Die Seite der "Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften e.V. (GWUP)" stellt einige Reaktionen auf die Debatte zwischen Bill Nye und Ken Ham zusammen - als Beleg für die Überlegenheit Bill Nyes.

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Auf kreationistischer Seite hat die Livediskussion zwischen Bill Nye und Ken Ham offenbar Schadensbegrenzung erforderlich gemacht. Da Ham "oft nicht in der Lage war, direkt auf die vielen Äußerungen zu antworten", bessert jetzt unter dem Titel "Bill Nyes Argumente entlarvt" eine Linksammlung nach, die parallel zur Videodiskussion mitläuft. Die Links führen zu kurzzeitkreationistischen Perspektiven auf die jeweiligen Teilthemen.

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Alan Boyle, Wissenschaftsjournalist bei NBC, berichtet über eine öffentliche Livedebatte zur Kontroverse Evolution vs. Kreationismus. Wissenschaftspädagoge Bill Nye war der Einladung des Kurzzeit-Kreationisten Ken Ham in dessen "Creation Museum" gefolgt. Einige Wissenschaftler seien im Vorfeld skeptisch gewesen, nach dem Schlagabtausch zollten sie Nye jedoch Respekt für seinen offensichtlichen Sieg. Hams Aussage, kein wissenschaftlicher Beleg könne seine Meinung ändern und ihn von einer wortwörtlichen Genesisinterpretation abhalten, scheint ein entscheidender Grund für Hams Niederlage gewesen zu sein. Selbst Langzeit-Kreationisten und Intelligent Design Befürworter fühlten sich - so NBC - von Ham nicht angemessen repräsentiert und kennzeichneten das Event als - aus ihrer Sicht - "verpasste Gelegenheit".

In dem Artikel ist die Diskussion in voller Länge eingebettet.

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Der Titel deutet es bereits an: Michael Ruse bezieht sich auf Richard Dawkins' "The God Delusion" (dt. Der Gotteswahn) und dessen steile Behauptung, dass religiöse Erziehung Kindesmissbrauch sei. Hiervon grenzt sich Ruse ausdrücklich ab, wenngleich er mit Dawkins die atheistische Weltanschauung teilt. Die eigene religiöse Sozialisation wertet Ruse als positiv, habe sie ihn doch zu selbstständigem Denken ermutigt und moralisch wie sozial vorbildlich geprägt. Dass er sich letztlich vom Glauben distanziert habe, beruhe auf guten Gründen, allen voran der Theodizeefrage. Gleichermaßen räumt er ein, dass auch Gläubige für ihre religiöse Einstellung gute Gründe ins Feld führen können, z. B. wenn es um die Frage gehe, warum überhaupt etwas existiere und nicht vielmehr nichts, oder warum es zu Bewusstsein und Empfindungsfähigkeit gekommen sei. Vor dem Hintergrund einer auf guten Gründen basierenden religiösen Option sei es für Eltern sogar eine moralische Verpflichtung, die eigenen Kinder religiös zu erziehen. Anders sehe es aber bei religiösem Fundamentalismus oder Religionsformen aus, die allgemein anerkannte (z. B. wissenschaftliche) Erkenntnisse nicht akzeptierten und die sich deshalb nicht auf "gute Gründe" berufen könnten. In dieser Form zu erziehen, hält Ruse nicht für tolerabel.

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Die texanische Schulbehörde könnte Materialien zulassen, die Kreationismus befördern und die Evolutionstheorie zurückweisen. Davor warnt die vorliegende Presseerklärung des National Center for Science Education und des Texas Freedom Network, dem durchaus auch religiöse Multiplikatoren angehören. Die zitierten Beispiele aus den Materialien machen die Türöffnerfunktion für den Kreationismus deutlich. Die Presseerklärung erinnert daran, dass es nach dem Doverurteil von 2005 verfassungswidrig ist, in öffentlichen Schulen Kreationismus und Intelligent Design zu unterrichten. (Die Materialien sind über einen Link zugänglich, erfordern zum Öffnen aber ein Passwort)

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Die Hälfte der Menschen ist religiös, aber "nur" 28% sind Kreationisten. Zu diesem Ergebnis kommt eine von Reuters beauftragte globale Umfrage in 23 Ländern. Konkret glauben 51% an ein göttliches Wesen, 18% nicht, 17% sind unsicher. Ähnlich glauben 51% an ein Weiterleben nach dem Tode, 23% an ein Ende, 26% wissen es nicht. 41% glauben an die menschliche Evolution, 28% glauben kreationistisch, 31% sind unschlüssig.

