Presseschau - englischsprachige Artikel

Die Presseschau bietet kurze aktuelle Lesehinweise , zusammengestellt und kommentiert von Silke Hartmann (sh),  Petra Kühn (pk), Heinz-Hermann Peitz (hhp) und Hildegard Peters (pts) von unserem Kooperationspartner Forum Grenzfragen, und von unseren Redakteuren Andreas Losch (al) und Frank Vogelsang (fv).

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Sam Harris' critique of Eben Alexander - Metaphysical Speculations

Bernardo Kastrup kommentiert die Sam-Harris-Kritik an der Deutung der Nahtoderfahrung von Eben Alexander (s. u.). Die Kritik beruhe letztlich auf einem alten materialistischen Einwand gegen Nahtoderfahrungen: Es könne nicht nachgewiesen werden, dass tatsächlich sämtliche Hirnfunktionen ausgeschaltet waren, und es sei denkbar, dass die Restfunktionen derartige Träume zusammenfabulierten. Die Frage sei aber die, wie ein beschädigtes Gehirn in der Lage sein soll, einen derart komplexen, kohärenten und scharfen Trip zum "Himmel" zu konstruieren. Kastrup vergleicht dies mit einem Auto, das normal fährt, obwohl alles bis auf die Zündkerzen defekt ist. Die Daten seien eine Herausforderung für neurowissenschaftliche Standarderklärungen, die man mit wissenschaftlichem Skeptizismus erst nehmen sollte, statt sie mit abartigen Spekulationen abzutun. In diesem Sinne nun wird Harris als unwissenschaftlich und populistisch manipulativ hingestellt - hhp

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This Must Be Heaven - Sam Harris Blog

Der Neoatheist Sam Harris ist bekannt für seine scharfe Kritik der Religionen, aber ebenso für sein Interesse an spiritueller Erfahrung. So zweifelt er auch nicht an der Nahtoderfahung Eben Alexanders (s. u. 6.10.) als "subjektives Phänomen", wohl aber am Realitätsanspruch und an der religiösen und anthropologischen Deutung, die außerdem mit objektiver Wissenschaft nichts zu tun habe. Harris bleibt bei der materialistischen Deutung, dass auch die Nahtoderfahrung nichts anderes als eine "emergente Eigenschaft der Gehirnaktivität" ist. Harris unterstellt Alexander neurowissenschaftliche Inkompetenz, denn "Koma geht nicht einher mit dem vollständigen Ende kortikaler Aktivität". Die Restaktivität des Gehirns könne die Nahtoderfahrung hervorrufen, die sich des weiteren durchaus mit Drogentrips vergleichen ließe - hhp

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Heaven Is Real: A Doctor’s Experience With the Afterlife - Newsweek

"Als Neurochirurg glaubte ich nicht an das Phänomen der Nahtoderfahrung" bekennt Eben Alexander am Anfang der Newsweek-Titelstory mit dem reißerischen Titel "Der Himmel ist real". In einem 7-tägigen Koma hatte Alexander dann selbst eine Nahtod- und damit eine Bekehrungserfahrung, die aus einem Taufscheinchristen einen bekennenden Auferstehungsgläubigen gemacht hat. Die tiefgehende Erfahrung habe ihm "wissenschaftliche Gründe gegeben, an ein Bewusstsein nach dem Tod zu glauben". Es gebe nämlich "keine wissenschaftliche Erklärung für die Tatsache, dass mein Geist, mein bewusstes inneres Selbst, lebendig und wohlauf war, während mein Körper im Koma lag". Bei "vollständiger Inaktivität" der Neuronen, reiste sein "hirnentbundenes Bewusstsein" zu einer "anderen, größeren Dimension des Universums", die real und nicht illusionär sei. Den Rest seines Lebens will er die "wahre, Natur des Bewusstseins" erkunden und Kollegen wie Laien vermitteln, dass wir sehr viel mehr sind als unser Gehirn - hhp

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Interview with Eugenie Scott during The MSF/DWB Charity Event 2012 - youtube

