Presseschau

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Die Presseschau bietet kurze aktuelle Lesehinweise , zusammengestellt und kommentiert von Silke Hartmann (sh),  Petra Kühn (pk), Heinz-Hermann Peitz (hhp) und Hildegard Peters (pts) von unserem Kooperationspartner Forum Grenzfragen, und von unseren Redakteuren Andreas Losch (al) und Frank Vogelsang (fv).

Erstellt von hhp | | Atheismus | Dawkins | Englisch | Galileo Galilei | Neuer Atheismus | Wissenschaftsgeschichte

McGrath: "Der neue Atheismus ist in Ungnade gefallen" - evangelicalfocus

Für den bekannten Dawkins-Kritiker und Oxforder Professor für Naturwissenschaft und Theologie, Alister McGrath, gehen Forscher zu weit, wenn sie Gott zu leugnen versuchen. Naturwissenschaft und Glaube seien vereinbar, und Galilei sei ein Opfer innervatikanischer Machtkämpfe gewesen, sein "Fall" eine mediale Verzerrung. Heute gehe es darum, gegenseitige Übergriffe oder Vorurteile zu vermieden. Solche Vorurteile und Dogmatismen gebe es sowohl auf religiöser wie auf atheistischer Seite. So offenbare Dawkins Vorstellung von religiösem Glauben als einer Art mentaler Krankheit eher seine Vorurteile, als dass dies eine bewährte Analyse des Glaubens sei. Glücklicherweise - so McGrath - sei der neue Atheismus in Ungnade gefallen und intelligentere Formen des Atheismus seien entstanden. Viele Naturwissenschaftler glaubten, dass Dawkins mit seinem antireligiösen Kreuzzug die Wissenschaft beschmutzt habe. Naturwissenschaft sei eben weder religiös noch antireligiös, sondern vereinbar mit beidem. Auf die Frage des Interviewers, warum man glauben solle, wenn doch der Glaube ein Produkt des Menschen sei, antwortet McGrath, dass all unsere Vorstellungen menschliche Schöpfungen sind, deshalb aber nicht disqualifiziert werden dürften. Man müsse sich lediglich fragen, welche davon vertrauenswürdig sind. Gegen Dawkins' Intolleranz hält McGrath es für eine intellektuelle Tugend, eine Weltsicht auch dann zu studieren, zu verstehen und zu schätzen, wenn man sie für falsch hält. In seiner Jugend sei er selbst Atheist gewesen, inzwischen habe er eingesehen, das Christentum damals schlicht nicht verstanden zu haben. Aber, so schließt der Beitrag, "ich würde nie den Atheismus verspotten, nur weil ich mit seinen zentralen Inhalten nicht übereinstimme". - hhp

Erstellt von hhp | | Evolution | Gottesbild | Kreationismus | Schöpfung | Theologie | Interdisziplinarität | Englisch

It's Time To Retire 'Theistic Evolution' - Forbes

John Farrel sorgte mit der Überschrift "Es wird Zeit, die 'theistische Evolution' in den Ruhestand zu schicken" zunächst für eine kurze Schrecksekunde, regte dann aber zum Nachdenken an. Beliebt ist das Konzept der theististischen Evolution (TE) weder bei Kreationisten, da diese dem "Feind" in die Hände spiele, noch bei Richard Dawkins, der in der TE den Versuch wittere, Gott "durch die Hintertür einzuschmuggeln". Aber auch gläubige Wissenschaftler raten vom Etikett TE ab: Für die Chemikerin Stacy A. Trasancos sehen Gläubige automatisch alle biologischen und physikalischen Prozesse als von Gott geschaffen und im Sein gehalten an. Der Zusatz "theistisch" sei daher unnötig und impliziere zudem, dass auch das Gegenteil möglich sei. Und der Biologe Kenneth R. Miller lehnt die Bezeichnung TE für sich ab, da sie immer wieder zu dem Missverständnis geführt habe, er vertrete damit einen intervenierenden Gott - dabei glaube er an das exakte Gegenteil. Ähnlich wie Trasancos glaubt auch Miller, dass die Qualifizierung der Evolution als religiös bedeutsam impliziere, dass anderen Feldern der Wissenschaft diese Bedeutsamkeit fehle. Genau dies aber weist Miller zurück. - hhp

Erstellt von hhp | | Biologie | Physik | Wissenschaftsgeschichte | Wissenschaftstheorie | Deutsch | Englisch

Physik des Lebens - spektrum.de

Wenn sich Physiker auf die Suche nach einer "grundlegenden Theorie des Lebens" machen, werden manche eine Reduktion der Biologie auf die Physik wittern. Der Artikel (eine exklusive Übersetzung aus nature) berichtet jedenfalls von der Faszination der "aktiven Materie", die auf der Ebene kristalliner, biomolekularer und synthetischer Elemente selbstorganisierende Strukturbildungen und Bewegungen auszeichnet - ganz wie dies bei lebenden Organismen zu finden ist. So können für den Autor "die scheinbaren Gemeinsamkeiten zwischen der im Labor hergestellten aktiven Materie und lebenden Dingen ... schon unheimlich sein". Das kleine Wörtchen "scheinbar", das übrigens im englischen Original fehlt, trübt die Euphorie ein wenig. Denn künftig wird sich klären müssen, "ob sich mit Hilfe der Theorie der aktiven Materie auch biologische Mechanismen nachbilden lassen", und der Autor weiß, "dass die meisten Biologen erst noch davon überzeugt werden müssen". Aber laut dem Biologen Tony Hyman gibt es Hoffnung: "Die neue Generation von Biologen wird ... von Anfang an besser in Physik ausgebildet". - hhp