Presseschau

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Die Presseschau bietet kurze aktuelle Lesehinweise , zusammengestellt und kommentiert von Silke Hartmann (sh),  Petra Kühn (pk), Heinz-Hermann Peitz (hhp) und Hildegard Peters (pts) von unserem Kooperationspartner Forum Grenzfragen, und von unseren Redakteuren Andreas Losch (al) und Frank Vogelsang (fv).

Erstellt von hhp | | Dawkins | Englisch | Benedikt XVI. | Evolutionismus | Gottesbild | Kreationismus | Neuer Atheismus | Schöpfung

Did Darwin Kill God? Conor Cunningham and Benedict XVI Answer - patheos

Vor wenigen Tagen wies "Science meets Faith" auf ein Februar-Interview mit dem Theologen und Philosophen Conor Cunningham hin, in dem dieser mit Papst Benedikt sowohl gegen Ultra-Darwinismus als auch gegen den Kreationismus argumentiert. Gegenüber Missverständnissen stellt er das christliche Verständnis von Schöpfung dar, indem er Benedikt zitiert: "Schöpfung ist nicht nach dem Muster des Handwerkers zu denken, der allerlei Gegenstände macht, sondern in der Weise, in der das Denken schöpferisch ist." Wenn allgemeine Schöpfung nicht als handwerkliches Hantieren in der Welt zu verstehen sei, wie verhalte es sich dann aber mit der dubiosen Auffassung einer "besonderen Erschaffung" des Menschen? Auch hier gelte mit Benedikt: "Wenn Schöpfung Seinsabhängigkeit bedeutet, so ist besondere Schöpfung nichts anderes als besondere Seinsabhängigkeit. Die Behauptung, der Mensch sei in einer spezifischeren, direkteren Weise von Gott geschaffen als die Naturdinge, bedeutet ... einfach dies, dass der Mensch in einer spezifischen Weise von Gott gewollt ist: nicht bloß als ein Wesen, das 'da ist', sondern als ein Wesen, das ihn kennt; nicht nur als Gebilde, das er gedacht hat, sondern als Existenz, die ihn wieder denken kann, ... das Wesen, das in Ewigkeit zu Gott Du sagen soll." Cunningham verdeutlicht die Gedanken des ehemaligen Papstes mit den Analogien eines Gemäldes und des Fußballspielens. - hhp

Erstellt von hhp | | Franziskus (Papst) | Englisch | Evolution | Evolutionismus | Johannes Paul II. | Schöpfung | Vatikan

Were Pope’s evolution remarks a break from Catholic teaching? - The Times of Israel

Nachdem der Artikel Franziskus' Rede vor der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften zusammengefasst hat, wundert er sich darüber, dass über die Äußerungen "atemlos in den Medien berichtet wurde, die Berichterstattung aber nicht reflektierte, dass sie vollkommen konsistent mit früheren kirchlichen Lehrmeinungen sind". Zitiert wird Murray Watson, der die Position der Katholischen Kirche für naturwissenschaftlich kompatibel und inhaltlich für "sehr klar" hält: 1. Gott sei der ultimative Ursprung der Evolution; 2. Gott lenke den Prozess in ultimativer Weise, wenn auch indirekt über die Naturgesetze; 3. die Seele ist Gottes direkte Schöpfung, nicht ein zufälliges Ergebnis der Evolution. Leider wird die Kompatibilität dieses dritten Punktes nicht näher begründet. Für Watson ist jedenfalls das Einzige, das die kath. Kirche erbete, "dass sich die Wissenschaft darauf beschränkt, Fragen innerhalb ihres Geltungsbereiches zu beantworten, und sich nicht in die Gebiete der Philosophie und Theologie hineinwagt". Diese Positionierungen seien von Pius XII. über Johannes Paul II. usw. im wesentlichen identisch geblieben. Den Grund dafür, dass die Medien die Papstrede als bahnbrechenden Neuanfang wahrnehmen, sieht der Artikel darin begründet, dass immer noch zu viele Beobachter "einen tiefen Konflikt zwischen religiösem Glauben und wissenschaftlichem Forschen" sähen. Beide Konfliktparteien "postulierten einen Gott, der mit der Welt von außen interagiere, indem er die Naturgesetze umdirigiert, wenn es seinem göttlichen Willen passt". Ein solches Gottesbild nähme die Möglichkeit eines Gottes, der in der und durch die Schöpfung wirkt, nicht ernst. Die kath. Kirche lehre, dass die menschliche Vernunft für das Göttliche öffnet. - hhp

Erstellt von hhp | | Anthropologie | Atheismus | Deutsch | Evolutionismus | Evolutionspsychologie | Giordano-Bruno-Stiftung | Soziobiologie | Wissenschaftstheorie

Naturgeschichte des Glaubens - Wiener Zeitung Online

Der bekannte Wissenschaftstheoretiker Franz M. Wuketits beginnt den Artikel mit der Feststellung, dass der religiöse Glaube "zu den anthropologischen Universalien" gehört und der Mensch die Charakterisierung "Homo religiosus" zu Recht trägt. Warum nur - so fragt der evolultionsbiologisch interessiert Autor - kann sich ein derart zeit- und energieintensives Engagement behaupten? Mit dem Biologen Eckart Voland macht Wuketits deutlich, dass Religion in der Tat "mit adaptiven Vorteilen verbunden" ist, nämlich mit verbesserter Kontingenzbewältigung und größerer Gruppensolidarität. Der Autor (Mitglied der Giordano-Bruno-Stiftung) wird freilich nicht müde, darauf hinzuweisen, dass aus dem adaptiven Vorteil nicht etwa ein Wahrheitsanspruch folgt: "Daraus die 'Wahrheit' irgendeiner Religion oder gar einen 'Gottesbeweis' abzuleiten, wäre allerdings weit verfehlt". Mehr noch: Ein Jenseitsglaube weise den Menschen "als irrationales Wesen" aus. Macht aber nichts, denn "Illusionen können durchaus nützlich sein". Die Illusionsbehauptung lebt freilich von dem Trugschluss, dass eine diesseitige Erklärung eine transzendente Dimension ausschließt. Nur so kann Wuketits zu dem reduktionistischen Fazit kommen: "Wir sind nur von dieser Welt". - hhp