Presseschau

Die Gesamtansicht

Die Presseschau bietet kurze aktuelle Lesehinweise , zusammengestellt und kommentiert von Silke Hartmann (sh),  Petra Kühn (pk), Heinz-Hermann Peitz (hhp) und Hildegard Peters (pts) von unserem Kooperationspartner Forum Grenzfragen, und von unseren Redakteuren Andreas Losch (al) und Frank Vogelsang (fv).

Erstellt von fv | | Deutsch | Gottesbild

Kann man beweisen, dass Gott existiert?

Kann man Gott beweisen?
Vor kurzem gab es ein längeres Interview von Zeit online mit dem Theologen Dirk Evers zu der Frage, ob man Gott beweisen kann. Das Gespräch fand großes Interesse und ist vielfach kommentiert worden. Es zeigt gut, wie philosoophisch vielschichtig die doch scheinbar einfache Frage ist. Für mich ist das zentrale Problem, dass man die Ausgangsfrage nur dann präzise formulieren kann, wenn man sagen kann, was oder wer Gott ist. Die Frage: Kann man X beweisen? kann man nur dann beantworten, wenn man weiß, was X ist. Nun zeigen aber alle biblischen Texte deutlich, dass Gott offenkundig keine Entität ist, die Menschen so leichthin begreifen können. Also wird man ihn auch nicht beweisen können, wenn man ihn nicht hinreichend kennt. Der Beweis ist nur für die naheliegend, die genau zu wissen meinen, wer oder was Gott ist. Religiöse Menschen sind da vorsichtiger. Religiöse Sprache, und das Wort "Gott" gehört dazu, ist eine Erfahrungssprache, die auf Erfahrungen weist, die man eben nicht mehr so klar im Griff hat. Auf eine solche Sprache kann man aber nur der verzichten, der meint, alles klar im Griff zu haben. Die meisten stimmen darin überein, dass wir vieles nicht "im Griff" oder verstanden haben. Dann muss man auch über das reden können, was man nicht hinreichend verstanden hat. Für religiöse Menschen kann es deshalb Sinn machen, über Gott zu reden, auch wenn man ihn nicht beweisen kann! - fv

| Anthropisches Prinzip | Deutsch | Evolution | Franziskus (Papst) | Gottesbild | Interdisziplinarität | Kosmologie | Schöpfung | Theodizee | Theologie | Vatikan | Pierre Teilhard de Chardin

Wie der Jesuit Teilhard de Chardin den Glauben mit der Wissenschaft vereinen wollte - NZZ

In einem offiziellen Gesuch plädiert der Päpstliche Kulturrat für die Rehabilitierung des interdisziplinären Pioniers Pierre Teilhard de Chardin - Anlass für den systematischen Theologen Jan-Heiner Tück, in die Gedankenwelt Teilhards einzuführen. Da mit der positiv zu würdigenden Grundintention Teilhards, Glaube und Evolution zu versöhnen, tiefgreifende Veränderungen in Schöpfungs-, Gottes- und Christusverständnis einher gegangen seien, habe Teilhard von Anfang an bis über seinen Tod hinaus "Schwierigkeiten mit den kirchlichen Autoritäten" gehabt. Erst mit dem Zweiten Vaticanum seien "Rezeptionsblockaden" gefallen, und Papst Franziskus habe nun "positiv auf Teilhard de Chardin Bezug genommen". Der Autor begrüßt eine Rehabilitierung Teilhards, was eine "Selbstkorrektur des römischen Lehramtes" einschließe, aber auch bedeute, "die selektive Rezeption Teilhards in Esoterik und New Age, in Transhumanismus und Digitalismus kritisch unter die Lupe zu nehmen". Bei einer Rehabilitierung müsse allerdings "die methodische Unschärfe, aber auch die eigenwillige Begrifflichkeit Teilhards" vermieden werden, wenn man im aktuellen interdisziplinären Gespräch ernst genommen werden wolle.

Erstellt von fv | | Deutsch | Künstliche Intelligenz

Denn sie wissen nicht, wie sie es tun

Kann man künstliche Intelligenz kontrollieren? Zunächst einmal scheint diese Frage leicht zu beantworten zu sein: Natürlich kann man künstliche Intelligenz kontrollieren und man muss es auch. Doch so einfach ist es nicht, jedenfalls nicht für die neuen Ansätze künstlicher Intelligenz, die durch selbstlernende Systeme entsteht. Das Problem ist, dass die Systeme so viele innere Freiheitsgrade aufweisen, dass nicht klar ist, wie genau die Systeme lernen. Der angehängte Artikel der FAZ macht das an einfachen Beispielen deutlich. Selbstlernende Systeme lernen durch sehr viele iterative Prozesse, so dass die jeweiligen Veränderungen in den Systemen nicht mehr im Einzelnen nachvollzogen werden können. Zu prüfen ist dann nur das äußere Verhalten. Das aber kann jetzt richtig und in einer neuen Situation plötzlich anders und dann falsch sein. So gibt es schon Versuche, selbstlernende Systeme wiederum durch neue mathematische Systeme zu analysieren: Warum tun sie, was sie tun? Wenn man bedenkt, wofür selbstlernende Systeme eingesetzt werden sollen (Verkehr, Übersetzung von Sprachen etcpp), dann ist deutlich, dass ein Verhalten, dass nicht ganz und gar verstanden ist, ein Problem darstellt. Es bleibt spannend, ob und wie diese Systeme künftig unsere Welt mit steuern werden...! - fv