Erstellt von fv | |   Wissenschaftstheorie

Von Tatsachen und Nichttatsachen

Wissenschaft im postfaktischen Zeitalter?

 

Anbei ein interessanter Kommentar zu neueren wissenschaftlichen Veröffentlichungen. Er bezieht sich auf einige herausragende wissenschaftliche Fortschritte, die sich im Nachhinein als nicht haltbare Behauptungen herausgestellt haben. Werden heute Meldungen über wissenschaftliche Durchbrüche zu schnell publiziert? Auf jeden Fall zeigen diese Fälle, dass auch die Wissenschaft eine durch und durch menschliche Veranstaltung ist. Das ist nicht überraschend und auch keine neue Erkenntnis. Der Artikel bezieht sich auf Ludwik Fleck, man könnte auch das Buch von Karin Knorr-Cetina aus den 80ern nennen, "Die Fabrikation des Wissens". Dennoch ist Wissenschaft als kollektives Unternehmen wie keine andere menschliche Tätigkeit mit Sicherungssystemen ausgestattet, die solche Irrtümer auszuschalten helfen. Es stimmt also beides: Die Anfälligkeit menschlicher Handlungen und das Ideal von Wissenschaft als das Ringen um die beste Darstellung empirischer Befunde. Man darf von dem Ideal nicht lassen und auch nicht von dem selbstkritischen Wissen um die eigene Anfälligkeit! Darüber hinaus: Wissenschaft kann nicht postfaktisch werden, weil sie nie nur faktisch war...

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Erstellt von fv | |   Künstliche Intelligenz

Können Hirnforscher einen C64 Prozessor verstehen?

Können Hirrnforscher einen C64 Prozessor verstehen?

 

Es findet zurzeit eine große Debatte darum statt, ob die Hirnforschung nicht ein genaueres Verständnis des Gehirns über ene mathematische Analyse großer Datensätze erlangen kann. Nun haben zwei Wissenschaftler einen einfachen Versuch gemacht: Sie haben die Analysen auf einen einfachen C64 Prozessor (mit etwas über 3000 Transistoren) angewendet. Das Resultat ist ernüchternd. Die Analyse von Zustandswerten durch Algorythmen gibt kaum Aufschluss darüber, wie der C64 aufgebaut ist. Wenn aber, so die Folgerung, schon eine solch einfache Struktur nicht durch Auswertung von Datensätzen nachvollzogen werden kann, was ist dann für so etwas unendlich Komplexeres wie das menschliche Gehirn zu erwarten? (Dank an Uwe Grom für den Hinweis auf den Artikel, der Ursprungartikel findet man über einen link im Deutschen Text.)

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Erstellt von fv | |   Künstliche Intelligenz

Aufstieg der Computer - Gehirne

Computer lernen schnell

 

Dieser Artikel ist eine kurze Zusammenfassung der wichtigsten Stationen der AI, der Künstliche Intelligenz Forschung. Immer wieder vor Augen führen muss man sich, wie schnell die Fähigkeiten der Computer und ihre Rechnerleistung gewachsen sind! Die allerersten Anfänge mit relativ wenigen Schaltrelais in den 40er Jahren haben noch Menschen bewusst begleitet, von denen einige heute noch leben! Das macht den Blick in die Zukunft spannend. Es wirft aber auch die Frage auf: Was ist denn genau menschliche Intelligenz. Meine Vermutung: Man darf nicht die eigenartige Koppelung all dieser Gehirne übersehen, die erst Kultur hervorbringt. Die Koppelung nennt man üblicherweise Sprache. Was das genau ist, ist bis heute nicht ganz klar und wird es auf absehbare Zeit wohl auch bleiben. Ob Computer auch zur Sprachgenese fähig sind?

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Erstellt von fv | |   Künstliche Intelligenz

Warum Roboter Gefühle haben

Werden Roboter zu den besseren Menschen?

 

Dieser Artikel zu Erkenntnissen einer Konferenz zur "Digitalen Transformation" stellt recht optimistisch in Aussicht, dass in absehbarer Zeit Roboter in der Lage sein werden, wie Menschen zu agieren. Dies gilt inklusive der Gefühle, zu der genügend komplexe Roboter auch in der Lage sein werden. Das sind gewagte Thesen. Denn sie setzen voraus, dass es auf die schiere Rechenleistung von Computern und Robotern ankommt, um sie menschenähnlicher zu machen. Das heißt, dass das, was die Menschen von den Robotern unterscheidet, vor allem die Rechenleistung ist. Doch was wäre, wenn es Probleme und Konstellationen in der menschlichen Welt gibt, die nicht mit Rechenleistung korreliert werden können? Michael Tomasello hat die Fähigkeit zur gemeinsamen Intentionalität als das Kennzeichen menschlicher Kultur identifiziert. Wenn man das annimmt, dann hätten diese Roboter wohl eine höhere kombinatorische Intelligenz (das ist wahrscheinlich) aber sie würden sich verhalten wie Inseln, der Wagenhebereffekt (Tomasello) der die menschliche Kultur ausgelöst hat, bliebe aus....

