Presseschau - englischsprachige Artikel

Die Presseschau bietet kurze aktuelle Lesehinweise , zusammengestellt und kommentiert von Silke Hartmann (sh),  Petra Kühn (pk), Heinz-Hermann Peitz (hhp) und Hildegard Peters (pts) von unserem Kooperationspartner Forum Grenzfragen, und von unseren Redakteuren Andreas Losch (al) und Frank Vogelsang (fv).

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Ray Comfort Responds to Genie Scott on Creationist 'Origin of Species' - God and Country

Als Antwort auf Scott sichert Comfort zu, dass die Darwinausgabe, die in einer Auflage von 170000 Kopien (!) an Studenten verteilt wird, den gesamten Text des "Origin" enthalten werde. Immerhin. Das Folgende ist eine Sammlung von typischer Evolutionskritik, zusammen zu fassen unter "irreduzierbare Komplexität" und "Fehlen von Übergangsformen". In diesem Zusammenhang gerät auch der von Scott bemühte gemeinsame Vorfahre von Mensch und Schimpanse in die Kritik. Es sei gerade die Entdeckung von Ardipithecus gewesen, welche die bisherige "Annahme, wir hätten uns aus uralten schimpansenähnlichen Kreaturen entwickelt, als ganz und gar falsch" erwiesen habe. Da hat er Recht! Aber Scott hat gar nicht behauptet, dass der gemeinsame Vorfahr schimpansenähnlich war, nur, dass es einen solchen gegeben hat. Und Scotts Aussage, "mehr Fossilien werden mehr Details bringen", dreht Comfort strategisch um: "Sie haben die Fossilien also immer noch nicht!" Mal gespannt, was Genie morgen dazu sagt - hhp

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Eugenie Scott about How Creationist 'Origin' Distorts Darwin - God and Country

Der Kreationist Ray Comfort gibt eine antievolutionäre Version von Charles Darwins "On the Origin of Species" heraus, die im November an Colleges verteilt werden soll. Eugenie Scott (siehe unsere RSNG-Tagung 2009) kritisiert, dass der Comfort-Version des "Origin" nicht weniger als 4 entscheidende Kapitel sowie Darwins Vorwort fehlten, darunter - wen wundert es - "Darwins stärkste Beweise für Evolution". Auch Darwins Entgegnung auf das vermutete Fehlen evolutionärer Übergangsformen im 9. Kapitel "sind interessanterweise in Comforts Version nicht enthalten". Scott benennt Beispiele für "Serien von klaren Übergangsformen" einschließlich der "wunderbaren Fossilreihe, die zum Homo sapiens führt". Für Scott ist der Fossilbefund so beeindruckend (sie erwähnt auch den neuen Fund "Ardi" und den gemeinsamen Vorfahren von Mensch und Schimpanse), dass die "Umrisse der menschlichen Evolution unter Experten nicht ernsthaft in Frage gestellt werden" - hhp

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Darwin, Laplace, and "God of the Gaps" Reasoning - Science and the Sacred

Darwins Theory ist weniger eine Anfrage an die Existenz Gottes als vielmehr eine Herausforderung für die Argumentation mit dem Lückenbüßergott. Darwin habe für die Biologie diegleiche Bedeutung wie Laplace für die Physik. Laplace bestritt nicht die Existenz Gottes, wohl aber schloss er die Lücken, die Newton noch als Gottesbeweis zuließ. So verhalte es sich auch mit Darwin: Evolution ist kein Argument gegen Gott, sie schließt aber die Erklärungslücke des komplexen Designs, eine Lücke, die viele als Gottesbeweis missbraucht haben - hhp

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Education in the Arab world - Economist.com

