Das evangelikale Nachrichtenorgan "idea" berichtet von verstärkter Nachfrage nach Vorträgen der kreationistisch geprägten Studiengemeinschaft "Wort und Wissen". Ihr Leiter, Reinhard Junker, hält an der Erschaffung der Welt in sechs Tagen fest und sieht es als Aufgabe von so genannten "Schöpfungswissenschaflern", die Widersprüche zu den Naturwissenschaften zu klären.

Die Studiengemeinschaft spricht in ihrer Selbstbeschreibung zwar nicht von Kreationismus, vertritt aber auch dort einen biblizistischen Ansatz, der "die biblischen Schilderungen der Urgeschichte im Buch Genesis als historisch zuverlässig betrachtet". Dass dies der gängigen evangelischen wie katholischen Theologie widerspricht, dürfte auch dem gelegentlichen Besucher von forum-grenzfragen nicht entgangen sein

- hhp

9 akademische, wissenschaftliche und kulturelle Institutionen in Philadelphia veranstalten in 2009 ein Jahr der Evolution: eine Reihe mit Ausstellungen, Seminaren und Vorträgen, um das Darwin-Jahr zu feiern. Die Absicht der Reihe sei es, das Verständnis für Evolution zu fördern und Evolution als Alternative zur biblischen Erzählung zum Ursprung des Menschen vorzustellen. Ken Ham, Leiter des Creation Museums in Petersburg, KY, definiert den Streit als "Christentum gegen die relative Moralität des säkularen Humanismus" und sagt diese beiden Weltsichten seien fundamental unterschiedlich. Er lehnt die Möglichkeit, dass Christen an Evolution glauben könnten, als inkonsequent ab. Die Veranstalter in Philadelphia wollen zwar Evolution populärer machen, haben aber kein Interesse an einem Konflikt mit Kreationisten. William Y. Brown, Präsident der naturwissenschaftlichen Akademie: "Wir werden versuchen einen Weg zu finden, Leute zu überzeugen, der nicht in Konflikt mit ihrem Glauben steht"

- sh

In diesem Artikel wird eine Abstimmung im texanischen Bildungsrat kommentiert, die über genauen Formulierungen im Lehrplan entschied. Der Ausgang dieser Abstimmung wird als "beunruhigend knapp" bezeichnet, da nur eine Stimme den Ausschlag gab. Formulierungen, die Schüler dazu auffordern die "Stärken" und "Schwächen" von wissenschaftlichen Theorien zu untersuchen, sind nicht wieder in den Bildungsplan aufgenommen worden. Auch Worte wie "Zulänglichkeit" und "Unzulänglichkeit" in diesem Zusammenhang setzten sich nicht durch. Stattdessen sollen Schüler nun wissenschaftliche Erklärungen "analysieren, beurteilen und kritisieren" und "alle Seiten" der Beweise untersuchen. Die New York Times feiert diesen Wortlaut als einen knappen Sieg derer, die die solide Wissenschaft unterstützten. Die Alternativformulierungen würden demnach zu stark die vermeintlichen Schwächen der Evolutionstheorie betonen, die von Kreationisten immer wieder aufgegriffen würden

- sh

Die Autorin, Claudia Kock, hebt im historischen Rückblick von der Enzyklika Humani Generis über Johannes Paul II. bis zum Benedikt XVI. die Vereinbarkeit von Evolutionstheorie und Theologie hervor. Ausführlicher als andere Artikel zu diesem Kongress würdigt sie die Entscheidung, Kreationisten und Intelligent Design Protagonisten nicht als Redner eingeladen zu haben. Die polemische Attacke eines Vertreters des islamischen Kreationisten Harun Yahya zeige - auch wenn es gemäßigte und dialogfähige Anhänger dieser Richtungen gebe - "das ideologische Potenzial in dieser Auseinandersetzung".

