Presseschau

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Die Presseschau bietet kurze aktuelle Lesehinweise , zusammengestellt und kommentiert von Silke Hartmann (sh),  Petra Kühn (pk), Heinz-Hermann Peitz (hhp) und Hildegard Peters (pts) von unserem Kooperationspartner Forum Grenzfragen, und von unseren Redakteuren Andreas Losch (al) und Frank Vogelsang (fv).

Erstellt von al | | Deutsch | Astronomie

Im Sternbild des Schwans

Ein kritischer Artikel zur Ankündigung der NASA, mit Kepler 452-b eine "zweite Erde" entdeckt zu haben. In der Fachpresse würde bereits die Möglichkeit einer Reise zu diesem Planeten erörert, heißt es. Annäherung an das ewige Leben durch Ausbreitung in den Raum? Der Artikel analysiert diese Fantasien und vergleicht sie mit Johannes Kepler eigenen Träumereien, die gar nicht so anders waren. - Aber treiben solche Träumereien nicht auch Wissenschaft und Fortschritt voran? - al

Erstellt von hhp | | Wissenschaftstheorie | Deutsch

Können Vernunft und Glaube Freunde werden? - Tagesspiegel

Uwe Lehnert beantwortet die Frage des Titels mit einem klaren "Nein"! Theologischen Vertretern einer wechselseitigen Verwiesenheit von Glaube und Vernunft (z. B. Johannes Paul II und Wolfgang Huber) unterstellt Lehnert Widersprüchlichkeit und den Versuch, "die Vernunft an die Kette des Glaubens zu legen". Dagegen singt er das hohe Lied der Wissenschaft, die ihre Erkenntnisse "an der Realität" überprüft (als ob Glaubensaussagen sich nicht in der 'Realität' bewähren müssten), "auf Begründung" setzt (als ob Theologie keine Gründe benennt), ferner auf "intersubjektive Nachvollziehbarkeit" (als ob Theologie keinen synchronen oder diachronen Konsens anstrebt) und "logische Widerspruchsfreiheit" (als ob der Theologie das Kohärenzkriterium fremd wäre). Dass auch die (Natur-)Wissenschaften glaubensartige Voraussetzungen hat, wird als Suggestion der Theologen heruntergespielt. Dabei liefert Lehnert selbst eine solche Voraussetzung, wenn er die kausale Geschlossenheit der Welt einführt: Was für ihn ontologisch 'Realität' ist, kann mit guten Gründen als (notwendige) Forschungsmaxime und in diesem Sinne als glaubensartige Voraussetzung angesehen werden. Ansonsten wird der vermeintliche Konflikt zwischen Vernunft und Glaube durch religiöse Zerrformen und Anachronismen konstruiert. Gott ist entweder ein intervenierender Handwerker oder er löst sich pantheistisch auf (als ob der PanENtheismus nicht längst theologisch gängig wäre), er fordert Menschenopfer, foltert in der Hölle usw. usf. Diese "legendenhafte Einfachheit" müsste doch längst der "naturwissenschaftlichen Eleganz" gewichen sein (als ob diese simple Säkularisierungsthese nicht lange in die Kritik geraten wäre). - hhp

Erstellt von hhp | | Anthropologie | Bioethik | Deutsch | Tierethik

"Wer darf in den Club?" - Süddeutsche.de

In einem Interview spricht sich Hans Werner Ingensiep, für die Printausgabe ein "ausgewiesener Kenner des Verhältnisses von Mensch und Menschenaffe", dagegen aus, Schimpansen und Orangs mit den Menschen gleichzusetzen. Aus einer "quantitativen biologischen Ähnlichkeit" heraus für "qualitative Gleichheit", gar für "gleiche Grundrechte" einzutreten, sei ein "naturalistischer Fehlschluss", der z. T. in anthropomorphen Fehlzuschreibungen gründe. Dass ein Gorilla - psychologisch gesehen - Persönlichkeit aufweise, sei unbestritten. Doch zu einem normativen Personbegriff gehöre Verantwortlichkeit, was nur dem Menschen zukomme. Hilfreicher wäre es, die "Zwei-Klassen-Terminologie von 'Sachen' und 'Personen'" aufzubrechen; eine Terminologie, die ja das Problem der Grenzziehung unangemessen festschreibe. - hhp