Erstellt von fv | | Dawkins | Deutsch | Evolution

Wir sind alle Cousins

Ein Interview mit Richard Dawkins Die Süddeutsche Zeitung hat ein Interview mit Richard Dawkins veröffentlicht. Dort hat er in einigen Zügen noch einmal seine Position dargestellt: 1. Es gibt Evolution, 2. Alles ist aus der Evolution ableitbar, auch die Funktionalität des Gehirns 3. Deshalb siind auch alle unsere Weltanschauungen aus der Evolution ableitbar 4. Deshalb ist unter anderem auch die Religion nur ein Produkt der Evolution. - Diese Aussagenreihe ist sehr übersichtlich und wirkt auf erstem Blick schlüssig. Doch wie bei jeder Alles-übergreifenden Theorie (auch bei einer theologischen!) muss man genauer hinschauen. In der Regel ist eine Selbstbezüglichkeit verborgen, die das Konstrukt wackeln lässt. - Auch das Gehirn von Dawkins ist wie die Evolutionstheorie selbst dann ein Produkt der Evolution. Jedoch, wie kann man dann noch die Erkenntnisbedingungen kontrollieren? Wenn man eine Theorie über die eigenen Erkenntnisvoraussetzungen macht, wird die Theorie notwendigerweise selbstbezüglich. Und das macht eine Absicherung schwierig, wenn nicht unmöglich. Nun gibt es keinen einfachen Weg daraus, wahrscheinlich müssen wir uns immer wieder mit den begrenzten Bedingungen unseres Erkennens konfrontieren . Aber man sollte doch vorsichtig sein, die Schwierigkeiten zu überspielen, weil das sonst schnell naiv wirkt - und naiv will Dawkins sicherlich nicht sein. - fv

Erstellt von fv | | Deutsch | Astronomie | Physik

The vastness of the Universe

Die Dimensionen des Universums Dieser Film ist schon einige Jahre alt und doch immer wieder ein Erlebnis: er macht anschaulich, worüber wir reden, wenn wir zugleich von dem ganz Großen der Physik, dem expandierenden Universum und dem ganz Kleinen, den Elementarteilchen reden. Nun hat sich seit 1977, der Entstehungszeit des Films einiges verändert. Dennoch macht der Film deutlich, wie weit die Dimensionen der physikalischen Forschung über die Erfahrungswelt von uns Zweibeiner hinaus gehen.... - fv

Erstellt von fv | | Deutsch | Geschichte | Vatikan

Das meistzensierte Buch des Vatikan war die Bibel

Der Index verbotener Bücher des Vatikan und die Naturwissenschaften - überraschende neue Einsichten Neue und erweiterte Forschungen sind bezüglich eines der schwierigsten Kapitel der kirchlichen Vergangenheit durchgeführt worden, eine u.a. von der DFG finanzierte Forschergruppe hat den Index librorum prohibitorum, den Index, auf dem vom Vatikan verbotene Bücher landeten, genauer untersucht. So wenig nachvollziehbar es ist, dass man überhaupt versuchte, die Verbreitung von Büchern zu verhindern, so erstaunlich sind aber die Erkenntnisse darüber, was verboten wurde. Anbei ein Interview mit dem Kirchenhistoriker Hubert Wolf, der die Bestände gesichtet hat. Das Fazit: Es sind nur wenige naturwissenschaftlichen Bücher (allerdings eine wichtige Schrift von Galilei, der Dialog über die zwei wichtigsten Weltsysteme) auf dem Index gelandet, aber sehr viele Bücher alternativer Deutungsweisen, vor allem der Esoterik etc. Das heißt, auf dem Index landeten eher die Konkurrenzprodukte der aufkommenden Naturwissenschaften. (Sicherlich eine eher eine ungewollte Unterstützung...) Das ist aber eine gewichtige weitere Relativierung der Vorstellung, zwischen Kirche und Naturwissenschaften habe es eine klare Gegnerschaft gegeben. Ebenfalls erstaunlich: Das meistzensierte Buch war die Bibel - nämlich in der Form nicht autorisierter Übersetzungen. Und der berühmte Katholik Erasmus von Rotterdam war mit seinem ganzen Lebenswerk auf dem Index. - Lässt das eine Vermutung zu: Der Index diente eher dazu, "die eigenen Reihen geschlossen zu halten", weniger dazu, sich mit expliziten Abweichlern zu beschäftigen? Das heißt, der Index war kein Instrument der Stärke sondern von Beginn an (16. Jahrhundert) ein Instrument der Schwäche, in dem vergeblichen Versuch, sich gegen eine neue Technologie der Meinungsverbreitung, dem Buchdruck zu wehren! - fv