Die Autorin befasst sich kritisch mit der kreationistischen Bewegung in Deutschland. Reinhard Junker, Geschäftsführer der “Studiengemeinschaft Wort und Wissen”, sieht sie als einen Hauptvertreter dieser Weltsicht in Deutschland an, der u.a. durch sein Buch “Evolution. Ein kritisches Lehrbuch” mit dazu beitrage, dass kreationistische Ansichten auch in Deutschland auf dem Vormarsch seien. Exemplarisch stellt sie die zum Verband evangelischer Bekenntnisschulen gehörige Georg-Müller-Schule in Bielefeld vor, die in ihrem Leitbild für den Biologieunterricht festlege, dass der Evolutionstheorie „- auch unter Rückgriff auf Forschungsansätze und Argumente kreationistischer Naturwissenschaftler - die Schöpfungslehre gegenübergestellt werden“ solle. Die Schule habe, nachdem in der Presse über kreationistische Unterrichtsinhalte berichtet worden sei, einen Anmelderekord verzeichnet. Die Biologen Hansjörg Hemminger und Ulrich Kutschera zieht die Autorin als Kritiker dieser Entwicklung heran

- pts

Eine glatte Eins bekam eine US-Schülerin in einem Test über Dinosaurier. Bei deutschen Lehrern hätte sie wohl schlechter abgeschnitten.

Der Paläontologe Russel Garwood berichtet aus eigener Erfahrung, wie wissenschaftliche Veröffentlichungen kreationistisch missbraucht werden. Paradoxerweise sei es gerade die Redlichkeit der Forscher, die ungeklärte Fragen und Kontroversen offen legen, die in Argumente gegen die Evolutionstheorie verdreht würden. Ungeklärtes wird zu "Schwächen" umetikettiert - mit möglichen publizistischen Konsequenzen: "Es wäre ein schwarzer Tag, wenn Forscher beginnen, Widersprüche und Ungewissheiten in ihren Arbeiten zu verheimlichen". Stattdessen empfiehlt der Autor Wissenschaftlern und Verlagen, für Forschungsarbeiten größere Öffentlichkeit herzustellen, z. B. begleitende Blogs und populäre Zusammenfassungen

- hhp

Die "Arbeitsgemeinschaft Evolution in Biologie, Kultur und Gesellschaft" kritisiert hier eine vom Verband Evangelischer Bekenntnisschulen (VEBS) verbreitete Empfehlung des Kreationisten Reinhard Junker (siehe unten). Die "Akzeptanz schöpfungstheoretischer Interpretationen" als Alternative zur Evolutionstheorie verwische die Grenze zwischen Glaube und Wissenschaft. Man habe nichts gegen die Behandlung offener Fragen, aber dies müsse wissenschaftlich geschehen. Im Vergleich wäre ja auch niemandem damit gedient, "würde etwa die Bachblütentherapie der modernen Medizin als taugliche Alternative gegenübergestellt". Eine "schöpfungstheoretische Scheinalternative" sei "intellektuell unzumutbar und widerspricht unseres Ermessens dem öffentlichen Bildungsauftrag"

- hhp

Der Verband Evangelischer Bekenntnisschulen (VEBS) regt mit diesem Thesenpapier des Kreationisten Reinhard Junker an, in der Schule Schöpfung als Alternative zur Evolutionstheorie zu diskutieren. Im Hintergrund steht die Unterscheidung von Mikroevolution (die Junker für möglich hält) und Makroevolution, welche die Entstehung neuartiger Bauplantypen nicht hinlänglich erklären könne. Alternativ dazu geht Junkers Grundtypmodell davon aus, dass Grundtypen erschaffen wurden und sich nur mikroevolutiv weiterentwickeln. Konflikte, die an dieser Stelle auf der Hand liegen, führen zu kritischen Rückfragen an die Evolutionstheorie - nicht etwa an die Theologie. Hier lässt ein Offenbarungspositivismus grüßen, der biblische Formulierungen für unfehlbar hält

- hhp