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Schöpfungsglauben mit guten Gründen - Radio Vatikan

Bischof Fürst wies darauf hin, dass Evolutionstheorie und Gottesglaube für "unaufgeregte Betrachter" keinen Gegensatz darstellten. Es handele sich um zwei Sichtweisen auf das Schöpfungsgeschehen, "einerseits um die naturwissenschaftliche Erklärung, andererseits um die theologische Deutung der Weltentstehung". In unverantwortlicher Weise würden solche Atheisten ein Zerr-Gottesbild von einem "Riesen-Handwerker" aufbauen, das sie dann umso leichter zerstören könnten. "Nach christlichem Schöpfungsverständnis verlockt Gott als Schöpfer seine Schöpfung geradezu zum Entstehen neuer Möglichkeiten", sagte der Bischof und zitierte Aussagen verschiedener Päpste zur Vereinbarkeit von Evolutionslehre und Gottesglauben. Er erinnerte an den französischen Theologen und Naturwissenschaftler Teilhard de Chardin, der das Handeln des Schöpfers so umschrieb: "Gott macht, dass die Dinge sich selber machen." Pressemitteilung: drs/ Uwe Renz

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Über Gott und die Welt - zum Neuen Atheismus - Tagesspiegel

Der Artikel berichtet über ein am Anfang stehendes DFG-Projekt zum "Neuen Atheismus" (siehe auch Art. vom 4. Mai), das von Religionswissenschaftlern der FU Berlin durchgeführt wird. Die ersten Eindrücke der Studie: Der Neue Atheismus ist "nicht aggressiver ... als der traditionelle", was mich etwas erstaunt hat. Immerhin räumt man ein, dass er "medial geballter auftaucht und regelrecht inszeniert wird", dass die Atheismus-Debatte "ein großes Medienecho" ausgelöst habe und Redner wie Dawkins auch hierzulande "in überfüllten Sälen" sprechen. Auch fände die Diskussion "nicht mehr nur unter Intellektuellen, sondern inmitten der Gesellschaft statt". Auf die Grundvorwürfe, Religion ist a) falsch und b) schädlich, gäbe es "mindestens zehn Mal so viele apologetische Erwiderungen von religiöser Seite". So sei auch durch die Buskampagne "kein einziger Gläubiger zum Atheismus bekehrt" - versichert jedenfalls die Website der Buskampagne, die vorgeblich nicht missionieren will - hhp

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Bücherschau zum Darwin-Jahr: Lebenshilfe und andere Erklärungen - Frankfurter Rundschau - Feuilleton

Den meisten der von Christian Schlüter besprochenen 8 Bücher sei gemeinsam, dass sie den vielzitierten "Kampf ums Dasein" als Missverständnis oder tendeziöse Übersetzung entlarven wollten. "struggle for life" und "survival of the fittest" hätten eher mit "fit" i.S.v. Passung, Anpassung zu tun als mit "gewalttätiger Überlegenheit". Darwin sei weder Rassist noch Utopist gewesen, noch habe er die Selektion normativ auf die Gesellschaft übertragen wollen. Überhaupt schätzt der Autor Darwins kluge Selbstbeschränkung und vermutet, dass der Darwinismus "immer dann überfordert [ist], wenn er die ganze Welt erklären soll". Darum warnt Schlüter vor einem "reduktionistischen Szientismus" à la Thomas Junker und rät, sich eher als Agnostiker denn als Atheist zu verstehen, da die Frage nach Gott "mit unseren Mitteln nicht beantwortbar" sei. So scheint es paradox, wenn er am Ende dennoch als Darwins Entdeckung ausgibt, "dass wir die Natur nicht länger als Gottes Schöpfung ... zu begreifen haben" - hhp

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Sind wir nicht alle ein bisschen Fisch? - Sueddeutsche.de

