Presseschau

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Die Presseschau bietet kurze aktuelle Lesehinweise , zusammengestellt und kommentiert von Silke Hartmann (sh),  Petra Kühn (pk), Heinz-Hermann Peitz (hhp) und Hildegard Peters (pts) von unserem Kooperationspartner Forum Grenzfragen, und von unseren Redakteuren Andreas Losch (al) und Frank Vogelsang (fv).

Erstellt von hhp | | Anthropologie | Deutsch | Evolution

Anthropologie - Erster! - zeit.de

Wieder einmal werden neue Fossilfunde von Homo sapiens als Sensation gefeiert ("Das wird die Lehrbücher ändern"). Wieder einmal spricht man von der Rückdatierung der "Geburtsstunde der Menschheit" (diesmal um 100.000 Jahre auf 300.000 Jahre vor unserer Zeitrechnung) und der Verlegung der "Wiege der Menschheit", die jetzt "panafrikanisch" lokalisiert werden muss. Der Artikel vermittelt einen interessanten Einblick in das 'making of' unseres Stammbaums, weil nicht nur über die Forschungsergebnisse berichtet wird, sondern auch über das Ringen und die "feurigen Debatten", ja auch über forschungsexterne Einflussfaktoren. So ist die Rede davon, dass ein Forscher "zu Optimismus verpflichtet ist", da "an dieser Frage seine ganze Forscherkarriere" hängt. Könnte da - so frage ich mich - nicht gern etwas zu einer Sensation hochstilisiert werden, indem man die Grenzziehung zu den Vorfahren des Homo sapiens vielleicht etwas verschiebt (vgl. Kommentar von Nick Matzke auf fb). Denn, nun ja, so richtig symbolisch denken (charakteristisch für Homo sapiens) konnte er wohl nicht, der neue Fund - mutmaßt Forscherkollege Ian Tattersall. Immerhin: Die Fossilfunde müssen immer wieder abgeglichen werden mit den Stammbäumen, die die Genforschung aus den rezenten Humangenomen rekonstruiert. Und hier scheint sich eine auffällige Korrelation zu ergeben: Genau vor 300.000 Jahren scheint sich ein markanter genetischer Umbau vollzogen zu haben (siehe Presseschau vom 29.09.16). Und der gefeierte Fund fällt in diese Umbauphase. Konnte er bereits von der genetischen Innovation profitieren?, fragt der Artikel. - Angereichert wird der Beitrag noch durch Links auf die frei verfügbare Nature-Dokumentation, durch Animationen des Schädelfundes und Überblicke zur Entwicklung der Hominidenentwicklung. - hhp

Erstellt von hhp | | Deutsch | Gottesbild | Kosmologie | Schöpfung | Theologie | Vatikan

"Das Universum ist sinnlos" - science.orf.at

Wenn der Leiter der vatikanischen Sternwarte, Guy Consolmagno, ganz wie seine atheistischen Freunde Gott im Universum nicht finden kann, ja das Universum für sinnlos hält, wird man hellhörig. Bei näherem Hinsehen erweist sich der Titel des Artikels allerdings als leicht erschummelt, denn vollständig wiedergegeben heißt es: "Das Universum AN SICH ist sinnlos". Dies stimmt für Consolmagno deshalb, da es für ihn mehr gibt als das Universum und mehr als Wissenschaft, und da er Sinn, Zweck und Gott außerhalb des Universums verortet. Gott sei "übernatürlich, jenseits des Universums". Poesie sei eine bessere Ausdrucksform dafür als die Sprache der Wissenschaft. Man verlange schließlich auch keinen mathematischen Beweis für Mutterliebe. In gleicher Weise sei auch der Schluss von Design auf Gott ("Intelligent Design") unstatthaft. Auch wenn Consolmagno keinen deistischen Gott meint, so betont er doch primär die Transzendenz Gottes. Die Immanenz kommt indes zu kurz mit der Gefahr, sich "unter Gott ein übergroßes, räumlich von uns getrenntes Wesen, einen himmlischen Übervater, der über aller Welt thront, also im Jenseits sitzt" vorzustellen, wie der systematische Theologe Hans Kessler an anderer Stelle betont. Dabei werde "nicht bedacht, dass ein derart außerhalb der Welt sitzender Gott durch die Welt begrenzt, also nicht unbegrenzt, nicht unendlich und damit gar nicht Gott wäre". - hhp

Erstellt von fv | | Wissenschaftstheorie | Deutsch

Malen nach Zahlen

Was heißt da "nur Mathematik"? In vielen empirischen Forschungsprozessen ist die Mathematik eine hilfreiche Wissenschaft. Sie erleichtert, etwas exakt zu beschreiben. Damit ist dann zum Beispiel durch die Exaktheit und Allgemeingültigkeit der Beschreibung die Reproduzierbarkeit der Versuche sicher gestellt. Seit Galileo Galilei ist klar, dass die Mathematik DIE Sprache der Naturwissenschaften ist. Es gibt aber immer wieder Situationen, in denen die Mathematik ihrerseits zu entdecken ist und das immer auch unklar bleibt, was genau passiert, wenn man mathematische Strukturen findet. Der angehängte Artikel zeigt schön, dass man im Bereich der Teilchenphysik Strukturgleichheiten erahnen kann, obwohl völlig unklar ist, was zu diesen Strukturgleichheiten führt: Die Wahrscheinlichkeit quantenphysikalischer Vorgänge und bestimmte mathematische Strukturen scheinen eng miteinander zusammen zu hängen, ohne dass jemand weiß, warum. Möglicherweise ist eine Intuition von Platon zu Beginn der Geschichte Europäischen Denkens auch heute noch gültig: Die Welt ist im Innersten aus mathematischen Strukturen aufgebaut!? Doch was genau sollte eine solche "objektive" Mathematik sein? Die Mathematik ist auch heute noch ein großes philosophisches Problem! - fv