Presseschau

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Die Presseschau bietet kurze aktuelle Lesehinweise , zusammengestellt und kommentiert von Silke Hartmann (sh),  Petra Kühn (pk), Heinz-Hermann Peitz (hhp) und Hildegard Peters (pts) von unserem Kooperationspartner Forum Grenzfragen, und von unseren Redakteuren Andreas Losch (al) und Frank Vogelsang (fv).

Erstellt von fv | | Quantenphysik | Deutsch

Die Maschine und ihre Meister

Über die Leistungsfähigkeit von Intuitionen Gestern haben wir hier auf einen Artikel aufmerksam gemacht, der sich mit der Simulation von Intuitionen durch Neurocomputer beschäftigte. Hier nun eine Meldung, die in die entgegengesetzte Richtung argumentiert: Hier werden nicht Intuitionen durch "exakte" Maschinen simuliert, sondern Intuitionen helfen, exakte Berechnungen durchzuführen. Ein Versuch mit einer Vielzahl von Probanten hat gezeigt, dass die Intuition vieler Menschen, die innerhalb eines Computerspieles gefordert wird, bessere Resultate liefert als die Rechenleistung großer Rechner. Das ist insofern interessant, weil Intuitionen in der Regel als situationsbezogene individuelle Entscheidungen interpretiert werden. Doch eine Vielzahl von intuitiven Entscheidungen scheint eine Genauigkeit zur Folge zu haben, die denen präziser Rechnerleistungen gegenüber überlegen ist. Welche Richtung man auch wählt: Offenkundig geraten die menschlichen Intuitionen immer stärker in den Blick. Man lernt, dass es nur begrenzt hilfreich ist, die Wurzel aus 164837 in Millisekunden zu berechnen, dass viele entscheidende Abläufe in unserem Alltag eher auf Intuitionen beruhen. Ist das Gebiet der Intuition das nächste große Bewährungsfeld der Computerwissenschaften? - fv

Erstellt von hhp | | Deutsch | Hirnforschung | Neuro-Enhancement

KI: Das Kunsthirn mit dem sechsten Sinn - Stuttgarter-Zeitung.de

Mit dem Ziel der "künstlichen Intuition" versucht innerhalb des Human-Brain-Projects eine Kooperation der Unis Heidelberg und Manchester, Eigenschaften des menschlichen Gehirns auf neue Art nachzubilden. Anders als bisherige neuronale Netzwerke auf herkömmlicher Hardware orientierten sich sog. neuromorphe Computer insofern am Vorbild Gehirn, als dieses die Trennung von Speicher und Prozessor nicht kenne und deshalb gewaltige Mengen an Information ohne viel Datenverkehr verarbeiten könne. So benötige der bereits realisierte Neurocomputer "100.000-mal weniger Energie als ein herkömmlicher Rechner" und er lerne "10.000-mal schneller als ein Gehirn". Von derartigen Zahlen unbeeindruckt setzten Skeptiker jedoch nach wie vor auf die Verbesserung herkömmlicher Computer. - hhp

Erstellt von hhp | | Epigenetik | Englisch | Biologie | Wissenschaftsgeschichte

Epigenetics Has Become Dangerously Fashionable - nautil.us

Es ist nur auf den ersten Blick verwunderlich, dass in diesem Artikel zwei Kriminologie-Professoren vor dem neuen Epigenetik-Hype warnen. Sie beobachten mit Verwunderung, wie die Epigenetikwelle ihr eigenes Gebiet überschwemmt und anrät, einen Großteil der grundlegenden Verhaltensgenetik über Bord zu werfen, da die Epigenetik uns dazu zwänge, die Biologie neu zu denken. Enthusiasten erwarteten gar die Lösung großer Menschheitsprobleme wie Armut, Kriminalität und Fettleibigkeit - zum Erstaunen mancher Genetik-Experten. Die aufgeregte Rezeptionsbereitschaft bei den Sozialwissenschaften werde dabei v. a. durch das Schlagwort der "transgenerationellen Epigenetik" ausgelöst, der Annahme also, dass die Umwelt Gene beeinflusse und dies über Generationen weitergegeben werde. Den Grund für diese sozialwissenschaftliche Euphorie vermuten die Autoren weniger in der Wissenschaft als vielmehr darin, dass die Epigenetik vermeintlich den Sieg des "Sozialen" über das "Biologische" ausrufe. Die wirklichen Erkenntnisse dagegen rieten eher zur Vorsicht. In den Worten von Stephen Pinker deuten die Autoren auf ein Missverständnis: "Die intergenerationellen Effekte ... werden manchmal als Lamarckismus missverstanden, was sie aber nicht sind: Sie ändern nicht die DNA-Sequenz, werden nach ein oder zwei Generationen wieder aufgehoben und stehen ihrerseits unter Kontrolle der Gene". Obendrein seien die meisten dieser Effekte an Nagern mit hoher Reproduktionsrate nachgewiesen; eine Übertragung auf den Menschen basiere auf Vermutungen oder unzuverlässig kleinen Stichproben mit der Gefahr der Verwechslung von Ursachen. Keine der neuen Erkenntnisse ändere etwas an den reichen Einsichten der quantitativen Genetik und Vererbungsforschung. - hhp