Presseschau

Die Gesamtansicht

Die Presseschau bietet kurze aktuelle Lesehinweise , zusammengestellt und kommentiert von Silke Hartmann (sh),  Petra Kühn (pk), Heinz-Hermann Peitz (hhp) und Hildegard Peters (pts) von unserem Kooperationspartner Forum Grenzfragen, und von unseren Redakteuren Andreas Losch (al) und Frank Vogelsang (fv).

Erstellt von hhp | | Bioethik | Englisch | Evolutionsmedizin

A family in Italy doesn’t feel pain because of a gene mutation - New Scientist

Der Artikel berichtet von einer Italienischen Familie, der die üblichen Schmerzempfindungen fehlen. Die Suche nach den Ursachen führte zu einer Mutation in einem bestimmten Gen, das die Genaktivität von weiteren Gene steuert, die für Schmerzempfindungen relevant sind. Sobald die Details der Mechanismen entschlüsselt sind, zielen die Wissenschaftler (offenbar nicht auf gentechnische Änderungen, sondern) auf die Entwicklung von Medikamenten mit demselben Effekt. Besonders Menschen mit chronischen Schmerzen könnten davon profitieren. Möglich wäre allerdings auch der umgekehrte Fall: der untersuchte Familie könnte wieder ein normales Schmerzempfinden ermöglicht werden. Diese habe jedoch dankend abgelehnt - allen bis dato unentdeckten Knochenbrüchen zum Trotz. - hhp

Erstellt von al | | Anthropologie | Deutsch | Evolution | Geschichte | Evolutionsmedizin

Der Sündenfall

Der Übergang des Homo sapiens vom Jäger und Sammler zum Ackerbauern und Viehzüchter stellte die dramatischste Verhaltensänderung einer Tierart auf diesem Planeten dar. Um die Bedingungen und Motive dieses Wandels zu erforschen, stützten sich Wissenschaftler bisher auf genetische, archäologische und ethnologische Studien. Unbemerkt blieb, dass es eine Quelle gibt, die wie keine zweite Einblick in diese Misere des Menschen gewährt: die Bibel. Die Geschichten um Abraham und Co. strotzen von Zank und Zwietracht. Dürren, Seuchen und Kriege sind ein beständiges Thema der Thora, der fünf Bücher Mose. Es sind genau jene Krisen, die sich erst aus dem Sesshaftwerden ergeben, dem eigentlichen Sündenfall der Menschheit. Wie diese Katastrophen die kulturelle Evolution auf Touren brachten, das dokumentiert die Bibel. Tatsächlich birgt die Thora nicht nur die Zehn Gebote, sondern weitere 603 Gesetze. Sie sind die Hausordnung der sesshaften Welt. Eine Vielzahl dieser Regeln dient der Gesundheitsvorsorge. In dieser hochinteressanten Lesart erweist sich Gott als protowissenschaftliche Strategie, um Wissenslücken zu überbrücken. - al

Erstellt von al | | Komplexität | Anthropologie | Deutsch | Hirnforschung | Evolution | Evolutionsmedizin

Im Kern überraschend

Die Idee, dass es keine nennenswerten genetischen Differenzen zwischen den Körperzellen gebe, war einst ein Credo der biomedizinischen Forschung. Anders als bisher vermutet, tragen Körperzellen des Menschen aber kein einheitliches Erbgut in sich, sondern bilden Mosaike. Die biologische Identität des Individuums muss aufgegeben werden. Befunde legen nahe, dass jede einzelne Nervenzelle im Großhirn mehr als 1.500 unterschiedliche Mutationen beherbergt. Wie viel Individuum ist der Mensch? Nicht nur solche philosophischen und anthropologischen Fragen stellen sich. Die neuen Erkenntnisse haben ganz handfeste Konsequenzen. Die Gene, die Eigenschaften und Krankheiten von Menschen steuern und die unser Verhalten leiten, könnten anders agieren als bislang angenommen. Man stehe analog dem großen Unbekannten der Astrophysik "vor der dunklen Materie der Genetik". - al