und Zwergen“ von Jürgen Renn. Einsteins älterer treuer Freund aus der Patentamtszeit Michele Besso fand einen Weg, aus den Tensorgleichungen die Peripheldrehung des Merkur auszurechnen (52 Seiten Manuskript). Das Ergebnis war ungenügend, aber es zeigte sich, dass im Verlauf der Ausrechnung -und zwar erst auf der Ebene der Bewegungsgleichungen- tatsächlich der Newtonsche Grenzfall übrig bleibt. Eine der größten Hürden existierte gar nicht, das Korrespndenz-prinzip war erfüllt! Einstein nahm auch einen sehr fruchtbaren Briefkontakt mit dem Ricci-Schüler Tullio Levi-Civita auf, dem führenden Tensor-Mathematiker seiner Zeit. Eine mit den bisher gewonnenen Einsichten versehene Theorie wurde von Einstein an seinem neuen Arbeitsplatz in Berlin vorgestellt (1914). Die Besso-Rechnung würde aber immer noch ein schlechtes Resultat ergeben. Einstein konnte nicht ganz zufrieden sein und er forschte weiter. Viele andere namhafte Physiker versuchten sich ebenfalls an einer Allgemeinen Relativitätstheorie, aber niemand war so weit wie Einstein (es gibt eine wütend geführte Kontroverse mit Max Abraham, dem scheinbar eine sehr elegante, aber falsche Formulierung gelungen war. Einstein war „geblüfft“, wie er sich ausdrückte, und brauchte zwei Wochen, um die „Pferdefüße“ zu finden).
Jetzt kommt der spannendste Teil, denn es tritt der größte Mathematiker seiner Zeit, David Hilbert, auf den Plan. Hilbert lud im Sommer 1915 Einstein für mehrere Tage zu sich nach Göttingen ein, um Einstein über seine Arbeit referieren zu lassen. Hilbert stellte viele Fragen, machte sich Notizen und Einstein erkannte, dass Hilbert der Einzige war, der ihn voll verstanden hat. Umgekehrt war Hilbert von Einsteins profunden physikalischen Einsichten fasziniert. Hilbert sah eine Chance den Königsweg zu gehen und zog sich für einige Zeit in die Ruhe Rügens zurück. Dort versuchte er es und wollte auch noch die Elektrodynamik mit einbeziehen, also zu einer "Allgemeinen Feldgleichung" -heute würde man sagen "Weltformel"- zu kommen.

