Presseschau - englischsprachige Artikel

Die Presseschau bietet kurze aktuelle Lesehinweise , zusammengestellt und kommentiert von Silke Hartmann (sh),  Petra Kühn (pk), Heinz-Hermann Peitz (hhp) und Hildegard Peters (pts) von unserem Kooperationspartner Forum Grenzfragen, und von unseren Redakteuren Andreas Losch (al) und Frank Vogelsang (fv).

Erstellt von hhp | | Ardipithecus | Englisch | Evolution | Anthropologie

Online Extras: Ardipithecus ramidus - Science

Ein sensationeller Hominidenfund ist in einer Science-Sonderausgabe frei zugänglich. Der neue Fund, Ardipithecus ramidus tritt in eine zeitliche Lücke, die bisher zwischen Australopithecus ("Lucy") und dem letzten gemeinsamen Vorfahren von Affen und Mensch klaffte. Noch können Australopithecus und Ardipithecus nicht mit einer geschlossenen Linie verbunden werden: Die Kluft zu Austr. ist "enorm", so Ann Gibsons. Überhaupt wirft der Fund einige liebgewordene Hypothesen über Bord. Von dem bisher als schimpansenähnlich vorgestellten Urahn weicht Ardipithecus durch aufrechten Gang (nicht erst in der Savanne) und kleinen Eckzähnen deutlich ab. Das deutet auf eine veränderte Sozialstruktur: (a) Fürsorgliche Nahrungsbeschaffung (b) Paar-Bildung und (c) reproduktive Tarnung (Weibchen preisen nicht wie bei Schimpansen ihren Eisprung an). "Diese Verhaltensweisen dürften den männlichen Elternaufwand substanziell intensiviert haben - ein adaptiver Durchbruch ... bis zu uns", so Owen Lovejoy - hhp

Erstellt von hhp | | Komplexität | Englisch | Wissenschaftstheorie | Evolution

Can Evolution Run in Reverse? A Study Says It’s a One-Way Street - New York Times

Das Dollo'sche Gesetz der Irreversibilität der evolutionären Entwicklung hat nun auf molekularem Level eine Bestätigung erfahren. Neue Mutationen machten es der Evolution praktisch unmöglich, die Richtung umzukehren. "Sie brennen die Brücke nieder, welche die Evolution gerade überschritten hat", sagt der Autor des entsprechenden Nature-Artikels, die Biologe Joseph Thornton. Reversibilität sei nur bei äußerst einfachen Merkmalen (z. B. bei einer einzigen Mutation) denkbar. Werden neue Merkmale produziert mit verschiedenen wechselseitig sich beeinflussenden Mutationen, versperrt die Komplexität eine rückwärtige Evolution. Dieses sage nun Bedeutendes aus über den Kurs der evolutionären Geschichte. "Die natürliche Selektion kann eine Menge erreichen, aber in eingeschränkter Weise. Selbst harmlose, zufüllige Mutationen können ihren Pfad blockieren". Thornton weiter: "Die Evolution zu uns war nicht unausweichlich, sondern nur ein Wurf des evolutionären Würfels" - hhp

Erstellt von hhp | | Komplexität | Englisch | Schöpfung | Gottesbild | Evolution | Intelligent Design | Theodizee

Evolution and the Problem of Evil - Science and the Sacred

Der Beitrag von Karl Giberson stellt sich der schwierigen Theodizeefrage, die angesichts der zahlreichen Übel und der Vorstellung eines gütigen und allmächtigen Gottes aufbricht. ID-Anhängern gibt Giberson zu bedenken, dass es "schwer vorstellbar ist, dass Gott absichtlich derart üble Dinge designe". In der ID-Rhetorik sind die beschworenen "irredzierbar komplexen" Systeme immer nützlich oder schön; bei Blickerweiterung führen solche komplexen Maschinen aber ebenso Schmerz und Tod herbei. Diese dürfe man nicht unterschiedslos Gott zuschreiben. Die Evolution zeige nun, dass der Natur kreative Kräfte eigen sind. Diese Kräfte schaffen sowohl wunderbare, wie auch schreckliche Dinge; sie stammen zwar von Gott, werden aber von der Natur ausgeübt. Gott schafft durch Zweitursachen! Der Autor setzt die Gabe der Kreativität in Analogie zur Gabe der menschlichen Freiheit: Beides könne - von Gott unbeabsichtigt - zu Übeln führen. Damit nimmt der Autor "Gott aus der Verantwortung" - hhp