40% der Amerikaner glauben immer noch, dass Gott vor ca. 10000 Jahren die Menschen in ihrer jetzigen Form erschaffen hat. 38% glauben an eine menschliche Evolution unter göttlicher Führung, 16% ohne göttlichen Einfluss. Diese Verteilung ist seit den letzten 28 Jahren erstaunlicherweise relativ stabil, seit 2006 (nach dem Dover-Prozess; hhp) verliert der Kreationismus jedoch leicht an Boden. Die neue Gallup-Umfrage differenziert auch nach Bildungsabschlüssen. Erwartungsgemäß schützt höhere Bildung vor Kreationismus. Aber bei 40% evolutionskritischen Amerikanern wird die Kreationismusdebatte ein (schul-)politischer Dauerbrenner bleiben

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Robert Wright will den Kulturkampf zwischen atheistischen Wissenschaftlern und gläubigen Evolutionsgegnern schlichten, indem er auf eine Gemeinsamkeit beider Parteien hinweist: Beide unterschätzten die kreative Kraft der natürlichen Selektion. Nähmen Gläubige dies ernster, könnte auch die darwinistisch so schwer fassbare menschliche Moral plausibel erklärt werden. Wrights Hinweis auf den evolutiv gut erklärbaren "reziprokem Altruismus" greift indes zu kurz, da Moral qualitativ mehr ist als gegenseitiger Nutzen. Moralische Wahrheit sei jedenfalls ähnlich wie mathematische Wahrheit immer schon vorhanden, sie brauche von der natürlichen Selektion nicht erfunden, sondern nur gefunden werden. Diesen "Algorithmus der natürlichen Selektion" könne Gott freigesetzt haben (zur Freude der Gläubigen), aber "seine Rolle in diesem kreativen Prozess endet" damit auch (zur Freude der Naturalisten). Der Preis für die Befriedung indes ist hoch: Es ist der ferne Gott des Deismus!

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In diesem NYT Artikel berichtet Mark Lyons über den ungewöhnlichen Ausflug von Geologen zum Creation Museum in Kentucky. Der Ausflug war Teil des Freizeitprogramms der Nordamerikanischen Paläontologentagung an der Uni von Cincinnati und ca. 70 Teilnehmer aus der ganzen Welt wollten sehen, wie Kreationisten Paläontologie und Evolution präsentieren. Am bemerkenswertesten und befremdlichsten fanden viele Teilnehmer die Erklärungen für das Alter der Erde und der Dinosaurier. Kreationisten haben zwar die gleichen Fossilien und Steine, kommen aber durch unterschiedliche Grundannahmen zu ganz anderen Antworten als die Paläontologen. Das Museum ist nicht nur innerhalb einer Tagesreise von 2/3 der US Bevölkerung zu erreichen, es ist auch in einem Gebiet, das Paläontologen aufgrund seiner vielen Fossilien im Gestein anzieht. Das Gestein wird auch die Cincinnatische Reihe genannt, die die Zeit von vor 451 – 443 Millionen Jahren widerspiegelt – eine Zeit, die es für Kreationisten nicht gibt

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Precht schafft es immer wieder, populär zu sein ohne schwarz-weiß zu malen! So sind für ihn Kreationismus und militanter Darwinismus nur komplementäre Fundamentalismen. Zu Recht weist er auf die paradoxe Situation hin, dass Dawkins überzogener Allerklärungsanspruch den Kreationimus geradezu stärke. Darauf hat jüngst schon der Evolutionsbiologe Reinhold Leinfelder (http://achdulieberdarwin.blogspot.com/2009/03/instrumentalisierung-von-darwin-durch.html) hingewiesen: Etwas besseres als Dawkins könne dem Kreationismus gar nicht passieren! Zurück zu Precht, der auf die derzeitigen (!) Grenzen evolutiver Erkenntnis hinweist: über die Mechanismen der Evolution wissen wir sehr wenig, die Entstehung des Lebens gar ist "Spekulation und weit entfernt von Wissenschaft". Precht kann unbefangen über solche Defizite sprechen, weil er unverdächtig ist, sie sofort theologisch auszubeuten: Sein "Ich misstraue jedem Gottesbeweis" liefert denn auch den Haupttitel des Artikels

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