Presseschau

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Die Presseschau bietet kurze aktuelle Lesehinweise , zusammengestellt und kommentiert von Silke Hartmann (sh),  Petra Kühn (pk), Heinz-Hermann Peitz (hhp) und Hildegard Peters (pts) von unserem Kooperationspartner Forum Grenzfragen, und von unseren Redakteuren Andreas Losch (al) und Frank Vogelsang (fv).

Erstellt von hhp | | Deutsch | Synthetische Biologie | Bioethik

Synthetische Biologie - Am Reißbrett des Lebens - Wissen - sueddeutsche.de

Jörg Hacker, Biologe und Präsident der Leopoldina, berichtet differenziert über die Reichweite der Synthetischen Biologie. Ausdrücklich nimmt er auch die Grenzen der Biologie in den Blick; bereits bei der Definition von Leben: Wann es an der Grenzen zum Unbelebten beginnt (z. B. Viren), mag noch eine innerwissenschaftliche Frage sein, die juristisch verbindliche Festlegung des Beginns menschlichen Lebens "ist keine naturwissenschaftlich beantwortbare Frage". Angesichts der biblisch-klassischen Frage "Was ist der Mensch" ist für den Autor klar, "das der Begriff 'Lebenswissenschaften' weitaus mehr als Biologie und Medizin umfassen muss". Dann kommen auch "Verantwortung", "Selbstreflexion" und "Fähigkeit zur Kommunikation" zum Lebensverständnis hinzu. Neben den Gefahren des Bioterrorismus (s. neuartige Grippeviren) sieht der Autor ethische Grenzen überschritten, wenn künstliche Lebensbausteine irreversibel in die Keimbahn gelangen oder wenn Homunculus-Phantasien geschürt werden - hhp

Erstellt von fv | | Deutsch | Philosophie

Das emotionale Tier - ZEIT Nr. 37 S. 54f

Michael Hartmann weist darauf hin, dass den Gefühlen in der Philosophie neue Aufmerksamkeit geschenkt werden. Tatsächlich waren Gefühle immer schon Thema der abendländischen Philosophie, doch seit Platon zumeist mit der Rolle des Widersachers der Vernunft; sie waren das, was der Philosoph zu überwinden trachtete. Doch seit den 80er Jahren des letzten Jhds. finden die Gefühle in einer anderen Weise neue Aufmerksamkeit. Man begann zu erkennen, dass Gefühle durchaus auch rationale Anteile haben. Es ist also vernünftig, sich mit Gefühlen zu befassen. Diese gerieten immer stärker in die Aufmerksamkeit, das Schlagwort der emotionalen Intelligenz machte die Diskussion populär. Doch auch hier warnt Hartmann zurecht: Gefühle mögen rationale Anteile haben, aber sie lassen sich nicht rationalisieren. Ihnen bleibt ein widerständiger Kern, der weder Gegner der Vernunft ist noch auch die Vernunft in anderer Form. Vielmehr zeigen sie auch die grundlegende Gegebenheit des Menschen: So ist es eben - fv

Erstellt von hhp | | Hirnforschung | Wissenschaftsgeschichte | Wissenschaftstheorie | Deutsch

Die Königin aller Wissenschaften? Von der Hirnforschung erhoffen sich alle alles. Zu Unrecht. Süddeutsche Zeitung Magazin Nr. 35

Der Artikel räumt gründlich mit dem Vorurteil auf, die Hirnforschung sei nun endgültig dem Geheimnis von Bewusstsein und Geist auf der Spur. Ein solcher Anspruch lebe populärwissenschaftlich von der suggestiven Kraft bildgebender Verfahren und erkenntnistheoretisch von einem naiven Realismus, der eine 1:1 Relation zwischen Zeichen und Bezeichnetem unterstellt - eine "altbackene Haltung", die die Sprachwissenschaft längst hinter sich gelassen habe. Demgegenüber seien Hirnscans nicht ein genaues Abbild des menschlichen Geistes, sondern ein Konstrukt, in das zahlreiche subjektive (wenn nicht willkürliche) Vorannahmen einfließen; ein Konstrukt, das dann auch noch interpretiert werden muss. Diese "Gemachtheit" der Bilder werde allzu häufig verschleiert. Frei nach Kant ("Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit") schließt deshalb der Autor: "Hirnforschung ist die Rückführung des Menschen in seine selbst verschuldete Unmündigkeit" - hhp