Unter dem Titel "Nachzügler versuchen aufzuholen" berichtet ein Beitrag u.a. über den beklagenswerten naturwissenschaftlichen Bildungsstand in der Arabischen Welt. Aufhänger ist der Hominidenfund Ardipithecus ramidus, der zu einigem Umdenken der Evolutionsbiologen geführt hat (allerdings nicht im Blick auf eine frühere Abspaltung des menschlichen Stammbaumastes, wie der Economist fälschlich behauptet). In der arabischen Welt führte der Fund erwartungsgemäß zu Schlagzeilen wie "Amerikanische Wissenschaftler entlarven Darwin" oder "Ardi widerlegt Darwins Theorie": ein Rückschlag für den westlichen Materialismus und ein Triumph für den Islam. Die hohe religiöse Bildung gehe auf Kosten der naturwissenschaftlichen, und seit einiger Zeit ist die Rückweisung der Evolutionstheorie durch Umfragen belegt, von denen der Artikel einige benennt - hhp

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Did Monogamy Begin 4.4 Million Years Ago? - Psychology today

Der Psychologe Christopher Ryan, Mitautor einer Publikation über die prähistorischen Wurzeln heutiger Sexualität, kritisiert die soziobiologischen Folgerungen, die Owen Lovejoy aus der Anatomie des Hominidenfundes Ardipithecus ramidus ableitet: dass bereits unsere Urahnen durch Liebe und Paarbindung verbunden waren. Ryan wundert sich, wie eine derart fehlerhafte und inkohärente Analyse Eingang in ein peer-reviewed und weltweit hoch angesehenes Journal wie "Science" finden kann. So sei der Schluss von reduziertem Wettbewerb zwischen den Männchen auf Monogamie nicht zwingend. Das Gegenteil zeigten die heutigen Schimpansen und Bonobos. Vier weitere Fakten zur Unterstützung der Monogamie-Hypothese (Verhältnis von Hoden zum Gesamtkörper; Samenproduktion; Penismorphologie; Extrapolation von heute) werden von Ryan entkräftet. Auch Lovejoys Schluss von reduzierten Reißzähnen auf Monogamie werde von den rezenten monogamen Gibbons widerlegt - hhp

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Evolution All Around - New York Times

Nicholas Wade hat sich Richard Dawkins "The Greatest Show on Earth" angenommen und attestiert Dawkins einen feinen Sinn für Ironie, den er ohne Gnade gegen Evolutionsgegner einsetze. Allerdings stellt Wade fest, dass Dawkins Begriff einer Theorie nicht wissenschaftlich sei: Für Dawkins sei Evolution mehr als "nur eine Theorie", nämlich ein wissenschaftlicher Fakt. Durch diese Definition rutsche er für Wade genauso ins Dogmatische wie seine Gegner, da Evolution zwar eine historische, jedoch keine wissenschaftliche Tatsache, sondern eben eine Theorie sei. Wade kritisiert besonders den Ton, den Dawkins wählt, wenn er von "Geschichtsverleugnern" spricht, die "schlimmer als ignorant" und "bis zur Perversion verblendet" seien. Dies sei weder wissenschaftlich noch zivilisiert. Kreationisten behaupten, Evolution sei nur eine Theorie; Dawkins sagt, es sei eine Tatsache. Jedoch geht Wade davon aus, dass keiner von beiden recht hat - sh

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Ardi, Humans and Primates - New York Times

Ardipithecus ist auch Gegenstand des Editorials der jüngsten New York Times. Herausgestellt wird die Hoffnung der Paläontologen, den letzten gemeinsamen Vorfahr von Affe und Mensch zu finden. Betont wird richtigerweise, dass "Ardi" nicht dieser gemeinsame Vorfahr ist. Dieser Fund demonstriere aber, wie schnell die frühen Hominiden einen eigenen Evolutionspfad eingeschlagen haben. Er zeige aber auch, dass die lebenden Primaten nicht den primitiven Stand eines gemeinsamen Vorfahren beibehalten hätten, sondern hochspezialisiert sind - aber durch ganz andere evolutionäre Wege. Diese wichtigen Einsichten schreiben die Geschichte der Hominiden-Evolution neu - hhp