Presseschau

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Die Presseschau bietet kurze aktuelle Lesehinweise , zusammengestellt und kommentiert von Silke Hartmann (sh),  Petra Kühn (pk), Heinz-Hermann Peitz (hhp) und Hildegard Peters (pts) von unserem Kooperationspartner Forum Grenzfragen, und von unseren Redakteuren Andreas Losch (al) und Frank Vogelsang (fv).

Erstellt von al | | Bioethik | Deutsch

Grenzgänger oder Erlöser?

Die Forschung mit emryonalen Stammzellen ist umstritten, schließlich müssen für ihre Gewinnung befruchtete Eizellen sterben, in der Hoffnung, dass menschliche Ersatzteile aus ihnen entstehen. Daher gelten Stammzellenforscher manchen als vermessene Grenzgänger. Andere sehen sie als Erlöser, die bisher unheilbare Leiden verhindern wollen. Der Artikel berichtet von der Arbeit eines solchen Forschers, dem Kölner Jürgen Hescheler, und seinem Anliegen, Zustimmung bei seiner katholischen Kirche für seine Arbeit zu gewinnen. Einen Vermittlungsansatz sieht er bei Aristoteles. - al

Erstellt von hhp | | Astronomie | Außerirdische | Englisch | Kosmologie

Wir könnten außerirdisches Leben finden, aber der politische Wille fehlt - the conversation

Zwar habe man außer im Film noch nie außerirdisches Leben zu Gesicht bekommen, dennoch aber - so der Autor Seth Shostak, Astronom beim SETI - gebe es nüchterne, skeptische Forscher, die davon ausgingen, dass der Beweis dafür innerhalb einer Generation zu erbringen sei. Vor allem dank NASAs Raumteleskop Kepler habe sich herausgestellt, dass allein die Milchstraße zig Milliarden "habitabler" Planeten beherbergen könnte. Es falle schwer anzunehmen, all diese Welten seien steril, und unser planetares Leben sei ein Wunder. Es gäbe drei Wege, extraterrestrisches Leben zu erkunden; alle drei basierten auf ausgeklügelten und kostspieligen Experimenten. Erstens: Man könnte Leben in der Nähe finden (Mars, Jupiter-, Saturnmonde etc.). Betrüblich sei allerdings, dass die Erkundungsausrüstungen nur auf dem Reißbrett, nicht aber im Raum existierten: "Der Fortschritt gebremst, da die Gelder begrenzt". Zweitens könne man die Atmosphären fraglicher Planeten analysieren. Entsprechende Maschinen könnten in einem Dutzend Jahren gebaut sein - wenn denn Geld vorhanden wäre. Der dritte Zugang wäre über Mikroben hinaus die Suche nach intelligentem Leben, indem man den Himmel nach Radio- oder Lichtsignalen absucht. Mehr Antennen und bessere Empfänger könnten die Suche beschleunigen - abermals jedoch sei die Finanzierung der limitierende Faktor. Die Entdeckung außerirdischen Lebens wäre außerordentlich aufregend, aber da das Ergebnis ungewiss sei, blieben die Investitionen bescheiden. Klar sei natürlich: "Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Und das ist eine Frage des Wollens". - hhp

Erstellt von hhp | | Anthropologie | Englisch | Hirnforschung | Wissenschaftsgeschichte

Three Myths About the Brain - The New York Times

Anfang des 19. Jahrhunderts entfernte der Neurophysiologe Pierre Flourens sukzessive Hirngewebe bei verschiedenen Tieren, um zu dem Schluss zu gelangen, dass mentale Fähigkeiten nur einen kleinen Teil der Zerebrallappen benötigen. Das sei die Geburtsstunde des populären Mythos, dass der Mensch nur ca. 10% seines Gehirns nutze. Unbeeindruckt davon, dass heute die Neurowissenschaft diese Auffassung einmütig zurückweise, lebe der Mythos beharrlich weiter. Ein anderer derartiger Mythos stelle die Meinung dar, linke und rechte Hirnhälfte seien fundamental verschieden: Die linke Hälfte sei angeblich logisch und detailorientiert, wohingegen die rechte Hälfte der Sitz von Leidenschaft und Kreativität sei. Auch diese Karikatur stamme aus dem 19. Jahrhundert und dort gemachten Beobachtungen von Hirnschädigungen. Tatsache sei hingegen, dass die Gemeinsamkeiten beider Hälften größer sind als die Unterschiede, und besonders bei komplexen Aufgaben wie Kreativität und logische Wundertaten seien beide Hälften beteiligt. In den letzten Jahren habe sich ein neuer Mythos herauszubilden begonnen: Der Mythos der Spiegelneuronen. Bei Makaken hatte man entdeckt, dass Spiegelneuronen sowohl bei einer Aktivität als auch bei der Beobachtung dergleichen Aktivität anderer aktiviert wurden. Dies sei Grundlage für z. B. Sprache, Imitation und Empathie - auch beim Menschen. In der populären Kultur werde daraus die Behauptung, durch unsere Spiegelneuronen erlebten wir ein Fußballspiel, als ob wir auf dem Platz wären und jeden Schuss und Pass simulierten. Dagegen betonten aktuellere Theorien eher die Rolle der Spiegelneuronen bei der motorischen Kontrolle als beim Verstehen von Aktionen. "Ein wenig Mythenprävention heute mag uns vor großem neurowissenschaftlichem Unsinn morgen bewahren", rät der Artikel abschließend. - hhp