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Gestalten ohne Gestalter - Charles Darwin und die Evolution - sueddeutsche.de

Der Artikel rückt dem Kernargument der Intelligent-Design-Protagonisten zu Leibe: der "irreduziblen Komplexität". Das Argument geht davon aus, dass komplexe Organe nur als Ganzheit funktionieren und damit nur als Ganzheit einen Selektionsvorteil haben können ("Was nützt ein halbes Auge"). Ein Auge könne also nicht über lange Zeiträume in kleinen Schritten entstanden sein, wie die Evolutionstheorie annimmt. Demgegenüber macht der Artikel an den Beispielen Auge, Flügel und Bakterienflagelle (Klassiker der ID-Argumentation) plausibel, dass es funktionsfähige, und damit vorteilhafte Zwischenstufen geben kann. Der Schluss von einem momentanen Unwissen auf eine grundsätzliche Unerklärbarkeit (die dann den Eingriff eines intelligenten Designers erforderlich macht) ist eben ein Fehlschluss, wie die genannten Beispiele empirisch unterfüttern - hhp

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"Die Kirche hat Darwin nie akzeptiert" - Tagesspiegel

Neo-Atheist Schmidt-Salomon legt es darauf an, die Unvereinbarkeit von Evolutionstheorie und Schöpfungsglauben zu demonstrieren. So akzeptiere die Kirche nicht, "dass die höheren geistigen Funktionen, das, was die Kirche Seele nennt, eben auch evolutionär entstanden ist". FALSCH! Die höheren geistigen Funktionen sind nicht mit dem theologischen Seelenverständnis identisch. Die theologische Kategorie einer besonderen Erschaffung im Sinne eines besonderen Gewolltseins (Ratzinger) ist keine naturwissenschaftliche Kategorie und kann dazu nicht im Widerspruch stehen. Auch die Aussage, Religion führe "zu einer deutlichen Abgrenzung gegenüber den Menschen außerhalb der Gruppe", überzeugt nicht, steht sie doch in krassem Gegensatz zu einer jesuanischen Ethik der Feindesliebe und der Aufnahme Ausgegrenzter. Dass es faktisch Ausgrenzungen gibt, ist unbestritten. Nur: den faktischen Missbrauch als das Wesen der Religion auszugeben, ist ein Fehlschluss.

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Darwins Theorie löst zentrale Probleme der Biologie nicht - idea.de - Nachrichten des Tages - Detailartikel

Das evangelikale Nachrichtenmagazin "idea" berichtet von einem Symposium in Regensburg; Titel: „Atheistischer und jüdisch-christlicher Glaube: Wie wird Naturwissenschaft geprägt?“. Bei den Veranstaltern (Professorenforum, Keplerforum) und dem Referenten Siegfried Scherer, Mitautor des bekannten evolutionskritischen Lehrbuchs, lässt sich leicht eine Nähe zur Intelligent-Design-Bewegung vermuten. So wundert es nicht, dass Scherer auf die offenen Fragen der Evolutionsbiologie hinweist. Er wisse aber, dass dies auf manche Naturwissenschaftler provozierend wirkt. Und so fügt er laut idea-Nachricht hinzu: "Allerdings eigneten sich Lücken oder offene Fragen nicht als Gottesbeweis". Mir scheint dies eine ganz neue und wichtige Akzentsetzung zu sein - hhp

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Veranstaltungsbericht: Darwin und die Theologie - humanistischer pressedienst

Der "humanistische pressedienst", Print- und Onlinemedium des neuen Atheismus, berichtet über eine Tagung der Uni Graz zu "Darwin und die Theologie". Dass über die theologischen Beiträge der Veranstaltung polemisiert wird, erstaunt freilich nicht. Der Tenor ist durchweg suggestiv und legt immer wieder die Nähe von moderner Theologie zu Intelligent Design oder Kreationismus nahe. So spricht der Autor beispielsweise vom "- dem Kreationismus nahe stehend verdächtigten, - Wiener Kardinal Johannes Schönborn". Dass hier der Vorname falsch wiedergegeben wird ist verzeihlicher als der Kreationismusverdacht. Schönborn hat sich immer und ausdrücklich vom Kreationismus distanziert - erfreulicherweise kürzlich auch von Intelligent Design. Daher ist es weder "erstaunlich" noch "bezogen auf die Äußerungen seines Bischofs ... mutig", wenn sich Theologen nicht von der Evolutionstheorie, wohl aber von Kreationismus und ID distanzieren. Das alles könnte man wissen, wenn man es denn wissen wollte - hhp

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John Lennox: "Apostel waren Verteidiger des Glaubens"

Im christlichen Medienmagazin "pro" wirbt der Dawkins-Kontrahent und Mathematikprofessor aus Oxford, John Lennox, für eine christliche Apologetik gegenüber dem neuen Atheismus. Anlass war der 60. Geburtstag von Jürgen Spieß, Leiter des "Instituts für Glaube und Wissenschaft" der Studentenmission in Deutschland (SMD).

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"Der Glaube ist eine Waffe im Kampf ums Dasein" - Spektrum der Wissenschaft

Wolfgang Achtner, interdisziplinär engagierter evang. Theologe, weist auf einen weitgehend unbekannten Zeitgenossen Darwins hin. Der Zoologe und Mediziner Gustav Jaeger kann als Vordenker der Vereinbarkeit von Evolutionstheorie und Religion gelten. Jaeger stellte zwei empirisch prüfbare Fragen: Bieten Religionen einen Überlebensvorteil? Wenn ja, welche Religionen sind vorteilhafter? Achtner sieht darin das angedacht, was heute z. B. der Religionswissenschaftler Michael Blume auf solide empirische Füße stellt. Achtner sieht ein solches funktionalistisches Religionsverständnis nicht unkritisch, da es gerade zum Wesen einer Religion gehöre, "sich funktionalem Denken zu entziehen". Dennoch könne Jaeger für sich in Anspruch nehmen, ein Pionier der Vereinbarkeit zu sein - hhp

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Der Westen: Darwinismus: Der emporgekommene Affe

In einem Interview geht der Essener Biologe und Philosoph Hans Werner Ingensiep auf zentrale Implikate der Evolutionstheorie ein. Im Kontext der Frage, ob die Evolution ein Ziel kenne, erwähnt Ingensiep die neue Forschungsrichtung "Evo Devo", sieht aber weniger einen planenden Ingenieur als einen wilden Bastler am Werk. Dass in diesem Prozess Kultur mit ganz eigenen Gesetzen entstanden ist, macht Ingensiep mit einigen anschaulichen Beispielen klar. Er hält es für "höchst problematisch", das Selektionsprinzip auf die Kultur zu übertragen. Man erinnere sich an den Artikel von Hubert Markl, für den die Entstehung der Kultur einen "Umschlag von Quantität in neue Qualitäten" bedeutete (siehe 12.02.09: 200 Jahre Darwin).