Erstellt von fv | | Quantenphysik | Deutsch

12000 km entfernt und doch verbunden!

Quantentechnik und Quantenrätsel In China soll kürzlich ein Experiment gelungen sein, den Verschränkungszustand zweier Photonen auf einer Distanz von 1200 km zu erhalten. Das ist in der Tat ein weiterer erstaunlicher Fortschritt. Hier mag, wie der Artikel nahe legt, ein erster Schritt zur Nutzung der Quantenkryptographie über weite Distanzen gemacht sein. Erstaunlich ist, dass man das, was in den Grundlagen erhebliche Deutungsprobleme aufwirft - für die Verschränkungszustand gibt es keinerlei Anschauung - in der Technik immer weiter zu beherrschen lernt. Hier kann man zweierlei sehen: Technik setzt nicht immer ein vollständiges Verständnis der Dinge voraus, zum anderen aber sollte man vorsichtig sein, in das Unverstandene etwas "hineinzugeheimnissen". Nicht wenige haben hier einen Zugang zum Welträtsel oder dessen Lösung gesehen. Doch scheinbar lassen sich die Bedingungen dieses Rätselhaften doch ganz gut reproduzierbar beherrschen! - fv

Erstellt von hhp | | Anthropologie | Deutsch | Evolution

Anthropologie - Erster! - zeit.de

Wieder einmal werden neue Fossilfunde von Homo sapiens als Sensation gefeiert ("Das wird die Lehrbücher ändern"). Wieder einmal spricht man von der Rückdatierung der "Geburtsstunde der Menschheit" (diesmal um 100.000 Jahre auf 300.000 Jahre vor unserer Zeitrechnung) und der Verlegung der "Wiege der Menschheit", die jetzt "panafrikanisch" lokalisiert werden muss. Der Artikel vermittelt einen interessanten Einblick in das 'making of' unseres Stammbaums, weil nicht nur über die Forschungsergebnisse berichtet wird, sondern auch über das Ringen und die "feurigen Debatten", ja auch über forschungsexterne Einflussfaktoren. So ist die Rede davon, dass ein Forscher "zu Optimismus verpflichtet ist", da "an dieser Frage seine ganze Forscherkarriere" hängt. Könnte da - so frage ich mich - nicht gern etwas zu einer Sensation hochstilisiert werden, indem man die Grenzziehung zu den Vorfahren des Homo sapiens vielleicht etwas verschiebt (vgl. Kommentar von Nick Matzke auf fb). Denn, nun ja, so richtig symbolisch denken (charakteristisch für Homo sapiens) konnte er wohl nicht, der neue Fund - mutmaßt Forscherkollege Ian Tattersall. Immerhin: Die Fossilfunde müssen immer wieder abgeglichen werden mit den Stammbäumen, die die Genforschung aus den rezenten Humangenomen rekonstruiert. Und hier scheint sich eine auffällige Korrelation zu ergeben: Genau vor 300.000 Jahren scheint sich ein markanter genetischer Umbau vollzogen zu haben (siehe Presseschau vom 29.09.16). Und der gefeierte Fund fällt in diese Umbauphase. Konnte er bereits von der genetischen Innovation profitieren?, fragt der Artikel. - Angereichert wird der Beitrag noch durch Links auf die frei verfügbare Nature-Dokumentation, durch Animationen des Schädelfundes und Überblicke zur Entwicklung der Hominidenentwicklung. - hhp

Erstellt von hhp | | Deutsch | Gottesbild | Kosmologie | Schöpfung | Theologie | Vatikan

"Das Universum ist sinnlos" - science.orf.at

Wenn der Leiter der vatikanischen Sternwarte, Guy Consolmagno, ganz wie seine atheistischen Freunde Gott im Universum nicht finden kann, ja das Universum für sinnlos hält, wird man hellhörig. Bei näherem Hinsehen erweist sich der Titel des Artikels allerdings als leicht erschummelt, denn vollständig wiedergegeben heißt es: "Das Universum AN SICH ist sinnlos". Dies stimmt für Consolmagno deshalb, da es für ihn mehr gibt als das Universum und mehr als Wissenschaft, und da er Sinn, Zweck und Gott außerhalb des Universums verortet. Gott sei "übernatürlich, jenseits des Universums". Poesie sei eine bessere Ausdrucksform dafür als die Sprache der Wissenschaft. Man verlange schließlich auch keinen mathematischen Beweis für Mutterliebe. In gleicher Weise sei auch der Schluss von Design auf Gott ("Intelligent Design") unstatthaft. Auch wenn Consolmagno keinen deistischen Gott meint, so betont er doch primär die Transzendenz Gottes. Die Immanenz kommt indes zu kurz mit der Gefahr, sich "unter Gott ein übergroßes, räumlich von uns getrenntes Wesen, einen himmlischen Übervater, der über aller Welt thront, also im Jenseits sitzt" vorzustellen, wie der systematische Theologe Hans Kessler an anderer Stelle betont. Dabei werde "nicht bedacht, dass ein derart außerhalb der Welt sitzender Gott durch die Welt begrenzt, also nicht unbegrenzt, nicht unendlich und damit gar nicht Gott wäre". - hhp

