Presseschau

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Die Presseschau bietet kurze aktuelle Lesehinweise , zusammengestellt und kommentiert von Silke Hartmann (sh),  Petra Kühn (pk), Heinz-Hermann Peitz (hhp) und Hildegard Peters (pts) von unserem Kooperationspartner Forum Grenzfragen, und von unseren Redakteuren Andreas Losch (al) und Frank Vogelsang (fv).

Erstellt von hhp | | Wissenschaftstheorie | Theodizee | Intelligent Design | Kreationismus | Englisch

God, Darwin and My College Biology Class - The New York Times

Der Evolutionsbiologe David P. Barash richtet sich in diesem Artikel gegen Stephen Jay Goulds Prinzip der "nicht überschneidenden Bereiche" (nonoverlapping magisteria = NOMA) von Evolution und Religion. NOMA habe sich zwar im wissenschaftlichen Establishment weitgehend durchgesetzt, für Barash aber sind "diese Bereiche längst nicht so überschneidungsfrei, wie manche es sich wünschen". Im Gegenteil, der Fortschritt der evolutionären Wissenschaft gehe mit dem Rückschritt der Religion einher. Drei vernichtende Argumente macht Barash für das Rückzugsgefecht verantwortlich: 1. Das seit William Paley benutzte Argument aus der Komplexität sei seit Darwin hinfällig; 2. Die Sonderstellung des Menschen ("ganz der alte göttliche Vater") sei durch die natürliche Abstammung obsolet geworden; 3. Einsichten in die Evolution gäben keinen Indikator für einen guten Schöpfer her (Theodizeefrage). Wer also beide Bereich für vereinbar halte, komme ohne geistige Verrenkungen nicht aus. Soweit Barash. Der Artikel erscheint dem Rezensenten im Blick auf die wirkliche Dialog- oder Konfliktlage unterkomplex. So ist 1. das Komplexitätsargument keine "Säule religiösen Glaubens" - allenfalls im modernen Kreationismus, wie Barash selbst schreibt. 2. Natürliche Abstammung und Sonderstellung schließen sich nicht notwendig aus, und 3. verschärft die Evolutionstheorie das Theodizeeproblem nicht, sondern sie entschärft es. - hhp

Erstellt von fv | | Astronomie | Deutsch

Forscher finden organisches Molekül im All

Wieder Neuigkeiten aus dem Weltraum Einer Forschergruppe des Max-Planck-Instituts für Radioastronomie ist es offenkundig gelungen, Moleküle in einem 27000 Lichtjahre entfernten Materieansammlung zu finden, die den Molekülen der Aminosäuren ähnelt. Das Besonder ist, dass in der Kohlenstoff-Stickstoff-Verbindung ein Kohlenstoffatom abgewinkelt an dem Molekül anhaftet. Die chemische Bezeichnung lautet: i-C3H7CN. Dies könnte ein Hinweis darauf sein, dass die Bausteine lebender Organismen auf der Erde auch außerhalb der Erdatmosphäre anzutreffen sind. - fv

Erstellt von fv | | Deutsch | Kosmologie

Gravitationswellen vom Urknall

Gravitationswellen vom Urknall? Wir hatten in diesem Forum auf die Meldung von Entdeckungen des Teleskops Bicep2 am Südpol hingewiesen. Messungen gaben dort Hinweise auf Gravitationswellen, die aus Vorgängen kurz nach dem Urknall zeugen. Doch nun gibt es erhebliche Fragen zur Validität dieser Ergebnisse. Es steht die Frage im Raum, ob die beobachteten Wirbel nicht eher aus Störungen durch Staub in der Milchstrasse resultieren denn aus dem Anfang des Universums. Diese Diskussion zeigt vor allem, wie komplex die Verhältnisse sind, wenn man vom Urknall redet. In manchen Veröffentlichungen entsteht der Eindruck, man müsse nur genau hinsehen und schon zeigen sich die Folgen des Urknalls. Tatsächlich aber ist das, was wir mit "Urknall" betiteln ein ungeheuer komplexer Prozess, Messungen dem zuzuordnen geht nur mit einer erheblichen Interpretationsleistung. Das macht die Wissenschaft spannender, aber es zeigt auch, wie vorsichtig man mit plakativen Aussagen im öffentlichen Raum umgehen sollte! - fv