 Für Einstein überstürzen sich jetzt die Ereignisse. Hilbert signalisiert Einstein, dass der Königsweg (der axiomatische Weg, wie Hilbert sich ausdrückte) wohl gangbar sei, und nennt ihm einen Rechenfehler in seinen (Einsteins) Tensor- Ausdrücken. (Übrigens: Besso hat Einstein wiederholt auf Rechenfehler aufmerksam gemacht, die Einstein manchmal sehr verzögert annahm). Einstein selbst fand bei sich einen schwerwiegenden Überlegungsfehler (man schätzt dieses Datum auf den 15. Oktober 1915), so dass für ihn jetzt das Maß voll war. Hilbert im Nacken spürend, schwenkte Einstein auf den mathematischen Königsweg aus seinem Zürcher Notizbuch zurück. Er knöpfte sich den November-Tensor vor, und er präsentierte stolz in Berlin am 4. November 1915 eine „fast“ fertige Theorie und unterrichtete Hilbert. Dieser fand Abweichungen zu seiner eigenen Arbeit, und es ist möglich, dass er Einstein einen Hinweis gab. Einstein ruhte nicht, und arbeitete eine neue Variante mit dem Ricci-Tensor aus, die er am 11. November vorstellte. Vorteil: Diesmal war das Relativitätsprinzip erstmalig vollständig erfüllt, allerdings nur für schwache Gravitationsfelder. Hilbert wurde sofort informiert, und dieser lud Einstein für den 16. November nach Göttingen ein, zur Präsentation der nun fertigen Hilbertschen Arbeit. Einstein lehnte ab, und schob Magenbeschwerden als Grund vor; in Wirklichkeit arbeitete Einstein wie ein Besessener die Besso-Rechnung nochmals durch und triumphierte am 18. November in Berlin mit dem korrekten Wert der Merkur-Peripheldrehung. (43 Bogensekunden pro Jahrhundert, genau der Wert, den die Astronomen bisher nicht erklären konnten). Sofort schrieb er Hilbert und bat im Gegenzug: „Schicken Sie mir bitte, wenn möglich, ein Korrektur-Exemplar Ihrer Untersuchung, um meiner Ungeduld entgegenzukommen.“
Hilbert muss tief beeindruckt gewesen sein, der bereits am 19. November antwortete: „Wenn ich so rasch rechnen könnte, wie Sie, müsste bei meinen Gleichungen entsprechend das Elektron kapitulieren und zugleich das Wasserstoffatom sein Entschuldigungszettel aufzeigen, warum es nicht strahlt.“
Was hat Hilbert mit gleicher Post (oder sogar schon am 17/18.11.) zu Einstein noch geschrieben? Einstein nahm sich nun aus seinem Zürcher Notizbuch den Einstein-Tensor vor, und trug in Berlin am 25.November 1915 seine heute noch gültigen Feldgleichungen der Allgemeinen Relativitätstheorie vor. Es war geschafft! Dabei hatte er noch Glück, dass die noch nicht vollkommene Theorie vom 11.November doch den richtigen Merkur-Wert erbrachte.
Hilbert reichte seine Arbeit am 20.November zum Druck in Göttingen ein –also 5 Tage vor Einstein-, und erhielt am 6.Dezember die Druckfahnen zur Korrektur zurück. Zu diesem Zeitpunkt war die Einsteinsche Arbeit bereits veröffentlicht (2.12.), und Einstein hat Abzüge an viele Mathematiker und Physiker verschickt. Hilberts Arbeit wurde erst Anfang Februar 1916 veröffentlicht. Obwohl Hilbert die Gravitations- Feldgleichungen selbst nicht niedergeschrieben hat, hat er den richtigen Weg dorthin aufgezeigt. Für einen großen Mathematiker genügt das; die Feldgleichungen selbst sind dann nur „Kleinkram“. Sein Ziel, den Elektromagnetismus mit einzubeziehen, also die Allgemeine Feldgleichung, hat Hilbert nie erreicht. Einstein auch nicht, trotz 30-jähriger Suche bis zu seinem Tod 1955.
Einstein hat als erster die Feldgleichungen der Allgemeinen Relativitätstheorie explizit veröffentlicht (25.11.1915), Hilbert als erster den Weg dazu (16./20.11.1915). Kontrovers ist aber noch folgendes: Jürgen Renn wies darauf hin, dass die Hilbert-Druckfahnen vom 6.12. in der heute vorliegenden Erhaltung Lücken durch Ausschnitte aufweisen, die den Eindruck suggerieren [sollen?] , dass Hilbert noch nicht ganz fertig war, und im Zuge der weiteren Korrekturen und im Wissen von Einsteins Resultat, seine Arbeit vervollständigt hat. Russische Mathematiker haben jetzt (2004) Hilberts Druckfahnen studiert und erkannt, das Hilbert doch den richtigen Weg fertig hatte. Wahrscheinlich hat jemand die Druckfahnen nachträglich manipuliert, um Einsteins Glorie heller strahlen zu lassen.
Hilbert ärgerte sich, dass Einstein in seiner Veröffentlichung die vielen Gedankenaustausche mit ihm überhaupt nicht erwähnt hat. Umgekehrt hat Hilbert Einstein sehr wohl zitiert. Einstein versuchte ihm klar zu machen, dass er die gesamte gedankliche Vorarbeit schon 1913 in seinem Notizbuch stehen hatte, und dies ihm auch im Sommer 1915 in Göttingen gesagt hat. Hilberts einfache Erwiderung: „Das habe ich vergessen“, klingt in der Tat etwas oberflächlich. Hilbert hat später nie Prioritäts-Ansprüche erhoben. Einstein wurmte das ganze doch, denn er schrieb zu Hilbert (20.12.): „Es ist zwischen uns eine gewisse Verstimmung gewesen, deren Ursache ich nicht analysieren will. Gegen das damit verbundene Gefühl der Bitterkeit habe ich gekämpft, und zwar mit vollständigem Erfolge. Ich gedenke Ihrer wieder in ungetrübter Freundlichkeit und bitte Sie dasselbe bei mir zu versuchen. Es ist objektiv schade, wenn sich zwei wirkliche Kerle, die sich aus dieser schäbigen Welt etwas herausgearbeitet haben, nicht gegenseitig zur Freude gereichen.“

Kehren wir zur Titelfrage zurück. Albert Einstein war ganz offensichtlich der Ideengeber und Treiber. Marcel Grossmann hat Einstein entscheidend mathematisch geholfen. David Hilbert hat –nach intensivstem Gedankenaustausch mit Einstein- durch sein überragendes mathematisches Können zielstrebig direkt den axiomatisch-mathematischen Königsweg beschritten, und praktisch zeitgleich mit Albert Einstein in einem dramatischen Kopf an Kopf-Rennen der Welt die Lösung gegeben.

Schlussbemerkung zur weiteren Entwicklung: Einstein hat ein paar Jahre später (1917) in der Feldgleichung noch einen Term hinzugefügt, der die sog. „Kosmologische Konstante λ“ enthält, um ein „gewünschtes“ statisches Universum zu erhalten. Als Hubble 1929/30 nachwies, dass sich das Universum ausdehnt, strich Einstein λ wieder, und bezeichnete λ als seine „größte Eselei.“ Heute ist λ wieder „in“, und wird als die Wirkung einer noch mysteriösen „Dunklen Energie“ interpretiert, die das Universum beschleunigt aufbläht.

Die Allgemeine Relativitätstheorie ist eine Kontinuumtheorie. Sie lässt sich deshalb mit der Quantenmechanik nicht vereinigen. Die Entwicklung einer Quanten-Gravitation ist heute die große Herausforderung. Wer wird ein neuer Einstein?

Dr. Georg Linke, Aachen 2010

 

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