Presseschau

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Die Presseschau bietet kurze aktuelle Lesehinweise , zusammengestellt und kommentiert von Silke Hartmann (sh),  Petra Kühn (pk), Heinz-Hermann Peitz (hhp) und Hildegard Peters (pts) von unserem Kooperationspartner Forum Grenzfragen, und von unseren Redakteuren Andreas Losch (al) und Frank Vogelsang (fv).

Erstellt von hhp | | Evolution | Deutsch | Anthropologie | Politik

Genforschung: Wie wir neue Software für das Leben schreiben werden - Wissenschaft - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten

In regelmäßigen Abständen gibt die deutsche Presse Verlautbarungen des "Herrn der Gene", Craig Venter, im O-Ton wieder. Nachdem Venter als Pionier das menschliche Genom zu entziffern half, steht für ihn der nächste Schritt an: Wir werden "nicht nur unsere Vorstellung des Lebens verändern, sondern das Leben selbst". Diese Vision ist freilich Headline-tauglicher als der ebenfalls von Venter geäußerte Hinweis, dass wir erst anfangen zu begreifen, wie der genetische Code das Leben programmiert. So verstärken und vereinseitigen die Schlagzeilen der Presse die ohnehin üppige Inszenierung Venters. Man denke zurück an das Jahr 2000, in dem die FAZ am 08.04. im Untertitel verkündet: "Die vollkommene Erkenntnis der Lebensprozesse steht in diesem Jahr bevor", damit aber die Aussagen Venters glatt auf den Kopf stellt. Dieser sagt dort vielmehr, dass die Entzifferung das erste, die vollkommene Erkenntnis das letzte Kapitel sei, und: "Dieser Tag wird nicht morgen oder nächstes Jahr da sein" - hhp

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Route der Erkenntnis - Von der Weltreise zu Darwins Theorie - sueddeutsche.de

Der Artikel beschreibt die Grundlegung des wissenschaftlichen Werdegangs von Charles Darwin. Dass die Weltreise auf der Beagle ein einschneidender Schritt für die spätere Evolutionstheorie bedeutete, ist allgemein bekannt. Weniger bekannt ist jedoch, dass Darwins Interesse während der Reise weniger der Biologie als vielmehr der Geologie galt. Die geologische Einsicht aber, dass sich über lange Zeiträume kleine Wandlungen zu großen Veränderungen aufaddieren, "sollte zur konzeptionellen Grundvoraussetzung für seine Evolutionstheorie werden, auch wenn sie während der Reise noch nicht einmal angedacht war". Der Artikel beschreibt trefflich das Werden einer Theorie, den "context of discovery": Eine Theorie entsteht nicht einfach durch logische Induktion aus Fakten, sondern basiert auf biografischen, z. T. zufälligen Ereignissen, wie das eindrücklich Erleben eines Erdbebens in Chile, das ein geologisches - später evolutionsbiologisches - Grundkonzept offenbarte - hhp

Erstellt von hhp | | Evolution | Evolutionismus | Deutsch | Dawkins

Seine Hoheit, der Umweltschützer - NRZ - DerWesten

Prinz Charles, der den Deutschen Nachhaltigkeitspreis erhält, weist seit Jahren auf die Grenzen der Wissenschaft hin und warnt vor den Folgen ungebremster Forschung. Seine Achtung vor der Genialität evolutiv entwickelter natürlicher Baupläne bringt Charles zur Forderung an die Wissenschaft, Natur und Evolution zu verstehen, nicht zu verändern. Gegen spirituelle Leere will er das Gleichgewicht von "instinktiver Weisheit und den rationalen Einsichten der Wissenschaft" wieder hergestellt sehen. Wen wundert es, dass Richard Dawkins die Gelegenheit zum Kontern ergreift: "Weit davon entfernt, spirituelle Werte zu missachten [meint er das wirklich ernst? hhp], ist der wissenschaftliche Rationalismus die Krönung des menschlichen Geistes [das meint er tatsächlich ernst]". Der Streit mit Dawkins ist spätestens seit Charles' Rede bei den Reith Lectures 2000 entbrannt (news.bbc.co.uk/hi/english/static/events/reith_2000/lecture6.stm und www.edge.org/3rd_culture/prince/prince_index.html) - hhp