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Gott und der Urknall - Publik-Forum 1/2015, 26-29

Können naturwissenschaftliche Theorien Grundfragen des Daseins beantworten? Für ein entschiedenes "Nein" plädiert der Autor Frank Vogelsang und macht dies am Beispiels des Urknalls deutlich. Scheinbar war der Übergang von der Newtonschen Welt ohne Anfang zu einem Kosmos mit Anfang ("Urknall") theologisch anschlussfähiger. Tatsächlich jedoch - so Vogelsang - "muss vor einer solchen voreiligen Identifizierung von Schöpfung und Urknall nachdrücklich gewarnt werden". Schließlich könnten sich Erkenntnisse samt vermeintlicher Anschlussfähigkeit ändern, man denke an Multiversums- oder anfangsfreie Theorien à la Hawking. Sich auf bestimmte physikalische Theorien festzulegen ist der Theologie aber nicht nur aus strategischen Gründen verwehrt. Solche Theorien "können aus grundsätzlichen methodischen Überlegungen heraus keine theologischen Erwartungen bedienen". Theologie komme dann ins Spiel, wenn es um "Lebenswelt" geht, die umfassender ist als das, was naturwissenschaftlich beschrieben werden kann. - hhp

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Physik am Scheideweg

Wann ist die Physik noch Physik? Im letzten Jahr und auch über den Jahreswechsel hat es Beiträge zu der Debatte der Theoriebildung in der theoretischen Physik gegeben. Der Artikel der FAZ bezieht sich auf einen Beitrag der Physiker Ellis und Silk in Nature, die kritisch fragen, ob neuere Theorieentwicklungen noch den Standards der Physik entsprechen, wenn sie nach dem heutigen Stand der Wissens nicht falsifiziert werden können. In der Tat gehört die Falsifizierbarkeit zu den herausragenden Kriterien naturwissenschaftlicher Forschung. Doch kein Kriterium ist sakrosankt oder alleingültig. Es gab und es gibt immer Abweichungen. Zu fragen ist allerdings, ob man auf künftige Falsifizierbarkeit spekulieren sollte, wie es der Beitrag tut. Das erinnert an die Theorie des Theologen Pannenberg, der davon ausging, dass am Ende der Tage sich die christliche Rede als die richtige erweisen werde. Dies hilft allerdings für die gegenwärtige Theoriebildung nicht sehr... - fv

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Das ganz große Ganze - Zeit online

Der systematische Theologe F. W. Graf stellt die Religionstheorie des Philosophen Volker Gerhardts als Fortschreibung "rationaler Theologie" vor. Nach Gerhardts widersprechen sich Vernunft und Glaube keineswegs, vielmehr sei der Glaube sinnvoll und für das Humanum notwendig. Im Zentrum steht dabei das Festhalten am "Sinn über das Gegebene hinaus", ein Sinnganzes, das jedes ernsthafte Denken und Handeln voraussetzen müsse, und für den "Zusammenhang zwischen Wissen und der autonomen Lebensführung" stehe. Nicht weniger umstritten dürfte Gerhardts Verteidigung der Persönlichkeit Gottes sein, auch wenn klar sei, dass Gott nicht in der Art "irgendeines objektivierbaren Gegenstandes" gedacht werden könne. Ein solches Gegenüber diene auch "humaner Selbstbegrenzung" gerade in einer Zeit "religiös codierte[r] Selbstentgrenzungsfantasien". - hhp

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Schafft Werte!