Erstellt von fv | | Wissenschaftstheorie | Deutsch

Malen nach Zahlen

Was heißt da "nur Mathematik"? In vielen empirischen Forschungsprozessen ist die Mathematik eine hilfreiche Wissenschaft. Sie erleichtert, etwas exakt zu beschreiben. Damit ist dann zum Beispiel durch die Exaktheit und Allgemeingültigkeit der Beschreibung die Reproduzierbarkeit der Versuche sicher gestellt. Seit Galileo Galilei ist klar, dass die Mathematik DIE Sprache der Naturwissenschaften ist. Es gibt aber immer wieder Situationen, in denen die Mathematik ihrerseits zu entdecken ist und das immer auch unklar bleibt, was genau passiert, wenn man mathematische Strukturen findet. Der angehängte Artikel zeigt schön, dass man im Bereich der Teilchenphysik Strukturgleichheiten erahnen kann, obwohl völlig unklar ist, was zu diesen Strukturgleichheiten führt: Die Wahrscheinlichkeit quantenphysikalischer Vorgänge und bestimmte mathematische Strukturen scheinen eng miteinander zusammen zu hängen, ohne dass jemand weiß, warum. Möglicherweise ist eine Intuition von Platon zu Beginn der Geschichte Europäischen Denkens auch heute noch gültig: Die Welt ist im Innersten aus mathematischen Strukturen aufgebaut!? Doch was genau sollte eine solche "objektive" Mathematik sein? Die Mathematik ist auch heute noch ein großes philosophisches Problem! - fv

Erstellt von fv | | Bioethik | Deutsch

Angriff auf den deutschen Embryonenschutz

Doch auf einer schiefen Ebene? Es gibt jetzt ein neues Papier einiger Wissenschaftler, die für die Liberalisierung der Embryonenforschung in Deutschland eiintreten. Im Hintergrund dieser Initiative stehen neue technologische Möglichkeiten mit er so genannten Crispr-Cas Technik bzw. dem genome editing. Blogbeiträge von Alexander Maßmann hatten auch schon darüber berichtet: (http://www.theologie-naturwissenschaften.de/diskussion/genethik-blog.html). Die neuen Technologien scheinen mittelfristig Keimbahntherapien möglich zu machen. Wenn es dazu kommt, wird auch in Deutschland das Embryonenschutzgesetz in seiner jetzigen Form kaum zu halten sein. Nachdem der Embryonenschutz hierzulande so intensiv diskutiert worden ist, wirkt diese neue Initiative, als ob all die Recht gehabt haben, die die Entwicklung als eine auf einer "schiefen Ebene", auf einer "slippery slope" beschreiben: Was gemacht werden kann, wird auch irgendwann gemacht werden. Man muss nur lang genug warten. Wann wird es dann auch um Enhancement gehen und nicht nur um die Bekämpfung von Krankheiten? Wann wird der erste Mensch geboren sein, der dann später weiß, dass einige seiner Eigenschaften fabriziert worden sind? - fv

Erstellt von al | | Deutsch | Astronomie | Außerirdische

Wow-Effekt im Weltall

Gut 39 Lichtjahre von der Erde entfernt haben Astronomen ein Sternsystem entdeckt, in dem mindestens sieben Planeten eine Sonne namens Trappist-1 umkreisen. Bei allen sieben soll es sich um erdähnliche Gesteinsplaneten handeln, manche könnten flüssiges Wasser bergen – gar Leben. Der Artikel stellt Vision und Wirklichkeit gegenüber, und zwar jeweils anhand der Fragen: Wie weit erntfernt sind 39 Lichtjahre? Was erwartet uns dort? Was bedeutet "erdähnlich" und welche Bedeutung hat dabei flüssiges Wasser? Was können wir wissen und was ist zu tun? In der Tat, die fremde Welt um Trappist-1 und seine Exoplaneten liefern definitiv Stoff, um sich ins All zu träumen. Die Wissenschaft aber holt einen vorerst zurück auf die Erde. Beides hat sein Recht, denn ohne Vision ändert sich die Wirklichkeit nicht. - al

Erstellt von fv | | Wissenschaftstheorie | Deutsch

Von Tatsachen und Nichttatsachen

Wissenschaft im postfaktischen Zeitalter? Anbei ein interessanter Kommentar zu neueren wissenschaftlichen Veröffentlichungen. Er bezieht sich auf einige herausragende wissenschaftliche Fortschritte, die sich im Nachhinein als nicht haltbare Behauptungen herausgestellt haben. Werden heute Meldungen über wissenschaftliche Durchbrüche zu schnell publiziert? Auf jeden Fall zeigen diese Fälle, dass auch die Wissenschaft eine durch und durch menschliche Veranstaltung ist. Das ist nicht überraschend und auch keine neue Erkenntnis. Der Artikel bezieht sich auf Ludwik Fleck, man könnte auch das Buch von Karin Knorr-Cetina aus den 80ern nennen, "Die Fabrikation des Wissens". Dennoch ist Wissenschaft als kollektives Unternehmen wie keine andere menschliche Tätigkeit mit Sicherungssystemen ausgestattet, die solche Irrtümer auszuschalten helfen. Es stimmt also beides: Die Anfälligkeit menschlicher Handlungen und das Ideal von Wissenschaft als das Ringen um die beste Darstellung empirischer Befunde. Man darf von dem Ideal nicht lassen und auch nicht von dem selbstkritischen Wissen um die eigene Anfälligkeit! Darüber hinaus: Wissenschaft kann nicht postfaktisch werden, weil sie nie nur faktisch war... - fv