Deutschlands beliebtester Förster Peter Wohlleben zeigt im Kino "Das geheime Leben der Bäume". Jakob Simmank hinterfragt zurecht insbesondere die von Wohlleben vorgenommene Vermenschlichung der Natur. Wissenschaftlich hält Simmank sie für kaum haltbar. Auch wenn sie das Bewusstsein für notwendigen Naturschutz fördern kann, besteht darin auch die Gefahr, die Ambivalenz des Verhältnisses von Mensch und Natur zu verkennen. - Insofern kann der Film vielleicht Einstieg bieten in eine sinnvolle breitere Debatte über eben dieses Thema.

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Ulrich Bahnsen rekonstruiert auf anschauliche Weise den Forschungsstand zum Ursprung des Lebens auf einer frühen Erde vor vier Milliarden Jahren, an dessen Anfang es einen LUCA ("Last Universal Common Anvestor") gegeben haben muss. Leben entsteht, wenn sich Gelegenheit ergibt, lautet der philosophische Schluss. - Die Anschaulichkeit der Darstellung hat den Preis, dass nur ein Forschungsansatz zur Entstehung des Lebens vorgestellt wird, ohne die Vielfalt der naturwissenschaftlichen Theorien zu bedenken. Denn genau wissen wir es noch nicht.

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Wie im All weitermachen? Und wie all das bezahlen? Darüber debattieren die 22 Mitgliedstaaten der Europäischen Raumfahrtagentur Esa diese Woche in Sevilla. Verhandelt wird ein Vorschlag des deutschen Esa-Generaldirektors Johann-Dietrich Wörner (hier im Interview), sich u.a. an den geplanten Mondmissionen zu beteiligen. Auch der Schutz der Infrastruktur vor Gefahren aus dem All, wie Sonnenstürme, Asteroiden und Weltraumschrott, sei von großer Bedeutung. - Ein Thema, das unsere planetarische Umwelt neu und weiter definiert, als wir es vielleicht gewohnt sind.

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Über immer mehr Bereiche in unserem Leben entscheiden Algorithmen mit. Prof. Sandra Wachter vom Oxford Internet Institute sagt: «Wer solche Software einsetzt, muss erklären, was sie genau tut.» Aber was, bitte, bedeutet das? Ein Interview von Adrienne Fichter. Hoch interessant, aktuell und relevant, auch die qualifizierten Kommentare der Leser lohnt es zu studieren!

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Ein Artikel in der FAZ, der die Mitte wahrt zwischen Teilnahmelosigkeit und Panik in der Diskussion um die Veränderung des Klimas.

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Ein spannendes Gespräch über schwarze Löcher, Plasmaphysik und das Cern in Genf, das Objekt Oumuamua und Ausserirdische und über die Zukunft des Universums, durchsetzt mit der jüdischen Frömmigkeit des Gesprächpartners und dem Kulturpessimismus der Interviewerin.

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Auf die Frage "Was macht den Menschen zum Menschen?" findet der Autor: Die eindeutigen Antworten sind nicht die richtigen. Wenn wir akzeptieren würden, dass wir die Welt mit Tieren und mit Maschinen teilen, könnten wir aufhören, die Würde des Menschen mit der Einzigartigkeit der Gattung zu begründen. Dabei orientiert er sich am Renaissance­philosoph Giovanni Pico della Mirandola. Das ist sicherlich - wie die ganze Kolumne - etwas kurz gefasst, aber mal ein erfrischend anderer Ansatz.

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In leicht verständlicher Form stellt der Artikel eine zentrale Kontroverse der Evolutionsbiologie vor: Dominierte in der Entwicklung des Lebens bis zum Menschen der Zufall oder lief alles mehr oder weniger zwangsläufig ab? In den Worten der Hauptvertreter dieser Kontroverse wird dies an einem anschaulichen Vergleich diskutiert: Würde man den Film der Evolution zurückspulen und neu ablaufen lassen, würde es für Stephen Jay Gould nicht zu den gleichen uns bekannten Formen einschl. des Menschen kommen, für Simon Conway Morris durchaus. Einen Hinweis darauf erblickt Conway Morris im Phänomen der Konvergenz: Die Evolution hat unabhängig voneinander für eine Aufgabe immer wieder gleiche Lösungen gefunden, wie z. B. Linsenaugen. Dass nur durch einen zufälligen Asteroideneinschlag, der die Dinosaurier ausgelöscht hat, Platz für den Menschen geschaffen wurde, ist für Conway Morris kein Argument. Der Mensch wäre auch ohne Einschlag entstanden, es hätte nur noch etwas länger gedauert. - hhp

Schönheit oder/und Wahrheit?

Zu schön, um wahr zu sein. So lautet eine Redensart. Gilt das auch für physikalische Theorien? In der FAZ ist ein lesenswertes Interview mit der Physikerin Sabine Hossenfelder abgedruckt. Frau Hossenfelder zweifelt sehr an der Tragweite bestimmter Kategorien, vor allem die der Symmetrie in der Physik. Symmetrien sind ohne Zweifel "elegant" und auch "schön", denn sie machen Ordnungen sehr offensichtlich. Doch möglicherweise sind Physikerinnen und Physiker auf dem Holzweg, wenn die das Kriterium der Symmetrie zu stark betonen. Symmetrische Lösungen können Hinweise auf Wahrheit geben, sie müssen es aber nicht. Frau Hossenfelder prangert vor allem an, dass die Tendenz existiert, Symmetrien aufgrund der Datenbefunde theoretisch zu konstruieren. Ihre Einwände sind gewichtig: Was ist die Bedeutung von theoretischen Ansätzen, die empirisch nicht umfassender sind als ihre Vorgänger, jedoch alles in Symmetrien darstellen können? In der Physik ist das herausragende Kriterium immer die Empirie, das ist unbestritten. Macht es darüber hinaus Sinn, symmetrische Lösungen unsymmetrischen vorzuziehen? Letztlich zielt die Diskussion auf die Kriterien für physikalische Fundamentaltheorien, eine offene Debatte!

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Vor Studenten und Doktoranden der Summer School der Päpstlichen Sternwarte sagte Papst Franziskus, es sei Aufgabe des Wissenschaftlers, "das Universum zumindest teilweise zu kennen; zu wissen, was wir wissen und was wir nicht wissen und wie wir mehr lernen können". Sowohl für Gläubige als auch für Wissenschaftler sei das Eingeständnis wichtig, dass es vieles gebe, was wir nicht wissen. Aber ebenso wichtig sei es, "niemals vor einem selbstgefälligen Agnostizismus Halt zu machen", und nie "sollten wir Angst haben, mehr zu lernen". Auf der Ebene der Metaphysik sah der Papst die Möglichkeit, in den Dingen die "erste Ursache von allem" anzuerkennen, auf der Ebene des Glaubens akzeptiere man die "Selbstoffenbarung Gottes". Die Harmonisierung dieser verschiedenen Perspektiven öffne uns "hoffentlich für die Weisheit".

- hhp