Presseschau

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Die Presseschau bietet kurze aktuelle Lesehinweise , zusammengestellt und kommentiert von Silke Hartmann (sh),  Petra Kühn (pk), Heinz-Hermann Peitz (hhp) und Hildegard Peters (pts) von unserem Kooperationspartner Forum Grenzfragen, und von unseren Redakteuren Andreas Losch (al) und Frank Vogelsang (fv).

Erstellt von hhp | | Interdisziplinarität | Neuer Atheismus | Englisch | Anthropologie

Science Is in the Details - New York Times

Francis Collins, ehemaliger Kopf des Human Genome Project, ist als Direktor der National Institutes of Health nominiert worden. Und schon ärgern sich die militanten Atheisten. Nicht weil Collins Christ ist, sondern weil er "versierter Wissenschaftler und ein aufrichtiger Gläubiger" - und damit ein lebendes Zeugnis für die Vereinbarkeit ist. Genau diese Kombination behagt Sam Harris, Autor des vorliegenden Op-Ed, gar nicht: "Müssen wir wirklich die Zukunft der biomedizinischen Forschung einem Mann anvertrauen, der allen Ernstes glaubt, dass das Wesen des Menschen naturwissenschaftlich nicht verstehbar ist?" Gegenfrage: Sollten wir die biomedizinische Forschung einem Mann anvertrauen, der den Menschen restlos auf Naturwissenschaft reduziert? Klar, für Atheisten müssen Leute wie Collins ein Dorn im Auge sein; rationale Wissenschaftler, die sich vom Atheismus zum Theismus bekehren - ohne dement zu sein. Das passt nun so gar nicht in das Bild von Religion als infantiler Wahnvorstellung - hhp

Erstellt von hhp | | Deutsch | Schöpfung | Evolutionismus | Darwin | Neuer Atheismus | Dawkins

Bücherschau zum Darwin-Jahr: Lebenshilfe und andere Erklärungen - Frankfurter Rundschau - Feuilleton

Den meisten der von Christian Schlüter besprochenen 8 Bücher sei gemeinsam, dass sie den vielzitierten "Kampf ums Dasein" als Missverständnis oder tendeziöse Übersetzung entlarven wollten. "struggle for life" und "survival of the fittest" hätten eher mit "fit" i.S.v. Passung, Anpassung zu tun als mit "gewalttätiger Überlegenheit". Darwin sei weder Rassist noch Utopist gewesen, noch habe er die Selektion normativ auf die Gesellschaft übertragen wollen. Überhaupt schätzt der Autor Darwins kluge Selbstbeschränkung und vermutet, dass der Darwinismus "immer dann überfordert [ist], wenn er die ganze Welt erklären soll". Darum warnt Schlüter vor einem "reduktionistischen Szientismus" à la Thomas Junker und rät, sich eher als Agnostiker denn als Atheist zu verstehen, da die Frage nach Gott "mit unseren Mitteln nicht beantwortbar" sei. So scheint es paradox, wenn er am Ende dennoch als Darwins Entdeckung ausgibt, "dass wir die Natur nicht länger als Gottes Schöpfung ... zu begreifen haben" - hhp

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Philosoph Richard David Precht und die Darwinismus-Debatte - Nürnberger Zeitung

Precht schafft es immer wieder, populär zu sein ohne schwarz-weiß zu malen! So sind für ihn Kreationismus und militanter Darwinismus nur komplementäre Fundamentalismen. Zu Recht weist er auf die paradoxe Situation hin, dass Dawkins überzogener Allerklärungsanspruch den Kreationimus geradezu stärke. Darauf hat jüngst schon der Evolutionsbiologe Reinhold Leinfelder (http://achdulieberdarwin.blogspot.com/2009/03/instrumentalisierung-von-darwin-durch.html) hingewiesen: Etwas besseres als Dawkins könne dem Kreationismus gar nicht passieren! Zurück zu Precht, der auf die derzeitigen (!) Grenzen evolutiver Erkenntnis hinweist: über die Mechanismen der Evolution wissen wir sehr wenig, die Entstehung des Lebens gar ist "Spekulation und weit entfernt von Wissenschaft". Precht kann unbefangen über solche Defizite sprechen, weil er unverdächtig ist, sie sofort theologisch auszubeuten: Sein "Ich misstraue jedem Gottesbeweis" liefert denn auch den Haupttitel des Artikels - hhp