In diesem Interview entfaltet die Preisträgerin des diesjährigen Richard-Dawkins-Awards, Eugenie Scott, ausführlich ihre Stellung zur Religion, die sie so deutlich von Dawkins unterscheidet. Auch wenn sie selbst sich von Religion nicht angesprochen fühle, so erkenne sie doch an, dass die meisten anderen Menschen sich davon angesprochen fühlten. Unbestreitbar sei Religion ein extrem wichtiger und universeller Kulturfaktor mit Selektionsvorteilen, was nicht einfach abgetan werden könne. Sie habe sich durch ihre Arbeit am NCSE mehr mit Religion beschäftigt als so mancher andere Wissenschaftler, habe großen Respekt vor vielen religiösen Praktikern, die sie als sehr gebildete Menschen kennengelernt habe. Anders als für Richard Dawkins sei es auch nicht ihr Ziel, die Anzahl der Nichtgläubigen zu erhöhen. Dass dies nur ein Ausschnitt und Teilaspekt des Interviews war, sollte freilich nicht unerwähnt bleiben - ein Teilaspekt allerdings, der in unserem Zusammenhang von Wichtigkeit ist. - hhp

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Has Dawkins Changed His View on the Darwin Lobby? - ENV

David Klinghoffer, Mitarbeiter des Discovery Instituts (Intelligent Design Zentrum), nimmt die Preisverleihung an Eugenie Scott zum Anlass, Unstimmigkeiten und Inkonsequenzen bei Richard Dawkins herauszustellen. Dieser habe noch 2008 Scott und dem National Center for Science Education (NCSE) unterstellt, die Öffentlichkeit hinsichtlich ihrer wahren Einstellung zu Religion und Darwinismus getäuscht zu haben. Jetzt aber, bei der Preisverleihung, spiele Dawkins dies zu "freundlichen Meinungsverschiedenheiten" herunter. Was sei passiert? "2008 war das NCSE unaufrichtig, jetzt ist es aufrichtig." Entweder habe Dawkins Scott und das NCSE weichgezeichnet, oder es gebe für Dawkins taktische Gründe, die geäußerte Einstellungen des NCSE vermeintlich für bare Münze zu nehmen - hhp

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2012 Richard Dawkins Award goes to Eugenie Scott - Sceptical Science

Neben einigen Zitaten aus der Berichterstattung des Guardian (s. u.) liefert der Artikel weitere Hintergrundinformationen. So stellt er Scotts einschlägiges Buch "Evolution vs. Creationism" vor, dessen Vorwort kein Geringerer als Niles Eldredge, ein renommierte Paläontologe, verfasst habe, sowie ihre Rolle beim wichtigen Dover-Prozess, der 2005 dem Kreationismus einen entscheidenden Schlag versetzte. Der Artikel greift Scotts Bemerkung auf, sie werde wohl nie einen Ken Ham Award verliehen bekommen, und stellt Ken Ham als kreationistischen Exzentriker vor, der Noas Arche in Originalgröße nachbaue und behaupte, diese habe auch Dinosaurier enthalten. Der Artikel hat schließlich noch die Laudatio von Richard Dawkins und Beiträge von Scott eingebettet - hhp

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2012 Richard Dawkins Award goes to Eugenie Scott - Guardian

Der Richard Dawkins Award 2012 geht an Eugenie Scott, Direktorin des National Center for Science Education (NCSE). Der Preis sei Scott zuerkannt worden, wegen ihres "unermüdlichen Einsatzes für die naturwissenschaftliche Bildung". Richard Dawkins, Namensgeber des Preises und bekennender Atheist, bemerkte in seiner Laudatio: "Eugenie Scott gehört zu meinen allerliebsten Bekannten, auch wenn wir unsere zivilisierten Meinungsverschiedenheiten haben". Dass diese Meinungsverschiedenheiten in der unterschiedlichen Stellung zur Religion liegen, lässt der Artikel unerwähnt. Er blickt lieber auf den Konflikt zwischen Dawkins und Gould über die Mechanismen der Evolution. Denn Scott scherzte in ihrer Dankesrede: "Ich besitze nun Auszeichnungen sowohl im Namen von Stephen Jay Gould als auch von Richard Dawkins", und dies zeige, "dass ich mit jedermann auskomme". Allerdings könne sie sich nicht vorstellen, je einen "Ken Ham award" überreicht zu bekommen. Ken Ham ist Kurzzeitkreationist - hhp