Presseschau

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Die Presseschau bietet kurze aktuelle Lesehinweise , zusammengestellt und kommentiert von Silke Hartmann (sh),  Petra Kühn (pk), Heinz-Hermann Peitz (hhp) und Hildegard Peters (pts) von unserem Kooperationspartner Forum Grenzfragen, und von unseren Redakteuren Andreas Losch (al) und Frank Vogelsang (fv).

Erstellt von fv | |   Dawkins

Wir sind alle Cousins

Ein Interview mit Richard Dawkins

 

Die Süddeutsche Zeitung hat ein Interview mit Richard Dawkins veröffentlicht. Dort hat er in einigen Zügen noch einmal seine Position dargestellt: 1. Es gibt Evolution, 2. Alles ist aus der Evolution ableitbar, auch die Funktionalität des Gehirns 3. Deshalb siind auch alle unsere Weltanschauungen aus der Evolution ableitbar 4. Deshalb ist unter anderem auch die Religion nur ein Produkt der Evolution. - Diese Aussagenreihe ist sehr übersichtlich und wirkt auf erstem Blick schlüssig. Doch wie bei jeder Alles-übergreifenden Theorie (auch bei einer theologischen!) muss man genauer hinschauen. In der Regel ist eine Selbstbezüglichkeit verborgen, die das Konstrukt wackeln lässt. - Auch das Gehirn von Dawkins ist wie die Evolutionstheorie selbst dann ein Produkt der Evolution. Jedoch, wie kann man dann noch die Erkenntnisbedingungen kontrollieren? Wenn man eine Theorie über die eigenen Erkenntnisvoraussetzungen macht, wird die Theorie notwendigerweise selbstbezüglich. Und das macht eine Absicherung schwierig, wenn nicht unmöglich. Nun gibt es keinen einfachen Weg daraus, wahrscheinlich müssen wir uns immer wieder mit den begrenzten Bedingungen unseres Erkennens konfrontieren . Aber man sollte doch vorsichtig sein, die Schwierigkeiten zu überspielen, weil das sonst schnell naiv wirkt - und naiv will Dawkins sicherlich nicht sein.

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Erstellt von hhp | |   Atheismus

McGrath: "Der neue Atheismus ist in Ungnade gefallen" - evangelicalfocus

Für den bekannten Dawkins-Kritiker und Oxforder Professor für Naturwissenschaft und Theologie, Alister McGrath, gehen Forscher zu weit, wenn sie Gott zu leugnen versuchen. Naturwissenschaft und Glaube seien vereinbar, und Galilei sei ein Opfer innervatikanischer Machtkämpfe gewesen, sein "Fall" eine mediale Verzerrung. Heute gehe es darum, gegenseitige Übergriffe oder Vorurteile zu vermieden. Solche Vorurteile und Dogmatismen gebe es sowohl auf religiöser wie auf atheistischer Seite. So offenbare Dawkins Vorstellung von religiösem Glauben als einer Art mentaler Krankheit eher seine Vorurteile, als dass dies eine bewährte Analyse des Glaubens sei. Glücklicherweise - so McGrath - sei der neue Atheismus in Ungnade gefallen und intelligentere Formen des Atheismus seien entstanden. Viele Naturwissenschaftler glaubten, dass Dawkins mit seinem antireligiösen Kreuzzug die Wissenschaft beschmutzt habe. Naturwissenschaft sei eben weder religiös noch antireligiös, sondern vereinbar mit beidem.

Auf die Frage des Interviewers, warum man glauben solle, wenn doch der Glaube ein Produkt des Menschen sei, antwortet McGrath, dass all unsere Vorstellungen menschliche Schöpfungen sind, deshalb aber nicht disqualifiziert werden dürften. Man müsse sich lediglich fragen, welche davon vertrauenswürdig sind. Gegen Dawkins' Intolleranz hält McGrath es für eine intellektuelle Tugend, eine Weltsicht auch dann zu studieren, zu verstehen und zu schätzen, wenn man sie für falsch hält. In seiner Jugend sei er selbst Atheist gewesen, inzwischen habe er eingesehen, das Christentum damals schlicht nicht verstanden zu haben. Aber, so schließt der Beitrag, "ich würde nie den Atheismus verspotten, nur weil ich mit seinen zentralen Inhalten nicht übereinstimme".

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Erstellt von al | |   Deutsch

Wo ist Gott?

Ein Gespräch mit Martin Nowak, Professor für Evolutionsbiologie in Harvard und gläubiger Katholik, über sein Vertrauen in Gott und in die Naturgesetze. Nowak sieht keinen Widerspruch zwischen Naturwissenschaft und christlicher Weltanschauung. Die Argumente von Gegnern dieser Haltung seien nicht wissenschaftlich, sondern subjektive Weltanschauungen, selbst eine Art von atheistischer Religion. Sind die Interviewenden überzeugt, "tausende Naturwissenschaftler" hätten Wissenschaft als Befreiung von den Irrationalitäten des Glaubens erlebt, kontert Nowak: diese Wissenschaftler werden nicht von einem Glauben kuriert, sondern von einem Aberglauben. Viele Menschen dächten, sie müssen zwischen einer religiösen und einer wissenschaftlichen Weltanschauung wählen. Das stimme aber nicht. -- Ein hochinteressantes Interview, das allerdings sowohl bei Interviewern wie bei Nowak von einer intensiveren Auseinandersetzung mit der Geschichte des Verhältnisses von Religion und Wissenschaft weiter gewinnen würde.

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