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Im Sternbild des Schwans

Ein kritischer Artikel zur Ankündigung der NASA, mit Kepler 452-b eine "zweite Erde" entdeckt zu haben. In der Fachpresse würde bereits die Möglichkeit einer Reise zu diesem Planeten erörert, heißt es. Annäherung an das ewige Leben durch Ausbreitung in den Raum? Der Artikel analysiert diese Fantasien und vergleicht sie mit Johannes Kepler eigenen Träumereien, die gar nicht so anders waren. - Aber treiben solche Träumereien nicht auch Wissenschaft und Fortschritt voran? - al

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Können Vernunft und Glaube Freunde werden? - Tagesspiegel

Uwe Lehnert beantwortet die Frage des Titels mit einem klaren "Nein"! Theologischen Vertretern einer wechselseitigen Verwiesenheit von Glaube und Vernunft (z. B. Johannes Paul II und Wolfgang Huber) unterstellt Lehnert Widersprüchlichkeit und den Versuch, "die Vernunft an die Kette des Glaubens zu legen". Dagegen singt er das hohe Lied der Wissenschaft, die ihre Erkenntnisse "an der Realität" überprüft (als ob Glaubensaussagen sich nicht in der 'Realität' bewähren müssten), "auf Begründung" setzt (als ob Theologie keine Gründe benennt), ferner auf "intersubjektive Nachvollziehbarkeit" (als ob Theologie keinen synchronen oder diachronen Konsens anstrebt) und "logische Widerspruchsfreiheit" (als ob der Theologie das Kohärenzkriterium fremd wäre). Dass auch die (Natur-)Wissenschaften glaubensartige Voraussetzungen hat, wird als Suggestion der Theologen heruntergespielt. Dabei liefert Lehnert selbst eine solche Voraussetzung, wenn er die kausale Geschlossenheit der Welt einführt: Was für ihn ontologisch 'Realität' ist, kann mit guten Gründen als (notwendige) Forschungsmaxime und in diesem Sinne als glaubensartige Voraussetzung angesehen werden. Ansonsten wird der vermeintliche Konflikt zwischen Vernunft und Glaube durch religiöse Zerrformen und Anachronismen konstruiert. Gott ist entweder ein intervenierender Handwerker oder er löst sich pantheistisch auf (als ob der PanENtheismus nicht längst theologisch gängig wäre), er fordert Menschenopfer, foltert in der Hölle usw. usf. Diese "legendenhafte Einfachheit" müsste doch längst der "naturwissenschaftlichen Eleganz" gewichen sein (als ob diese simple Säkularisierungsthese nicht lange in die Kritik geraten wäre). - hhp

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"Wer darf in den Club?" - Süddeutsche.de

In einem Interview spricht sich Hans Werner Ingensiep, für die Printausgabe ein "ausgewiesener Kenner des Verhältnisses von Mensch und Menschenaffe", dagegen aus, Schimpansen und Orangs mit den Menschen gleichzusetzen. Aus einer "quantitativen biologischen Ähnlichkeit" heraus für "qualitative Gleichheit", gar für "gleiche Grundrechte" einzutreten, sei ein "naturalistischer Fehlschluss", der z. T. in anthropomorphen Fehlzuschreibungen gründe. Dass ein Gorilla - psychologisch gesehen - Persönlichkeit aufweise, sei unbestritten. Doch zu einem normativen Personbegriff gehöre Verantwortlichkeit, was nur dem Menschen zukomme. Hilfreicher wäre es, die "Zwei-Klassen-Terminologie von 'Sachen' und 'Personen'" aufzubrechen; eine Terminologie, die ja das Problem der Grenzziehung unangemessen festschreibe. - hhp

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Primaten - Selber Affe - Süddeutsche.de

Der Artikel beschreibt den Versuch von Steven Wise u. a., Schimpansen nicht mehr als Sachen, sondern "als 'nichtmenschliche Personen' mit gewissen Rechten" zu betrachten. Ihr Ziel sind dabei nicht Menschenrechte für Menschenaffen, sondern ein Verbot ihrer Gefangenschaft. Sollte ihr Antrag auf 'Haftprüfung' für die Schimpansen zu einem Gerichtsverfahren führen, "wäre der Affe bereits als Person anerkannt". Mehrere Gerichte lehnten bislang ab, ein weiteres hält die Entscheidung bis voraussichtlich Juni offen, was bereits euphorisch als Etappensieg gefeiert wurde. Die Tierrechtler argumentieren mit der Ähnlichkeit: Die Gehirne erlauben Kognition, Zeichensprache, Kommunikation, mathematische Fähigkeiten, Handlungsplanung, Werkzeugentwicklung, Kultur, gar eine "frühe Form des religiösen Erlebens". Gegner befürchten einen Dammbruch, der sich auf weitere Tierarten bis hin zu Haustieren auswirken könnte. In der Tat haben die derzeitigen juristischen Verhandlungen für das "Great Ape Project" eine Türöffnerfunktion. - hhp