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Erstellt von fv | |   Bioethik

Wir pellen Eizellen aus der Haut

Die unglaubliche Plastizität der Zellen

 

Neue Nachrichten aus der Zellforschung haben die Überwindung einer weiteren Barriere verkündet: Nun scheint es möglich zu sein, aus ausdifferenzierten somatischen Zellen, also zum Beispiel aus Hautzellen durch Reprogrammierung Eizellen herzustellen, die dann nach Befruchtung zur Entwicklung eines auf erstem Blick gesunden Individuums führen. Den Versuch hat man an Mäusen durchgeführt. Die so gezeugten Mäuse waren sogar ihrerseits fortpflanzungsfähig. Das verstärkt den Eindruck, den man mit anderen Methoden der Reprogrammierung gewonnen hat: Die Zellen eines Lebewesen sind in hohem Maße plastisch und lassen sich scheinbar beliebig variieren. Nach Deutscher Rechtssprechung sind Keimbahnzellen besonders geschützt. Doch was, wenn jede beliebige Zelle des Körpers durch geeignete Behandlung zu einer Keimbahnzelle gemacht werden kann? Wie kann man dann sicherstellen, dass die Reproduktion von Menschen nicht beliebigen Eingriffen ausgesetzt sein wird???

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Erstellt von hhp | |   Anthropologie

Evolution - Familie Mensch

In das Dunkel unseres Ursprungs, des Übergangs vom Vormenschen zum Homo sapiens, fällt neues Licht durch Genforschung. Vor 280.000 Jahren verbesserte sich durch Genverstärkung der Eisenstoffwechsel und damit die Sauerstoffversorgung. Nur dadurch konnte der Mensch zu dem ausdauernden Langstreckenläufer und guten Jäger werden, der den Energiehunger eines ständig wachsenden Hirns durch fleischliche Nahrung stillen konnte. Durch Genaustausch mit anderen Stämmen ("Afrika war ein Schmelztiegel") kamen andere Faktoren wie kognitive Optimierungen und damit die notwendige Ausstattung zusammen, die sich zum Homo sapiens verdichten konnte. Die genannte Genverstärkung hatte dabei nur an Stellen des Erbgutes eine Chance, die besonders instabil waren. Die Kehrseite der Medaille: Da sich an den unstabilen Stellen durch Zufall auch Verluste ereignen, muss eine Vielzahl von geistigen Behinderungen als der Preis angesehen werden, der für die Erfolgsgeschichte des Homo sapiens zu zahlen war. Wieder einmal zeigt sich – und damit wird der Artikel zu einem (unbeabsichtigten) Beitrag zur Theodiezeefrage –, dass dieselben Mechanismen, die für die Entstehung des Menschen notwendig sind, auch für die Entstehung von Übeln verantwortlich sind. Das eine scheint ohne das andere nicht zu haben zu sein.

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Erstellt von al | |   Anthropologie

Der Sündenfall

Der Übergang des Homo sapiens vom Jäger und Sammler zum Ackerbauern und Viehzüchter stellte die dramatischste Verhaltensänderung einer Tierart auf diesem Planeten dar. Um die Bedingungen und Motive dieses Wandels zu erforschen, stützten sich Wissenschaftler bisher auf genetische, archäologische und ethnologische Studien. Unbemerkt blieb, dass es eine Quelle gibt, die wie keine zweite Einblick in diese Misere des Menschen gewährt: die Bibel. Die Geschichten um Abraham und Co. strotzen von Zank und Zwietracht. Dürren, Seuchen und Kriege sind ein beständiges Thema der Thora, der fünf Bücher Mose. Es sind genau jene Krisen, die sich erst aus dem Sesshaftwerden ergeben, dem eigentlichen Sündenfall der Menschheit. Wie diese Katastrophen die kulturelle Evolution auf Touren brachten, das dokumentiert die Bibel. Tatsächlich birgt die Thora nicht nur die Zehn Gebote, sondern weitere 603 Gesetze. Sie sind die Hausordnung der sesshaften Welt. Eine Vielzahl dieser Regeln dient der Gesundheitsvorsorge. In dieser hochinteressanten Lesart erweist sich Gott als protowissenschaftliche Strategie, um Wissenslücken zu überbrücken.

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