Presseschau

Die Gesamtansicht

Die Presseschau bietet kurze aktuelle Lesehinweise , zusammengestellt und kommentiert von Silke Hartmann (sh),  Petra Kühn (pk), Heinz-Hermann Peitz (hhp) und Hildegard Peters (pts) von unserem Kooperationspartner Forum Grenzfragen, und von unseren Redakteuren Andreas Losch (al) und Frank Vogelsang (fv).

Erstellt von fv | | Bioethik | Deutsch

Großbritannien erlaubt Gen-Experimente an menschlichen Embryonen

Experimente mit menschlichen Embryonen Eine Entscheidung einer britischen Behörde erlaubt in Großbritannien unter restriktiven Auflagen Experimente am Genom menschlicher Embryonen. Hier geht das Land einen bedeutenden Schritt weiter als es die rechtlichen Bestimmungen in Deutschland zulassen. Im Jahr 2001 hat es in Deutschland eine weite Debatte um den Schutz menschlicher Embryonen gegeben. Das Embryonenschutzgesetz sieht sehr hohe Auflagen für die Forschung an embryonalen Stammzellen vor. Manipulationen des Genoms eines Embryos sind klar untersagt. Die englische Haltung war schon immer in Fragen der Bioethik liberaler als in Deutschland. Dieser weitere Schritt der Liberalisierung ist bedeutend, weil die Instrumente, mit denen das Genom gezielt verändert werden kann, kontinuierlich an Präzision zunehmen. Befinden wir uns weltweit auf einer slippery slope, nachdem schon in China Forschungen an Embryonen durchgeführt worden sind? Die Möglichkeiten zu Eingriffen in die Keimbahn bestehen an vielen Orten der Erde. Wir werden damit leben müssen, dass es in unterschiedlichen Ländern unterschiedliche Entscheidungen geben wird. Dies gilt insbesondere für Länder wie China. Ein anderes ist es, zu fragen, welchen Standards man selbst folgen möchte. Die Dynamik der biologischen Forschung wird immer wieder neue Anlässe zu einer Festlegung bieten. - fv

Erstellt von al | | Deutsch | Hirnforschung

Endlich befreit!

Entscheidet unser Gehirn unbewusst, ist der freie Wille eine Illusion? Nach Jahrzehnten haben Berliner Hirnforscher die berühmte These mit einem raffinierten Spiel gegen den Computer widerlegt, so lauter der Aufmacher dieses interessanten Artikels. Es geht um die Libet-Experimente, nach denen das Gehirn die Entscheidung unbewusst längst vorweggenommen hat, lange bevor wir uns bewusst entscheiden, etwas zu tun. Stichwort war das Bereitschaftspotential des Gehirns, das sehr frühzeitig aufgebaut wird. Die Computerexperimente zeigen nun, dass sich der Mensch dennoch umentscheiden kann. Das war allerdings auch schon eine spätere Einsichts Libets (der an eine Vetomöglichkeit dachte), die allerdings nicht bei allen angekommen ist, und anscheinend auch nicht beim Verfasser dieses Artikels. - al

Erstellt von hhp | | Biologie | Physik | Wissenschaftsgeschichte | Wissenschaftstheorie | Deutsch | Englisch

Physik des Lebens - spektrum.de

Wenn sich Physiker auf die Suche nach einer "grundlegenden Theorie des Lebens" machen, werden manche eine Reduktion der Biologie auf die Physik wittern. Der Artikel (eine exklusive Übersetzung aus nature) berichtet jedenfalls von der Faszination der "aktiven Materie", die auf der Ebene kristalliner, biomolekularer und synthetischer Elemente selbstorganisierende Strukturbildungen und Bewegungen auszeichnet - ganz wie dies bei lebenden Organismen zu finden ist. So können für den Autor "die scheinbaren Gemeinsamkeiten zwischen der im Labor hergestellten aktiven Materie und lebenden Dingen ... schon unheimlich sein". Das kleine Wörtchen "scheinbar", das übrigens im englischen Original fehlt, trübt die Euphorie ein wenig. Denn künftig wird sich klären müssen, "ob sich mit Hilfe der Theorie der aktiven Materie auch biologische Mechanismen nachbilden lassen", und der Autor weiß, "dass die meisten Biologen erst noch davon überzeugt werden müssen". Aber laut dem Biologen Tony Hyman gibt es Hoffnung: "Die neue Generation von Biologen wird ... von Anfang an besser in Physik ausgebildet". - hhp