Presseschau

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Die Presseschau bietet kurze aktuelle Lesehinweise , zusammengestellt und kommentiert von Silke Hartmann (sh),  Petra Kühn (pk), Heinz-Hermann Peitz (hhp) und Hildegard Peters (pts) von unserem Kooperationspartner Forum Grenzfragen, und von unseren Redakteuren Andreas Losch (al) und Frank Vogelsang (fv).

Erstellt von al | | Deutsch | Hawking | Anthropologie | Physik

Gespräch mit Marsianern

Theoretiker wie Stephen Hawking oder Edward Witten, der Vordenker der geheimnisvollen Stringtheorie, sind in ihren ganz eigenen Denkwelten unterwegs. Der Artikel berichtet von Interviews, zunächst mit Witten (Princeton). "Doch nicht umsonst haben ihn seine Studenten den "Marsianer" getauft; tatsächlich scheint der Mann in einer außerirdischen Gedankenwelt zu leben, in der die Hirnprozesse extrem beschleunigt ablaufen." Auch mit Hawking (Cambridge) führte der Autor ein Interview. "Stephen Hawking ist ein Popularisierer, der selbst schwierigste physikalische Themen scheinbar leichthin zu erklären vermag." Dennoch fühlt der Autor sich als Zwerg, und so lautet das Fazit des Artikels: In Princeton und Cambridge wurde dem Autor klar, wie klein und unbedeutend die eigene Existenz ist. - al

Erstellt von hhp | | Anthropologie | Bioethik | Evolution | Organtransplantation | PID | Transhumanismus | Deutsch

Der ganz reale Transhumanismus - hpd

Die Philosophin und Theologin Daniela Wakonigg bedenkt zunächst theoretisch die Möglichkeiten der Verbesserung des Menschen durch sich selbst (Transhumanismus). Angezielte Verbesserung sei dabei nichts Neues: Es gebe "zwischen Ötzis Pelzmantel und dem verpflanzten Herzen ... nur einen graduellen Unterschied". Erst die Gentechnik habe einen qualitativen Sprung erlaubt, indem die Nachkommenschaft genetisch optimiert werden könne; nicht nur durch pränatale Selektion, sondern auch durch präkonzeptionelle Auswahl des Fortpflanzungspartners. Hier setze i. a. Ethik ein: Was heißt "Verbesserung" und welche Auswahlkriterien sollen es sein: Krankheit, Intelligenz, Schönheit, Stärke? Wer entscheidet? Gibt es den Dammbruch? Wichtige Fragen, sicherlich. Aber - so der Clou des Artikels - es gebe sie "schon längst, die Selbstoptimierung des Menschen durch die Genforschung". Das beweise, dass der Mensch keine ethischen Diskussionen abwarte, wenn es um Selbstverbesserung gehe, die offenbar in der menschlichen Natur liege. In dieser Natur liege es aber auch, manches von der Selbstoptimierung auszuschließen wie das Streben nach Macht und Reichtum. Und es erscheint der Autorin nicht unwahrscheinlich, "dass genau dieser Spagat zwischen Selbstoptimierung einerseits und Selbstoptimierungsresistenz andererseits den Menschen letztlich seinen Kopf kosten wird". - hhp

Erstellt von al | | PID | Deutsch | Anthropologie

Maßmenschen

Über kurz oder lang werden die ersten Babys mit künstlich verändertem Erbgut geboren werden, lautet die Einschätzung in der betreffenden Szene. Die Frage ist nun: Wie, wann, wofür und für wen soll man die Genomschneiderei erlauben? Der Mechanismus, CRISPR/Cas9 (kurz Crispr), ist simpel zu handhaben, billig und hocheffizient. Im Erbgut einer Zelle funktioniert er gleichsam wie die Suche-und-Ersetze-Funktion einer Textverarbeitung. Beliebige Gene lassen sich damit zielgenau austauschen. Wirklich erforderlich ist Crispr aber nur dann, wenn ein genetisch veränderter oder verbesserter Mensch erzeugt werden soll. Um den Homo crispr zu erschaffen, den Menschen mit Erbanlagen und Eigenschaften, wie sie uns die Genlotterie der Natur nicht oder nur selten bietet, dafür muss man gezielt eingreifen. Deswegen muss die zentrale Gerechtigkeitsfrage behandelt werden: Wie verhindert man die Spaltung der Gesellschaft? Hier die Reichen, die sich die Genomverbesserung ihrer Kinder leisten können; dort das genetische Lumpenproletariat, das zu Krankheit und Minderbegabung verurteilt bleibt? - al