Presseschau

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Die Presseschau bietet kurze aktuelle Lesehinweise , zusammengestellt und kommentiert von Silke Hartmann (sh),  Petra Kühn (pk), Heinz-Hermann Peitz (hhp) und Hildegard Peters (pts) von unserem Kooperationspartner Forum Grenzfragen, und von unseren Redakteuren Andreas Losch (al) und Frank Vogelsang (fv).

Erstellt von al | | Bioethik | Synthetische Biologie | Venter | Deutsch

Wir wissen nichts - SPIEGEL 26/2010

Dass wer die DNA-Sequenz kenne, auch jeden Aspekt des Lebens kenne, sei ein Unfug, die dieselben Genetiker verbreitet haben, die auch die Angst vor der Kommerzialisierung schürten; so Craig Venter im Spiegel-Interview. Die künstliche Zelle werde es zwar erlauben, Fragen zu beantworten, die bisher völlig unzugänglich waren, doch das hieße eben nicht Gott zu spielen. Diese Interpretation findet Venter zum Glück eher beängstigend. Es handele sich dabei nicht um göttliche, sondern um wissenschaftliche Macht. Dass dies aber in unserer Gesellschaft nicht verstanden werde, das sei ein wirkliches Problem. Da hat er wohl recht. Wenn er aber schließt, für ihn gelte entweder Glaube oder Wissenschaft, beides zusammen gehe nicht, dann kann man das wohlwollend als Reflex auf diesen schlecht reflektierten Glauben verstehen, wie er in der Öffentlichkeit gepflegt und medial dargestellt wird; es bleibt aber ein gewisses Unbehagen angesichts von Venters strotzender Selbstsicherheit. - al

Erstellt von al | | Sterbehilfe | Bioethik | Deutsch

Entscheidung zur Sterbehilfe: Ein Urteil im Sinne der Menschenwürde - ZEIT ONLINE

Schätzungsweise 140.000 Patienten werden jährlich mit PEG-Sonden am Leben gehalten. Darunter sind viele schon Hirntote. Solches Leben kann Jahre und Jahrzehnte währen. In diesem Fall riet der Anwalt der Tochter, selbst den Schlauch der Sonde über der Bauchdecke zu durchtrennen, und das tat sie dann. Der Anwalt wurde deswegen zunächst verurteilt, jetzt aber freigesprochen. Auch nach diesem Urteil des Bundesgerichtshofes bleibt aktive Sterbehilfe in Deutschland strafrechtlich verboten. "Passive Sterbehilfe" wie in dem geschilderten Fall ist dagegen erlaubt und diene dem Schutz des Patientenwohls, seinem Selbstbestimmungsrecht und seiner Menschenwürde, auch und gerade am Lebensende, so der Artikel. Wer aus religiöser Überzeugung keine Angst vor dem Sterben hat, wird darüber froh sein. Dies sollte natürlich nicht zu einer pauschalen Abwertung der durch solche Sonden ernährten Menschen führen. - al

Erstellt von al | | Anthropologie | Hirnforschung | Deutsch

Hirnforschung: Die soziale Ich-Maschine - ZEIT Nr. 24 S. 37

Dass es absolute innere Freiheit gibt, glaube in der Wissenschaft keiner, heißt es. Aber muss es dann gleich das Gegenteil sein? Der Mensch sei eine Maschine, die ihre Lebenswelt kollektiv erfinde, ist die These des Hirnforschers Wolfgang Prinz. Gehirne seien Maschinen, die von der Evolution so erzogen wurden, dass sie in Interaktion mit ihrer Umwelt bestimmte Leistungen erbringen. Diese Leistungen könnten zwar nicht allein aus der Struktur dieser Maschine erklärt werden, denn dazu müsse man ihre gesamte Geschichte in Betracht ziehen. Aber es gebe keinen Rest von Subjektivität, dies sei ein Überbleibsel aus der Tradition des deutschen Idealismus. Der Interviewte bevorzuge nüchterne Definitionen. Aber er weiß auch: es gibt für seine These "noch" keine harten Fakten. Ein klassisches Beispiel für Szientismus, den alleinigen Glauben an die Wissenschaft. - al