Presseschau

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Die Presseschau bietet kurze aktuelle Lesehinweise , zusammengestellt und kommentiert von Silke Hartmann (sh),  Petra Kühn (pk), Heinz-Hermann Peitz (hhp) und Hildegard Peters (pts) von unserem Kooperationspartner Forum Grenzfragen, und von unseren Redakteuren Andreas Losch (al) und Frank Vogelsang (fv).

Erstellt von fv | | Deutsch | Wissenschaftstheorie

Verführte Physiker

Schönheit oder/und Wahrheit? Zu schön, um wahr zu sein. So lautet eine Redensart. Gilt das auch für physikalische Theorien? In der FAZ ist ein lesenswertes Interview mit der Physikerin Sabine Hossenfelder abgedruckt. Frau Hossenfelder zweifelt sehr an der Tragweite bestimmter Kategorien, vor allem die der Symmetrie in der Physik. Symmetrien sind ohne Zweifel "elegant" und auch "schön", denn sie machen Ordnungen sehr offensichtlich. Doch möglicherweise sind Physikerinnen und Physiker auf dem Holzweg, wenn die das Kriterium der Symmetrie zu stark betonen. Symmetrische Lösungen können Hinweise auf Wahrheit geben, sie müssen es aber nicht. Frau Hossenfelder prangert vor allem an, dass die Tendenz existiert, Symmetrien aufgrund der Datenbefunde theoretisch zu konstruieren. Ihre Einwände sind gewichtig: Was ist die Bedeutung von theoretischen Ansätzen, die empirisch nicht umfassender sind als ihre Vorgänger, jedoch alles in Symmetrien darstellen können? In der Physik ist das herausragende Kriterium immer die Empirie, das ist unbestritten. Macht es darüber hinaus Sinn, symmetrische Lösungen unsymmetrischen vorzuziehen? Letztlich zielt die Diskussion auf die Kriterien für physikalische Fundamentaltheorien, eine offene Debatte! - fv

Erstellt von fv | | Deutsch | Physik

Spuren einer neuen Kraft

Lange war es ruhig an der Front der physikalischen Grundlagenforschung. Das Higgs-Boson, das 2012 identifiziert wurde, war auch keine wirkliche Neuerung, eher eine Bestätigung alter theoretischer Vermutungen. Doch möglicherweise zeigt sich nun etwas wirklich Neues. Messungen am Large Hadron Collider in Genf geben erste Indizien, dass die Standardtheorie der Elementarteilchen möglicherweise nicht das letzte Wort ist. Es gibt Abweichungen in den Messungen, die andeuten, dass die schwache Wechselwirkung nicht auf alle Leptonen gleich groß ist. Der Artikel mutmasst, dass es Teilchen geben könnte, die irgendetwas zwischen Quarks und Leptonen darstellen. Das ist insofern spannend, weil so vielleicht sogar ein Ausweg aus einer Pattsituation möglich werden könnte, die die Grundlagenphysik ergriffen hat. (vgl. das Gespräch mit Harald Lesch  zur Krise der Physik: https://www.youtube.com/watch?v=EJyvHNiDVKk&lc=z23wg5ihjyniwxae3acdp43bnijgbvp3k0x0anuszwhw03c010c.1528346077003097). Noch sind es viele Konjunktive - aber es zeigt: Die Grundlagenforschung der Physik bleibt spannend! - fv

Erstellt von fv | | Deutsch | Gottesbild

Kann man beweisen, dass Gott existiert?

Kann man Gott beweisen?
Vor kurzem gab es ein längeres Interview von Zeit online mit dem Theologen Dirk Evers zu der Frage, ob man Gott beweisen kann. Das Gespräch fand großes Interesse und ist vielfach kommentiert worden. Es zeigt gut, wie philosoophisch vielschichtig die doch scheinbar einfache Frage ist. Für mich ist das zentrale Problem, dass man die Ausgangsfrage nur dann präzise formulieren kann, wenn man sagen kann, was oder wer Gott ist. Die Frage: Kann man X beweisen? kann man nur dann beantworten, wenn man weiß, was X ist. Nun zeigen aber alle biblischen Texte deutlich, dass Gott offenkundig keine Entität ist, die Menschen so leichthin begreifen können. Also wird man ihn auch nicht beweisen können, wenn man ihn nicht hinreichend kennt. Der Beweis ist nur für die naheliegend, die genau zu wissen meinen, wer oder was Gott ist. Religiöse Menschen sind da vorsichtiger. Religiöse Sprache, und das Wort "Gott" gehört dazu, ist eine Erfahrungssprache, die auf Erfahrungen weist, die man eben nicht mehr so klar im Griff hat. Auf eine solche Sprache kann man aber nur der verzichten, der meint, alles klar im Griff zu haben. Die meisten stimmen darin überein, dass wir vieles nicht "im Griff" oder verstanden haben. Dann muss man auch über das reden können, was man nicht hinreichend verstanden hat. Für religiöse Menschen kann es deshalb Sinn machen, über Gott zu reden, auch wenn man ihn nicht beweisen kann! - fv