Presseschau

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Die Presseschau bietet kurze aktuelle Lesehinweise , zusammengestellt und kommentiert von Silke Hartmann (sh),  Petra Kühn (pk), Heinz-Hermann Peitz (hhp) und Hildegard Peters (pts) von unserem Kooperationspartner Forum Grenzfragen, und von unseren Redakteuren Andreas Losch (al) und Frank Vogelsang (fv).

Erstellt von hhp | | Deutsch | Hirnforschung | Interdisziplinarität | Wissenschaftsgeschichte

9 Ideen für eine bessere Neurowissenschaft - spektrum.de

"Die Nichtbeachtung wissenschaftlicher Standards ist in der Hirnforschung besonders ausgeprägt" - der Eyecatcher in Großdruck formuliert eine Hauptaussage des Artikels, der davon ausgeht, dass die neurowissenschaftliche Euphorie einem "breit abgestützten Skeptizismus" gewichen ist. Gründe dafür: unzureichende Validität und Reliabilität, einseitige Veröffentlichung positiver Ergebnisse, das ungünstige Anreizsystem der Zitierhäufigkeit, eine Öffentlichkeitsarbeit, die Schlagzeilen und überzogene Hoffnung produziere, und das Fehlen einer umfassenden Theorie des Gehirns. Reformen scheinen aber in Sicht, wie z. B. der Übergang vom bisherigen Peer-Review-Verfahren zu einen "Pre-publication-Prinzip": Nicht erst fertige, sondern geplante Studien werden bewertet und im positiven Fall zur Veröffentlichung zugelassen - unabhängig vom letztendlichen Ergebnis. Bevor aber bessere Forschungs-Kriterien bei Großorganisationen wie der DFG verbindlich werden, unterzögen sich manche Neurowissenschaftler schon jetzt und freiwillig strikteren Anforderungen. - hhp

Erstellt von hhp | | Englisch | Interdisziplinarität | Umfrage | Wissenschaftstheorie

How Do Jews View Science? - Huffington Post

Gleich mehrmals wurde Rabbi Geoffrey A. Mitelman von einer US-amerikanischen Umfrage überrascht: Für 25% der Juden stehen Religion und Naturwissenschaft in Opposition. Davon schlagen sich im Konfliktfall fast alle (94%) auf die Seite der Wissenschaft, bei christlichen Konfliktvertretern sind es nur 25%. Daraus leitet Mitelman unterschiedliche Herausforderungen ab: Während Christen sich darum kümmern sollten, Wissenschaft einzubeziehen, müssten Juden sich über den Zusammenhang zum Judentum klar werden. Eine weitere Überraschung: Von allen religiösen Gruppen wählten die Juden am häufigsten das Unabhängigkeitsmodell und am wenigsten häufig das Modell der Zusammenarbeit von Religion und Wissenschaft. Künftig lohne es sich - so Mitelman - an der Wissenschaftsfreundlichkeit der Juden anzuknüpfen: "Warum nicht die Wissenschaft heranziehen, um die Verbindung zum Judentum zu verbessern?" Konkret könne man z. B. fragen, wie Gedenken im Gehirn funktioniere und welche Bedeutung dies für das Feiern von Passah habe; oder: Wissenschaft könne uns lehren, mitfühlender zu handeln. Der Artikel mag an dieser Stelle in Kategorienfehler abgleiten, lesenswert ist er aufgrund der genannten nicht-trivialen Zahlen und dem Link zur Original-Umfrage (http://perceptionsproject.org/multimedia-archive/religious-communities-science-and-perceptions-a-comprehensive-survey/) allemal. - hhp

Erstellt von fv | | Bioethik | Deutsch

Grundsatzurteil - Europa-Gericht erlaubt umstrittene Stammzellpatente

Wann beginnt menschliches Leben? Neue Festlegungen Um die Stammzelldiskussion ist es in den letzten Jahren sehr ruhig geworden. Dennoch sind viele Fragen weiterhin nicht geklärt. Nun hat der Europäische Gerichtshof entschieden, dass nur solche Stammzellen unter den Embryonenschutz fallen, die sich auch zu Menschen entwickeln können. Damit hat es das Potentialitätsargument als hinreichend anerkannt. Die Frage, die sich daran anschließt, ist, ob dann nicht auch solche Stammzellen darunter fallen, die in einer Umgebung gehalten werden, die es verhindert, dass sie sich zum Menschen entwickeln. Aufgrund des Urteils ist jedenfalls die Patentierung von menschlichen Stammzellen möglich geworden. - fv