Vom Wert der Wissenschaft Entgegen einem oft zu hörenden falschen Selbstverständnis, ist die wissenschaftliche Forschung nicht einfach ein wertfreier Raum. Die freie Forschung selbst und die damit einher gehende Haltung sind eng mit elementaren Werten verbunden, etwa mit Wahrhaftigkeit, mit einer offenen Kommunikation, mit der Regel, dass allein das bessere Argument zähle. Darin erinnert in diesem Artikel Patrick Illinger. Die Bedeutung von wissenschaftlicher Forschung versteht sich nicht von selbst, sondern muss immer wieder errungen werden. Dies muss aber kein Gegensatz zu einer religiösen Verortung sein, wohl aber eine Absage an jeden ausgrenzenden Fundamentalismus. - fv

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9 Ideen für eine bessere Neurowissenschaft - spektrum.de

"Die Nichtbeachtung wissenschaftlicher Standards ist in der Hirnforschung besonders ausgeprägt" - der Eyecatcher in Großdruck formuliert eine Hauptaussage des Artikels, der davon ausgeht, dass die neurowissenschaftliche Euphorie einem "breit abgestützten Skeptizismus" gewichen ist. Gründe dafür: unzureichende Validität und Reliabilität, einseitige Veröffentlichung positiver Ergebnisse, das ungünstige Anreizsystem der Zitierhäufigkeit, eine Öffentlichkeitsarbeit, die Schlagzeilen und überzogene Hoffnung produziere, und das Fehlen einer umfassenden Theorie des Gehirns. Reformen scheinen aber in Sicht, wie z. B. der Übergang vom bisherigen Peer-Review-Verfahren zu einen "Pre-publication-Prinzip": Nicht erst fertige, sondern geplante Studien werden bewertet und im positiven Fall zur Veröffentlichung zugelassen - unabhängig vom letztendlichen Ergebnis. Bevor aber bessere Forschungs-Kriterien bei Großorganisationen wie der DFG verbindlich werden, unterzögen sich manche Neurowissenschaftler schon jetzt und freiwillig strikteren Anforderungen. - hhp

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Grundsatzurteil - Europa-Gericht erlaubt umstrittene Stammzellpatente

Wann beginnt menschliches Leben? Neue Festlegungen Um die Stammzelldiskussion ist es in den letzten Jahren sehr ruhig geworden. Dennoch sind viele Fragen weiterhin nicht geklärt. Nun hat der Europäische Gerichtshof entschieden, dass nur solche Stammzellen unter den Embryonenschutz fallen, die sich auch zu Menschen entwickeln können. Damit hat es das Potentialitätsargument als hinreichend anerkannt. Die Frage, die sich daran anschließt, ist, ob dann nicht auch solche Stammzellen darunter fallen, die in einer Umgebung gehalten werden, die es verhindert, dass sie sich zum Menschen entwickeln. Aufgrund des Urteils ist jedenfalls die Patentierung von menschlichen Stammzellen möglich geworden. - fv

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Über den Tod hinaus - Der Bund

Im Mittelpunkt dieses Artikels (einer der wenigen guten über Nahtoderfahrung) steht der schweizer Theologe Simon Peng-Keller, der seit Jahren über NTE forscht, sich aber in Abgrenzung zu vollmundiger Jenseitsesoterik zurückhaltend gibt. Dennoch, das Thema bleibt spannend: "Der Nahtod hat sich zum Schlachtfeld entwickelt, auf dem unversöhnliche Weltanschauungen gegeneinander antreten". Den Reduktionisten hätte die jüngste "Aware-Studie" die Grundlage entziehen können, wenn, ja wenn sie nicht gescheitert wäre, wie Peng-Keller urteilt. Außerkörperliche Wahrnehmungen habe sie nicht nachweisen können, wohl aber glaubwürdige Wahrnehmungen bis zu drei Minuten nach dem Herzstillstand - unerklärlich mit heutigen Mitteln, aber vielleicht doch auf Restaktivitäten des Gehirns reduzierbar. Also keine empirisch gestützte "Verklärung des Todes", zumal ein Drittel der Wiederbelebten von negativen Eindrücken berichteten. Immerhin sieht der Theologe "Nahtoderfahrungen am ehesten als Varianten mystischen Erlebens" und in dieser langen Tradition auch wirklich ernst genommen. - hhp