Presseschau

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Die Presseschau bietet kurze aktuelle Lesehinweise , zusammengestellt und kommentiert von Silke Hartmann (sh),  Petra Kühn (pk), Heinz-Hermann Peitz (hhp) und Hildegard Peters (pts) von unserem Kooperationspartner Forum Grenzfragen, und von unseren Redakteuren Andreas Losch (al) und Frank Vogelsang (fv).

Erstellt von hhp | | Einstein | Deutsch | Kosmologie | Physik | Wissenschaftsgeschichte

Einstein in der Grübelfalle - Zeit-online

Vor exakt 100 Jahren legte Einstein die finale Version der Allgemeinen Relativitätstheorie vor. In einer interessanten Kombination aus Biografie und Entdeckungsgeschichte zeichnet der Artikel das lange Ringen Einsteins um eine Theorie der Gravitation nach, die Newtons Schwerkraft überlegen sein sollte. Dieser Versuch schien anfangs genau so zu scheitern, wie Einsteins Bemühungen um Pazifismus. Es sollte bis 1915 dauern, bis sich Einsteins erneut modifizierte Theorie am Planeten Merkur empirisch bestätigen ließ. Der Artikel vergisst nicht zu erwähnen, dass das damit errungene Fundament der modernen Kosmologie nicht nur auf genialen Geistesblitzen beruht, sondern vor allem auf permanente und harte mathematische Arbeit. - hhp

Erstellt von hhp | | Deutsch | Einstein | Physik | Quantenphysik | Wissenschaftsgeschichte

Einstein würde sich die Haare raufen - zeit.de

Der Titel des Artikels spielt darauf an, dass sich Einstein nie mit der seltsamen Welt der Quanten abfinden wollte. Hier dachte Einstein klassisch: Objekte 'haben' Eigenschaften - egal, ob man sie misst ('Realität'), und diese Realität lässt sich 'lokal' beschreiben, da räumlich weit getrennte Objekte keinen Einfluss nehmen ('Lokalität'). Nun soll in der Quantenphysik alles anders sein: Objekte bekommen Eigenschaften erst durch Messungen zugeschrieben und nehmen dabei instantan Einfluss auf weit entfernte Objekte, haben eine 'spukhafte Fernwirkung', wie Einstein formulierte. Da dies mit der Alltagsphysik und gar dem Alltag so gar nicht vereinbar zu sein scheint, suchte man stets in "Schlupflöchern" nach Alternativtheorien "mit einem alltagstauglicheren Weltbild". Nun gebe es aber ein Experiment, mit dem Wissenschaftler "die Unausweichlichkeit der Quantenmechanik eindrucksvoll demonstriert haben". Sie hätten die beiden wichtigsten Schlupflöcher gleichzeitig geschlossen, was bisher nicht gelungen sei. Es blieben zwar noch minimale Lücken offen, neue "lokal-realistische" Entwicklungen seien davon aber nicht zu erwarten. Fachleute mögen urteilen, inwieweit das neue Experiment tatsächlich neu ist: Schon 2008 konnte der theoretische Physiker Jürgen Audretsch schreiben: "Es gibt keine lokal realistische Alternative zur Quantentheorie". Der kurze, aber lesenswerte Artikel verweist mit einem Link auf die frei verfügbare Originalpublikation in Nature. Indes scheinen die eingebetteten Videos, die das Unanschauliche anschaulich machen könnten, nicht zu funktionieren. - hhp

Erstellt von hhp | | Anthropologie | Evolution | Wissenschaftsgeschichte | Deutsch

Unsere Evolution geht weiter - Spektrum der Wissenschaft (Printausgabe)

Der Anthropologe John Hawks argumentiert gegen den Anschein, der Mensch habe sich durch Medizin und Technik dem Zugriff der natürlichen Selektion entzogen. Die menschliche Evolution führt ihre Arbeit fort, wie sie auch in der jüngsten Vergangenheit (Evolutionsbiologen meinen damit die letzten 30.000 Jahre) nicht untätig war. Seit der Mensch Nahrung kochte, wurden Zähne und Kiefer kleiner; wo Getreide angebaut wurde, enthielt der Speichel zunehmen Amylase zum Stärkeabbau, und bekannt ist die Entwicklung der Laktosetoleranz. Dabei lässt sich beobachten, dass die populäre Meinung, das bessere Gen setze sich letztendlich durch, nicht notwendig zutrifft. So konnte sich eine in Asien verbreitete Hämoglobinvariante in Afrika nicht durchsetzen, obwohl dies einen hohen Malariaschutz garantiert hätte. Dort hatte schon eine Variante mit geringerem Schutzniveau die Sterberate verringert und damit das Rennen entschieden, bevor Konkurrenten angetreten waren. Auch heute - so Hawks - geht die Evolution weiter. Genetische Großprojekte sollen dabei tiefere Einsichten in die aktuellen Evolutionsprozesse vermitteln. Trotz nie dagewesener globaler Mobilität und genetischer Vermischung prognostiziert Hawks jedoch keine zunehmende Homogenisierung, sondern Vielfalt: "Jeder zukünftige Mensch wird ein individuelles Mosaik aus unserer Evolutionsgeschichte sein". - hhp