Erstellt von al | | Deutsch | Anthropologie | Bioethik | Wissenschaftsgeschichte

Monströs vereinfacht

Die Erschaffung Frankensteins gilt als monströses Unterfangen und abschreckendes Beispiel. Tatsächlich ist "Frankenstein" der Name des Schöpfers und nicht seines mythsichen Geschöpfes. Der Artikel rekapituliert Rezeption und Entstehungsgeschichte der Romanvorlage im naturgeschichtlichen Zusammenhang und aktualisiert die Fragestellung anhand der Notwendigkeit moderner Technikfolgenabschätzung. Mit Bruno Latour resümiert der Artikel, um unsere Technologie müssten wir uns kümmern wie um unsere Kinder: einsehen, dass sie nicht perfekt sein können, dass sie immer wieder Probleme machen werden - und dass wir sie dabei begleiten müssen. Alles andere wäre eben "monströs vereinfacht". - al

Erstellt von fv | | Evolution | Deutsch | Epigenetik

Konterrevolution der Darwinisten?

Eine Grundlagendiskussion in der Evolutionsbiologie? Seit etlichen Jahren ist die Epigenetik das Forschungsfeld viele Forschungsprojekte. Das ist nicht neu. Neu ist allerdings, dass manche Studien darauf zielen, die bisherigen Grundlagen der Evolutionsbiologie zumindestens zu erweitern. Neben die grundlegenden Mechanismen von Mutation und Selektion treten dann auch epigenetisch Einflüsse. Der Streit geht schlicht um die Frage, in welchem Umfang Umwelteinflüsse Auswirkungen auf vererbte Eigenschaften haben. Die Tatsache, dass es Einflüsse gibt, ist heute unstrittig, die Frage aber ist, wie weit diese gehen. Der angehängte Artikel führt einige Positionen an, die nahe legen, dass der Einfluss der Epigenetik weit größer ist als bislang gedacht. Es gibt aber auch kritische Stimmen. Diese beschränken die Wirkung der Umwelteinflüsse auf wenige Generationen. In diesem Fall bliebe die klassische Evolutionsbiologie unberührt, denn die interessiert sich nicht für kurzfristige Schwankungen, sondern für langfristige Trends. Eine entscheidende Frage ist, ob epigenetische Einflüsse auch Veränderungen im Genom bewirken können und nicht nur Veränderung der Regulationen in der Zelle! - fv

Erstellt von al | | Deutsch | Astronomie | Außerirdische

Die Dünste der Außerirdischen

Wann ist ein neuer Exoplanet noch eine Nachricht wert? Der kurze Artikel macht zurecht auf die Gefahr aufmerksam, durch immer neue Meldungen der Entdeckung einer zweiten Erde (die dann doch nicht näher bestimmt werden kann) abzustumpfen, wenn man eines Tages tatsächlich einmal einen erdähnlichen Planeten finden sollte. Aufschluss darüber könnte die jetzt anlaufende Phase der Exoplanetenforschung geben, die versucht anhand der Spektra der Planeten ihre Atmosphäre zu bestimmen und ggf. Lebenszeichen auszumachen. - al

Erstellt von al | | Deutsch | Anthropologie | Psychologie | Tod | Künstliche Intelligenz

Virtuell in alle Ewigkeit

Forscher wollen Verstorbene als digitale Klone wiederkehren lassen, unsere Online-Daten sollen diese Abbilder speisen. Der kanadische Informatiker Hossein Rahnama, Experte für Künstliche Intelligenz, will digitale Klone Verstorbener erzeugen, z.B. als lebensechtes Hologramm für die virtuelle Realität. Sollte ihm das gelingen, könnte man künftig Oma und Opa für immer um sich haben, ohne Zauberei, dafür mit Big Data und Künstlicher Intelligenz (KI). Den Begriff des Klons kann man missverstehen, das Wort "digital" ist hier entscheidend. Erstens, weil das Ich mit dem Gehirn stirbt. Ein virtuelles Abbild wird vielleicht wissen, dass es einmal ein biologisches Vorbild hatte, ein eigenes Bewusstsein entwickeln wird es hingegen nicht – "so weit ist die KI noch nicht", gibt Rahnama zu. Und zweitens, weil nicht der gesamte Mensch die Vorlage für den digitalen Klon bildet, sondern lediglich sein Online-Verhalten. "Jeder von uns läuft mit einer Vielzahl von Sensoren in der Tasche herum und erzeugt eine Flut an Daten, die ausreichen, um mit Algorithmen das Verhalten eines Menschen zuverlässig vorhersagen zu können." Das stößt direkt hinein in die alte Debatte um den freien Willen und damit ins Wesen des Menschseins. Abgesehen davon, was ist davon zu halten? "Wir verdrängen den Tod, indem wir symbolische Unsterblichkeit anstreben", sagt Sheldon Solomon, Sozialpsychologe am Skidmore College in Saratoga bei New York. Virtuelle Klone von Verstorbenen könnten aber auch Trauernde dabei unterstützen, die Verbindung zu den Toten zu bewahren und in die neue Realität zu überführen. Am Ende kommt es darauf an, wie wir mit dieser möglichen Technik umgehen. - al