Presseschau

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Die Presseschau bietet kurze aktuelle Lesehinweise , zusammengestellt und kommentiert von Silke Hartmann (sh),  Petra Kühn (pk), Heinz-Hermann Peitz (hhp) und Hildegard Peters (pts) von unserem Kooperationspartner Forum Grenzfragen, und von unseren Redakteuren Andreas Losch (al) und Frank Vogelsang (fv).

Erstellt von hhp | | Englisch | Wissenschaftsgeschichte | Kosmologie | Giordano-Bruno-Stiftung

A Burning Obsession: Cosmos and its Metaphysical Baggage - ncse

Unter dem Titel "Der Kosmos: Eine Odyssee in der Raumzeit" feierte am 9. März eine 13-teilige Dokumentarserie ihre TV-Premiere. Als Neuauflage will die Serie an den Erfolg ihres in den 80er Jahren von Carl Sagan präsentierten Vorbilds anknüpfen und eine weit über Wissenschaftsfans hinausgehende Zielgruppe ansprechen. Auch für Peter Hess vom National Center for Science Education (NCSE) birgt die Neuauflage ein "enormes Potenzial, einer neuen Generation das Wunderbare und Wertvolle der Wissenschaft nahe zu bringen". Dennoch, von der ersten Sendung ist Hess - jenseits der fesselnden Videos über Sonnensystem und Galaxien - enttäuscht, da sie eine "ausgesprochen schlampige Wissenschaftsgeschichte und eine eigenartig antireligiöse Schlagseite" enthalte. Sie verschreibe sich dem antiquierten und undifferenzierten Konfliktmodell, in dem nur der Kampf der Kirche gegen die aufkeimende Wissenschaft thematisiert wird. So kommen nicht die katholischen und protestantischen Forscher zu Wort, sondern der wissenschaftlich eher unbedeutende Giordano Bruno und seine Ermordung. Ohne die Maßnahmen gegen Bruno zu rechtfertigen, stellt Hess aufgrund der theologischen (!) Anklagepunkte klar, dass "Bruno eindeutig kein Martyrer für die moderne Wissenschaft" war. Zusammenfassend hält Hess es für bedauernswert, dass der Serienstart "unkritisch eine falsche Erzählung über die Geschichte von Naturwissenschaft und Religion wiederholt". Von den verbleibenden Folgen erhofft sich Hess mehr Differenzierung. - hhp

Erstellt von hhp | | Wissenschaftstheorie | Wissenschaftsgeschichte | Hirnforschung | Deutsch

"Mich wundert, wie zahm wir waren" - Zehn Jahre 'Das Manifest' - Geist und Gehirn 3/2014, 64-69

Klar, dass auch die Zeitschrift "Geist und Gehirn", in der vor 10 Jahren das Manifest führender Hirnforscher veröffentlicht wurde, eine Bilanz der damals geäußerten Prognosen vornimmt. Dazu befragte GuG die Hirnforscherin Katrin Amunts und den Mitautor des Manifests Gerhard Roth. Mit den Kritikern (siehe "Memorandum reflexive Neurowissenschaft") stimmt Roth darin überein, dass die vorausgesagte 'theoretische Neurowissenschaft' "noch in weiter Ferne" liegt: "Da haben wir uns im Manifest wohl doch etwas verschätzt" (66). Ebenfalls im Konsens mit den Kritikern betonen sowohl Roth als auch Amunts die Notwendigkeit von Interdisziplinarität (66, 69). Während hier jedoch im interdisziplinären Konzert die Philosophie nicht erwähnt wird, spielt sie bei den Kritikern eine geradezu "essentielle" Rolle. Vielleicht ist dieser Ausfall der Philosophie dafür verantwortlich, dass es nicht recht überzeugt, wenn Roth sich so vehement gegen den Vorwurf des "platten Reduktionismus" (65) verwahrt. oder wenn Amunts sich von der Vermehrung empirischer Daten (67) induktiv ein besseres Verständnis verspricht, was die Kritiker ausdrücklich bezweifeln. - hhp

Erstellt von hhp | | Wissenschaftstheorie | Wissenschaftsgeschichte | Psychologie | Interdisziplinarität | Hirnforschung | Deutsch

Memorandum „Reflexive Neurowissenschaft“

Unter der Federführung von Felix Tretter und Boris Kotchoubey bilanziert ein 15-köpfiges Team von Neurowissenschaftlern in einem ausführlichen Artikel die Voraussagen und Ansprüche des vor 10 Jahren herausgegebenen "Manifest der Hirnforscher". Da eine Annäherung an die gesetzten Ziele nicht einmal in Sicht sei, fällt die Bilanz der Wissenschaftler eher ernüchternd aus. Die Revolution des Menschenbildes sei ausgeblieben, da die Reduktion des Geistigen, Psychischen, ja des Menschen insgesamt auf das Gehirn von vornherein zum Scheitern verurteilt gewesen sei. Den Grund für das Zurückbleiben hinter den Erwartungen sehen die Autoren in Unzulänglichkeiten im Bereich der Theorie und Methodologie der Neurowissenschaften, in ihrem überschätzten Erklärungspotenzial und in den unterstellten wissenschaftstheoretischen und naturalistischen Vorannahmen. So bedeute empirischer Datenzuwachs noch lange kein besseres Verständnis, und die zirkulären Kausalitäten des Gehirn, erst recht aber das Gehirn-Psyche-Geist Problem werde unterkomplex angegangen. Lösung könne hier künftig nur eine systemische und interdisziplinäre Methodologie, die vor allem die Philosophie einzubeziehen und zu einer nichtreduktiven, nachdenklichen (reflexiven) Neurowissenschaft zu führen habe. - hhp