In einem amüsanten Artikel schildert Katrin Blawat, wie sehr der Mensch mit den Tieren verwandt ist. Primaten als Vettern zu betrachten, ist für viele schon ein Zumutung; nun liest man: "Physisch sind wir Menschen noch immer Fische, wenn auch stark modifizierte". In der Tat erinnert jedes Körperteil an unsere Herkunft aus dem Wasser. Vor allem unsere Gebrechen erscheinen vor dem Hintergrund unserer Entstehungsgeschichte plausibel: Wäre der Mensch von Grund auf als zweibeiniges Landlebewesen eigens designed worden, würden ihn weder Knie- noch Rückenschmerzen plagen, und er hätte keinen Schluckauf - einen intelligenten Designer vorausgesetzt. Die Realität sieht bekanntlich anders aus und kann gut als Dämpfer für Intelligent-Design-Gläubige verstanden werden, nicht aber als "Dämpfer für alle, die den Menschen als Krone der Schöpfung sehen" - das ist eine komplett andere Kategorie. "Krone der Schöpfung" ist genau wie "Dornenkrone der Evolution" (Wuketits) Weltanschauung, nicht Biologie - hhp

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Gedanken über Zufall und Bestimmung - Nürnberger Zeitung

Zufällig (!) zeitgleich zu unserer Tagung zum Thema "Zufall" (siehe unter Aktuelles) bietet die Nürnberger Zeitung meditative Gedanken über Zufall und Bestimmung. Die Kernfragen des Artikels waren auch die Hauptdiskussionspunkte der Tagung: Wie hängt Zufall mit naturwissenschaftlicher Kausalität auf der einen, wie mit göttlichem Wirken auf der anderen Seite zusammen? Ein entscheidender Unterschied jedoch: Der Artikel kennt nur den sog. "epistemischen" Zufall, das unbeabsichtigte Kreuzen zweier Kausalreihen, das sich nur "mangels näheren Wissens jeder gesetzmäßigen Beschreibung entzieht". Ein solcher Zufall ist noch mit einem mechanistisch-deterministischen Weltbild vereinbar, ein Weltbild, in dem Freiheit letztlich eine Illusion darstellt. Die Tagung machte sich demgegenüber die Erkenntnisse der modernen Physik über "echten" Zufall zunutze und konnte damit auch "echter" Freiheit Raum eröffnen - hhp

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Zukunft der Gentechnik: Plädoyer für den ultimativen Tabubruch - Wissenschaft - SPIEGEL ONLINE

Richard Dawkins plädiert dafür, sich mit dem Gedanken der Kreuzung von Mensch und Tier anzufreunden. Einen qualitativen Unterschied zwischen Tier und Mensch zu behaupten ist für Dawkins Essentialismus und "zutiefst unevolutionär". Evolutionär und naturwissenschaftlich fassbar ist jedoch die Leidensfähigkeit, die am Nervensystem festzumachen sei. Die Summe des Leidens wird zum Kriterium der Schutzwürdigkeit, was Dawkins Ethik zu einer utilitaristischen macht - ausdrücklich in seinem "Gotteswahn", 407. Dort findet sich auch der typische naturalistische Fehlschluss, wenn Dawkins darauf hinweist, "dass die Mehrzahl aller Embryonen ohnehin ganz von selbst kurz nach der Befruchtung als Fehlgeburt abgestoßen wird" (410). Motto: Wenn die Natur tötet, darf der Mensch das auch! Tier-Mensch-Mischwesen nun würden die Enttabuisierung weiter vorantreiben - für Dawkins ein "freudiger Schauer". Und für uns der Hinweis, dass sich Menschenwürde rein evolutionstheoretisch nicht begründen lässt - hhp

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Philosoph Richard David Precht und die Darwinismus-Debatte - Nürnberger Zeitung

Precht schafft es immer wieder, populär zu sein ohne schwarz-weiß zu malen! So sind für ihn Kreationismus und militanter Darwinismus nur komplementäre Fundamentalismen. Zu Recht weist er auf die paradoxe Situation hin, dass Dawkins überzogener Allerklärungsanspruch den Kreationimus geradezu stärke. Darauf hat jüngst schon der Evolutionsbiologe Reinhold Leinfelder (http://achdulieberdarwin.blogspot.com/2009/03/instrumentalisierung-von-darwin-durch.html) hingewiesen: Etwas besseres als Dawkins könne dem Kreationismus gar nicht passieren! Zurück zu Precht, der auf die derzeitigen (!) Grenzen evolutiver Erkenntnis hinweist: über die Mechanismen der Evolution wissen wir sehr wenig, die Entstehung des Lebens gar ist "Spekulation und weit entfernt von Wissenschaft". Precht kann unbefangen über solche Defizite sprechen, weil er unverdächtig ist, sie sofort theologisch auszubeuten: Sein "Ich misstraue jedem Gottesbeweis" liefert denn auch den Haupttitel des Artikels - hhp