Presseschau

Die Gesamtansicht

Die Presseschau bietet kurze aktuelle Lesehinweise , zusammengestellt und kommentiert von Silke Hartmann (sh),  Petra Kühn (pk), Heinz-Hermann Peitz (hhp) und Hildegard Peters (pts) von unserem Kooperationspartner Forum Grenzfragen, und von unseren Redakteuren Andreas Losch (al) und Frank Vogelsang (fv).

Erstellt von fv | | Bioethik | Deutsch

Wir pellen Eizellen aus der Haut

Die unglaubliche Plastizität der Zellen Neue Nachrichten aus der Zellforschung haben die Überwindung einer weiteren Barriere verkündet: Nun scheint es möglich zu sein, aus ausdifferenzierten somatischen Zellen, also zum Beispiel aus Hautzellen durch Reprogrammierung Eizellen herzustellen, die dann nach Befruchtung zur Entwicklung eines auf erstem Blick gesunden Individuums führen. Den Versuch hat man an Mäusen durchgeführt. Die so gezeugten Mäuse waren sogar ihrerseits fortpflanzungsfähig. Das verstärkt den Eindruck, den man mit anderen Methoden der Reprogrammierung gewonnen hat: Die Zellen eines Lebewesen sind in hohem Maße plastisch und lassen sich scheinbar beliebig variieren. Nach Deutscher Rechtssprechung sind Keimbahnzellen besonders geschützt. Doch was, wenn jede beliebige Zelle des Körpers durch geeignete Behandlung zu einer Keimbahnzelle gemacht werden kann? Wie kann man dann sicherstellen, dass die Reproduktion von Menschen nicht beliebigen Eingriffen ausgesetzt sein wird??? - fv

Erstellt von hhp | | Anthropologie | Anthropisches Prinzip | Deutsch | Evolution | Theodizee

Evolution - Familie Mensch

In das Dunkel unseres Ursprungs, des Übergangs vom Vormenschen zum Homo sapiens, fällt neues Licht durch Genforschung. Vor 280.000 Jahren verbesserte sich durch Genverstärkung der Eisenstoffwechsel und damit die Sauerstoffversorgung. Nur dadurch konnte der Mensch zu dem ausdauernden Langstreckenläufer und guten Jäger werden, der den Energiehunger eines ständig wachsenden Hirns durch fleischliche Nahrung stillen konnte. Durch Genaustausch mit anderen Stämmen ("Afrika war ein Schmelztiegel") kamen andere Faktoren wie kognitive Optimierungen und damit die notwendige Ausstattung zusammen, die sich zum Homo sapiens verdichten konnte. Die genannte Genverstärkung hatte dabei nur an Stellen des Erbgutes eine Chance, die besonders instabil waren. Die Kehrseite der Medaille: Da sich an den unstabilen Stellen durch Zufall auch Verluste ereignen, muss eine Vielzahl von geistigen Behinderungen als der Preis angesehen werden, der für die Erfolgsgeschichte des Homo sapiens zu zahlen war. Wieder einmal zeigt sich – und damit wird der Artikel zu einem (unbeabsichtigten) Beitrag zur Theodiezeefrage –, dass dieselben Mechanismen, die für die Entstehung des Menschen notwendig sind, auch für die Entstehung von Übeln verantwortlich sind. Das eine scheint ohne das andere nicht zu haben zu sein. - hhp

Erstellt von al | | Anthropologie | Deutsch | Evolution | Geschichte | Evolutionsmedizin

Der Sündenfall

Der Übergang des Homo sapiens vom Jäger und Sammler zum Ackerbauern und Viehzüchter stellte die dramatischste Verhaltensänderung einer Tierart auf diesem Planeten dar. Um die Bedingungen und Motive dieses Wandels zu erforschen, stützten sich Wissenschaftler bisher auf genetische, archäologische und ethnologische Studien. Unbemerkt blieb, dass es eine Quelle gibt, die wie keine zweite Einblick in diese Misere des Menschen gewährt: die Bibel. Die Geschichten um Abraham und Co. strotzen von Zank und Zwietracht. Dürren, Seuchen und Kriege sind ein beständiges Thema der Thora, der fünf Bücher Mose. Es sind genau jene Krisen, die sich erst aus dem Sesshaftwerden ergeben, dem eigentlichen Sündenfall der Menschheit. Wie diese Katastrophen die kulturelle Evolution auf Touren brachten, das dokumentiert die Bibel. Tatsächlich birgt die Thora nicht nur die Zehn Gebote, sondern weitere 603 Gesetze. Sie sind die Hausordnung der sesshaften Welt. Eine Vielzahl dieser Regeln dient der Gesundheitsvorsorge. In dieser hochinteressanten Lesart erweist sich Gott als protowissenschaftliche Strategie, um Wissenslücken zu überbrücken. - al