Presseschau - englischsprachige Artikel

Die Presseschau bietet kurze aktuelle Lesehinweise , zusammengestellt und kommentiert von Silke Hartmann (sh),  Petra Kühn (pk), Heinz-Hermann Peitz (hhp) und Hildegard Peters (pts) von unserem Kooperationspartner Forum Grenzfragen, und von unseren Redakteuren Andreas Losch (al) und Frank Vogelsang (fv).

Erstellt von hhp | | Wissenschaftsgeschichte | Soziobiologie | Englisch | Anthropologie

Alison Jolly, 76, Dies; Discovered Female Dominance in Lemurs - New York Times

Der Tod der Primatologin Alison Jolly ist Anlass für den Artikel, das Lebenswerk der Forscherin zu würdigen. Ihre Feldstudien an Lemuren warfen neues Licht auf die Evolution sozialer Intelligenz und halfen, ein hartnäckiges wissenschaftliches Dogma zu widerlegen, dass nämlich Männchen in jeder Primatenart die dominierende Rolle spielen. Jolly legte nahe, dass die zahlreichen Stunden, die Lemuren mit Spiel, gegenseitiger Fellpflege und sozialem Netzwerken verbringen, genauso wichtig für die Evolution der Intelligenz waren wie die Entwicklung von Waffen und Werkzeugen für Jagd und Schutz. Die Entdeckung der weiblichen Dominanz erregte sehr viel mehr Aufsehen, stellte sie doch eine evolutionsbiologische Grundannahme auf den Kopf, die an Schimpansen und Orang-Utans in Gefangenschaft gewonnen worden war: Die Dominanz der Männchen über die Weibchen - die menschliche Spezies eingeschlossen. Jollys Entdeckung ist schließlich - nicht ohne Widerstände - akzeptiert worden. - hhp

Erstellt von hhp | | Kreationismus | Englisch

Debunking Bill Nye's Arguments - debatelive.org (answers in genesis)

Auf kreationistischer Seite hat die Livediskussion zwischen Bill Nye und Ken Ham offenbar Schadensbegrenzung erforderlich gemacht. Da Ham "oft nicht in der Lage war, direkt auf die vielen Äußerungen zu antworten", bessert jetzt unter dem Titel "Bill Nyes Argumente entlarvt" eine Linksammlung nach, die parallel zur Videodiskussion mitläuft. Die Links führen zu kurzzeitkreationistischen Perspektiven auf die jeweiligen Teilthemen. - hhp

Erstellt von hhp | | Kreationismus | Englisch

Bill Nye Wins Over the Science Crowd at Evolution Debate - NBC News

Alan Boyle, Wissenschaftsjournalist bei NBC, berichtet über eine öffentliche Livedebatte zur Kontroverse Evolution vs. Kreationismus. Wissenschaftspädagoge Bill Nye war der Einladung des Kurzzeit-Kreationisten Ken Ham in dessen "Creation Museum" gefolgt. Einige Wissenschaftler seien im Vorfeld skeptisch gewesen, nach dem Schlagabtausch zollten sie Nye jedoch Respekt für seinen offensichtlichen Sieg. Hams Aussage, kein wissenschaftlicher Beleg könne seine Meinung ändern und ihn von einer wortwörtlichen Genesisinterpretation abhalten, scheint ein entscheidender Grund für Hams Niederlage gewesen zu sein. Selbst Langzeit-Kreationisten und Intelligent Design Befürworter fühlten sich - so NBC - von Ham nicht angemessen repräsentiert und kennzeichneten das Event als - aus ihrer Sicht - "verpasste Gelegenheit". In dem Artikel ist die Diskussion in voller Länge eingebettet. - hhp

Erstellt von hhp | | Kreationismus | Dawkins | Atheismus | Englisch

The God decision - Aeon Magazine

Der Titel deutet es bereits an: Michael Ruse bezieht sich auf Richard Dawkins' "The God Delusion" (dt. Der Gotteswahn) und dessen steile Behauptung, dass religiöse Erziehung Kindesmissbrauch sei. Hiervon grenzt sich Ruse ausdrücklich ab, wenngleich er mit Dawkins die atheistische Weltanschauung teilt. Die eigene religiöse Sozialisation wertet Ruse als positiv, habe sie ihn doch zu selbstständigem Denken ermutigt und moralisch wie sozial vorbildlich geprägt. Dass er sich letztlich vom Glauben distanziert habe, beruhe auf guten Gründen, allen voran der Theodizeefrage. Gleichermaßen räumt er ein, dass auch Gläubige für ihre religiöse Einstellung gute Gründe ins Feld führen können, z. B. wenn es um die Frage gehe, warum überhaupt etwas existiere und nicht vielmehr nichts, oder warum es zu Bewusstsein und Empfindungsfähigkeit gekommen sei. Vor dem Hintergrund einer auf guten Gründen basierenden religiösen Option sei es für Eltern sogar eine moralische Verpflichtung, die eigenen Kinder religiös zu erziehen. Anders sehe es aber bei religiösem Fundamentalismus oder Religionsformen aus, die allgemein anerkannte (z. B. wissenschaftliche) Erkenntnisse nicht akzeptierten und die sich deshalb nicht auf "gute Gründe" berufen könnten. In dieser Form zu erziehen, hält Ruse nicht für tolerabel. - hhp

