Presseschau

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Die Presseschau bietet kurze aktuelle Lesehinweise , zusammengestellt und kommentiert von Silke Hartmann (sh),  Petra Kühn (pk), Heinz-Hermann Peitz (hhp) und Hildegard Peters (pts) von unserem Kooperationspartner Forum Grenzfragen, und von unseren Redakteuren Andreas Losch (al) und Frank Vogelsang (fv).

Erstellt von al | | Deutsch | Bioethik | Crispr | Wunder

Doktor Seltsam

Wundersame Heilungen wurden früher meist als Zufall abgetan. Immer wieder stehen Mediziner aber vor Menschen, die eigentlich an einer bestimmten Krankheit leiden sollten – von ihr aber auf unerklärliche Weise verschont werden. Pharmaforscher, Mediziner und Biowissenschaftler haben nun begonnen, eine neue Sicht zu entwickeln: Gerade die außergewöhnlichen, scheinbar zufälligen Glücksfälle können sich als ungeheuer wertvoll erweisen; in solch besonderen Menschen, ihren Genen oder Lebensumständen, liegt womöglich ein gewaltiger Erkenntnisschatz verborgen: Wissen für unmögliche Heilungen und überraschende Therapien für Leiden, vor denen die Medizin kapituliert hat. Wissenschaftler nennen diese rätselhafte Eigenschaft biologische Resilienz. Was aber ist ihr Geheimnis? Kriegen Wissenschaftler das heraus, haben sie ein fantastisches Wissen darüber erlangt, wie unheilbare und oft tödliche Erbleiden gelindert oder geheilt werden können. Denn es ist zu erwarten, so jedenfalls formuliert es der US-Genomexperte Dan McArthur, dass man "durch die Analyse solch resilienter Individuen deren schützende Faktoren identifizieren" könne. Diese Erkenntnis werde man nutzen, um jene zu behandeln, die nicht das Glück haben, als genetische Superhelden zur Welt gekommen zu sein. Auch wenn Medikamente, die sonst nicht helfen, bei einigen außergewöhnliche Wirkung zeigen, hat das immer einen Grund. Solche "exceptional responders" sind keineswegs nur Glückspilze und ihre Therapieerfolge nicht nur Zufall. Es dämmerte die Erkenntnis, dass auch jeder Krebspatient eine höchstpersönliche Krankheit hat und daher eine auf seinen Tumor zugeschnittene Therapie benötigt. Das Konzept ist heute in aller Munde, aber noch lange nicht verwirklicht – die individualisierte Medizin. Es fehlte bislang schlicht an dem genetischen Werkzeug, mit dem sich ein notwendiger Eingriff im Erbgut präzise hätte durchführen lassen. Seit wenigen Jahren gibt es endlich das gesuchte Werkzeug: eine hochpräzise Genschere. Mit dem als Crispr/Cas9 bekannt gewordenen genchirurgischen Verfahren haben die Therapeuten ein ultrafeines Skalpell, das den entsprechenden Eingriff erlaubt. Heikel sind derartige Versuche trotzdem. Niemand kann die veränderten Zellen zurückholen, sind sie erst in den Körper des Patienten zurückübertragen worden. Die Mediziner müssen absolut überzeugt sein, dass die Verfahren wirklich funktionieren und sicher sind. - al

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Erstellt von hhp | | Evolution | Englisch | Crispr | Darwin

From Fins Into Hands: Scientists Discover a Deep Evolutionary Link - The New York Times

Nach dem Motto "Was Darwin noch nicht wissen konnte" berichtet der Wissenschaftsjournalist Carl Zimmer von modernem Gene-Editing, durch das ferne Verwandtschaften durch anatomische Ähnlichkeiten aufgedeckt werden können. So habe sich Darwin zwar über den ähnlichen Aufbau von Menschenhand, Maulwurfsextremität, Delfinflosse, Fledermausflügel etc. wundern und auf gemeinsame Vorfahren schließen können, die evolutive Verwandtschaft von Menschenhand und Fischflosse jedoch konnte erst kürzlich durch Gentechnik (Crispr) belegt werden. So wurde herausgefunden, dass Fingerknochen und Flossenstrahlen auf der Ebene der Ursprungszellen Äquivalenzen aufweisen und die Entwicklung von Flossen und Gliedmaßen denselben Regeln folgt. Über die Erhellung stammesgeschichtlicher Verwandtschaftsbeziehungen hinaus versprechen sich die Forscher auch Einblicke in den Übergang unserer Vorfahren vom Wasser zum Land. - hhp

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Erstellt von al | | Deutsch | Bioethik | Biologie | Crispr | Bilder | Deismus

Eine Frau, ihre Entdeckung und wie sie die Welt verändert

Die Mikrobe Streptococcus pyogenes verfügt über ein einzigartiges Werkzeug zur Selbstverteidigung. Sein Werkzeug ist eine Art intelligentes biologisches Skalpell für Präzisionsoperationen am Erbgut. Damit setzt sich das Bakterium gegen die Angriffe von Viren zur Wehr. Mediziner hoffen nun, mithilfe dieser Methode bald HIV-Infektionen heilen zu können, Leukämie und Erbkrankheiten. Genetiker schaffen damit bereits Pflanzen, die bislang niemand kannte. Die Technik weckt große Hoffnungen: Fehler im Genom aller denkbaren Lebewesen können womöglich künftig wegkorrigiert, ausgelöscht werden – wie vertippte Buchstaben in einem Textdokument. Die Frau, die den Anlass für solche Hoffnungen gab, heisst Emmanuelle Charpentier. Sie hat dem Scharlachbakterium sein Geheimnis entrissen. Sein Abwehrsystem nutzt ein molekülkleines Instrument, das aus einem Sucher und einer Art Schere besteht. Die englische Abkürzung für dieses Abwehrsystem lautet Crispr/Cas9, meist kurz: Crispr. Selten hat etwas die Biomedizin so umgekrempelt wie diese Genchirurgie. Die Erfindung der Genschere ist der dritte große Schritt, das Geheimnis der belebten Natur zu lüften. Aussätzige heilen und Gelähmte aufstehen lassen – das gibt es in der Bibel. Heute wenden sich Patienten direkt an Forscher wie Emmanuelle Charpentier. Wie tief darf die Genschere ins menschliche Erbgut einschneiden? Soll der Mensch seinen genetischen Code auch auf Dauer verändern? Droht der Homo crispr? Auch den Deutschen Ethikrat treibt das um. - al

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