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Die Folgen der digitalen Transparenz - Spektrum der Wissenschaft

Der Philosoph und Kognitionswissenschaftler Daniel C. Dennet und der Medienwissenschaftler Deb Roy wagen einen interessanten Vergleich. Wie im Kambrium die zunehmende Transparenz der Meere zu einer Explosion der Arten und neuer Verhaltensstrategien führte, so wird die heute zunehmende Datentransparenz ebenfalls zu einer Explosion neuer Organisationen und neuer Verhaltensstrategien führen. Damals wie heute sind neue Flexibilitäts- und Schutzmechanismen gegen die drohende Transparenz überlebenswichtig. Die Autoren betonen dabei weniger die Privatsphäre der Individuen, vielmehr liegt ihnen an der Abschottung der Institutionen: "Trotz aller politischen Phrasen über die segensreichen Vorzüge der Transparenz herrscht in den Zentren der Macht weiterhin Geheimhaltung - und das aus gutem Grund". Und den guten Grund liefern natürlich die Naturwissenschaften: "Eine biologische Betrachtung macht deutlich, dass Transparenz nicht nur Vorteile hat". So können wir bei einer transparenten NSA o. ä. "nicht ausschließen, dass unsere Nachrichtendienste dauerhaft geschwächt werden und künftige Gefahren schlechter erkennen". Der letzte Satz beeilt sich dann aber doch mit der Forderung, dass man alles "dem Wohl des Individuums unterwirft", wobei dies nicht aus dem Kambrium abgeleitet zu sein scheint. Insgesamt fragt man sich, ob die Autoren den kambrischen Vergleich als amüsante Analogie, ob sie ihn deskriptiv oder gar normativ verstehen. Letzteres scheint sich als naturalistischer Fehlschluss an manchen Stellen Bahn zu brechen. - hhp

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Unsere Evolution geht weiter - Spektrum der Wissenschaft (Printausgabe)

Der Anthropologe John Hawks argumentiert gegen den Anschein, der Mensch habe sich durch Medizin und Technik dem Zugriff der natürlichen Selektion entzogen. Die menschliche Evolution führt ihre Arbeit fort, wie sie auch in der jüngsten Vergangenheit (Evolutionsbiologen meinen damit die letzten 30.000 Jahre) nicht untätig war. Seit der Mensch Nahrung kochte, wurden Zähne und Kiefer kleiner; wo Getreide angebaut wurde, enthielt der Speichel zunehmen Amylase zum Stärkeabbau, und bekannt ist die Entwicklung der Laktosetoleranz. Dabei lässt sich beobachten, dass die populäre Meinung, das bessere Gen setze sich letztendlich durch, nicht notwendig zutrifft. So konnte sich eine in Asien verbreitete Hämoglobinvariante in Afrika nicht durchsetzen, obwohl dies einen hohen Malariaschutz garantiert hätte. Dort hatte schon eine Variante mit geringerem Schutzniveau die Sterberate verringert und damit das Rennen entschieden, bevor Konkurrenten angetreten waren. Auch heute - so Hawks - geht die Evolution weiter. Genetische Großprojekte sollen dabei tiefere Einsichten in die aktuellen Evolutionsprozesse vermitteln. Trotz nie dagewesener globaler Mobilität und genetischer Vermischung prognostiziert Hawks jedoch keine zunehmende Homogenisierung, sondern Vielfalt: "Jeder zukünftige Mensch wird ein individuelles Mosaik aus unserer Evolutionsgeschichte sein". - hhp

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Vor Adam die Mikroben

Die Rekonstruktion einer frühen Lebensform auf dem Grund des Ozeans bringt die Forschung nach der Entwicklung des Lebens voran. Die aufgespürten sogenannten "Lokiarchaeota" machen deutlich, dass die Eukaryoten (zu denen auch wir gehören) aus den Archaea hervorgegangen sind. Das ist eine Revolution in der Forschung. [Der Artikel ist derzeit leider nur kostenpflichtig erhältlich.] - al