Presseschau

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Die Presseschau bietet kurze aktuelle Lesehinweise , zusammengestellt und kommentiert von Silke Hartmann (sh),  Petra Kühn (pk), Heinz-Hermann Peitz (hhp) und Hildegard Peters (pts) von unserem Kooperationspartner Forum Grenzfragen, und von unseren Redakteuren Andreas Losch (al) und Frank Vogelsang (fv).

Erstellt von hhp | | Epigenetik | Englisch | Biologie | Wissenschaftsgeschichte

Epigenetics Has Become Dangerously Fashionable - nautil.us

Es ist nur auf den ersten Blick verwunderlich, dass in diesem Artikel zwei Kriminologie-Professoren vor dem neuen Epigenetik-Hype warnen. Sie beobachten mit Verwunderung, wie die Epigenetikwelle ihr eigenes Gebiet überschwemmt und anrät, einen Großteil der grundlegenden Verhaltensgenetik über Bord zu werfen, da die Epigenetik uns dazu zwänge, die Biologie neu zu denken. Enthusiasten erwarteten gar die Lösung großer Menschheitsprobleme wie Armut, Kriminalität und Fettleibigkeit - zum Erstaunen mancher Genetik-Experten. Die aufgeregte Rezeptionsbereitschaft bei den Sozialwissenschaften werde dabei v. a. durch das Schlagwort der "transgenerationellen Epigenetik" ausgelöst, der Annahme also, dass die Umwelt Gene beeinflusse und dies über Generationen weitergegeben werde. Den Grund für diese sozialwissenschaftliche Euphorie vermuten die Autoren weniger in der Wissenschaft als vielmehr darin, dass die Epigenetik vermeintlich den Sieg des "Sozialen" über das "Biologische" ausrufe. Die wirklichen Erkenntnisse dagegen rieten eher zur Vorsicht. In den Worten von Stephen Pinker deuten die Autoren auf ein Missverständnis: "Die intergenerationellen Effekte ... werden manchmal als Lamarckismus missverstanden, was sie aber nicht sind: Sie ändern nicht die DNA-Sequenz, werden nach ein oder zwei Generationen wieder aufgehoben und stehen ihrerseits unter Kontrolle der Gene". Obendrein seien die meisten dieser Effekte an Nagern mit hoher Reproduktionsrate nachgewiesen; eine Übertragung auf den Menschen basiere auf Vermutungen oder unzuverlässig kleinen Stichproben mit der Gefahr der Verwechslung von Ursachen. Keine der neuen Erkenntnisse ändere etwas an den reichen Einsichten der quantitativen Genetik und Vererbungsforschung. - hhp

Erstellt von fv | | Deutsch | Bioethik

Forscher lassen menschliche Embryonen im Labor wachsen

Gibt es künstliches menschliches Leben? Die Fähigkeit, in den Menschwerdungsprozess einzugreifen, haben zwei Forschergruppen offenkundig durch in vitro Kultivierung von Embryonen deutlich erhöht, wie der gepostete Artikel zum Ausdruck bringt. Nun ist es sicherlich ein großer Fortschritt in dem Wissen um biologischen Vorgänge, dass die entscheidenden Steuersignale zur Entwicklung des menschlichen Embryos nicht vom Organismus der Mutter stammen, sondern autark von den sich teilenden Zellen selbst herkommen. Jedoch lässt dies wieder eine Vielzahl weiterer Eingriffoptionen zu. Wiederum wird die Frage im Raum stehen, was sollte erlaubt, was sollte untersagt werden? Die Versuche selbst sind nach Deutschem Recht, dem Embryonenschutzgesetz, nicht möglich, ein 14 Tage alter Embryo darf nicht zu Forschungszwecken verwendet werden. Viele Fragen und Entscheidungsnotwendigkeiten werden auf dem Weg der weiteren Forschung noch warten! - fv

Erstellt von fv | | Hirnforschung | Deutsch

Dem Kuss auf der Spur

Sind wir je ganz bei uns selbst? Es gibt wenige unerschütterliche Gewissheiten von uns modernen Menschen, aber eine dieser Gewissheiten ist die, dass alle Menschen als Individuen durch das Leben gehen. Die wichtigsten Dinge muss man mit sich selbst ausmachen, jeder Jeck ist anders, was man tief in sich selbst erfährt, ist unvergleichlich, das geht keinem etwas an, jeder ist einzigartig usw. Die biologische, aber auch die neurowissenschaftliche Forschung haben diese Tendenz bislang bestätigt: Hat nicht jeder Mensch eine einzigartige DNA? Ist nicht jedes Gehirn in seinem komplexen Aufbau unvergleichbar mit anderen Gehirnen? Doch je genauer man forscht, desto mehr Zweifel melden sich. So ist nun eine Diskussion darüber entstanden, ob Gehirne tatsächlich vollkommen eigenständig agieren, ob sie nicht koppelbar sind, oder besser: ob ihr Normalzustand sich nicht immer schon in einer mehr oder minder stark ausgeprägten Koppelung mit anderen Gehirnen befindet... Dieses Video hier zeigt dies am Beispiel des Kusses. Das ist zugegebenermaßen ein Extremfall von Zweisamkeit. Es mag aber die Hypothese erlaubt sein, dass vielleicht bei all unseren menschlichen Tätigkeiten unser Gehirn in einem mehr oder minder ausgeprägten "Koppelmodus" mit anderen Gehirnen befindet, ein interessanter neuer Blick auf den Menschen! - fv