Erstellt von hhp | | Bilder | Englisch | Hirnforschung | Nahtod-Erfahrung

Near-death experiences: Electrical surge in dying brain - BBC News

Eine Welle elektrischer Hirnaktivität könnte für die lebendigen Nahtoderfahrungen verantwortlich sein - berichtet BBC-News im Rückgriff auf eine Studie, die an sterbenden Ratten durchgeführt wurde. Die Studie widerlegt offenbar die gängige Annahme, dass das Gehirn nach dem klinischen Tod weniger Aktivität aufweise als im Wachzustand, was definitiv nicht der Fall sei. Innerhalb von 30 Sekunden nach dem Herzstillstand wurde ein steiler Anstieg hochfrequenter Gehirnströme gemessen, die zu den neuronalen Merkmalen gehören, die vermutlich auch menschlichem Bewusstsein zugrunde liegen. Die Leiterin der Studie hält es für möglich, dass diese erhöhte Hirnaktivität Nahtodvisionen hervorrufen kann. Dazu müssten die Ergebnisse allerdings an Menschen bestätigt werden. Vor allem müsse - so ein Kommentator - der genaue Zeitpunkt der Nahtoderfahrung bestimmt werden. Ein abschließender Kommentator warnt vor voreiligen Schlüssen von Rattenexperimenten auf menschliche Erfahrung - hhp

Erstellt von pts | | Physik | Wissenschaftstheorie | Higgs Teilchen | Englisch

Fairytale of New Physics - TheGuardian

Jon Butterworth, Professor für Physik am University College London, wehrt sich gegen Kritik, die Autoren wie Jim Baggott und Lee Smolin an der aktuellen Teilchenphysik üben. Diese kritisieren, die Teilchenphysik ergehe sich in spekulativen, empirisch nicht überprüfbaren Theorien wie der String-Theorie und bewege sich somit abseits wissenschaftlicher Standards. Butterworth hält dagegen: Wissenschaft benötige sowohl Spekulation als auch das strapazierfähige Experiment. Die empirischen Befunde würden dann die Theoriebildung in die richtige Richtung lenken. Die Entdeckung des Higgs-Teilchens gilt ihm als Beispiel sowohl für die Überprüfbarkeit der Hypothesen der Teilchenphysik als auch für das gelungene Zusammenwirken von Theoriebildung und Experiment: Higgs und seine Kollegen hätten sich mit ihren Ideen abseits des wissenschaftlichen Mainstreams befunden. Die ermittelten Daten hätten sie jedoch bestätigt und so auch die Richtung des wissenschaftlichen Mainstreams verändert - pts

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Time Reborn by Lee Smolin; Farewell to Reality by Jim Baggott – review - TheGuardian

Während die aktuelle Physik Zeit überwiegend für eine Illusion halte, sehe Smolin Zeit als eine Realität an. Die gegenteilige Annahme stelle eine logische und metaphysische Sackgasse dar, in die man sich durch die Suche nach einer allumfassenden Welterklärungstheorie hineinmanövriert habe. Diese Idee setze nämlich eine Natur voraus, die von ewigen Naturgesetzen regiert werde. Smolin gehe dagegen von einer kosmischen Selektion aus. Diese habe eine Abfolge durch Schwarze Löcher hervorgerufener Universen (mit unterschiedlichen Naturgesetzen) hervorgebracht, die sich zu solchen Universen wie dem unseren hin entwickeln würde. In einem solchen Szenario müssten die Gesetze der Physik sich im Laufe der Zeit verändern. Bagott seinerseits kritisiere die theoretische Physik, sich in märchenhaften Theorien, wie der String-Theorie, Brane-World-Theorien oder der M-Theorie zu ergehen, die ungesicherte Annahme aufeinander türmen würden, die sich jeder experimentellen Überprüfung entzögen - pts