Presseschau - englischsprachige Artikel

Die Presseschau bietet kurze aktuelle Lesehinweise , zusammengestellt und kommentiert von Silke Hartmann (sh),  Petra Kühn (pk), Heinz-Hermann Peitz (hhp) und Hildegard Peters (pts) von unserem Kooperationspartner Forum Grenzfragen, und von unseren Redakteuren Andreas Losch (al) und Frank Vogelsang (fv).

Erstellt von hhp | | Englisch | Dawkins | Evolution

Richard Dawkins: the truth dogs reveal about evolution - Times Online

Ein zweiter Auszug aus Dawkins' neuem Buch vermittelt Evolutionsmechanismen anschaulich über die Entwicklung der Hunde. Wussten Sie z.B., dass der Hund längst über die natürliche Selektion domestiziert war, als die menschliche Zucht ansetzte? Oder, dass man an der Fuchs-Zucht evolutive Nebeneffekte studieren kann? Ein informativer Artikel, allerdings mit gewagtem Schluss. Dawkins lädt den Leser ein, die Entstehungszeit der unterschiedlichsten Hunderassen in die Vergangenheit zu extrapolieren, und schließt: "Es wird ziemlich einfach zu akzeptieren, dass die Evolution den Wandel bewerkstelligen konnte, der nötig war, um einen Fisch in einen Menschen zu transformieren". Diese scheinbar so plausible Extrapolation überspielt, dass es nicht nur um quantitative Veränderungen geht (wie vom Wolf zum domestizierten Hund), sondern um qualitative Bauplanänderungen (vom Fisch zum Menchen) - hhp

Erstellt von hhp | | Templeton Foundation | Englisch | Gottesbild | Intelligent Design | Evolution

On Reducing Irreducible Complexity, Part I - Science and the Sacred

Der Biologieprofessor Darrel Falk, Co-Präsident der von Templeton geförderten "BioLogos Foundation", blickt zurück in die Geschichte der Intelligent-Design-Bewegung: Als Stephen Jay Gould die Alleinherrschaft der natürlichen Selektion hinterfragte und (der Agnostiker) Michael Denton der Evolutionstheorie eine komplette Überholung empfahl, knüpft Michael Behe an den Unerklärtheiten an und deklariert sie zu grundsätzichen Unerklärbarkeiten - es sei denn, man führe einen intelligenten Designer ein. Diesen Schritt hält der Autor für mehr als tollkühn: "Die Geschichte der Wissenschaft hat wiederholt gezeigt, dass man nicht einfach ein wissenschaftliches Problem als Sackgasse deklarieren kann, wenn ein Forschungsfeld gerade zu seiner Blüte gelangt ist". Gott in wissenschaftlich Unbekanntes einzusetzen, verrate ein magisches Gottesbild und den Wunsch nach einem Beweis. Wissenschaft kenne wunderbare Hinweise auf Gott; Hinweise und Beweise seien jedoch sehr unterschiedliche Dinge - hhp

| Englisch | Theologie | Kreationismus | Evolution | Dawkins

Creationists, now they're coming for your children - Times Online

Nachdem sich Richard Dawkins, im "Gotteswahn" so richtig abreagiert und nicht nur den Kreationismus, sondern Religion insgesamt verteufelt hat, schlägt sein neues Buch "The Greatest Show on Earth" andere Töne an. Dawkins betont: "Oft und zu Recht wird gesagt, dass der höhere Klerus und Theologen kein Problem mit der Evolution haben, ja in vielen Fällen Wissenschaftler in dieser Hinsicht aktiv unterstützen". Aber: "Wir dürfen nicht selbstzufrieden annehmen, dass die Akzeptanz der Evolution durch Bischöfe und ausgebildete Priester auch für deren Gemeinden gilt". Umfragen zufolge leugneten hier im Schnitt 40% die Evolution. "Und das sollte die Kirchen ebenso beunruhigen wie Wissenschaftler". Darum appelliert er an die "aufgeklärten Bischöfe und Theologen, etwas mehr Anstrengung im Kampf gegen den antiwissenschaftlichen Unsinn zu zeigen". Es ist der gemeinsame Gegener "Kreationismus", der so ungleiche Elemente wie Dawkins und Theologen zusammenschmiedet. hhp AUSFÜHRLICH IN DER PRESSESCHAU

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A Grand Bargain Over Evolution - The New York Times

