Presseschau

Die Gesamtansicht

Die Presseschau bietet kurze aktuelle Lesehinweise , zusammengestellt und kommentiert von Silke Hartmann (sh),  Petra Kühn (pk), Heinz-Hermann Peitz (hhp) und Hildegard Peters (pts) von unserem Kooperationspartner Forum Grenzfragen, und von unseren Redakteuren Andreas Losch (al) und Frank Vogelsang (fv).

Erstellt von hhp | | Deutsch | Einstein | Physik | Quantenphysik | Wissenschaftsgeschichte

Einstein würde sich die Haare raufen - zeit.de

Der Titel des Artikels spielt darauf an, dass sich Einstein nie mit der seltsamen Welt der Quanten abfinden wollte. Hier dachte Einstein klassisch: Objekte 'haben' Eigenschaften - egal, ob man sie misst ('Realität'), und diese Realität lässt sich 'lokal' beschreiben, da räumlich weit getrennte Objekte keinen Einfluss nehmen ('Lokalität'). Nun soll in der Quantenphysik alles anders sein: Objekte bekommen Eigenschaften erst durch Messungen zugeschrieben und nehmen dabei instantan Einfluss auf weit entfernte Objekte, haben eine 'spukhafte Fernwirkung', wie Einstein formulierte. Da dies mit der Alltagsphysik und gar dem Alltag so gar nicht vereinbar zu sein scheint, suchte man stets in "Schlupflöchern" nach Alternativtheorien "mit einem alltagstauglicheren Weltbild". Nun gebe es aber ein Experiment, mit dem Wissenschaftler "die Unausweichlichkeit der Quantenmechanik eindrucksvoll demonstriert haben". Sie hätten die beiden wichtigsten Schlupflöcher gleichzeitig geschlossen, was bisher nicht gelungen sei. Es blieben zwar noch minimale Lücken offen, neue "lokal-realistische" Entwicklungen seien davon aber nicht zu erwarten. Fachleute mögen urteilen, inwieweit das neue Experiment tatsächlich neu ist: Schon 2008 konnte der theoretische Physiker Jürgen Audretsch schreiben: "Es gibt keine lokal realistische Alternative zur Quantentheorie". Der kurze, aber lesenswerte Artikel verweist mit einem Link auf die frei verfügbare Originalpublikation in Nature. Indes scheinen die eingebetteten Videos, die das Unanschauliche anschaulich machen könnten, nicht zu funktionieren. - hhp

Erstellt von al | | Komplexität | Anthropologie | Deutsch | Hirnforschung | Evolution | Evolutionsmedizin

Im Kern überraschend

Die Idee, dass es keine nennenswerten genetischen Differenzen zwischen den Körperzellen gebe, war einst ein Credo der biomedizinischen Forschung. Anders als bisher vermutet, tragen Körperzellen des Menschen aber kein einheitliches Erbgut in sich, sondern bilden Mosaike. Die biologische Identität des Individuums muss aufgegeben werden. Befunde legen nahe, dass jede einzelne Nervenzelle im Großhirn mehr als 1.500 unterschiedliche Mutationen beherbergt. Wie viel Individuum ist der Mensch? Nicht nur solche philosophischen und anthropologischen Fragen stellen sich. Die neuen Erkenntnisse haben ganz handfeste Konsequenzen. Die Gene, die Eigenschaften und Krankheiten von Menschen steuern und die unser Verhalten leiten, könnten anders agieren als bislang angenommen. Man stehe analog dem großen Unbekannten der Astrophysik "vor der dunklen Materie der Genetik". - al

Erstellt von al | | Deutsch | Anthropologie | Astronomie

Außerirdische Leiden

Ein Flug zum Mars oder Mond wären ohne Weltraummedizin aussichtslos. Man mag Flugbahnen auf Jahre zentimetergenau im Voraus berechnen können, Menschen bringen die Unberechenbarkeit mit an Bord. In Experimenten auf der Erde und aus der Analyse zurückliegender Missionen haben die Ärzte einiges über die Anforderungen an solche Expeditionen herausgefunden. Bis zur Landung auf einem fernen Planeten gilt es, vier Phasen zu überstehen, die in dem Artikel geschildert werden. Die Menschen wollten immer die Grenzen sprengen und ihre Spielräume erweitern. Die Frage ist also nicht, ob so eine Mission Wirklichkeit wird, sondern nur, wann man das macht. - al