| Anthropologie | Englisch | Soziobiologie

Trustworthy vs lustworthy: the psychology of attraction - Times Online

"Ähnlichkeit ist vertrauensfördernd, aber nicht lustfördernd": Auf diese Kurzformel bringt Lisa DeBruine von der Universität Aberdeen ihre soziobiologischen Erkenntnisse. Versuchspersonen zeigten zu Menschen, die ihnen ähnelten, größeres Vertrauen als zu anderen. Die evolutive Wurzel davon ist die unbewusste Annahme, dass Ähnlichkeit auf Verwandtschaft schließen lasse - und damit vertrauensfördernd sei. Umgekehrt sei der Mensch darauf programmiert, nahe Verwandte sexuell unattraktiv zu finden, wodurch die Partnerwahl in den Zielkonflikt vertrauensvoll vs. lustvoll gerate. Partnerwahl spiele sich daher im Mittelfeld ab. Dies erkläre, warum wir geneigt seien, Partner zu wählen, die unseren Eltern ein wenig ähneln. Hat Ihr Partner etwa die gleichen Augen wie Ihr Vater? Jetzt wissen Sie, warum! hhp -- PS: Experimentieren Sie unbedingt auf DeBruines Website mit Gesichtserkennung und -manipulation.

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Review: The Greatest Show on Earth by Richard Dawkins - New Scientist

Ein weiteres Pro-Evolutions Buch könne nur gerechtfertigt sein - so der Rezensent Randy Olson -, wenn ein großer neuer Blickwinkel der Massenbekehrung eingenommen werde. Die Leserschaft für blöd zu halten, qualifiziere nicht gerade einen solchen neuen Blickwinkel. Genau dieses aber tue Dawkins. "Es hat etwas Komisches: Wenn das Auffinden gönnerhafter Herablassungen ein neues Trinkspiel wäre, na dann Prost! In jedem Kapitel wird man fündig." Auch wenn Dawkins im Vorfeld versichert, dies sei kein antireligiöses Buch, könne er es nicht lassen, der Religion durchgängig eins zu verpassen. Man bekomme den Eindruck, Dawkins habe dies nicht mehr unter Kontrolle. "Es ist, als leide er unter einer Form von antireligiösem Tourette-Syndrom" - hhp

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Research Indicates Earlier Debut in Europe For Refined Stone Tools - New York Times

Mit paläomagnetischer Datierung konnte herausgefunden werden, dass in Europa eine fortgeschrittenere Werkzeugherstellung schon vor ca. 800.000 Jahren stattfand - bisher ging man von 200.000 Jahren aus. Diese Erkenntnisse tragen zu der wachsenden Evidenz bei, dass der Mensch früher von Afrika nach Europa kam als bislang angenommen. Fraglich sei noch die Migrationsroute. Die Forscher vertreten die "provokative", aber gut begründete Interpretation, dass sie weniger über Nahost als vielmehr über Gibraltar verlief - hhp

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Where Did All the Flowers Come From? - New York Times

Auf die Evolution der Blütenpflanzen, mit denen Darwin so vertraut, deren Entwicklung ihm aber ein "schreckliches Rätsel" war, werfen nicht nur paläontologische, sondern vor allem aktuelle genetische Erkenntnisse neues Licht. So zeigt sich, dass sich die großartige Vielfalt der Blumen in vielfacher Hinsicht wie Augen und Extremitäten entwickelt hat: durch Wiederverwendung alter Gene für neue Aufgaben. "Die Natur erfindet Dinge nicht aus dem Nichts, sondern schafft Neues auf sehr einfache Weise", wird Dr. Friedmann, der an der Universität von Colorado diese Entwicklungen analysiert hat, zitiert - hhp