Robert Wright will den Kulturkampf zwischen atheistischen Wissenschaftlern und gläubigen Evolutionsgegnern schlichten, indem er auf eine Gemeinsamkeit beider Parteien hinweist: Beide unterschätzten die kreative Kraft der natürlichen Selektion. Nähmen Gläubige dies ernster, könnte auch die darwinistisch so schwer fassbare menschliche Moral plausibel erklärt werden. Wrights Hinweis auf den evolutiv gut erklärbaren "reziprokem Altruismus" greift indes zu kurz, da Moral qualitativ mehr ist als gegenseitiger Nutzen. Moralische Wahrheit sei jedenfalls ähnlich wie mathematische Wahrheit immer schon vorhanden, sie brauche von der natürlichen Selektion nicht erfunden, sondern nur gefunden werden. Diesen "Algorithmus der natürlichen Selektion" könne Gott freigesetzt haben (zur Freude der Gläubigen), aber "seine Rolle in diesem kreativen Prozess endet" damit auch (zur Freude der Naturalisten). Der Preis für die Befriedung indes ist hoch: Es ist der ferne Gott des Deismus! - hhp

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Richard Dawkins interview - Times Online

In ihrem Interview mit Richard Dawkins bemüht sich Stefanie Marsh, die menschliche Seite des Wissenschaftlers zu zeigen, auch wenn er dabei nie wirklich sympathisch wird. Die Anfangsepisode erzählt von Dawkins Hündin (eine Coton de Tuléar), die kurz vor dem Interview gestorben war; ihr Tod bewegt ihn sehr, da man laut Dawkins Hunde genauso lieben könne wie Menschen. Diese persönliche Seite wird in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen; er gilt als schriller Polemiker mit streitbarem Ton (Dawkins bezeichnet ihn als "klar"). Er gibt zu, dass er sich manchmal unverstanden fühlt. In seinem neunten Buch "The Greatest Show on Earth" zeigt er auf, warum Evolution wahr ist und er geht davon aus, dass niemand, der sein Buch gelesen habe, hinterher noch glauben könne, Evolution sei keine Tatsache. Vielen Menschen fehle einfach Information und Bildung. Die Fähigkeit, nicht klar zwischen Mythos und Wahrheit zu unterscheiden, verblüfft Dawkins, für den wissenschaftliche Wahrheit das Absolute ist - sh

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Atheist defends Intelligent Design - examiner.com

Die Rezension einer Rezension: James-Michael Smith gibt in diesem Artikel Tom Gilsons Rezension des Buches "Seeking God in Science: An Atheist Defends Intelligent Design" von Dradley Monton wieder. Monton ist Atheist und argumentiert in seinem Buch, dass ID eine stichhaltige Form von philosophischer und wissenschaftlicher Untersuchung sei, derer man sich annehmen solle statt sie grundsätzlich abzulehnen. ID sei nicht zwangsläufig mit einem Glauben an Gott verbunden, unterscheide sich vom Kreationismus, könne durchaus ins Schulcurriculum aufgenommen werden, sei weder primär politisch motiviert, noch die Basis einer theokratischen Verschwörung. Besonders gelobt wird Monton in beiden Rezensionen für seine Bereitschaft, ID objektiv, wissenschaftlich und unaufgeregt zu betrachten - und für seinen Mut, eine in der wissenschaftlich-universitären Welt völlig unpopuläre Haltung zu vertreten - sh

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Science Is in the Details - New York Times

Francis Collins, ehemaliger Kopf des Human Genome Project, ist als Direktor der National Institutes of Health nominiert worden. Und schon ärgern sich die militanten Atheisten. Nicht weil Collins Christ ist, sondern weil er "versierter Wissenschaftler und ein aufrichtiger Gläubiger" - und damit ein lebendes Zeugnis für die Vereinbarkeit ist. Genau diese Kombination behagt Sam Harris, Autor des vorliegenden Op-Ed, gar nicht: "Müssen wir wirklich die Zukunft der biomedizinischen Forschung einem Mann anvertrauen, der allen Ernstes glaubt, dass das Wesen des Menschen naturwissenschaftlich nicht verstehbar ist?" Gegenfrage: Sollten wir die biomedizinische Forschung einem Mann anvertrauen, der den Menschen restlos auf Naturwissenschaft reduziert? Klar, für Atheisten müssen Leute wie Collins ein Dorn im Auge sein; rationale Wissenschaftler, die sich vom Atheismus zum Theismus bekehren - ohne dement zu sein. Das passt nun so gar nicht in das Bild von Religion als infantiler Wahnvorstellung - hhp