Presseschau

Die Gesamtansicht

Die Presseschau bietet kurze aktuelle Lesehinweise , zusammengestellt und kommentiert von Silke Hartmann (sh),  Petra Kühn (pk), Heinz-Hermann Peitz (hhp) und Hildegard Peters (pts) von unserem Kooperationspartner Forum Grenzfragen, und von unseren Redakteuren Andreas Losch (al) und Frank Vogelsang (fv).

Erstellt von hhp | | Wissenschaftstheorie | Theologie | Schöpfung | Soziobiologie | Kreationismus | Intelligent Design | Englisch | Neuer Atheismus | Deismus | Gottesbild | Evolution

A Grand Bargain Over Evolution - The New York Times

Robert Wright will den Kulturkampf zwischen atheistischen Wissenschaftlern und gläubigen Evolutionsgegnern schlichten, indem er auf eine Gemeinsamkeit beider Parteien hinweist: Beide unterschätzten die kreative Kraft der natürlichen Selektion. Nähmen Gläubige dies ernster, könnte auch die darwinistisch so schwer fassbare menschliche Moral plausibel erklärt werden. Wrights Hinweis auf den evolutiv gut erklärbaren "reziprokem Altruismus" greift indes zu kurz, da Moral qualitativ mehr ist als gegenseitiger Nutzen. Moralische Wahrheit sei jedenfalls ähnlich wie mathematische Wahrheit immer schon vorhanden, sie brauche von der natürlichen Selektion nicht erfunden, sondern nur gefunden werden. Diesen "Algorithmus der natürlichen Selektion" könne Gott freigesetzt haben (zur Freude der Gläubigen), aber "seine Rolle in diesem kreativen Prozess endet" damit auch (zur Freude der Naturalisten). Der Preis für die Befriedung indes ist hoch: Es ist der ferne Gott des Deismus! - hhp

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Gedanken über Zufall und Bestimmung - Nürnberger Zeitung

Zufällig (!) zeitgleich zu unserer Tagung zum Thema "Zufall" (siehe unter Aktuelles) bietet die Nürnberger Zeitung meditative Gedanken über Zufall und Bestimmung. Die Kernfragen des Artikels waren auch die Hauptdiskussionspunkte der Tagung: Wie hängt Zufall mit naturwissenschaftlicher Kausalität auf der einen, wie mit göttlichem Wirken auf der anderen Seite zusammen? Ein entscheidender Unterschied jedoch: Der Artikel kennt nur den sog. "epistemischen" Zufall, das unbeabsichtigte Kreuzen zweier Kausalreihen, das sich nur "mangels näheren Wissens jeder gesetzmäßigen Beschreibung entzieht". Ein solcher Zufall ist noch mit einem mechanistisch-deterministischen Weltbild vereinbar, ein Weltbild, in dem Freiheit letztlich eine Illusion darstellt. Die Tagung machte sich demgegenüber die Erkenntnisse der modernen Physik über "echten" Zufall zunutze und konnte damit auch "echter" Freiheit Raum eröffnen - hhp

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Gott trifft Darwin: Lassen sich Religion und Evolution vereinbaren? | Wissen | Nachrichten auf ZEIT ONLINE

Hartmut Wewetzers sehr lesenswerter Artikel hält, was der Titel verspricht: Der Autor benennt alle wesentlichen Positionen, die man einnehmen kann, wenn Gott auf Darwin trifft, exemplarisch mit Namen. Stephen Jay Gould setzte mit seinem Modell der NOMA (Non-Overlapping Magisteria) auf ein schiedlich-friedliches Nebeneinander; Richard Dawkins führe Darwin gegen Gott ins Feld, die Kreationisten Gott gegen Darwin. In der Intelligent-Design-Variante friste Gott noch ein Lückenbüßer-Dasein. Von diesen Fehlformen setzt Wewetzer den Physiker Karl Gibereson und den Biologen Kenneth Miller ab. Beide verfielen weder auf einen pantheistischen noch auf einen Lückenbüßer-Gott. Bei beiden arbeite Gott "Hand in Hand mit den Naturgesetzen". Ein Indiz für sein Wirken sei das Erscheinen des Menschen, argumentativ unterfüttert mit dem Begriff der Konvergenz und dem anthropischen Prinzip. Wewetzer unterschlägt die Gegenargumente nicht: ein kurzer und dennoch differenzierter Artikel - Lob! - hhp