Erstellt von fv | | Bioethik | Deutsch

Wir pellen Eizellen aus der Haut

Die unglaubliche Plastizität der Zellen Neue Nachrichten aus der Zellforschung haben die Überwindung einer weiteren Barriere verkündet: Nun scheint es möglich zu sein, aus ausdifferenzierten somatischen Zellen, also zum Beispiel aus Hautzellen durch Reprogrammierung Eizellen herzustellen, die dann nach Befruchtung zur Entwicklung eines auf erstem Blick gesunden Individuums führen. Den Versuch hat man an Mäusen durchgeführt. Die so gezeugten Mäuse waren sogar ihrerseits fortpflanzungsfähig. Das verstärkt den Eindruck, den man mit anderen Methoden der Reprogrammierung gewonnen hat: Die Zellen eines Lebewesen sind in hohem Maße plastisch und lassen sich scheinbar beliebig variieren. Nach Deutscher Rechtssprechung sind Keimbahnzellen besonders geschützt. Doch was, wenn jede beliebige Zelle des Körpers durch geeignete Behandlung zu einer Keimbahnzelle gemacht werden kann? Wie kann man dann sicherstellen, dass die Reproduktion von Menschen nicht beliebigen Eingriffen ausgesetzt sein wird??? - fv

Erstellt von hhp | | Anthropologie | Anthropisches Prinzip | Deutsch | Evolution | Theodizee

Evolution - Familie Mensch

In das Dunkel unseres Ursprungs, des Übergangs vom Vormenschen zum Homo sapiens, fällt neues Licht durch Genforschung. Vor 280.000 Jahren verbesserte sich durch Genverstärkung der Eisenstoffwechsel und damit die Sauerstoffversorgung. Nur dadurch konnte der Mensch zu dem ausdauernden Langstreckenläufer und guten Jäger werden, der den Energiehunger eines ständig wachsenden Hirns durch fleischliche Nahrung stillen konnte. Durch Genaustausch mit anderen Stämmen ("Afrika war ein Schmelztiegel") kamen andere Faktoren wie kognitive Optimierungen und damit die notwendige Ausstattung zusammen, die sich zum Homo sapiens verdichten konnte. Die genannte Genverstärkung hatte dabei nur an Stellen des Erbgutes eine Chance, die besonders instabil waren. Die Kehrseite der Medaille: Da sich an den unstabilen Stellen durch Zufall auch Verluste ereignen, muss eine Vielzahl von geistigen Behinderungen als der Preis angesehen werden, der für die Erfolgsgeschichte des Homo sapiens zu zahlen war. Wieder einmal zeigt sich – und damit wird der Artikel zu einem (unbeabsichtigten) Beitrag zur Theodiezeefrage –, dass dieselben Mechanismen, die für die Entstehung des Menschen notwendig sind, auch für die Entstehung von Übeln verantwortlich sind. Das eine scheint ohne das andere nicht zu haben zu sein. - hhp

Erstellt von al | | Anthropologie | Deutsch | Evolution | Geschichte | Evolutionsmedizin

Der Sündenfall

Der Übergang des Homo sapiens vom Jäger und Sammler zum Ackerbauern und Viehzüchter stellte die dramatischste Verhaltensänderung einer Tierart auf diesem Planeten dar. Um die Bedingungen und Motive dieses Wandels zu erforschen, stützten sich Wissenschaftler bisher auf genetische, archäologische und ethnologische Studien. Unbemerkt blieb, dass es eine Quelle gibt, die wie keine zweite Einblick in diese Misere des Menschen gewährt: die Bibel. Die Geschichten um Abraham und Co. strotzen von Zank und Zwietracht. Dürren, Seuchen und Kriege sind ein beständiges Thema der Thora, der fünf Bücher Mose. Es sind genau jene Krisen, die sich erst aus dem Sesshaftwerden ergeben, dem eigentlichen Sündenfall der Menschheit. Wie diese Katastrophen die kulturelle Evolution auf Touren brachten, das dokumentiert die Bibel. Tatsächlich birgt die Thora nicht nur die Zehn Gebote, sondern weitere 603 Gesetze. Sie sind die Hausordnung der sesshaften Welt. Eine Vielzahl dieser Regeln dient der Gesundheitsvorsorge. In dieser hochinteressanten Lesart erweist sich Gott als protowissenschaftliche Strategie, um Wissenslücken zu überbrücken. - al

