Presseschau

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Die Presseschau bietet kurze aktuelle Lesehinweise , zusammengestellt und kommentiert von Silke Hartmann (sh),  Petra Kühn (pk), Heinz-Hermann Peitz (hhp) und Hildegard Peters (pts) von unserem Kooperationspartner Forum Grenzfragen, und von unseren Redakteuren Andreas Losch (al) und Frank Vogelsang (fv).

Erstellt von fv | | Evolution | Deutsch | Epigenetik

Konterrevolution der Darwinisten?

Eine Grundlagendiskussion in der Evolutionsbiologie? Seit etlichen Jahren ist die Epigenetik das Forschungsfeld viele Forschungsprojekte. Das ist nicht neu. Neu ist allerdings, dass manche Studien darauf zielen, die bisherigen Grundlagen der Evolutionsbiologie zumindestens zu erweitern. Neben die grundlegenden Mechanismen von Mutation und Selektion treten dann auch epigenetisch Einflüsse. Der Streit geht schlicht um die Frage, in welchem Umfang Umwelteinflüsse Auswirkungen auf vererbte Eigenschaften haben. Die Tatsache, dass es Einflüsse gibt, ist heute unstrittig, die Frage aber ist, wie weit diese gehen. Der angehängte Artikel führt einige Positionen an, die nahe legen, dass der Einfluss der Epigenetik weit größer ist als bislang gedacht. Es gibt aber auch kritische Stimmen. Diese beschränken die Wirkung der Umwelteinflüsse auf wenige Generationen. In diesem Fall bliebe die klassische Evolutionsbiologie unberührt, denn die interessiert sich nicht für kurzfristige Schwankungen, sondern für langfristige Trends. Eine entscheidende Frage ist, ob epigenetische Einflüsse auch Veränderungen im Genom bewirken können und nicht nur Veränderung der Regulationen in der Zelle! - fv

Erstellt von hhp | | Epigenetik | Englisch | Biologie | Wissenschaftsgeschichte

Epigenetics Has Become Dangerously Fashionable - nautil.us

Es ist nur auf den ersten Blick verwunderlich, dass in diesem Artikel zwei Kriminologie-Professoren vor dem neuen Epigenetik-Hype warnen. Sie beobachten mit Verwunderung, wie die Epigenetikwelle ihr eigenes Gebiet überschwemmt und anrät, einen Großteil der grundlegenden Verhaltensgenetik über Bord zu werfen, da die Epigenetik uns dazu zwänge, die Biologie neu zu denken. Enthusiasten erwarteten gar die Lösung großer Menschheitsprobleme wie Armut, Kriminalität und Fettleibigkeit - zum Erstaunen mancher Genetik-Experten. Die aufgeregte Rezeptionsbereitschaft bei den Sozialwissenschaften werde dabei v. a. durch das Schlagwort der "transgenerationellen Epigenetik" ausgelöst, der Annahme also, dass die Umwelt Gene beeinflusse und dies über Generationen weitergegeben werde. Den Grund für diese sozialwissenschaftliche Euphorie vermuten die Autoren weniger in der Wissenschaft als vielmehr darin, dass die Epigenetik vermeintlich den Sieg des "Sozialen" über das "Biologische" ausrufe. Die wirklichen Erkenntnisse dagegen rieten eher zur Vorsicht. In den Worten von Stephen Pinker deuten die Autoren auf ein Missverständnis: "Die intergenerationellen Effekte ... werden manchmal als Lamarckismus missverstanden, was sie aber nicht sind: Sie ändern nicht die DNA-Sequenz, werden nach ein oder zwei Generationen wieder aufgehoben und stehen ihrerseits unter Kontrolle der Gene". Obendrein seien die meisten dieser Effekte an Nagern mit hoher Reproduktionsrate nachgewiesen; eine Übertragung auf den Menschen basiere auf Vermutungen oder unzuverlässig kleinen Stichproben mit der Gefahr der Verwechslung von Ursachen. Keine der neuen Erkenntnisse ändere etwas an den reichen Einsichten der quantitativen Genetik und Vererbungsforschung. - hhp

Erstellt von hhp | | Biologie | Englisch | Epigenetik

The cells’ toolbox for DNA repair - http://www.nobelprize.org/

Unter dem Titel "Der zelluläre Werkzeugkasten für DNA Reparatur" hat die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften den Nobelpreis für Chemie bekanntgegeben. Thomas Lindahl, Paul Modrich und Aziz Sancar werden für die Entdeckung verschiedener Reperaturmechanismen des Erbguts geehrt. Gemeint sind Schäden an DNA-Basen (untersucht von Lindahl) durch UV-Strahlung (Sancar) oder bei der Zellteilung (Modrich). Ihre Arbeit habe Basiswissen über das Funktionieren einer lebenden Zelle erbracht, aber auch Hoffnung auf neue Krebstherapien. Links führen zu einem 8-seitigen, anschaulich illustrierten populärwissenschaftlichen Artikel und zu einem 17-seitigen Beitrag über den wissenschaftlichen Hintergrund. - hhp