Erstellt von fv | | Dawkins | Deutsch | Evolution

Wir sind alle Cousins

Ein Interview mit Richard Dawkins Die Süddeutsche Zeitung hat ein Interview mit Richard Dawkins veröffentlicht. Dort hat er in einigen Zügen noch einmal seine Position dargestellt: 1. Es gibt Evolution, 2. Alles ist aus der Evolution ableitbar, auch die Funktionalität des Gehirns 3. Deshalb siind auch alle unsere Weltanschauungen aus der Evolution ableitbar 4. Deshalb ist unter anderem auch die Religion nur ein Produkt der Evolution. - Diese Aussagenreihe ist sehr übersichtlich und wirkt auf erstem Blick schlüssig. Doch wie bei jeder Alles-übergreifenden Theorie (auch bei einer theologischen!) muss man genauer hinschauen. In der Regel ist eine Selbstbezüglichkeit verborgen, die das Konstrukt wackeln lässt. - Auch das Gehirn von Dawkins ist wie die Evolutionstheorie selbst dann ein Produkt der Evolution. Jedoch, wie kann man dann noch die Erkenntnisbedingungen kontrollieren? Wenn man eine Theorie über die eigenen Erkenntnisvoraussetzungen macht, wird die Theorie notwendigerweise selbstbezüglich. Und das macht eine Absicherung schwierig, wenn nicht unmöglich. Nun gibt es keinen einfachen Weg daraus, wahrscheinlich müssen wir uns immer wieder mit den begrenzten Bedingungen unseres Erkennens konfrontieren . Aber man sollte doch vorsichtig sein, die Schwierigkeiten zu überspielen, weil das sonst schnell naiv wirkt - und naiv will Dawkins sicherlich nicht sein. - fv

Erstellt von fv | | Deutsch | Astronomie | Physik

The vastness of the Universe

Die Dimensionen des Universums Dieser Film ist schon einige Jahre alt und doch immer wieder ein Erlebnis: er macht anschaulich, worüber wir reden, wenn wir zugleich von dem ganz Großen der Physik, dem expandierenden Universum und dem ganz Kleinen, den Elementarteilchen reden. Nun hat sich seit 1977, der Entstehungszeit des Films einiges verändert. Dennoch macht der Film deutlich, wie weit die Dimensionen der physikalischen Forschung über die Erfahrungswelt von uns Zweibeiner hinaus gehen.... - fv

Erstellt von fv | | Deutsch | Geschichte | Vatikan

Das meistzensierte Buch des Vatikan war die Bibel

Der Index verbotener Bücher des Vatikan und die Naturwissenschaften - überraschende neue Einsichten Neue und erweiterte Forschungen sind bezüglich eines der schwierigsten Kapitel der kirchlichen Vergangenheit durchgeführt worden, eine u.a. von der DFG finanzierte Forschergruppe hat den Index librorum prohibitorum, den Index, auf dem vom Vatikan verbotene Bücher landeten, genauer untersucht. So wenig nachvollziehbar es ist, dass man überhaupt versuchte, die Verbreitung von Büchern zu verhindern, so erstaunlich sind aber die Erkenntnisse darüber, was verboten wurde. Anbei ein Interview mit dem Kirchenhistoriker Hubert Wolf, der die Bestände gesichtet hat. Das Fazit: Es sind nur wenige naturwissenschaftlichen Bücher (allerdings eine wichtige Schrift von Galilei, der Dialog über die zwei wichtigsten Weltsysteme) auf dem Index gelandet, aber sehr viele Bücher alternativer Deutungsweisen, vor allem der Esoterik etc. Das heißt, auf dem Index landeten eher die Konkurrenzprodukte der aufkommenden Naturwissenschaften. (Sicherlich eine eher eine ungewollte Unterstützung...) Das ist aber eine gewichtige weitere Relativierung der Vorstellung, zwischen Kirche und Naturwissenschaften habe es eine klare Gegnerschaft gegeben. Ebenfalls erstaunlich: Das meistzensierte Buch war die Bibel - nämlich in der Form nicht autorisierter Übersetzungen. Und der berühmte Katholik Erasmus von Rotterdam war mit seinem ganzen Lebenswerk auf dem Index. - Lässt das eine Vermutung zu: Der Index diente eher dazu, "die eigenen Reihen geschlossen zu halten", weniger dazu, sich mit expliziten Abweichlern zu beschäftigen? Das heißt, der Index war kein Instrument der Stärke sondern von Beginn an (16. Jahrhundert) ein Instrument der Schwäche, in dem vergeblichen Versuch, sich gegen eine neue Technologie der Meinungsverbreitung, dem Buchdruck zu wehren! - fv

Erstellt von al | | Deutsch | Anthropologie | Bioethik | Wissenschaftsgeschichte

Monströs vereinfacht

Die Erschaffung Frankensteins gilt als monströses Unterfangen und abschreckendes Beispiel. Tatsächlich ist "Frankenstein" der Name des Schöpfers und nicht seines mythsichen Geschöpfes. Der Artikel rekapituliert Rezeption und Entstehungsgeschichte der Romanvorlage im naturgeschichtlichen Zusammenhang und aktualisiert die Fragestellung anhand der Notwendigkeit moderner Technikfolgenabschätzung. Mit Bruno Latour resümiert der Artikel, um unsere Technologie müssten wir uns kümmern wie um unsere Kinder: einsehen, dass sie nicht perfekt sein können, dass sie immer wieder Probleme machen werden - und dass wir sie dabei begleiten müssen. Alles andere wäre eben "monströs vereinfacht". - al